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Full text of "Neue Petra-Forschungen und der Heilige Felsen von Jerusalem"

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NEUE PETRA-FORSCHUNGEN 

UND 

DER HEILIGE FELSEN VON JERUSALEM 



PALÄSTINISCHE FORSCHUNGEN 



ZUR 



ARCHÄOLOGIE UND TOPOGRAPHIE 



\ 

HERAUSGEGEBEN VON 



PROFESSOR D. DR. GUSTAF DALMAN 



BAND II 




LEIPZIC; 

J. C. HINRICHS'scHE BUCHHANDLUNG 

1912 



NEUE PETRA-FORSCHUNGEN 



UND 



DER HEILIGE FELSEN VON JERUSALEM 



VON 



Professor D. Dr. GUSTAF DALMAN 

VORSTEHER DES DEUTSCHEN EVANGELISCHEN INSTITUTS FÜR ALTERTUMSWISSENSCHAFT 
DES HEILIGEN LANDES IN JERUSALEM 



MIT 64 ANSICHTEN UND 19 PLÄNEN 




'0^ 



LEIPZIG 

J. C. HINRICHS'scHE BUCHHANDLUNG 
1912 




Der erste Band erschien 1908 
unter dem Titel; 

G. DAUIAN, 
PETRA UND SEINE FELSHEILIGTÜMER. 



Druck von August Pries in Leipzig. 



Vorwort. 

Ein fünfter und sechster Besuch in Petra in den Jahren 1909 und ig 10 gab 
mir Gelegenheit, die Darstellung in meinem „Petra" (Leipzig 1908, jetzt Band I 
meiner „Palästinischen Forschungen") nachzuprüfen, das dort gebotene durch Neu- 
gefundenes zu ergänzen, aber auch die von dem reichen Stoffe dem Beschauer vor- 
gelegten Probleme unter Berücksichtigung der Anschauungen anderer aufs neue 
gründlich zu erwägen. Die Sachbeschreibungen von Musil, v. Domaszewki und 
Robinson wurden dabei an Ort und Stelle mit den beschriebenen Objekten ver- 
glichen. Daß mir dabei Irrtümer aufstießen, die gebucht werden mußten, wenn 
nicht die peträische Archäologie für den europäischen Leser im Nebel des Wider- 
streits der Berichterstatter zerfließen sollte, war besonders deshalb nicht wunderbar, 
weil es mir an der erforderlichen Zeit nicht fehlte, die auf Felsen und in Schluchten 
weitzerstreuten „Heiligtümer" mit Muße und wiederholt zu studieren. Ich bin be- 
müht gewesen, das Resultat der gesamten Arbeit so zu formen, daß in diesem 
zweiten Bande ein in sich verständliches Bild vor dem Leser entsteht. Die geo- 
graphische Lage Petras, seine Verkehrs- und Lebensbedingungen, seine Kunst und 
sein Gottesdienst werden nach vielen Richtungen hin aufs neue beleuchtet. 

Eine eigene Monographie gilt auf S. 59 — 78 dem „Wunder von Petra", das 
unter dem Namen „Schatzhaus Pharaos" weithin bekannt ist, in dem ich das Mauso- 
leum eines der letzten, vielleicht des letzten Königs der Nabatäer vermute. Der 
reiche figürliche Schmuck der monumentalen Felsenfassade gehört durchweg dem 
religiösen Gebiete an. Deshalb konnte er bei einer Untersuchung der sakralen 
Altertümer Petras nicht übergangen werden. Die ausgezeichneten photographischen 
Aufnahmen der Amerikanisch-Schwedischen Kolonie in Jerusalem ermöglichen dem 
Leser ein selbständiges Studium desselben. Eine Ergänzung inbezug auf die Zer- 
gliederung der architektonischen Einzelheiten der Fassade bringen meine englischen 
Bemerkungen zu den Rissen von Francis G. Newton, welche der Palestine Exploration 
Fund in London demnächst herausgibt. 

Die von mir gesammelten nabatäischen und griechischen Inschriften, die ich 
dann mitteile, sind durchweg Zeugnisse aus dem religiösen Leben der alten Stadt 
und deshalb beachtenswert, selbst wo sie nur Namen mitteilen. Aber einige der- 
selben liefern direkte Beiträge zu unsrer Kenntnis der nabatäischen Religion, und 
zwei (Nr. 90 und 92) dürfen als unschätzbare Dokumente für die Folge und Familien- 
verhältnisse der peträischen Könige gelten. 

Bei der bisher noch geltenden großen Unsicherheit in der sakralen Deutung 
vieler Funde, welche die palästinischen Ausgrabungen zutage gefördert haben, schien 
es mir eine unerläßliche Aufgabe, aus der Hauptstadt der Palaestina Tertia ein sorg- 
sam beschriebenes Vergleichungsmaterial in womöglich erschöpfendem Umfang 
zusammenzubringen. Das Semitische daran ist ebenso bedeutsam wie die darin 
hervortretende Verschwisterung mit dem Hellenismus, und beides gewinnt an uni- 
versalem Wert durch die Parallelität zu dem auf einem sehr ähnlichen Boden gleich- 
zeitig auftretenden Christentum. 



VI Vorwort. 

Zum Schluß habe ich ein unbestreitbares Felsheiligtum der Palaestina Prima, 
den heiligen Felsen von Jerusalem, einer genauen Untersuchung unterworfen. Über 
ihm stand wahrscheinlich ein gebauter Altar, zur Zeit, da in Petras Heiligtümern 
Trauernde uud P^estfeiernde ihre Opfer brachten, und in noch äherer Zeit war er 
wohl selbst eine Opferstätte, die deshalb zur Vergleichung mit den peträischen 
Altarfelsen und Felsaltären herausfordert. Neuerdings haben englische Schatzgräber 
die öffentliche Aufmerksamkeit auf den Felsen gerichtet. Ich hoffe zu zeigen, daß 
Grabungen mit anderem Ziel hier wünschenswerter wären. — Auf einen nicht un- 
wichtigen Punkt glaube ich hier noch aufmerksam machen zu müssen. Der südliche 
Ausschnitt am heiligen Felsen ist im rechten Winkel zur Linie der ursprünglichen 
Weststufen, während der nördliche Abschnitt in dem gleichen Verhältnisse steht 
zum jüngeren westlichen Abs-chnitt, der den wirklichen Himmelsrichtungen entspricht. 
Daraus darf man schließen, daß die letzteren beiden Schnitte einen Versuch dar- 
stellen, den früher ungenau orientierten Felsen „zurechtzurücken". Es würden sich 
darin zwei Phasen des Altarbaues ausdrücken, von denen man die jüngere gern dem 
Herodes zutrauen würde. 

Um die Benutzung des in den beiden Bänden enthahenen vielseitigen Materials 
zu erleichtern, füge ich diesem zweiten Bande Register über den Stoff beider Bände 
bei, nämlich alphabetische Verzeichnisse 

1. der arabischen Ortsnamen, 

2. der behandelten Sachen und Personen, 

3. der Personennamen in den Inschriften des zweiten Bandes. 

Ein Nummernverzeichnis (die Nummern schließen sich an die von Band I an) zeigt 
sofort, über welche Dinge des ersten Bandes der jetzige Ergänzendes und Neues 
enthält, und ebenso gewährleistet dieses Verzeichnis die sofortige Einordnung des 
Neugebotenen in den „Rundgang", welcher den Hauptinhalt jenes Bandes ausmacht. 
Zu Dank bin ich vor allem verpflichtet den auf S. i und 4 genannten treuen 
Genossen meiner peträischen Wanderungen, denen ich Pfarrer Thomä in Querum 
anreihe, weil ich in P. S. 99 ihn unter den Teilnehmern meiner zweiten Expedition zu 
erwähnen versehentlich unterließ, den gütigen Darbietern von photographischen Auf- 
nahmen, aber auch allen, die bei der Herstellung dieses Bandes beteiligt waren, sowie 
der Verlagshandlung, welche die finanzielle Verantwortung desselben auf sich nahm. 

Jerusalem, 4. Februar 1912. 

Gustaf Dalman. 



Abkürzungen (s. auch S. 79). 

Br. = Brünnow u. v. Domaszewski, Die Provincia Arabia, Band I. 
P. = Dalman, Petra und seine P^elsheiligtümer. 
PEFQ = Palestine Exploration Fund, Quarterly Statements. 
ZDPV = Zeitschrift des Deutschen Palästina-Vereins. 

PJB = Palästinajahrbuch des Deutschen evangelischen Instituts für Altertums- 
wissenschaft des heiligen Landes. 

RB = Revue Biblique Internationale. 



Inhaltsverzeichnis. 

Neue Petra-Forschungen. 

I. Die Stadt und die Heiligtümer Petras. Seite 

1. Meine Besuche in Petra in den Jahren 1909 und 1910 i 

2. Die arabischen Ortsnamen 6 

3. Geographisches 7 

4. Die Stadt und ihre Befestigungen 12 

5. Die Wasserleitungen IS 

6. Zur peträischen Kunst 18 

7. Heiligtümer und Triklinien 28 

8. Pfeilernischen 44 

9. Spitzpfeilerreliefs 49 

10. Altäre 49 

11. Der Sinn der peträischen Pfeiler und Pfeilergruppen 53 

12. Das Zeugnis der Inschriften 57 

II. Chaznet Fir'ün, ein vermutetes Königsgrab. 

1. Die Anlage 59 

2. Das Innere "5 

3. Der architektonische Schmuck der Fassade 68 

4. Der figürliche Schmuck 7' 

5. Der Zweck und die Zeit des Baus 76 

III. Inschriften. 

I. Nabatäische Inschriften. 

A. Bei en-nmer. Nr. I — 23 79 

B. Beim Löwen von el-farasa. Nr. 24.25 83 

C. In Grabkammer Nr. 212 Br. Nr. 26.27 ^3 

D. In der NischenUlamm. Nr. 28 83 

E. In el-m'esara. Nr. 29 — 51 83 

F. Im wädi el-harrübät. Nr. 52 — 54 88 

G. In kattär ed-der. Nr. 55—71 89 

H. Bei ed-der. Nr. 72—80 9^ 

J- Im Triklinium Nr. 398 des sijar. Nr. 81—84 9^ 

K. .Xuf el-hub"ta. Nr. 85 9^ 



VIII Inhaltsverzeichnis. 

Seite 

L. In der SchhiclU von eg-gerra. Nr. 86 — Sg 98 

M. Bei bäb es-sik. Nr. 90 — 91 9g 

N. Aus dem Stadigebiet. Nr. 92 loi 

Die nabatäische Königsfamilie von Aretas IV. bis Kabbelos II 106 

O. In einer Xebenschlucht von wädi el-liise. Nr. 93 107 

2. Griechische Inschriften 108 

Der heilige Felsen von Jerusalem. 

A. Die Gegenwart des Felsens m 

1. Die westlichen Stufen 112 

2. Der südliche Ausschnitt 116 

3. Der nördliche Abfall"! I18 

4. Die Hochfläche 123 

5. Die östliche Abdachung 124 

6. Die Höhle 127 

7. Die Umfriedigung 130 

8. Die Niveauverhältnisse 132 

B. Die Vergangenheit des Felsens. 

1. Der Felsen als Fundament des AUerheiligsten 133 

2. Der Felsen als Fundament des Altars 137 

3. Der Felsen im Verhältnis 7,u seiner früheren Umgebung 145 

4. Das Resultat 14g 

Nachbemerkung zu den Plänen und Abbildungen des Felsens ... 150 

Berichtigungen 152 



Register zu Band I und II. 

1. Arabische Ortsnamen 153 

2. Sachen und Personen 157 

3. Nabatäische und griechische Eigennamen in den Inschriften von Band II 164 

4. Die Nummern des zweiten Bandes in ihrer dem ersten entsprechenden 
Reihenfolge 166 

5. Abbildungen von Band II 167 

Kopien der nabatäischen und griechischen Inschriften 169—172 



I. Die Stadt und die Heiligtümer Petras. 

1. Meine Besuche in Petra in den Jahren 1909 und 1910. 

Von einem fünften und sechsten Aufenthalt in Petra habe ich Rechenschaft 
abzulegen. 

Mit dem alten Entzücken sah ich am 14. November 1909 vom Eichenwald 
des bor el-hise auf die weißen Sandsteinmassen von el-beda herab, hinter denen 
sich weiter südlich die rötlichen Bergzacken der Umgebung von Petra, überragt 
von der Felspyramide des Aarongrabes, erhoben. Meine Begleiter waren Dr. Lic. 
Kahle, Privatdozent an der Universität Halle, und Pater Dr. theol. Karge aus 
Breslau. Ein sehr beschwerlicher, steiler Abstieg führte in die Nähe des sik el-beda 
hinab. Bei der ersten, mit dem Fernglas erspähten Felsentreppe begann die Arbeit, 
die an diesem Tage eine Revision der ganzen Umgebung von el-beda zu bewäl- 
tigen hatte. Spät wurde über el-bred'a das Zeltlager bei bäb es-sik erreicht. Dort 
verschwand diesmal der Mosesbach im Sand und Geröll seines Bettes. 

Am 15. November war zunächst die Mündung der Schlucht von el-medras 
nach dem sik zu untersuchen, dann das vierte Heiligtum von el-kan.tara von hräbet 
eg-gerra aus behufs erneuter Besichtigung der von mir 1906 entdeckten arabischen 
Inschriften zu erklimmen; auch wollte ich den Lauf der Schlucht des Heiligtums 
von el-hremije nach dem sik feststellen. Das erforderte ein reichliches Maß von 
Kletterei, die auch über das dritte Heiligtum von el-kantara führte. Nachmittags 
war die Ostwand des Petratales zu einigen nachträglichen Feststellungen abzu- 
schreiten. Trotz des fernen Wassers (siehe oben) ließ ich die Zelte im Theater, 
einer für mich nun schon erinnerungsreichen Stätte, aufstellen (Abb. i). Gegenüber 
hausten in einer Grotte befreundete schwedische Photographen aus Jerusalem, 
deren nächtliches Feuer die dunklen Felsen- und Gräbermassen zu einem schönen 
Bilde verklärte. Die Ruhepausen füllten heute, wie sonst oft, Unterhaltungen mit 
unseren Begleitern über arabische Sitte. 

Der 16. November brachte die Ersteigung von zibb 'atüf, wo ich erst den Nord- 
ostabfall des Berges nach einem von Musil behaupteten Aufwege vom Theater 
her durchsuchte, mit dem Resultat, daß er nicht vorhanden ist, und sodann dem 
System der Befestigungen des Berges meine Aufmerksamkeit zuwandte. Der 
weitere Weg über en-nmer nach el-farase brachte wenig Neues. Doch ließ sich 
das sonderbare Tropfheiligtum in der westlichen farase und die Wasserzuleitung 

Dalman, Neue Petra-Forschungen. ' 



2 I. Die Stadt und die Heiligtümer Petras. 

der östlichen farase besser als bisher aufklären. Gegen Abend grub ich im Saal 
von eg-gerra, ohne Grabstätten zu finden. 

Am Vormittag des 17. November waren die Inschriften bei dem Drei-Urnen- 
Biklinium und bei kattär ed-der zu kopieren. Nach dem Abstiege zur Mittagsrast 
im Schatten des Stadttempels eilte ich nach der Höhe von ed-der, um das von 
Robinson 1907 entdeckte kleine Heiligtum am Südende der Terrasse von ed-der 
aufzunehmen, eine 1904 gefundene Inschrift an der Felswand von ed-der mit dem 
Fernglas zu kopieren und die Umgebung der Klausenheiligtümer abzusuchen. 




Abb. 1: Meine Zelte im Theater von Petra. Aufnahme von H. L. Larsson, 



Am 18. November war der 'Ausflug nach dem Aaronsgrabe mit seiner herr- 
lichen, wenn auch diesmal etwas dunstigen Wüstenaussicht mehr als eine Erholung 
zu betrachten. Abends sollte eine früher von mir gefundene Inschrift in der Nischen- 
klamm unterhalb von el-hubta revidiert werden. Ich vermochte aber nicht, bis 
zu ihr vorzudringen und konnte auch infolge fehlender Körpergröße oder Ge- 
wandheit einen Treppenweg in ihrer Nähe nicht verfolgen. 

Für den 19. November war das Plateau von cl-hubta das Ziel. Der Treppen- 
weg bei dem Urnengrab führte mich hinauf. Oben untersuchte ich die Umgebung 
eines von Robinson gefundenen ,, Heiligtums" und Umschrift die ganze Nordseite 
des Plateaus. Den Herabweg nahm ich über die Prachtstiege oberhalb des La- 
teinischen Grabes, diesmal ohne, wie im Herbst 1906, auf halsbrechendem Klimm- 



I. Meine Besuche in Petra in den Jahren 1909 und 1910. 3 

pfade die Schultern meines beduinischen Begleiters in Anspruch nehmen zu müssen. 
Am Nachmittage ging es hinüber nach dem sijar, wo die Inschriften des hoch über 
der Schlucht gelegenen Heiligtums nachzusehen waren. Vergeblich versuchte ich, 
von Osten her nach dem zweiten Heiligtum von el-habis (Nr. 379) hinaufzuklettern. 
Die Hauptaufgabe des 20. November war die erneute Kopierung der 1904 
gefundenen Inschriften unterhalb von en-nmer. Sodann wurde die sehr verwa- 
schene längste Treppenflucht Petras am gebel en-nmer erklettert^ in el-farasa 
die Inschrift der Löwenterrasse kopiert und ein Triklinium auf el-habis untersucht. 
Nachmittags waren die Inschriften von el-m'esara et-tarfäni zu kopieren, das 
Tal dieses Namens nach seinem Ende hin zu verfolgen und einige merkwürdige 
Gräbergruppen derselben Gegend zu beschauen. 

Am 21. November wurden die am vorigen Tage gelesenen Inschriften nochmals 
verglichen und dann die Musterung des m'esara- Gebietes bis zum wädi el-hise 
fortgesetzt. Über die Hügel bei hräbet en-nasära konnte auch noch die Nischen- 
klamm aufgesucht und ihre Inschrift kopiert werden. 

Der 22. November brachte den Schluß der Arbeiten. In el-farasa war noch 
eine Inschrift abzuschreiben, im sik die in der Nähe von eg-gerra hoch hinauf- 
führende Treppe zu erklimmen und endlich in bäb es-sik in dem früher aus Furcht 
vor springenden Insassen gemiedenen Triklinium Nr. 17 eine Inschrift aufzu- 
nehmen. Dann konnten die Pferde bestiegen werden. Die Römerstraße führte 
über 'en el-mikwan und 'en mahzül wieder nach dem hör el-hise hinauf, wo nicht 
weit von wundervollen alten Terebinthen am bir ed-debärät (Musil irrig bir ed- 
debära) die Zelte standen. Damit lag ein schöner Aufenthalt in der alten 
Nabatäerstadt wieder hinter mir. In meinen Ohren tönte aber noch lange die 
dünne Stimme memes alten Begleiters Hamdän, der in den felsigen Halden Petras 
nie müde wurde, seinen kaside-Gesang anzustimmen: 

ranni ranni ja dreidi abu 'ali 

urinäk 'alena ja dreidi biläika 

rannet li-1-awälä kun aukufu 

wet-tawäla hadhadün er-rekäiba 

raddet ras el-muhr inno a'tabu 

laddet lez-zen 'ala kull haijir 

u'al-inni ehläli wäfi-1-hasäjil ^. 

Singe, singe, o Dreidi abu 'Ali, 

und dein Gesang, Dreidi, kommt uns gelegen ! — 

Ich sang den Vorderen, daß sie stehen blieben, 

und die Hinteren setzten ein die Steigbügel^. 

Ich wandte rückwärts den Kopf des jungen Pferdes, 
das sie tadelten 3, 

ich sang süß dem Schönen* über alles Gute 

und über meinen Vortrefflichen,* der alle Tugenden erfüllt. 

i) Die kaside ist am Schluß nicht in Ordnung. Hamdän hat wohl Stücke verschiedener Her- 
kunft zusammengefügt. 

2) Um ihre Pferde anzutreiben. 3) Weil es zu rasch ging. 4) Die Geliebte. 

I* 



I. Die Stadt und die Heiligtümer Petras. 



Den 10. November 1910 stand ich schon wieder auf dem über 1600 m hohen 
Kalkgebirge, das auf Petra herabschaut. Diesmal kam ich von der Oase ma'än, 
einer Station der Hegäz-Bahn, die ich auf einer abenteuerlichen Nachtfahrt, unter 
Mekkapilgern im Funkenregen der Lokomotive auf offenem Kohlenwaggon 
lagernd, erreicht hatte. Der Ritt von da nach Petra über das Hochplateau ist ein- 
tönig. Aber die Erscheinung des seräb ließ in der Wüste Teiche und Seen erglänzen, 
aus denen nahe Hügel und ferne Berge wie Inseln und Küstengebirge ragten. 
Meine Begleiter waren diesmal Pastor Lic. Schmidt, Privatdozent in Breslau, 
sowie die Herren J. Spafford und J. Whiting von der Amerikanischen Kolonie 
in Jerusalem. Von odruh mit seinem Römerlager an einer oasebildenden starken 
Quelle stiegen wir durch die\ Täler des Randgebirges zur berühmten Mosesquelle 

hinab, wo eine ehrwürdige Terebinthe 
^ ,^—- -i.i^:;35-;^ ^-,j|- weitem Schattendach die Schläfer 

_, -— -~ ■ - J gegen das Mondlicht schützte. 

Den II. November benutzte ich 
zur Revision verschiedenartiger Einzel- 
heiten in der Gegend vor dem sik, im 
sik selbst und im östlichen Stadt- 
gebiete. Bei eg-gerra fand ich das Zelt- 
lager von Dr. Mackenzie vom eng- 
lischen Palestine Exploration Fund. 
Wir selbst schlugen unsere Lagerstatt 
auf in einer geräumigen Grotte gegen- 
über dem Theater in der Nähe des 
Grabes Nr. 786 Br. (Abb. 2). Wenn 
das prasselnde Feuer in der weiten 
Öffnung der Grotte die Gestalten 
unserer darum gelagerten arabischen 
"^"f" Begleiter grell beleuchtete und die 
gigantischen Felsen mit ihren turm- 
artigen Vorsprüngen im Hintergrunde 
vom Vollmonde umspielt wurden, konnte man an alte Zeiten denken, in denen 
heimlose Nabatäer die zerstörten Gräber einer älteren Epoche wohl schon ähnlich 
wie wir benützten. Unsere arabischen Begleiter hatten bei dem Feuer, an welchem 
sie die Eingeweide der von uns verzehrten Hühner brieten, sehr andere Gedanken. 
Der aus el-kerak stammende chaijäl (Landgensdarm) erzählte gern von den hagäire- 
Beduinen, wie sehr sie bei ihrer mangelhaften Bekleidung und Behausung das 
Feuer zu schätzen wissen. Sie sagen, wenn sie zitternd am Feuer kauern: walläh 
hl en-nueira zene, alläh ikattirha en-nueira fi had-dinja ufi-l-äljre; bigülu in 
en-nueira lin-nasära, mä na'tihum minha lä fid-dinja lä fi-1-äbre; ,,Bei Gott, das 
Feuer ist schön, Gott mehre es in dieser Welt und in der zukünftigen! Man sagt, 
daß das Feuer (der Hölle) für die Christen bestimmt ist, aber wir wollen es ihnen 
nicht geben weder in dieser, noch in der zukünftigen Welt !" Daß unsere Tiere in 
einer Grotte unmittelbar über der unseren untergebracht waren, wurde als sonder- 




Al)b. 2 



Unsere Höhlenwohniing im Jahr 1910. 
nähme von L. v. Zepharowicz. 



I. Meine Besuche in Petra in den Jahren kjoq und 1910. 5 

bare Situation empfunden. Kein Ende nahmen die Witzworte, welche Pferde, 
Maultiere und Esel beschuldigten, dem Pharao in widerspenstigem Hochmut 
nachahmen zu wollen (far'anu). 

Am 12. November beschäftigte mich eg-gerra und seine Umgebung, wo das 
Suchen nach einer Wasserleitung Musils zur Entdeckung einiger, von Musil schon 
gesehenen, nabatäischen Inschriften führte. 

Für den 13. November war eine Hauptaufgabe, die von Sverdrup entdeckte 
und schon mehrfach vergeblich gesuchte Inschrift von el-hubta zu finden, auch 
das von Robinson gefundene „Heiligtum" auf el-hubta nahe dem Hauptgipfel 
von el-feubta nochmals zu besichtigen. Auf der Prachtstiege des Nordwest weges 
(Nr. 758) stiegen wir hinauf, auf dem Südwege (Nr. 756), der den Namen eines 
Weges nicht verdient, kletterten wir hinab. Nachmittags besah ich die Befesti- 
gungswerke von zibb 'atüf. Der Nordweg führte uns zum Lager zurück. Ich 
hatte dabei Gelegenheit, zu beobachten, daß der letzte Abstieg zur Terrasse des 
zweiten Heiligtums des Theaterberges seit 1906 nicht bequemer geworden war. 
Das Abrutschen über eine Felslehne im Vertrauen auf weiter unten folgende Stütz- 
punkte für die Füße gehört zu den unbeliebten, aber schwer zu vermeidenden Zwi- 
schenakten der Petraforschung. Wie Musil (in Arabia Petraea, II, i, S. 91, 286) 
hier von einem ,, guten Pfade" oder einer ,, schönen breiten Stiege", anderwärts 
sogar von einem Maultierwege hat reden können, gehört zu den Rätseln, für welche 
auch die diesmalige Untersuchung des sehr übersichtlichen Geländes keine andere 
Lösung möglich machte als die, daß er von seinen Führern falsch berichtet wurde. 

Am Vormittage des 14. November wurde mit Hilfe der Leitern Dr. Macken- 
zies die Inschrift des Tricliniums Nr. 17 abgeklatscht und dann el-medras besucht. 
Den Rückweg nahmen wir über wädi el-kantara und durch die gerra-Schlucht. 
Nachmittags widmete ich meine Aufmerksamkeit dem sogenannten Soldatengrabe 
(Nr. 238) von el-farasa. 

Den 15. November stiegen wir zu ed-der hinauf, besonders, vmi einen Abklatsch 
der wichtigen Inschrift Nr. 73 zu gewinnen. In der Klausenschlucht und dem Drei- 
urnenbiklinium Nr. 413 ließen sich einige frühere Beobachtungen vervollständigen. 
Hier mußten aber die diesmaligen Studien in Petra abgebrochen werden, weil 
gesundheitliche Rücksichten mir die Heimkehr empfahlen. Ein rascher Ritt brachte 
uns am Nachmittage auf dem kürzesten Wege über 'en el-far' wieder nach ma'än. 

Diesmal war die Bahnfahrt von da nach zize in Gesellschaft von Soldaten, 
welche frohen Mutes aus Medina zurückkehrten und ihrer Entlassung entgegen- 
sahen, weniger abenteuerlich. Aber die von uns nach zize bestellten Pferde waren 
nicht eingetroffen. Ein Nachtquartier in einem Gepäckwagen beschloß darum 
diesen Teil der Reise. Abends fuhr ein Regiment Soldaten an uns vorüber mit der 
Bestimmung, die Garnison von el-kerak zu verstärken. An der Station wurden 
Drahtgehege hergestellt zur Sicherung eines Lagers für andere nachkommende 
Truppen. Das waren Sturmzeichen. Noch schien alles ruhig. Aber vierzehn Tage 
später brach der Beduinenaufstand los, der vielen an uns vorübergefahrenen Sol- 
daten das Leben kostete. Die Station zize wurde mit vielen anderen zerstört und 
die drei Stationsbeamten, die uns Freundlichkeit erwiesen hatten, ermordet. 



I. Die Stadt und die Heiligtümer Petras. 



2. Die arabischen Ortsnamen. 



Mein Bericht wendet sich zunächst zu den arabischen Ortsnamen der Gegend 
von Petra, für welche B. Moritz in Melanges de la Faculte Orientale de Beyrouth 
III, S. 396 ff., einige von den meinigen abweichende Angaben bietet. Sie veran- 
laßten mich zu einer sorgsamen mehrfachen Revision meines Namenmaterials, 
das übrigens nicht aus bloßer Abfragung einer Person, sondern aus dem stän- 
digen Verkehr mit mehreren der liätene, die auch Moritzens Quelle gewesen sind, 
erwachsen war. Es ist nicht mehr leicht, die in elgi selbst üblichen Namen von 
den Leuten zu hören, weil die^ sich mehrende Zahl der Reisenden sie schon längst 
mit den von ihnen aus den Büchern gewonnenen Bezeichnungen bekannt gemacht 
hat. Ein junger leti überraschte mich damit, daß er den Opferplatz von zibb 'atüf 
als el-medbah bezeichnete. Nähere Nachfrage ergab, daß er im Zeltlager einer 
Reisefirma Führerdienste geleistet und da den Namen aufgefangen hatte. Auf 
die Frage, ob ein wädi et-turkmänije, eine örtlichkeit el-mer oder ein Jiaznet 
fer'aun vorhanden sei, erhält man stets bejahende Antwort. Aber sobald man 
sich nach den eigenen Benennungen der liätene erkundigt, hört man, daß sie wädi 
el-hische, en-nmer und eg-gerra zu sagen pflegen. Es geschah nicht in Petra, sondern 
anderwärts, daß ein Araber mir eine Bezeichnung eines Berges mitteilte. Ein dabei 
stehender anderer Mann sagte zum ersten: ,,Aber so sagen wir doch gar nicht!" 
worauf der erste erwiderte: ,,Ein frengi war hier und hat mir aus seinem Buch 
gesagt, daß es so heißt." Dieselbe Anschauungsweise ist aber längst auch in elgi 
heimisch geworden. Manches, was Moritz mitteilt, kann ich auch jetzt nur im 
Einklang mit dem Urteil anderer Sachkundigen als bei einem Arabisten verwunder- 
liche Hörfehler bezeichnen. Es heißt nun eben nicht es-siak, mar'as hamdän, 
wädi el-his, umm il-sahün, el-rubte, sondern es-siar, m'arras hamdän, wädi el-his 
oder el-hise, umm sehün, el-hubte. Auch andere, recht schlimme Hörfehler sind 
Moritz untergelaufen. Er schreibt die Pflanzennamen hamät und suknän für 
hamät und ziknän (beduinisch zignän gesprochen und darum unverkennbar). Das 
Wort haräbe hält er für einen Fehler für haräbe, kennt also nicht die weit- 
verbreitete Vokabel haräbe, herubbe für ,, große künstliche Felsenhöhlung". Irrig 
war bei mir das bei Moritz nicht vorkommende hremije (P. S. 137), wofür hremije 
zu setzen ist (aber nicht mit Musil hrenije) und umm cs-sanädik (P. S. 325), was 
amm es-senedik heißen sollte. Auch scheint es, daß die Bezeichnung sidd el-modlem 
für die Schlucht bis zur Mündung in das wädi el-metäha einschließlich der Nischen- 
klamm angewandt wird, während sidd el-ma'gin auf den von el-u'era kommenden 
östlichen Nebenzweig zu beschränken ist (anders P., S. 7, 308). Für das untere 
nördliche Nebental des wädi ed-der (bei Musil sidd el-harärib) erhielt ich jetzt den 
Namen sidd el-barrübät nach den schönen Johannisbrotbäumen, die darin wachsen, 
während sonst behauptet wurde, man schließe in den Namen wädi ed-der diese 
Nebenschlucht ein (vgl. P., S. 23, 249). Die erste rechte Nebenschlucht des sijar 
wurde mir als unnn ez-zetüne bezeichnet, was durch den bei ihrer Mündung ste- 
henden, hier einzigartigen Ölbaum wohlbegründct erscheint, während Musils 



■ ■■■ 2. Die arabischen Ortsnamen. — 3. Geographisches. 7 

spezielle Lokalisierung des Namens in der Klausenschlucht, wo es keinen Ölbaum 
gibt, sicher irrtümlich ist, obgleich ihm ein Araber dort den Namen gesagt haben 
mag, weil er die Klausenschlucht zur Gegend von umm ez-zetüne rechnete 
(P., S. 23, 255). Den Namen wädi abu za'keki beschränkte man jetzt auf den 
unteren Teil von wädi el-metäha und nannte wädi er-ramle für das von Nordosten 
kommende Nebental (P., S. 17). Sidd es-sik heißt der erste südliche Nebenzweig 
des sik (P., S. 13, 119), sidd eg-gerra und sidd el-hubta die Nebenzweige nach Süd 
und Nord bei hräbet eg-gerra (P., S. 13). 

In der Anwendung mancher Namen sind die liätene selbst unsicher. En-negr 
war dem einen die südliche Fortsetzung von umm el-mehäfir, während ein anderer 
das östlich davon liegende Plateau so nannte, wofür jener el-farse sagte. Das Urnen- 
grab (Nr. 754) bezeichnete einer als es-seräja, andere als fattüm, was Musil 
für ed-der in Anspruch nimmt und mir auch jemand für eg-gerra nannte. Vom 
Stadtgebiet sagte man mir meist, es habe keinen besonderen Namen. Wenn einer 
es Moritz el-mafhara nannte, dachte er wohl an die großen Scherbenhügel in der 
Nähe von el-habis. Nie fand ich jemand, der Musils el-ketüte kannte, während 
el-ror als allgemeine Bezeichnung des Stadttales wirklich vorkommt. Vincent 
sollte es nicht verwirrend finden S daß Moritz ma'aisra, Musil ma'esrät, ich 
ma'esara schreibe. Ma'esrät ist bei Musil nur gelegentlich gebrauchter Sammel- 
name für die verschiedenen m'esara-Teile. Zwischen dem arabisch gesprochenen 
ma'aisra und ma'esara ist kaum ein Unterschied, weil das 'Ain wie das Säd not- 
wendig ein kurzes a nach sich ziehen. Ich notierte m'eisara, ma'eisare, ma'eisere, 
m'esera, ma'sara. 

Gar keine Regel besteht für die Anwendung der eigentlichen Ortsappellativa, 
weil man sie oft gar nicht anwendet. Meräret en-nasära und haräbet en-nasära 
würden den Felsensaal dieses Namens (Nr. 534) meinen, haräib en-nasära alle Fels- 
kammern in seiner Gegend, mrär en-nasära die Gegend selbst. Sidd ist bei den 
liätene die übliche Bezeichnung einer Schlucht, nicht zarnük, das ich (und 
Musil) zu oft eingesetzt habe. Zarnük ist ein enger Gang in einer Schlucht. 

Gefährlich ist es, wenn man für alles einen Namen haben will. Ich fürchte, 
daß manche der Namen Musils Erfindungen seiner gefälligen Begleiter sind. 
Was für die Hätene keine praktische Bedeutung hat, ist in Wirklichkeit namenlos. 
Für eine höfliche Improvisation halte ich auch muntär en-negr, das man 
Moritz für den östlichen Spitzpfeiler von zibb 'a.tüf gegeben hat, für einen indivi- 
duellen Einfall mamät hamdän bei Musil für me'arras hamdän, was Vincent 
durch ein ihm widerfahrenes Erlebnis erklären will, während es nur besagt, daß 
man , .Todesort" für , .Wohnort" sagen sollte, weil der einmal dort hausende hamdän 
längst gestorben ist. 

3. Geographisches. 

Im Jahre 1910 gelang es mir endlich, 'en-müsa, die Quelle des Mosesbaches, 
zu sehen und über ihre Umgebung einen Überblick zu gewinnen. Sie ist geschichtlich 



i) RB 1909, S. 456. 



3 I. Die Stadt und die Heiligtümer Petras. 

nicht ohne Bedeutung, weil sie wohl schon zu Christi Zeit für das Haderwasser 
gehalten wurde, welches Mose zu Kades aus dem Felsen schlug (4. Mose 20, i — 13). 
Jetzt erzählen die liätene, Müsa habe seinen hungrigen Gefährten sein Kamel 
geschlachtet, dann, als sie um Wasser baten, mit semem Stabe auf den Felsen 
geschlagen, worauf Blut floß, und mit einem zweiten Schlage Wasser hervorgebracht. 
Diese Wunderquelle gilt ihnen noch mimer als ein heilkräftiger Ort. Sie haben 
ein kleines Gewölbe an den Felsen gebaut, aus welchem die Mosesquelle fließt. 
Darin ist neben dem Wasser ein Platz, auf welchem Kranke übernachten in der 
Hoffnung, gesund zu werden. An Stöcken aufgehängte Lumpen und Wollgeflechte, 
ein Platz für Lämpchen, inwendig neben dem Eingange niedergelegte Hufeisen 
Vi. dgl. beweisen, daß die Besucher nicht fehlen, welche sich hier in Erinnerung 
halten wollen. Die Verehrung gilt der Quelle selbst und nicht, wie man ausdrücklich 
versicherte *, ihrem Hervorbringer Müsa, dessen Ansehen bei den liätene vollständig 
hinter dem Ruhme ihres nebi härün verschwindet. Wenig oberhalb der Quelle 
steht eine kleinere Terebinthe, welche Musil als heiligen Baum bezeichnet, was 
man mir gegenüber leugnete. Eine große alte Terebinthe bietet etwas weiter 
unten wundervollen Schatten. 

Das Tal, auf dessen rechter Seite die Mosesquelle entspringt,^ ist die nach Westen 
gewandte engere Fortsetzung des weiten und langen, von Süden kommenden Tales 
el-bek'a, welches kurz vorher die kleine ebene Fläche mrär kür gebildet hat^. Bei 
dieser Fläche münden von Osten her in das Haupttal drei steil abfallende, im 
Grunde zusammenlaufende, kurze Seitentäler. Zwischen dem südlichsten von ihnen, 
el-kle'a, und dem mittleren steigt der von odruh kommende Weg von der Wasser- 
scheide bei er-rasif so rasch herab, daß der Abstieg als ein Verkehrshindernis be- 
trachtet werden muß. Der direktere Weg von ma'än durch das wädi 'en el-far' ist 
von der Natur ungleich besser begünstigt. Denn der Abstieg vom Kalkgebirge 
vollzieht sich da in allmählicher Senkung ohne jede steile Unterbrechung. Man 
sollte annehmen, daß dieser Weg ehemals wie jetzt der eigentliche Karawanenweg 
von der Oase ma'än nach dem Kessel von elgi war. Der Quellbach von 'en müsa 
wurde sofort zum Treiben von zwei jetzt nicht im Gange befindlichen Mühlen auf 
der linken Talseite benützt. Reste von zwei anderen Mühlen, von Brünnow für 
Wasserleitungstürme gehalten, stehen weiter unten auf der rechten Talseite. Brün- 
now redet auch von Resten einer antiken Wasserleitung; ich habe nur Mühlkanäle 
erkennen können. Von Norden kommt dann der dem Bach der Mosesquelle wenig 
nachstehende, nicht sehr lange Bach von 'en gelwäh. Sein tief eingeschnittenes Tal 
ist die Fortsetzung der bedeutenden Mulde des wädi mahzül, das ich P. S. 3 
fälschlich wädi 'en mikwan genannt habe. Seine hoch oben im Tal liegende Quelle 
'en mahzul bildet keinen Bach ^ und hat mit dem viel weiter unten entspringenden 
sei gelwä^j nichts zu tun. Kurz vor der Einmündung des letzteren in das wädi müsa 



1) Musil, Ar. Petr. III, S. 330, behauptet das Gegenteil. 

2) Ein alter Name des Tals ist wädi el-medra mit der Ortscliaft 'oddema (wolil = el-mehelle), 
Ilartmann, Der Islam 1911, S. 136. 

3) Musil zeichnet cl-bck'a viel zu kurz und setzt mr.ir el-kiir an eine unrichtige Stelle. 

4) Musil läßt Ar. Petr. II 1, S. 38 sei gelwäh irrig von 'en el-mahzül kommen. 



3- Geographisches. g 

vereinigt sich mit ihm von Osten her ein kürzeres Nebental, das Musil als wädi abu 
medereg verzeichnet, aber freilich ihm zu große Ausdehnung verleiht, während 
Brünnow hier mehrere Schluchten, aber keine zutreffend, angibt. Mir wurde das 
Nebental nach der oben in seinem Grunde liegenden kleinen Quelle 'en el-mhelle 
benannt. Die kleine Ruine el-medereg liegt auf ihrer Nordseite am Abhang, die 
umfangreiche, mehrteilige junge Ortslage el-mhelle, nach welcher die Quelle heißt, 
auf der Südseite. Eine zweite arabische Ortslage, es-skene, krönt weiter unten 
den Ausläufer des Bergzuges zwischen wädi 'en el-mhelle und wädi müsa. Auch 
sie hat ihre Quelle, 'en es-skene, welche zwischen grünen Büschen zum wädi 
'en el-mhelle hinabrieselt. Musil sagt Arabia Petraea II, i, S. 42, daß wädi müsa 
als wädi el-mdereg entstehe, sich als solches bis zur Quelle 'en müsa erstrecke und 
vor ihr links das Nebental el-bik'a aufnehme, dann Arabia Petraea II, 2, S. 11, 
daß sich einige Meter südöstlich von 'en müsa ein mäßiger Kegel erhebe, der nach 
Süden und Westen vom Bache sei gelwäh abgeschlossen werde. Auf diesem Kegel 
habe er die Ruinen von el-mhelle gesehen. Hier müssen Musils Notizen völlig ver- 
wirrt gewesen sein, denn alles widerspricht den Tatsachen. Ich hatte bei meinem 
Nachtlager in der Nähe von 'en müsa Gelegenheit, die Umgebung gründlich in 
mich aufzunehmen und das Talsystem zu zeichnen. Auf dem Kegel Musils, der 
besser als ein Bergrücken zwischen den Tälern von 'en müsa und 'en el-mhelle 
zu beschreiben wäre, bin ich herumgestiegen und habe die Ruinen von el-mhelle 
durchschritten. Sie liegen nordwestlich von 'en müsa und nicht südöstlich, wie 
auch Musils Karte angibt, auch nicht am Abhänge nach wädi müsa zu, sondern 
jenseits der Berghöhe. Das wädi el-medereg mündet erst 30 Minuten unterhalb von 
'en müsa in das Tal des sei gelwäh und mit diesem in das wädi müsa. Daß Musil 
'en müsa unmittelbar an den gelwä^i-Bach heranrückt, hat für Fischers Karte vom 
syrisch-ägyptischen Grenzgebiete (ZDPV 1910, Tafel VII) schlimme Folgen ge- 
habt. Brünnow bietet darin Besseres. 

Nach der Einmündung des sei gelwäh in den Mosesbach folgt auf der rechten 
Talseite eine im Gange befindliche fünfte Mühle und weiterhin unterhalb der jungen 
Ortslage el-hirbe bei einem kleinen Teich die Riüne einer sechsten. Hier wird das 
Tal so eng und steil, daß der Reit- und Saumpfad es verläßt und bei dem Felsen 
tör el-'aräk quer über den Abfall des Berges el-haläjil an der Quelle 'en habije 
und der Halde von eg-gilgele vorüber dem oberen Ende der Häusergruppe von 
elgi ziüäuft. Im Bachtale, hier wädi Ihalil genannt, folgt dann links die sumpfige 
Quelle 'en el-hägele, welche Musil zu einem irrig et-tine benannten Gartenland 
auf die rechte Seite setzt, und dann der hübsche Wasserfall ez-zeräba, mit welchem 
der Bach den Kessel von elgi erreicht. 

Die von Jäkut (IV, 87g) erzählte, von el-kazwini wiederholte arabische Sage, 
wonach bei Petra aus dem dort von Moses niedergelegten Stein in Gestalt eines 
Ziegenkopfes zwölf Quellen bei zwölf Ortschaften entsprechend der Zahl der Stämme 
Israels entsprangen, hat in dem ganz ungewöhnlichen Quellenreichtum der Um- 
gebung des Kessels von elgi ihren guten Grund. Es ist nicht überflüssig, wenn die 
sämtlichen mir bekannten Quellen hier aufgezählt werden, weil sie für die geo- 
graphische Lage von Petra von weittragender Bedeutung sind. Im Tal des Moses- 



lO I. Die Stadt und die Heiligtümer Petras. 

baches entspringt 'en müsa (i), die stärkste der bachbildenden Quellen bei Petra, 
weiter unten 'en el-hägele (2), im ersten nördlichen Nebental, ganz oben 'en 
mahzül (3) und unten die bachbildende 'en gelwäh (4). In einem Nebenzweig 
dieses Tales (s. o.) liegen 'en el-mehelle (5) und 'en es-skine (6). Das zweite nörd- 
liche Nebental enthält die Quellen 'en el-haij (7) und 'en el-makr (8). Im südlichen 
Nebental liegen, von oben nach unten aufgezählt, oberhalb elgi ras el-far' (9), 'en 
es-sidr (10), 'en es-suwäh^ (11), neben elgi 'en beddö (Musil irrig beddwe^) (12), 'en 
mä lebun, scherzhaft 'en milk abüj genannt (13), und 'en el-hasbä (14) mit einem 
Bach, der in den Mosesbach mündet, abseits östlich von elgi 'en eklä' twäl (15) und 
'en habije (16), westlich 'en redän (17), nicht redän, wie Musil und ich geschrieben 
haben. 

Im Petrakessel entspringt in einem nördlichen Nebental 'en abu 'öUeka (18), 
im sijar die bachbildende 'en es-sijar (19). Beide Quellen gehören dem Sandstein- 
gebiete an, während alle bisher genannten im Kalkgebirge hervorbrechen. Im 
Sandstein entsteht auch die wunderbare 'en ed-der (20), welche selbst den meisten 
liätene unbekannt ist und von der ich erst 1909 Kenntnis erhielt. Man findet sie, 
wenn man am oberen Ende der zu ed-der führenden Treppe, ehe man zur Klause 
Nr. 424 gelangt, um den Kopf der Treppe nach Osten zu herumgeht und sich dann 
nördlich wendet. Da befindet sich am Rande einer Schlucht eine kleine, jetzt mit 
Weinstöcken bepflanzte Terasse, auf welcher an der Felswand unter einem Wachol- 
der die zu allen Jahreszeiten fließende Quelle in einem kleinen künstlichen Bassin 
ihr klares Wasser darbietet. 

Hoch im Kalkgebirge, ohne Verbindung mit dem Talsystem des Mosesbaches, 
liegen im Norden des Kessels von elgi die beiden Quellen 'ejün el-kraija (21) und 
'en abu härun (22), welche Musils Umgebungskarte an die Stelle der ersteren setzt ^ 
und mit einem nie vorhandenen Bache versieht, im Süden 'en bräk (23) und 'en 
emun (24). Dazu kann man wohl noch rechnen die ebenfalls hoch gelegenen Quellen 
'en bidibda (25) und 'en ez-zu 'etre (26) östlich von el-beda, so daß die Zwölfzahl 
der Quellen, welche die Sage nennt, in der Wirklichkeit mehr als zweifach vor- 
handen ist. Dieser Wasserreichtum, der zumeist dem westlichen Abfalle des Kalk- 
gebirges zu danken ist, gilt begreiflicher Weise in erster Linie dem Kessel von elgi, 
nicht Petra, das deshalb künstlicher Ergänzung seines natürlichen Wassen^orrates 
bedurfte. Die Vermutung liegt nahe, daß elgi mit seinem bewässerungsfähigen 
und für den Anbau geeigneten Gelände die älteste Siedelung der Gegend bedeutet. 
Den Petrakessel konnte nur eine Stadt von größerer Bedeutung ausnützen und 
füllen. Es wäre möglich, daß erst die nabatäischen Könige hier eine Stadt angelegt 
und ihr dann die Bedeutung verliehen haben, die sie ein halbes Jahrtausend 
besaß. 

In bczug auf die Seitenzweige des sik sei hier bemerkt, daß die nahe Beziehung 
der Kluft mit der elfstufigen Treppe zum sik (P., S. 119, Abs. 4) eine Tatsache ist. 



i) Musil cs-swäh. 

2) Musil's Umgebungskarte vertauscht die I^age von 'en beddö und 'en mä lebun. 

3) Richtig wird von Musil der Ort der Quelle angegeben Arabia Petraea II 2, S. 235. 



Geographisches. 1 1 



An derselben Stelle mündet von Norden her eine bedeutende, von el-chubta 
herabkommende Schlucht (P., S. ii, 343), als deren Ende wohl eigentlich jene 
Kluft zu betrachten ist. Vom sik her kann man jedenfalls jetzt nach beiden Rich- 
tungen nicht hinaufsteigen, während es leicht ist, von der Mündung der ersten süd- 
lichen Seitenschlucht des sik in diese hinein vorzudringen und so zu dem P., S. 119 
Abs. 3 beschriebenen Wege nach el-medras zu gelangen. Die von mir P., S. 13g 
als sehr wahrscheinlich bezeichnete Stelle der Mündung des sidd el-hremije in den 
sik hat sich bei erneuter Untersuchung bewahrheitet. Aber das Heiligtum von 
el-hremije Nr. 117 ist näher an den sik heranzurücken, als auf meiner Kartenskizze 
geschieht. 

Für die geographische Lage des alten Petra ist von Bedeutung, daß eine 
sicherlich wichtige Straße von ma'än über odruh (mit Quellen), eg-gerba (Quelle), 
'en mahzul, wo die Römerstraße nach Petra gekreuzt wird, bedebda (Quelle) nach 
dem Paß von nemela geführt haben mußi. Auf diese Weise ließ sich ohne Be- 
rührung von Petra die nördliche 'araba erreichen. Die Linie el-haura-kal'at el-^aris 
(P., S. 27) konnte somit an Petra nördlich vorübergehen. Die Pässe abu hsebe 
und er-rbä'i am Wege nach der mittleren und südlichen 'araba (P., S. 28) waren 
wichtiger für die Lage der Stadt als der Paß von nemela. Das alte Palmetum am 
Älanitischen Meerbusen wird ja wahrscheinHch auch von Strabo und Plinius als 
ein für die Lage Petras bedeutsamer Platz genannt ^ 

Da ich P., S. 28, Anm. 2, nach Janssen mitgeteilt habe, daß Schaftransporte 
vom Ostjordanlande durch die Sinaihalbinsel nach Ägypten geleitet werden, sei 
hier erwähnt, daß mir in el-kerak gesagt wurde, man leite von dort die Transporte 
über el-'akabe und von da zur See, weil der Landweg zu wasserarm sei. 

Schon 1904 kam ich von 'en negl auf der Römerstraße nach Petra, schenkte 
ihr aber nicht die erforderliche Aufmerksamkeit. Diesmal habe ich sie sorgsamer 
betrachtet. Sie macht den Eindruck einer Sekundärstraße; denn wo ihr Pflaster 
erhalten ist, hat sie nur 2,80 m Breite, während Römerstraßen sonst 5 m zu messen 
pflegen. Die volle Breite begegnet östlich von es-söbak. Die Straße überschreitet 
die Wasserscheide zwischen wädi Jiör el-his und den Talköpfen mit den schwachen 
Quellen 'ejün el-mikwan, beides Talsysteme, die sich nach Osten entwässern. Nach- 
dem sie bisher der Wasserscheide zwischen Osten und Westen nahegeblieben ist, 
tritt sie nun bei hirbet 'en mahzül in den Bereich des westwärts gerichteten Systems 
des Mosesbaches ein und steigt auf dem Bergrücken zwischen seinen nördlichen 
Zweigen wädi 'en mahzül und wadi 'en el-haij abwärts, überschreitet schließlich 
das letztere und gelangt so in den Kessel von elgi hinab ». Die von Musil ver- 
zeichnete westliche Parallelstraße über 'en abu härün, welche am äußersten Rande 
des Hochplateaus hinabsteigt, habe ich nicht untersuchen können. 



i) P., S. 3 oben ist diese Straße als „zweiter Weg" genannt, aber nicht liinreichend geklärt 

2) Vincent tadelt RB igog S. 457. daß ich P., S. 29 bei Strabo Judaea für Jericho und 
Phönicien für Phoenicon einsetzen wolle. Aber ich tue das gar nicht, sondern streiche das nicht 
notwendige Jericho und verstehe Phoenicon von dem Ort dieses Namens am Roten Meere. 

3) Die abweichenden Angaben P., S. 30 f. sind nach dem Obigen zu verbessern. 



12 



I. Die Stadt und die Heiligtümer Petras. 



4. Die Stadt und ihre Befestigungen. 

Das Stadtgebiet von Petra wurde von mir P., S. 34 im Norden zu eng ab- 
gegrenzt. Im Jahre 1909 verfolgte ich die nördliche Stadtmauer auf dem Höhen- 
rücken östlich vom wädi el-his bis in die Gegend gegenüber dem dritten Heiligtum 
von el-m'esara. Die Stadt hat sich hier jedenfalls bis zur Einmündung des wädi 
er-ramle (imim sehün) in das Haupttal erstreckt. Jenes Nebental hat aber einen 
sehr viel nördlicheren Lauf, als meine Kartenskizze nach Brünnow angibt, und 
gibt dadurch dem Hügel diesös Stadtteils einen schmäleren Abschluß nach Norden 




Abb. 3: Das Kastell von zibb '.itiif. Hinter dem künstlichen Graben von rechts 
n.ach links die Türme I — IV, d.irüber das Heiligtum Nr. 191, im Hintergrund die Gipfel 
im Westen des Petrakessels, vorn die Schlucht umm el-mehäfir. Aufnahme von G, D. 



ZU, als es sonst der Fall wäre. Der östlich gegenüberliegende Hügel, welcher sich 
an el-Jiubta anlehnt, ist auch ummauert. Eine Verbindung zwischen seiner hoch- 
liegenden Mauer und der tief ins Tal hinabsteigenden Stadtgrenze jenseits des 
wädi umm za'keki habe ich aber 1910 nicht entdecken können. Trümmer von Ge- 
bäuden bedecken auch den Hügel westlich vom wädi en-nasära. Es scheint also 
dort eine nördliche Vorstadt gelegen zu haben. So mag die alte Stadt vielleicht 
um (in Viertel größer gewesen sein, als ich früher annahm. Die Einwohnerschaft 
wäre dann von 30 000 auf etwa 40 000 Seelen zu steigern. 

Unter den Befestigungen der alten Stadt ist neben der Burg von el-habis 
das Kastell von zibb 'atüf (Abb. 3, 4) die wichtigste. Da Brünnow aufs neue 
bemüht ist, das letztere auf die Kreuzfahrer zurückzuführen^, war eine zweimalige 

I) ZDPV 1909, S. 250. 



4. Die Stadt und ihre Befestigungen. I3 

genaue Untersuchung nicht überflüssig. Sie ergab, daß es sich eigenthch nicht um 
eine Festung handelt, sondern um eine stark bewehrte Verteidigungslinie, d. h. 
da das zu Verteidigende nur die im Tale liegende Stadt sein konnte, eigentlich um 
ein Stück Stadtmauer. Die Linie beginnt im Osten an der Schlucht umm el-mehäfir 
mit einem aus zwei Türmen bestehenden Kastell, dessen Lage durch senkrechte 
Felsabschnitte nach Süden zu bedeutend verstärkt worden ist. Doch ist die Vor- 
stellung in-ig (P., S. 35, 180), als habe man die ganze jetzt zwischen dem Kastell 
und dem Plateau der Spitzpfeiler laufende Schlucht künstlich hergestellt. Sie war 
schon anfänglich vorhanden, wurde aber durch den Abhau des Kastellfelsens 




Abb. 4: Planskizze des Kastells von zibb 'atiif. 



verbreitert. Während das Kastell einen von Nordost nach Südwest gerichteten 
Felshügel krönte, hatte die Mauer, welche die Verteidigungslinie fortsetzte, zuerst 
eine Senkung zu überschreiten, dann den südlichen Ausläufer der Kuppe des be- 
kannten Heiligtums zu kreuzen und jenseits desselben eine enge Schlucht zu schließen. 
Auf den Felsen, mit welchem jener südliche Ausläufer endete, wurde ein dritter 
Turm gesetzt und dieser nach rückwärts durch ein Mauerstück mit der Hauptmauer 
verbunden. Die Kuppe jenseits der gesperrten Schlucht galt selbst als hinreichender 
Verschluß, sie war aber noch mit einer anderen weiter hervortretenden Kuppe zu 
verbinden, wenn die Sperrung des gesamten Berggipfels vollständig sein sollte. 
Ein Mauerstück schloß darum nach Westen zu eine zweite Schlucht, und ein vierter 
Turm wurde auf das Südende auch dieser Kuppe vorgeschoben und mit dem rück- 
wärtigen Mauersystem verknüpft. Man hat aber angenommen, daß wohl auch 
von el-farasa her auf der Westseite ein Einbruch in die Befestigungslinie geschehen 



. . I. Die Stadt und die Heiligtümer Petras. 

könne. Deshalb wurden in nördlicher Richtung noch die Durchgänge zwischen 
drei Kuppen durch Mauern geschlossen und auf die letzte zweigipfelige Kuppe 
noch ein fünfter und sechster Turm gesetzt. So war nach Süden und Westen alles 
gesperrt. Ein Tor mag zwischen Turm II und III den Aufgang zum Heiligtum 
ermöglicht und zugleich als Ausfallspforte gedient haben. Eine derartige Befesti- 
gungslinie ist kein Standlager, sie muß das alte Petra zu ihrer Voraussetzung haben 
und geht deshalb auf die Kreuzfahrer nicht zurück. Eine andere Frage ist, ob diese 
sich nicht doch vielleicht hier festgesetzt haben. Davon sind keine erkennbaren 
Spuren vorhanden. Ihre Hahptfeste in dieser Gegend war el-u'era, das als natur- 
festes Standlager seinen Zweck zunächst in sich selbst hat und dessen Platz be- 
sonders dadurch wohl motiviert ist, daß die quellenreiche Umgebung des Kessels 
von elgi für Heerzüge als besonders anziehend erscheinen mußte. Neuerdings 
haben die Araber die Kirchenglocke der Festung gefunden. Leider ließ sich über 
ihr Schicksal nichts Gewisses erfahren. 

i c« Den Franken gehörten bei Petra aber auch die festen Plätze hurmuz und 
es-sel', die in einem Schreiben Saladins bei Tmäd ed-Din erwähnt werdeni. Das 
erstere hat Musil am Nordende von el-beda (P., S. 346) wiedergefunden. Es muß 
dem Paß von en-nemela gelten. Das letztere hätte nach demselben Forscher nördlich 
von bsera gelegen 2. Aber die dortige hirbet es-sel', deren Lage mir wohl bekannt 
ist, beherrschte keinen Paß und keine Straße ^ und konnte also kein Platz von 
weiterreichender Bedeutung sein. Nach Jäküt war es-sel' eine Festung im wädi 
müsa. Es wäre sehr möglich, daß es der alte Name von el-habis war.* Dies ist die 
eigentliche Festung des Petra-Tales und war zur Bewachung der Straße vom Paß 
er-rbä'i (siehe oben) sehr wohl geeignet. Sie hatte die starke Quelle des sijar in 
ihrer nächsten Nähe. Die dort verbaute vierteilige griechische Inschrift ist neben 
den Schießscharten ein Beweis für junges Mauerwerk auf der Burg. Wenn der 
Name es-sel' wirklich hierher gehört, wird es immer am nächsten liegen, den Schlüssel 
des griechischen Stadtnamens BtTQa darin zu sehen. Wenn die semitische Be- 
nennung der Stadt rekem oder rakim war, so war vielleicht ihr voller Name sei' 
rakim „Fels Rakims"," entsprechend der Mitteilung des Josephus, daß sie nach 
dein Midianiterfürsten Rekem von 4M. 31, 8 genannt werde. Diese Annahme scheint 
mir jetzt besser als meine Ausführungen P., S. 42 f. Die Wortbedeutung von rekem 
ist dabei nicht wesentlich. Auf keinen Fall geht es an, mit Hartmann in seiner 
inhaltsreichen Abhandlung über „Die Namen von Petra''^ rekem in rigm, „Stein- 
haufe" umzusetzen, da es im Arabischen wie im Hebräischen und Aramäischen ein 
selbständiger Stamm ist und keine bloße Variante zu ragam. 

1) S. Ausg. Landsberg, S. in. Vgl. auch Recucil des Hist. des Croisades, Orient. IV, S.303, 382. 

I, S. 734- 

2) Arabia Petraea II i, S. 3i8f. :. 3 

3) Vgl. meine Bemerkungen ZDPV 1909, S. 169. 

4) Vgl. P., S. 23, 33, 229!., wo Abweichendes zu verbessern. 

5) AZ 1910, S. 143— 151. Hartmanu hält rekem dehagrä für den vollen Namen Petras. Aber 
„Steinhaufe des Steins", wie er übersetzt, ist keine wahrscheinliche Ortsbezeichnung, selbst wenn es 
anginge, higr in hagar umzusetzen, was unmöglich ist. 



4. Die Stadt und ihre Befestigungen. — 5. Die Wasserleitungen. 15 

Das biblische Sela von2.K. 14,7 hat indessen nicht hier, sondern in der Nähe 
des Salztales gelegen. Dies spricht für das bedeutende kornüb, südlich vom wädi 
el-milh, westlich von der 'araba, das gewiß eine wichtige Edomiterstadt war. Ihr 
biblischer Name hat sich dort in es-sel', der von Musil mitgeteilten Bezeichnung 
des Stadthügels 1, erhalten. Vielleicht hieß es sei' kornüb im Unterschied von 
dem sei' rakim des Ostens. 

Eine andere äußere Befestig ungslinie des alten Petra bemerkte ich immittel- 
bar jenseits der Höhe von et-turra (P., S. 16). Sie lief vom Gipfel der turra-Kette 
aus und schloß hier am Paßweg von der südlichen 'araba die südliche Grenze des 
Weichbildes der Stadt. Ein äußerer Verschluß nach Norden zu befindet sich in 
el-m'esara et-tarfäni. Ich stieg dort zuerst gegenüber der Gegend des letzten 
von Brünnow verzeichneten Grabes Nr. 475 in einer bei der Inschriftengruppe 
Nr. 513a beginnenden kurzen Seitenschlucht auf schmalen Treppenstufen aufwärts, 
sah aber in der Höhe nichts, was als Ziel der Treppe gelten konnte. Bei Verfolgung 
des Haupttales in seinem Grunde gelangte ich nach einer Biegung desselben an 
eine zweite westliche Seitenschlucht. Sie endet rasch in kulturloser Wildnis. Aber 
auf der Ostseite des Haupttales wurden hier Spuren eines Weges und Stufen, auch 
eine offene Grotte sichtbar, und nicht viel weiter sperrten Trümmer einer Mauer 
das Tal, das sich nun wieder abwärts senkte, wohl nach dem wädi merwän Musils. 
Hier war also der Durchgang nach der Gegend von el-beda gesperrt worden. Ich 
fand leider nicht die Zeit, nun auch das mittlere m'esara-Tal, das ebenfalls nach 
Norden offen zu sein scheint, bis ans Ende zu verfolgen. 

5. Die Wasserleitungen. 

Kein Besucher von Petra kann in den die Stadtruine umgebenden Bergen 
und Schluchten herumklettern, ohne auf Schritt und Tritt gewahr zu werden, 
wie die Peträer ebenso vor der Gewalt des winterlichen Sturzwassers sich zu 
schützen suchten, wie sie auch auf seine Sammlung bedacht waren. 

Eine Leitung, welche Regenwasser gegolten haben wird, sieht man am wädi 
el-farasa (vgl. P., Abb. 123). Ich meinte früher, daß sie wohl vom Teiche oberhalb 
des Gartentales Nr. 247 komme (P., S. 41), fand aber nun, daß sie wohl nur mit 
der oberen Talsperre von el-farase zusammenhängt. Sie endet südlich vom Grab 
Nr. 228 bei einer Zisterne, die auch von oben zugeleitetes Sturzwasser auffängt. 
Eine zweite Ableitungsrinne sieht man auf der westlichen Talseite. 

Die Untersuchung der Zuleitung zu dem vorgenannten Teich führte mich auf 
den Felsenhang oberhalb des merkwürdigen Saalbaues Nr. 248 mit 12 Nischen. 
Eine offene Rinne kommt da von einem kleinen Bassin im Norden, das selbst 
durch eine vom Süden herabkommende Leitung gefüllt wird. Hier oben befindet 
sich ein dachloser Felsraum (248 ^) und rechts von ihm ein Nischenbassin (a) und 
zwei Bänke (b). Von einem etwa hier von zibb 'atüf kommenden Treppenwege, 
wie ihn Brünnow angibt, ist nichts zu sehen. Aber es wäre nicht unmöglich, dahin 
hinaufzuklettern. Die Wasserleitung scheint aus der Gegend der Löwenterrasse 

i) Arabia Petraea II 2, S. 27. 



j6 I. Die Stadt und die Heiligtümer Petras. 

(Nr. 251 — 254) zu kommen (vgl. P., S. 199). Diese Terrasse, nach welcher über 
das große Löwenrelief (P., Abb. 121) eine Wasserleitung sich ergießt, ist nämlich 
durch eine Sperrmauer, auf deren Höhe 16 Stufen führen, gebildet. Eine zweite 
Sperrmauer weiter unten nach dem Gartental zu scheint dieses gegen den Abfluß 
von oben schützen zu sollen. Eine 2,50 m breite gebaute Concha (Nr. 250) auf der 
niederen Terrasse mag ein Idol enthalten haben, während ein Nischenbassin mit 
Abflußloch ihm gegenüber zu Ablutionen oder Spenden Gelegenheit gab. 

Am Fuß des Aufstieges zu en-nmer (bei Nr. 286) läßt sich beobachten, wie 
man durch eine Sperrmauer die Kraft des im Talkopfe sich sammelnden Wassers 
gebrochen, ihm aber seitwärts nach dem gebel en-nmer zu durch Durchschnei- 
dung einer Felsbank einen Ausweg geschaffen hat. 

Für die Zuleitung von Quellwasser nach dem Stadtgebiet wurden einige 
neue Beobachtungen gemacht. Daß die Leitung von el-metäha das Wasser von 
'en abu härün herabführe, was ich P., S. 41 als möglich bezeichnete, ist mir jetzt 
noch immer ungewiß, weil ich die Verbindung nicht untersuchen konnte. Von 
der ,, Mühlleitung" nahm ich P., S. 40 an, daß sie sich über die Nischenklamm nach 
dem Teiche beim Etagengrab fortsetze. Nach Spuren eines Aquädukts bei der 
Klamm habe ich aber jetzt vergeblich gesucht. Ich sah zwar die Leitung auf beiden 
Seiten der Klamm enden, aber keinen Rest einer Verbindung. Wenn sie wirklich 
gefehlt haben sollte, wäre die Zisterne Nr. 549 als Ende der Quellwasserleitung zu 
denken, und die weitere Leitung gälte nur dem Sturzwasser von el-hubta. 

Daß die Leitung von 'en ebräk einmal das Wasser der Quelle nach dem Stadt- 
gebiet von Petra führte, folgt aus der arabischen Sage, die mir folgendermaßen 
erzählt wurde: ,,Die Tochter Pharaos, welche in el-kasr wohnte, hatte zwei Lieb- 
haber (ashäb). Sie sagte: ,Wer mir aus 'en ebräk oder 'en abu härun Wasser herab- 
leitet, den heirate ich'. Der eine ging mit seinen Männern nach 'en abu härün, der 
andere nach 'en ebräk. Beide leiteten das Wasser. Der von 'en abu härün sagte: 
,Es kam durch m(^ine Kraft und die Kraft meiner Männer' (werdit bhejli uhejl 
irgäli). Der andere sagte aber: ,Es gelang durch meine Kraft und die Kraft Gottes' 
(bhejli ubhejl alläh). Da platzte die Leitung von abu härün, und die Tochter 
Pharaos trank von dem Wasser von 'en ebräk. Sie heiratete also den, welcher das 
Wasser von 'en ebräk brachte." Daß diese Leitung nicht durch die Schlucht von 
eg-gerra und den slk nach Petra kam, folgt aus meinen früheren Untersuchungen 
des Anfangs der Leitung (P., S. 41). Der von Musil sehr zuversichtlich aufgestellten 
Behauptung des Gegenteils fehlen die nötigen Grundlagen. Nach Arabia Petraea II, 
1, S. 78 hätte er südöstlich von eg-gerra den Anfang der Wasserleitung von 'en bräk 
gesehen, und zwar in der Form einer kleinen Kammer mit einer runden Öffnung 
in der Hinterwand. Das Kämmerchen, oder richtiger gesagt, eine tiefe Nische mit 
einer Wassermündung ist dort wirklich vorhanden, nicht nur einfach, sondern zwei- 
fach. Aber was da abgeleitet werden kann, ist das Wasser zweier übereinander an- 
gelegter Bassins, welche durch die künstliche Sperrung enger und tiefer Schluchten 
mit schmalen, sehr hohen Mauern hergestellt waren^. Das Wasser des oberen 



i) Beide Sporrmaiu-rn sind erkennbar P., Abb. y (links). 



q. Die Wasserleitungen. 



17 



Teiches ließ sich durch die von Musil beschriebene Mündung in den unteren ab- 
lassen, der seinerseits wieder mit einem Ablaufsloch versehen war. Eine Verbin- 
dung mit 'en ebräk ist weder erkennbar noch irgendwie wahrscheinlich. Hier wie 
an vielen anderen Stellen bei Petra wurde das Sturzwasser des Winters gesammelt. 

Die Wasserleitungen im sik (P., S. 38), welche wohl unterhalb des Wasser- 
falles ez-zeräba (S. 9) das Wasser des Mosesbaches abfingen, ziehen das Auge des 
Besuchers von Petra immer wieder auf sich. Von der südlichen Rinnenleitung 
ist neuerdings in der Schlucht von eg-gerra ein mehrere Meter langes Stück sichtbar 
geworden. Es läuft mit schwacher Biegung in der Richtung von der Südseite der 
Mündung des sik in die gerra-Schlucht nach der Nordseite des Ausganges des sik aus 
derselben. Ein mit viel Kalk gebautes, 93 cm breites Mauerwerk erhebt sich 53 cm 
über ein Pflaster aus dünnen Platten, das sich nach eg-gerra zu 
auszudehnen scheint. Eine etwa 37 cm breite und tiefe Rinne ist 
oben in diesem Mauerwerk sichtbar. Das entspricht den Massen 
der Felsenrinne auf der Südseite des sik, die an einer gut erhal- 
tenen Stelle derselben 32cm in Breite und Tiefe betragen (Abb. 5). 
Genau dieselben Maße fand ich aber auch am Ausgange des sik 
nach Petra zu in der Felsenrinne, welche dort auf seiner Nord- 
seite am Boden hinläuft. Die Vermutung wird deshalb nicht zu 
kühn sein, daß die südliche Rinnenleitung in der gerra-Schlucht 
nach der Nordseite des sik hinüberging. Ein letztes Stück dieser 
Leitung ist wahrscheinlich das den gebauten Stücken derselben 
im sik verwandte Mauerstück auf der rechten Seite des Bach- 
bettes gegenüber der Schlucht umm el-mehäfir. Ich hielt es 
früher für eine Mauer zur Regulierung des Bachbettes. Die von 
Musil auf dem Schnitte Fig. 36 dargestellte doppelte Rinnen- 
leitung am Boden des sik ist in dieser Weise nirgends sichtbar. 

Musil (A. P. II I, S. 79) setzt zur Rinnenleitung in Be- 
ziehung einen ,, Wasserbehälter" bei eg-gerra, der ein ,, schöner Badeplatz" mit 
einer Tür von eg-gerra her gewesen sein soll. Was man da sieht, ist, daß die 
nördlich von eg-gerra zwischen der Fassade und dem sik vorspringende Felsmasse 
unten so weggehauen ist, daß eine oben bedeckte, nach vorn offene, etwa 5 m tiefe 
Halle entsteht. Auf ihrem Boden führt vom sik her ein 4,55 m breiter Gang, 
welcher 6,50 m lang auch einen niedrigen Felsenrand an der Außenseite hat, zu 
einer Treppe von 5 Stufen, von welcher aus man an den Vorplatz von eg-gerra 
gelangt. Das Schluchtwasser hat links neben der Treppe eine natürliche Rinne 
gerissen. Die von Musil angenommene Verbindung mit der Wasserleitung ist ebenso 
wenig erkennbar, als ein Verschluß des Ganges durch Mauern und Türen zu einer 
Badeanstalt, für die unmittelbar an dem wichtigsten Verkehrswege von Petra keine 
Wahrscheinlichkeit spricht. Es wird sich um einen besonderen Zugang zu eg-gerra 
handeln, dessen nähere Veranlassung wir nicht kennen. 

Die nördliche Rohrleitung sieht man in dieser Gegend beim Eingang 
der sik in die gerra-Schlucht und dann auf der Terrasse vor dem Triklinium Nr. 180, 
wo sie durch einen etwa 15 cm tiefen Trog von 55 cm Breite und 95 cm Länge 

Dalman, Neue Petra-Forschungen. 2 




Abb. 5 : Querdurch- 
schnitt der Rinnen- 
leitung. 



i8 



I. Die Stadt und die Heiligtümer Petras. 




Abb. 6: Längsdurchschnitt der 
Rohrleitung. 



läuft. Wahrscheinlich hat eine Mauer mit Bogenöffnungen die Verbindung quer 
über die gerra-Schlucht vermittelt. Die ineinandergest eckten Thonrinnen der Leitung 
sind 43—45 cm lang und haben 15 — 16 cm inneren Durchmesser (Abb. 6). Die 

Rohrleitung ist sichtbar Petra, Abb. 5 und 6 (durch 
einen sonderbaren Zufall schon auf der Vorlage ver- 
kehrt kopiert, so daß was links ist, rechts erscheint). 
Abb. 81 a u. b und Abb. 11 (rechts). 
\ Die Tropfwand von el-farasa-West (P., 

S. 204, Nr. 270) habe ich früher als ein Heiligtum 
bezeichnet, und die sonderbare Form zweier auf 
Abb. 127 abgebildeten Nischen konnte in der Tat 
auf etwas Derartiges deuten, zumal die Tropf wand 
von kattär ed-der sicher als ein Heiligtum galt (P., 
S. 252 ff.). Aber das wichtigste bleiben doch immer 
die hier sichtbaren Rinnen für die Wassersammlung 
(Abb. 7). Am linken Ende der Wand liegen übereinan- 
der dieöffnungen zu einer tiefen Nische (c) und zu einer 
kleinen Kammer (d). Von der letzteren geht eine wagerechte Rinne (e) nach rechts 
bis zu einer flachen Nische (f), die ihrerseits unten eine Ablaufsrinne (g) hat, welche 
mit einem Knie sich links wendet, unter den beiden schon früher beschriebenen, 
kunstvoll geformten Nischen (a, b) hinläuft und somit auch diese entwässert. Von 
Nische c kommt eine Rinne (h) in schräger Richtung herab und mündet in Rinne e 

an einer Stelle, wo sich nach 
unten ein in zwei Knieen ver- 
laufender breiter Abfluß (i) 
nach einer Rinne (k) ergießt, 
die unten am Boden das Wasser 
nach rechts abführt. In die 
Abflußrinne i mündet auch 
von rechts die Rinne g, so daß 
alles hier gesammelte Wasser 
an derselben Stelle abläuft. 
Die Nische a ist noch durch 
eine besondere Rinne (1) mit Rinne e verbunden. Unverbunden mit dem Ableitungs- 
system sind die breiten Nischen m, n, o, die vielleicht auch Wasser sammeln sollten. 
Dagegen scheint Nische p mit einer schwach vertieften kleineren Nische in ihrer 
Mitte, vielleicht der Andeutung eines Pfeileridols, religiöse Bedeutung gehabt zu 
haben. Wasser tand ich in diesem sorgsam hergestellten Sannnelsystem niemals. 




fropfwand von el-farasa-West. Nicht gemessen. 



6. Zur peträischen Kunst. 

Für die Klärung des Wesens der peträischen Kunst ist es erfreulich, daß wir 
nun von Janssen und Savignac in Mission Arch^ologique en Arabie, S. 309—404 
eine wahrscheinlich erschöpfende Beschreibung der Grabfassaden von medfiin sälih 



6. Zur PeträiscHen Kunst. ig 

besitzen. Aber aucb nach dieser schönen Arbeit wird es dabei bleiben müssen, 
daß die etwa 50 Fassaden von el-hegr sich zu den 530 von Petra verhalten, wie „ein 
Ableger vom Baum" (P., S. 267), obwohl ich das von mir früher angewandte Prä- 
dikat , .dürftig" gern durch ,, beachtenswert" ersetzen will. 

Nach Janssen und Savignac (S. 392) hat man nach dem Zeugnis der In- 
schriften in el-hegr im ersten Jahrhundert alle Formen des „Zinnengrabes" und des 
„Treppengrabes" gleichzeitig und mit willkürlicher Auswahl durch die Künstler 
angewandt, wodurch die mir eigene chronologische Ordnung derselben als irrig 
erwiesen werde. Aber sie hätten v. Domaszewski dafür in erster Linie verantwort- 
lich machen sollen. Ich habe meinerseits (P., S. 47 f.) nur die von diesem Forscher 
(Provincia Arabia I, S. 190) angenommenen zeitlichen Grenzen herabgesetzt. 
Er rechnet die Zinnengräber vom sechsten Jahrhundert bis gegen Ende des zweiten 
Jahrhunderts, in welcher Zeit die Treppengräber auftauchen, und setzt die Giebel- 
gräber in die römische Zeit. Ich wage mit den Zinnengräbern nur bis ins zweite 
oder dritte Jahrhundert hinaufzugehen und zähle die Giebelgräber noch zur ,, helle- 
nistischen" Periode, welche mit dem Anfang des zweiten Jahrhunderts n. Chr. 
endet. Nirgends behaupte ich, daß alte Typen nicht in späteren Perioden noch 
fortgelebt und erneute Nachahmung gefunden haben könnten. Ich rechte auch 
nicht um die zeitliche Ansetzung einzelner Grabfassaden und habe z. B. schon 
P., S. V, ed-der und das Urnengrab der ,, hellenistischen" Periode zugewiesen^. 

Nun haben die eindringenden fachmännischen Untersuchungen der naba- 
täischen Grabfassaden von Puchstein- ergeben, daß die jüngeren Grabtypen in 
etwas größerem Umfange, als v. Domaszewski meinte, schon ins erste nachchrist- 
liche Jahrhundert gehören und daß die Zinnengräber am Anfange unserer Zeit- 
rechnung ,,aus der Mode gekommen waren", während um diese Zeit das Treppen- 
grab, das Puchstein als Altargrab mit Eckhörnern auffaßt 3, als eine fertige 
Größe nach el-hegr gelangte. In Wirklichkeit weist el-hegr auf Petra zurück, \md 
in Petra gibt nun eben die örtliche Verbreitung der Grabtypen Anhalt für die 
Annahme einer zeitlichen Aufeinanderfolge, die ja im Grunde fast selbstverständlich 
ist. Denn der ästhetische Sinn, welchem das Zinnengrab entsprach, liegt doch 
weit ab von der Sphäre, welchem das Treppengrab angehörte. Wir haben im helle- 
nistischen Orient allerlei dem letzteren Typus Verwandtes, wie auch Puchstein 



i) Das einzigartige Spitzpfeilergrab Nr. 48 habe ich P., S. in derselben Periode zugeschrieben. 
Erneute sorgsame Untersuchung der von Thomä, Memnon III, S. 70 verteidigten vier Risalite seiner 
Fassade ergab, daß in Wirklichkeit nur eines am rechten Ende verhanden ist und der Bau auch sonst 
allerlei Unregelmäßigkeiten aufweist. — Auf der Skizze der Hinterwand des Inneren bei Brünnow 
(Fig. 241) fehlt die Konsole über der Mitte des Nischenbogens. 

2) Anzeiger des Kaiserl. deutschen archäolog. Instituts 1910, Sp. 4 — 46. 

3) M. von Oppenheim, Vom Mittelmeer zum Persischen Golf, I, S. loif., vergleicht die Treppen- 
ornamente der Hauränbauten mit der Architektur von el-higr und teimä, und Hartmann, Memnon IV, 
S. 42, erinnert an einen Turm in es-sanamen, welcher auf zwei Seiten an den Ecken von abgestuften 
Halbzinnen gekrönt wird. Der letztere vermutet, umgekehrt als Puchstein, daß die Hörneraltäre 
dem Zinnenturme nachgebildet seien. Mir scheinen beide Hypothesen schwer annehmbar und die An- 
wendung der großen Eckzinnen auf den Treppengräbern als ein bloßer Versuch der peträischen Künstler, 
die Zinnenkrönung dem großzügigen Stile der hellenistischen Fassaden anzugleichen. 

2* 



20 



I. Die Stadt und die Heiligtümer Petras. 



ausführt. Aber die im Grunde sehr starren Typen der nabatäischen Grabfassaden 
sind doch in dieser Weise nur in Petra und dem von ihm beeinflußten hegi" zu Hause. 
Sie werden also auch dort ihre Entstehungsgeschichte gehabt haben. 

In diesem Zusammenhange darf wohl auch nochmals von der Eigenart des 
„peträischen Kapitals" die Rede sein. Janssen und Savignac^ haben seine 
Entstehung ähnlich erklärt wie ich selbst (P., S. 267 f.). Seitdem haben Kohl 2 
und Puchstein^ die Theorie de Vogües erneuert, daß es als die Bosse eines korin- 
thischen Kapitals aufgefaßt werden müsse, und zwar meint Kohl, daß Kapi- 
tale mit einer Blattreihe im Untergeschoß des Etagengrabes, mit zwei Blattreihen 
im Lateinischen Grabe und dem Obergeschoß von ed-der vorausgesetzt seien. 
Er nimmt an, daß die dem Kapital untergesetzte einfache Platte eine einfache 

Blattreihe vertrete, dagegen die doppelte 
Platte, wie sie das Obergeschoß von 
ed-der hat (P., S. 269), eine zweifache. 
Es sollte aber zugegeben werden, daß 
wirkliche Bossen für Blattreihen tat- 
sächlich nirgends vorhanden sind (siehe 
Abb. 8). Man kann nicht einmal mit 
Puchstein sagen, daß die zur Aus- 
arbeitung nicht bestimmte Bosse oft miß- 
raten sei, denn man könnte nirgends das 
peträische Kapital in ein korinthisches 
verwandeln. Sehr lehrreich ist die Ver- 
-^leichung mit den korinthisch ausge- 
führten Kapitalen des Obergeschosses von 
eg-geiTa. Sie haben überhaupt keine 
Blattreihe, sondern nur je ein beider- 
seits unter die Volute gesetztes Blatt, 
wie es auch das vermeintliche korinthische Bossenkapitäl in einigen Fällen aufweist. 
Zwischen Kapital und Schaft steht auch hier eine Platte. Daraus muß geschlossen 
werden, daß die Platte unter dem peträischen Kapital nichts mit einer Blattreihe zu 
tun hat, sondern daß sie nur bestimmt ist, vom Kapital zum Schaft überzuleiten, 
wohl aus der Empfindung heraus, daß das Kapital sonst zu niedrig erscheint, wobei 
die Erinnerung an das höhere korinthische Kapital mitgewirkt haben mag. Dieselbe 
Empfindung hat dann auch dazu geführt, in einigen Fällen zwei Platten einzu- 
schalten. Das verhindert nicht zuzugeben, daß der Gedanke an eine Form des 
korinthischen Kapitals, wie sie der Oberstock von eg-gerra hat, bei der Entstehung 
des peträischen Kapitals wirksam gewesen ist. Ich halte es auch für recht wahr- 
scheinlich, daß bei der Erfindung desselben die Bosse eines korinthischen Kapitals 
eine wichtige Rolle gespielt hat. Aber was jetzt in Petra zu sehen ist, smd nun 

i) Mission Archfiologiquc, S. 396 f. 

2) Kcisr Firaun in Petra, S. 26. 

3) Arch. Anzeiger igio, Sp. 10. 

4) P., S. 26S. 




Abb. 8: Eckkapitäl und Geb.älk der Grabfassade 
Nr. 808 Br. Aufnahme v. G. D. 



6. Zur Peträischen Kunst. 



21 



eben nicht mehr Bossen von Kapitalen, sondern eine eigentümliche Kapitälform, 
welche nur hier und in el-hegr ^ in dieser Weise herrschend auftritt und die ander- 
wärts bisher nur in einer Sphäre nachgewiesen ist, welche durch Petra beeinflußt 
war. Ich nannte (P., S. 267) Beispiele aus der Gegend von bsera und von däträs. 
Vincent weist auf das Vorkommen verwandter Kapitale in 'abde (RB 1904, 
S. 420), leggün (RB 1898, S. 437) und bosra (RB 1905, S. 592). Hinzuzufügen 
wären noch die Kapitale des Südtores von es-suhbe nach Brünnow, Provincia 
Arabia III, S. 14g. 

Ähnliches gilt von der seltenen Kapitälform, welche im Unterstock von ed-der, 
dem Mittelgeschoß des Etagengrabes und im Säulensaal (Nr. 242) angewandt 




Abb. 9: JoDisches Diagonalkapitäl von der Synagoge zu keräzie. Aufnahme 

von G. D. 



ist. Die Bosse eines jonischen Kapitals, das sonst in Petra ganz fehlt, liegt 
zugrunde, und zwar handelt es sich um die Abart desselben mit diagonal gestellten 
Voluten, welche in Pompeji öfters angewandt worden ist, wobei auch noch andere 
Anleihen vom korinthischen Stil gemacht wurden^. Korinthisch ist auch hier der 
Abakus und der ihm vorgesetzte Knauf sowie die Stellung der Voluten. Eine Pa- 
rallele zu dieser Art der Bossenkapitäls kenne ich nur von der Synagogenruine zu 
keräzie in Galiläa (Abb. 9). Dem dorischen Kapital entsprechen die Kapitale 
der Säulenhallen des Urnengrabes (P., Abb. 293) und des chän-Grabes (Nr. 5). 

i) Daß ich nach Viuceiit, RB 1909, S. 457, Anm. 5 ,,mir einbilde, daß das Petrakapitäl der 
Bauten von hegr eine Art Mißgeburt sei", ist nur eine unbegründete Vermutung seinerseits. Immer- 
hin sehe ich jetzt aus der Publikation von Janssen und Savignac, daß unförmliche Mißgestalten 
der Petrakapitäle in el-hegr tatsächlich vorkommen (s. Fig. 150, 161, 186, PI. XXXVIII). 

2) S. Overbeck-Mau, Pompeji, S. 517, Speltz, Ornamentenstil, Tafel 42, Nr. 6 — 8, Durm, Bau- 
kunst der Römer und Etrusker, S. 382 f. 



22 I- E"E Stadt und die Heiligtümer Petras. 

Dorisch sind aucli die Friese des Oberstocks von ed-der und des Korinthischen 
Grabes, des LöwentrikUniums (P., Abb. 187), des Grabes Nr. 717 (Nr. 731 Br.), des 
Türtabernakels des Soldatengrabes (P., Abb. 113), der Gräber Nr. 261 (258 Br.), 
Nr. 821 (846 Br.), des Spitzpfeilergrabes (P., Abb. 29) und einiger P., S. 85 auf- 
gezählten Nischen, denen die Nische des Spitzpfeilergrabes hinzuzufügen wäre. 
Über den Geschmack, der in Petra in der Kunst der Grabfassaden die Elemente 
der verschiedensten Stile durcheinander würfelte, habe ich nichts Neues zu sagen. 
Die Künstlerfamilie von el-hegr, deren Glieder Puchstein (a. a. O., Sp. 39 f.) zu- 
sammenstellt, stand darin zum mindesten nicht höher als ihre peträischen Lehr- 
meister. Die Einzelheiten, für deren Gestaltung diese arabischen Bildhauer ver- 
antwortlich zu machen sind, — und das sind vor allem ihre Ivapitäle — hätte jeder 
Grieche als barbarisch bezeichnet. Aber ihre Wirkungskraft in der Umgebung, 
für die sie geschaffen wurden, dürfen wir ihnen nicht absprechen. 

Die nicht sehr zahlreichen figürlichen Skulpturen von Petra habe ich 
zum großen Teile nochmals gemustert. Von eg-gerra werde ich in einem beson- 
deren Abschnitte reden. An der mittleren Öffnung des Eingangstores (Nr. 406 Br.) 
in den Tempelbezirk hatte ich (P., S. 75) die drei auf der Ostseite sichtbaren 
Brustbilder als Herkules, Magna Mater, Sol vermutungsweise gedeutet. Günstige Be- 
leuchtung ließ mich jetzt einige Einzelheiten besser erkennen. Die oberste Skulptur 
zeigt als Emblem über der linken Schulter zweifellos einen senkrecht stehenden 
Schlangenstab mit doppelter Windung, neben welchem noch ein zweiter mit ein- 
facher Windung sichtbar wird. Die Schlangenstäbe erinnern an die Schlangenstäbe 
auf phönizischen Stelen, welche der Tanit gelten 1. In Alexandrien findet man 
den Schlangenstab mit zweifacher Windung als Symbol des Osiris, der somit dem 
Hermes verglichen wird 2. Aber eine Isisfigur erscheint auch umgeben von 
Schlangen, deren eine mit Sonnenscheibe, Federschmuck, Hörnern und Sistrum 
versehen ist, während die rmdere Pschent ur.d Schlangenstab trägt ^. Der breite 
Kopfputz und die weibliche Brust sowie eine Lotosblüte auf der linken Seite des 
Kopfes sprechen bei dem peträischen Relief für Isis, d. h. in Petra wohl Allät. 

Die zweite Figur mit schmalem Kopf auf schlankem Halse hat über ihrer 
rechten Achsel eine Keule, über der linken etwas wie die Darstellung des Blitz- 
bündels auf den babylonischen kudurru*. Das wäre dann ein dem Gewittergott 
Hadad-Ramman angeglichener Herkules, wie es in Cypern mit Melkart und in 
Askalon mit Bei geschehen ist*. Aber auch Horus kann als Herkules mit der 
Keule versehen werden^. In Petra wäre das wohl Duschara. 

Bei der dritten Figur mit breitem Kopf und kurzem Hals unterscheidet man 
über der rechten Achsel zwei Pfeilspitzen, über der linken einen Köcher, was sich 



i) S. z. B. eis I 138, 19g, 200 f(. 

2) Grab von kOm es-sukäfa. 

3) Museum von Alexandrien, Saal XI, Nr. 38. 

4) Frank, Bilder und Symbole, S. 4, ^-j. 

5) Dussaud, Notes de Myth. Syr., S. yy, 92. 

6) So auf dem Relief Nr. 40 in Saal XI des Museums von .\le.xandrien, wo eine Schlange mit 
Psclunt und K'eule den Horus, eine zweite mit Sonnensclieibe, Hörnern und .\liren die Isis darstellt. 



6. Zur Peträischen Kunst. 



23 



auf Artemis deuten läßt, die in Petra sehr wohl einer Göttm wie el-'uzza ent- 
sprechen konnte. 

Diesen drei Brustbildern auf dem nördlichen Pilaster des Tores müssen andere 
drei an dem zerstörten südlichen entsprochen haben. Es gelang mir, eines der- 
selben auf einem Stein von genau entsprechender Größe in der Nähe zu finden. 
Aber nur eine Lanze über der linken Schulter ist erkennbar, was für Ares sprechen 
würde, der nicht unerwartet wäre als griechisches Emblem für Duschara A'ara, 
an den man .doch wohl gedacht hat, wenn man Ares als den Gott von Areopolis 
bezeichnete (P., S. 50, Anm. 5). Auch den Hauptnamen des Gottes haben die 
Griechen als 6Eog"AQr]q gedeutet (P., S. 49). 

Nicht weit von dem Tore westwärts fand ich einen Stein mit dem Fragment 
einer hübschen Skulptur. Ein schreitender nackter Knabe, wohl ein Amor, obwohl 
kein Flügel erkennbar ist, greift mit der vorgestreckten rechten Hand in das herab- 
hängende Ende eines mit Früchten besetzten Festons, welcher sich über dem Kopf 
des Knaben hinzieht. Der linke Arm ist nach oben gestreckt und hat wolil auch 
in den Feston gegriffen. Der Stein ist aber hier ab- . _ 

gebrochen. 

Über dem Türgiebel des Latemischen Grabes 
(Nr. 750 ; 763 Br.) konnte ich auch jetzt nur einen 
Pilaster oder Altar erkennen, der ursprünglich doppelt 
so breit war als der stehengebliebene Rest, der auch 
deshalb keine Viktoria bedeuten kann (so v. Domas- 
zewski), weil er nicht über der Mitte des Giebels steht. 
Im Bogen oberhalb ist das von Domaszewski erkannte 
Medusenhaupt zweifellos. Vier gesträubte Locken und 
darüber ein Flügel sind auf der rechten Seite klar er- 
kennbar. 

Mit dem Fernglas untersuchte ich das in das obere 
Mittelfenster des Urnengrabes (Nr. 754, Nr. 772 Br.) eingesetzte Brustbild (Abb. 10). 
Der Kopf fehlt. Die Brust ist mit einer Toga bedeckt, unter deren über die linke 
Schulter geworfenem Zipfel die linke Hand sich verbirgt, während der rechte Arm 
völlig unsichtbar bleibt. Der über die linke Schulter gehende Teil der Toga erschien 
nach oben hin so nach vorn gewölbt, daß mir bei der Beobachtung aus der Nähe die 
Annahme möglich schien, ein Säugling werde von dem darunter sichtbaren linken 
Arme hinter dem Mantel verborgen getragen. Aber es wird doch eine männhche 
Figur sein, und die Bauschung des Mantels hat wohl nur durch Abwitterung diese 
sonderbare Gestalt erhalten. Aus der Bekleidung der Figur Schlüsse auf die Ent- 
stehungszeit der Fassade zu ziehen, als müsse sie deshalb aus der römischen Zeit 
Petras stammen, scheint mir nicht erlaubt. Was für Mäntel vornehme Nabatäer im 
ersten Jahrhundert n. Chr. trugen oder worin auswärtige Künstler sie abbildeten, 
wissen wir nicht. Bei dem Verkehr mit Rom, den die Fürsten des Orients damals 
pflegten, ist die Toga für Petra nicht auffallend. Außerdem müßte feststehen, daß 
der noch unerforschte Oberraum dieses Grabes zur ersten Anlage gehörte und daß 
der Verschluß des Mittelfensters durch das eingesetzte Reliefbild ursprünglich war. 



B 




^B 


1 


IfSsi 


1 



Abb. 10: Brustbild im Mittel- 
fenster des Oberstoclces des 
Urnengrabes. 



24 



I. Die Stadt und die Heiligtümer Petras. 



Ähnliches gilt von der Figur in der mittleren Nische der Tempelf assade (Nr. 238; 
239 Br.) von el-farasa-Ost. Sie ist schwer beschädigt, und man sieht von Bekleidung 
nichts als Spuren eines Mantels und eines Harnischs, auch am Unterleib die Leder- 
streifen eines Panzers. Die Figur in der linken Nische, welche sich nach rechts 
wendet, trägt ein kurzes Schwert und läßt einen Mantelzipfel vom linken Arme 
hängen. An der nach links gewandten Figur in der rechten Nische ist nichts Be- 
sonderes zu erkennen. Die sicheren Kennzeichen deuten auf Krieger. Aber muß 
man mit v. Domaszewski an einen römischen Centurio oder Militärtribun denken? 
Mit Metall besetzte Lederstreifen zum Schutz des Unterleibs und ein kurzes Schwert 

gehörten nicht ausschheßlich zur 
römischen Uniform^, und wenn 
sie hier römischem Gebrauche 
entsprachen, waren sie auf einer 
peträischen Skulptur im ersten 
Jahrhundert v. Chr. ebenso mög- 
lich als im zweiten. Es ist außer- 
dem nicht völlig gewiß, daß die 
Skulpturen zur ursprünglichen 
Gestalt der Fassade gehörten, da 
sie nicht mit ihr in den Fels ge- 
hauen sind, sondern erst nach- 
träglich auf je sechs Steinen in 
die Nischen^ eingesetzt. Ein 
sicherer Schluß von den Skulp- 
turen der Fassade auf ihre Ent- 
stehung in römischer Zeit scheint 
also auch hier nicht möglich, 
und der Puchstcin^ an sich nicht ausgcsclilossen scheinenden Datierung aus früherer 
Zeit bliebe der Weg offen. Musil* redet bei diesem Grabe von zwei Stockwerken 
der Grabkammern, welche von Westen her durch eine eingestürzte Wand zu- 
gänglich seien. Aber weder die Stockwerke noch der Zugang sind vorhanden. 
Die ernstlichen Nachsuch ungen von Dreien hatten dieses definitive Resultat. 
Vom Löwentriklinium (Nr. 408) zeigt Abb. 11 eine der beiden den Eingang 
bewachenden Löwenfiguren, die hier nur apotropäisch gemeint sind. 

Das Reiter- Relief im Grabe Nr. 47 habe ich (P., S. 74) als berittenen Sonnen- 
gott gedeutet. Das Richtigere mag sein, was Wiegand zu einem bei Milet in einer 
Grabkammer gefundenen Terrakottarelief mit der Darstellung einer Schlange 
und eines Ritters sagt^. Er sieht in dem letzteren den Heros, zu welchem der Tote 




Abb. 1 1 : Löwenrelief am Triklinium Nr. 40S. Aufnahme v. G. D. 



i) S. Saglio im Dict. des Antiquites, s. v. Lorica. 

2) Diese waren indes niemals offene Fenster, wie ich früher meinte, sondern von Anfang an ge- 
schlossen (Beobachtung von 19 10). 

3) Anzeiger des K. D. Arch. Inst. 1910, Sp. 31. 

4) Arabia Petraea II i, S. 109. 

5) Abh. der Kgl. pr. Ak. d. \V., I'hil.-hist. Cl. 1908, Abb. I, S. 27. 



6. Zur Peträischen Kunst. 



25 





geworden ist. — Das früher von mir vergeblich gesuchte große Reiterrelief Brün- 
nows (Nr. 520 Br.) in el-m'esara habe ich nun auf der Felswand links vom Grabe 
Nr. 522 Br. erkannt. Aus sehr großer Entfernung ist bei einer bestimmten Be- 
leuchtung eine gewisse Ähnlichkeit einiger Teile der verwitterten Fläche mit einem 
Reiter zuzugeben. Aber bei der Betrachtung aus der Nähe fehlt jede "Verwandt- 
schaft. Der Kopf ist doppelt so breit, als er auf Brünnows Abbildung erscheint. 
Es gibt auch keine geebnete Grundfläche oder eine regelmäßige Umgrenzung der- 
selben, woraus die künstliche Herstellung des „Reliefs" zu erkennen wäre. Ich 
kann darin nur ein zufälliges und nicht sehr deutliches Naturspiel erkennen. 

An die gekritzelten Figuren von el-m'esara Nr. 513 erinnert die von einer 
nabatäischen Inschrift (CIS 488) begleitete Reiter figur auf einem Basaltstein 
am Wege el-musta'gile östlich von es-sobak. Nach Eutings Zeichnung (CIS II i, 
Tab. LVII) wäre es ein Kamelreiter. Ich erkannte ein Pferd, auf welchem ein 
Mann breitbeinig steht, während er mit der rechten 
Hand den Zügel, mit der linken einen runden, fünf- 
fach geteilten Schild hält. Ein zweiter, größerer, 
sechsfach geteilter Schild oder 
eine Sonne ist daneben zu sehen. 
Dem Kopfe des Mannes fehlen 
nicht Augen, Nase und Schnurr- 
bart. 

Ebenfalls eine bloße Kritzelei 
und kein Krmstwerk ist das 
Sonnenbild mit struppigem, 
kurzen Haar, Augen, Nase und 
einem auf Eutings Zeichnmig 
(CIS II I, Tab. LI, Nr. 425) feh- 
lenden breiten Mund, welches sich 

in der Felsenkammer Nr. 514^ (Nr. 532 Br.) an der rechten Seitenwand findet, 
während Brünnow selbst es nach Nr. 531 versetzt und ich es (P., S. 282) im Grabe 
Nr. 472 vermutet habe (Abb. 12). Die Deutung des Bildes als „Sonne" wird da- 
durch noch wahrscheinlicher gemacht, daß das Wort hammä, das späthebräisch 
„Sonne" bedeutet, in riesengroßen Lettern dabei in die Wand gegraben ist. Siehe 
aber auch zu Inschrift Nr. 30. 

Die Auffindung einer im sik gegenüber Triklinium Nr. 180 in die Höhe füh- 
renden Treppe ermöglichte es mir, die Figur des Männleins (Nr. 180 g) über jenem 
Triklinium aus gleicher Höhe mit dem Glase zu betrachten (Abb. 13). Dies ergab 
vor allem, daß es schlanker ist, als es von unten scheint und längere und minder 
gespreizte Beine hat, als Abb. 262 bei Brünnow, Abb. 48 bei Musil und Abb. 80b 
in meinem „Petra" zeigen. Die Figur ist nicht vertieft, wie sie bei Musil erscheint, 
sondern erhaben oder vielmehr ausgespart, als man ihre Umgebung zu ihrer Her- 
stellung ein wenig abtrug, ohne übrigens eine wirkliche Nische herzustellen. Der 
runde Kopf ist von sehr kurzen, borstenartigen Strahlen eingefaßt, die Arme gleichen 
einem Querbalken, der rechts kürzer ist als links, die dünnen Beine sind vom Leib 



Abb. 12: Bildnis der 

Sonne in Triklinium 

Nr. 514'. 



Abb. 13: Das Männleiu und das 

Kreuz über Triklinium Xr. l8o. 

Aufnahme von K. Schmidt. 



26 



1. Die Stadt und die Heiligtümer Petras. 



abgesetzt und haben etwas nach links gewandte Füße. Rechts und Unks sind nicht 
Nischen hergestellt, sondern durch bloße Einritzung der Umrisse Pfeileridole. 
Das Kreuz unter dem linken Pfeileridol ist ebenfalls nur eingeritzt. Trotz des 
Kreuzes verbieten die Pfeileridole, die ich früher als solche nicht erkannte, die von 
mir (P., S. 98, 117) für möglich gehaltene christliche Deutung. Der Sonnengott 
scheint hier eine vielleicht durch alte Tradition festgestellte Darstellung zu er- 
halten; er steht zwischen zwei Pfeileridolen, wie sonst ein höherer Pfeiler zwischen 
zwei niedrigeren steht (s. S. 48). Eine merkwürdige Parallele zur Figur liegt vor 
in dem von Janssen imd Savignac^ entdeckten rohen Relief eines beinlosen Männ- 
chens mit erhobenen Armen-, das in medäin sälih ebenfalls hoch oben bei einem 
Felsensaal angebracht ist. Eine Treppe führt dort zum Idol 
hinauf-'. Hier fehlt jede Möglichkeit des Zuganges. 

Spuren des Christentums gibt es in noch größerem 
Umfange, als ich P., S. 98 angegeben habe. Im sik ist bei 
Nische Nr. 161 in eine von mir übersehene große flache 
Nische mit Pfeileridol ein großes Kreuz eingekratzt. Bei 
dem Säulensaal Nr. 242 fand ich auf einem da herum- 
liegenden Stein von etwa 25 zu 40 cm ein Kreuz mit Seiten- 
armen (Abb. 14), wie es sich auf Lampen aus byzantinischer 
Zeit in Palästina findet. Über der Felsencella Nr. 427 von 
kattär ed-der ist ein Doppelkreuz und ein einfaches Kreuz 
eingeritzt. Auch die Fußsohlenbilder, welche ich P., S. 96 
erwähne, können besonders am Berge von nebi härün, wo 
sie in großer Menge in Felsplatten geritzt sind, auch als 
Zeichen christlicher Pilger in Frage kommen. Doch scheint 
die Sitte schon heidnisch zu sein*; bei dem vierten Heiligtum von el-kantara 
(Nr. 130) empfehlen die bei Fußbildern befindlichen arabischen Inschriften mos- 
lemische Herkunft. 

Zu der P., S. 357 besprochenen Keramik von Petra gehört ein hübsch mo- 
delliertes Tonlämpchen Nr.87ia (Abb. 15b), das ich dort fand. Es hat die auch 
in Palästina wohlbekannte, ziemlich kreisrunde Form mit angesetzter Schnauze 
für den Docht und sehr kleinem Loch in der vertieften Mitte zum Eingießen des 
Öls. Man pflegt die Form der hellenistischen und römischen Zeit zuzuweisen. Von 
der Mitte ausgehende Strahlen bedecken den Körper der Lampe und setzen sich 
auch über den Ring hinaus fest, der das Mittelloch umgibt. Auf dieses Muster sind 
aufgesetzt rechts eine Gruppe von drei kleineren Ringen, links eine Gruppe von 
vier Ringen, der Schnauze gegenüber eine Rosette. Mehiem Exemplar der Lampe 
fehlt der Boden. Dieser ist erhalten bei einem zweiten, Herrn Fast in Jerusalem 
gehörigen Exemplare desselben Typus (Nr. 871b), wogegen aber hier die Ober- 




Abb. 14: Kreuz mit Seiten- 



i) Mission Archeologiquc, S. 410 1£. 

2) Die Stele mit aufgesetztem Kopf erinnert selir an die Skulpturen des wädi käna, siehe S. 56. 

3) Janssen und Savignac vergleichen Fig. 415 Br., wo ebenfalls eine Treppe zu einem Betyl 
führe. Aber das Betyl ist nur ein Trog, s. P., S. 306, Nr. 547. 

4) S. Dre.xler in Roschers Lexikon der griecli. und röm. Mythologie II, Sp. 527. 



6. Zur Peträisciien Kunst. 




Abb. 



15 u. 15 a; Lämpchen aus IVtra. Etwa ' 

Grösse. Aufnahme von Prof. Jäger in Hamburg. 



der natürlichen 



fläche schlecht erhalten ist. Einem verwandten Typus gehört an ein Professor 
Dr. Jaeger in Hamburg gehöriges Lämpchen (Nr. 871c; Abb. 15a) aus rotem 
Ton, welches als Dekoration einen Pegasus in kreisförmigem Rahmen trägt. Da- 
gegen hat ein zweites, dem- 
selben Besitzer gehörendes 
Lämpchen aus schwarzem 
Ton (Nr. 871 d, Abb. 15) 
die Form der Lamj^en aus 
byzantinischer Zeit , bei 
denen auch das gestrichelte 
Muster vorkommt, das wohl 
ursprünglich ,, Palmen" dar- 
stellen soll und mit dem 
uralten Motiv des Lebens- 
baumes zusammenhängt. 

Das Krüglein Nr. 
867 a (Abb. 15 b) aus 
schwärzlich f grauem Ton, 
nur 7 cm hoch, von Herrn 

Konsulatssekretär Baumert dem Museum des Instituts geschenkt, erinnert in seiner 
Form an Krüglein Nr. 867 (P., Abb. 326), ist aber schlanker, hat einen ausge- 
bogenen Rand am Halse, Riefen am Bauch und einen fast spitz zulaufenden Boden. 

Das Fragment einer hohl 
gearbeiteten weiblichen Fi- 
gur Nr. 869^ (Abb. 15b) aus 
hellrötlichem Ton zeigt ein Ge- 
sicht mit aufgeworfenen Lippen 
und niedriger Stirn, die von 
lockigem Haar eingefaßt ist. 
Den Hals umgibt eine Kette 
aus dicken, schmalen Perlen, 
woran ein Halbmond hängt. 
Eine Brust ist angedeutet, 
aber keine Kleidung erkennbar. 
Auch dieses Fragment wurde 
von Herrn Baumert geschenkt. 
Im Besitze Professor Jägers 
befmden sich zwei Fragmente 
aus rotem Ton (Nr. 869^-^ ; 
Abb. 16), welche ein Pferd 

darstellen. Fragment i zeigt den nach vorn gewandten Kopf und den Hals mit 
einer nicht ganz verständlichen Aufzäumung, Fragment 2 einen Leib mit Sattel, 
Schabrake und Bauchriemen. Alle diese Figuren werden als Votivgeschenke ge- 
meint gewesen sein. Dies gilt auch von den P., S.357 erwähnten, in Petra un- 




Abb. 15b: Keramik. Links Krüglein Nr. 867a, dann Llimpchen 
Nr. 871a, Schüsselfragment, darauf Figur Nr. 869I und Schalen- 
fragment mit Punkten und gekreuzten Strichen. Unten von 1. nach r. 
5 Schalenfragmente (i u. 2 mit Kerbmuster, 3—5 mit gemaltem 
Muster, 3 u. 5 P.almetten, 4 Epheublätter). Aufnahme von G. D. 



28 



I. Die Stadi und die Heiligtümer Petras. 



gemein zahlreichen Scherben von sehr dünnen, kleinen Schalen aus rotem Ton, 
deren wichtigste Muster Abbildung Nr. 15 b zeigt. 

7. Heiligtümer und Triklinien. 

Neue ,, Heiligtümer" bei Petra zu finden, scheint nicht mehr leicht zu sein. 
George L. Robinson kündigte 1908 eine Zehnzahl neugefundener Kultstätten an^ 
davon waren aber nur zwei in meinem ,, Petra" nicht beschrieben^. Es lag mir 
an, von diesen nähere Kenntnis zu nehmen. Das eine derselben liegt am Südende 
der der-Terrasse, jenseits der Felsenkammern Nr. 502—506.3 Wir nennen es das 
Südheiligtum von ed-der (Nr. 506I; Abb. 17). Auf der Westseite eines am 
Rande des sijar sich erhebenden Bergkuppe führt eine Treppe von 15 Stufen auf 
eine schmale Terrasse. Links, d. h. nach Norden zu, verbreitert sie sich zu einem 
künstlich geebneten Platze (a), und hier liegen an ihr nebeneinander zwei Kammern. 

Die linke von beiden (b), 
4,22 m breit, 4 m tief, mit 
großer Türöffnung, ist der 
Hauptraum. Darin sieht man 
eine große Nische (c) und zwei 
nur durch Einritzung der 
Umrisse angedeutete kleine 
Nischen (d, e) in der rechten 
Seitenwand, eine kleine Nische 
(f) in der Rückwand. Die 
„ . ,. , , , ...,.,, Nebenkammer (g), 3 m breit, 

Abb i6'. Fr.it;mente von Votivpferden. 1,2 der natürlichen . . , , • 1 1 • 

Grösse. Aufnahme von Prof. Jäger in Hamburg. 3,25 m tief, durch eme klei- 

nere Öffnung von einer Ecke 
her zugänglich, enthält nichts Auffallendes. Links vom Eingang in die Haupt- 
kammer steht in einer natürlichen Höhlung eine nabatäische Inschrift (h; Nr. 80). 
Am südlichen Ende der Terrasse führt eine Treppe von 14 Stufen zu einem durch 
Vermauerung einer Schlucht hergestellten Bassin (i). 

Von der Zugangstreppe zur unteren Terrasse her setzt sich ein nach oben 
führender Treppenweg fort, der in sieben Fluchten von 13, 4, 11, 2, 11, 10, 2 Stufen 
zum Teil serpentinenartig in die Höhe steigt und schließlich in eine mit einigen 
Wacholderbäumen bestandene höhere, nach Norden zu etwas abfallende Ter- 
rasse (j), etwa 15 m lang, 6 — g m breit, mündet. An dieser liegt rechts unterhalb 
eines grottenartig hohlen Felsens ein Trog (k) von 155 zu 90 cm, über 55 cm tief. 
Eine Treppe von 8 Stufen, 75 cm breit, 233 cm lang, führt am Südende dieser 
Terrasse zu einer 3 m höher liegenden dritten Plattform (1) von 6,10 zu 6,20 m. 
Diese ist durch einen Einschnitt in den Felsen künstlich hergestellt und hat nur 
nach Osten einigen Abfall. In den auf der Westseite 1,55 m hohen Felsenrand ist eine 

i) Biblical World igoS, S. gii., danach MuN des DPV 1909, S. 1 ff. 

:) S. meine Bemerkung ZDPV 1909. S. 170. 

3) Von dem anderen, das auf el-hubta liegt, wird weiter unten die Rede sein. 




7- Heiligtümer und Triklinien. 



29 




Abb. 17: Siidheüigtum von ed-der Nr. 506'. 
Links Durchschnitt durch m und n (vergrößert) 



Nische (m) von g zu 40 cm gehauen. Zu ihr führt am Fuße des Felsens eine Stufe 
von 90 zu 57 cm, etwa 14cm hoch, die sich ihrerseits über einer größeren Stufe (n) 
von 168 zu 175 cm bei nur 8 cm Höhe erhebt. An ihrem vorderen Rande führt eine 
kleine Rinne entlang. Diese niedrigen Stufen nennt Robinson einen „Altar", und 
es kann wohl sein, daß sie als Gabentafel vor dem in der Nische aufgestellten Idol 
dienten. Ein eigentlicher Altar sind sie nicht. Einige rohe Stufen erleichtern sowohl 
von der dritten als von der zweiten Terrasse den Aufstieg zu der von Natur ebenen 
Gipfelplatte der Kuppe. Auf ihr selbst ist nichts zu sehen. Aber unterhalb ihrer 
liegt nordwärts ein Senkgrab (o) von 53 zu 260 cm bei unbekannter Tiefe. Daß 



30 



I. Die Stadt und die Heiligtümer Petras. 



die ganze Anlage diesem Grabe dienen sollte, ist nicht besonders wahrscheinlich. 
Aber die Kammern der imteren Terrasse mögen Gräber enthalten, die jetzt nicht 
sichtbar sind. Da Robinson die Kultstätte als ,,eine der am meisten in die Augen 
fallenden" von Petra mit Treppen feinster Art bezeichnet hatte, bereitete mir ihr 
dürftiger Charakter eine rechte Enttäuschung. 

Näher an ed-der ihm gegenüber wollte Ulrich ^ einen Höhenplatz mit vier- 
eckiger Vertiefung, Blutrinnen und Wasserreservoir entdeckt haben. Nach seinen 
Andeutungen wird es sich um die Oberfläche der Felsmasse Nr. 450 handeln, von 
der ich 1904 einen Plan machte. Nach dem Rande führende Rinnen sind dort tat- 
sächlich vorhanden und die Vermutung (P., S.273), daß dies der zum älteren der- 
Heiligtum gehörende heilige Stein gewesen sei, schien erlaubt. Aber erneuter Be- 
such des Felsens im Jahre 1910 hat mir diese Vermutung mehr entkräftet als bestätigt. 




Abb. 18: Die Heiligtümer der Klauseiischlucht. 



Angaben Musils- waren die Veranlassung, daß ich die Heiligtümer der Klau- 
senschlucht (441, 442) einer erneuten Untersuchung unterwarf (Abb. 18). 
Hier bedurfte mein Übersichtsplan (P., Abb. 196) vor allem insofern einer Kor- 
rektur, als der Wasserablauf der Schlucht von ed-der um die Nordseite des Kuppen- 
stibadiums Nr. 441 1 herum der Klausenschlucht zuzuführen ist. Die Schlucht, 
welche von Süden auf das Heiligtum Nr. 442 zu herabkommt, entwässert sich mit 
der westlich von Nr. 442 laufenden Nebenschlucht selbständig und ohne Nebenarm 
von Süden zwischen Nr. 441a und 1 nach der Klausenschlucht. 

Bei dem Kuppenheiligtum Nr. 442 b erwähnte ich P., S. 260 (unter d) Stufen, 
welche auf der Rückseite abwärts führen sollen und die auch auf dem Plane (Abb. ig6) 
verzeichnet sind. Ein Treppen weg von 25 erhaltenen Stufen ist da in der Tat ^'or- 
handen. Er beginnt auf der Ostseite der Kuppe von Süden her, wendet sich rück- 
wärts, läuft an der Südseite der Kuppe hin und endet bei einer schmalen Terrasse 
auf der Westseite. Eine Fortsetzung nach der Gipfelplattc fehlt aber, sie schien mir 
auch schwer möglich zu sein. Die nach Süden aufwärts steigende kurze Schlucht 

i) N. Naclir. a. d. Morgenl. 1908, S. 171. 
2) Arabia Petraea II i, S. 139. 



■j. Heiligtümer und Triklinien. 



3> 




Abb. 19: Triklinium Nr. 413. 



enthält an ihrer Westwand einige früher von mir nicht gesehene Felsarbeiten, die 
eine besondere Gruppe (442*) bilden. Zuerst kommt eine Nische mit erhabenem 
Pfeiler (a), dann eine große leere Nische (b), eine kleine Nische (c), in deren Mitte 
sich eine noch kleinere Nische bzw. der 
Raum für ein einzusetzendes Pfeileridol 
befindet, ein Nischenbassin (d), eine Grab- 
kammer (e), bei der die Umrahmung des 
Einganges Quaderbau nachahmt, was sonst 
in Petra nicht vorzukommen scheint (Musil 
nannte es deshalb ein römisches Grab), 
endlich eine offene Grotte (f). Die bei Musil 
(Abb. 102) abgebildete Bogennische mit 
Doppelpfeiler soll die oben unter a) ge- 
nannte Nische sein, die aber ganz anders 
beschaffen ist. Wahrscheinlich hat er seine 
freilich wenig zutreffende Zeichnung von 
Nische Nr. 4423 (P., Abb. 203) irrtümlich 
hierher verpflanzt. 

Nachdem am Wege zu ed-der das so- 
genannte Löwengrab (408 ; 452 Br.) sich 

schon früher als ein Triklinium enthüllt hatte, zeigte sich nun, daß auch das „Grab 
mit den drei Urnen" (413; 455 Br.) in derselben Gegend ursprünglich kein Grab ist, 
sondern ein Triklinium werden sollte (Abb. 19). Das ist um so bemerkenswerter, 
als in seiner Nähe kein Grab sichtbar ist, zu dem es gehören könnte. Auch gibt dies 
ein zweites Beispiel eines Triklinium mit verzierter Fassade, was sonst in Petra gegen 
den Gebrauch ist. Durch die 1,13 m breite Tür treten wir in das Innere von 8,51m 
Breite und 5 , 67 m Tief e . Auf beiden Se iten führen 
vier Stufen^ von 67 cm Breite auf Liegeplätze von 
1,80 m Breite mit einem um 38 cm vertieften 
Rand von 43 cm Breite, der sich selbst 75 cm 
über den Boden des Mittelraumes erhebt. 
An der Rückwand fehlt der Liegeplatz. Aber 
die Absicht, dem Räume die übliche Form zu 
geben, zeigt sich darin, daß hier links eine i,6om 
breite und 2,83 m tiefe Nische in die Wand ge- 
hauen ist. Wäre diese Aushauung über die ganze 
Rückwand ausgedehnt worden, so wären Rück- 
wand und Seitenwände gleichlang, und der Raum 
für den dritten Liegeplatz wäre gewonnen. Diese t i„„„ni,t, ri^.. xrik 

'^ ^ . Abb. 20: Stufen zum Liegeplatz des Inlc- 

Arbeit wurde nicht vollendet, aber man hat m uniums Nr. nyvonel-hremije. Aufnahme 
den Boden ein Senkgrab geschnitten, das 1,20m von G. D. 




i) Abbildung 20 zeigt solche Stufen zur Ersteigung eines Trikliniums, ist aber dem Triklinium 
Nr. 117 von el-hremije entnommen. 



32 



I. Die Stadt und die Heiligtümer Petras. 



breit und 2,50 m lang in den Raum hineinragt, während noch 2,20 m von seiner 
Länge unter die Rückwand hinausreichen. — Beim Eingang in das Tal des Trik- 
liniums, das wädi el-harrubät, befindet sich links ein Nischenbassin (413^) unter- 
halb einer Wasserleitung. 

Ein mir früher unbekanntes Triklinium befindet sich auch unter den Felsen- 
kammern der Ostseite der Akropolis (el-habis). Wenn man hier zu dem Prachtsaal 
Nr. 381 hinaufsteigt, kommt man noch vor dem Felsensaale Nr. 380 zu einem 
zweifachen Räume (379^; Abb. 21). Zu dem Eingang in den Hauptraum, der ein 
Oberlicht hatte, das jetzt mit der Tür zu einer Öffnung verbunden ist^, muß ehe- 
mals eine gebaute Treppe geführt haben, wenn nicht der jetzt darunterliegende 
Raum erst später dazu kam. Jetzt kann man nur durch den Nebenraum in ihn 
hineingelangen. Neben dem Eingange rechts befinden sich Spuren eines Nischen- 
bassins (a) und eines Troges (b), denen eine Leitung, die links von der Tür über 
die Wand geht und unmittelbar an der Tür herabläuft, das Wasser zuführte. Das 

Innere des Hauptraumes (c), welches außer dem Ober- 
licht ein kleines Fenster erhellte, ist auf drei Seiten 
mit einem Triklinium in der gewöhnlichen Form ver- 
sehen. Die Rückwand enthält eine viereckige Nische (d), 
neben und über ihr außerdem 26 kleine Nischchen (e), 
unter denen drei Gruppen zu dreien in der Form eines 
Dreiecks oben und ebenfalls drei Gruppen zu dreien 
in einer Linie auf den Seiten auffallen. Die erste Art 
der Gruppierung ist auch anderwärts zu beobachten 
(P., S. 86). Ein Loch in der Wand enthält noch den Rest 
eines Pflockes und beweist, daß Löcher in den Wänden 
oft diese Bestimmung hatten (siehe P., S. 86). In den 
Raum des Triklinium ragt mit seiner linken hinteren Ecke der Nebenraum (f), der 
ursprünglich mit jenem nicht unmittelbar verbunden war. Er hat eine eigene Tür 
und zwei Fenster. Seine rechte Seitenwand hat vier viereckige Nischen (g), ist aber 
außerdem mit einer Reihe von 14 kleinen Nischchen (h) versehen. Endlich muß noch 
eine Reihe von sieben solcher Nischchen (i) unterhalb der Wasserleitung vor dem 
Eingange zum Triklinium (siehe oben) erwähnt werden. 

Auf einige sepulkrale Gruppen am Südende des Bergrückens zwischen 
el-m'esara et-tarfäni und el-m'esara el-wasta wurde ich aufmerksam. Die erste 
(514; 550 Br. ; Abb. 22), welche ich früher vergebens gesucht hatte (P., S. 283), hat 
zu ihrem Mittelpunkte eine vorn offene Felsenkammer (a), in deren rechter Seiten- 
wand sich eine Nische (e), in der Rückwand (mehr nach links zu) drei Nischen 
(b, c, d) befinden (Abb. 23). Alle vier Nischen sind gleich groß, 30 cm breit, 52 cm 
hoch, 15 cm tief, und haben in ihrer Mitte um 3cm erhabene Pfeiler von 16 zu 31 cm. 
Oberhalb jeder Nische befinden sich zwei viereckige Löcher, 4 cm breit, 7 cm tief, 
die wohl einmal Pflöcke zum Aufhängen von Kränzen oder Votivgaben enthielten. 




Abb. 21: Trikliuium Nr. 379'. 
Nicht gemessen. 



i) Die Eingänge und FeustiT zu beiden Kammern sind sichtbar P., .Xbb. 175, links nahe der 
weiten, dunklen Öffnung. 



7. Heiligtumer und Triklinien. 



33 



Zwischen den Nischen an der Rückwand und links von der einzelnen Nische gibt 
es je ein kleines Bogennischchen, 12 cm breit, 11 cm hoch, 7 — 9 cm tief, in welches 
ein Lämpchen oder eine Schale gestellt werden konnte. Dr. Karge fand an der 
Rückwand unterhalb der Nischen 
im Boden ein Senkgrab, von dem ^■' 

aber gefragt werden kann, ob es 
in dieser offenen Kammer ur- 
sprünglich ist. Vor der Kammer 
öffnet sich links eine große Bogen- 
nische (f) von 90 zu 140cm, 70 cm 
tief, rechts unmittelbar am Ein- 
gang zur Ivammer ein dachloser 
Nebenraum (g). Vor ihm liegt 
die Öffnung eines Senkkammer- 
grabes (h). Von Gräbern ist die 
ganze Anlage umgeben. Über der 
Hauptkammer liegt das Zinnen- 

grab Nr. 549 Br., das Brünnow auf dem Plane Tafel XV weit davon abgerückt 
hat imd dadurch mein früheres vergebliches Suchen veranlaßte. Links vor dem 
Eingange zu diesem Grab befindet sich eine Nische mit erhabenem Pfeileridol (i), 
dann folgen nach Westen zu die beiden Zinnengräber Nr. 548, 547 Br. Vor den 
letzteren liegt der Eingang zu einem Senkkammergrab mit drei Schalenvertiefungen 
und sieben einfache Senkgräber. 

Die Felskuppe, an deren Südwestende sich diese Gruppe befindet, ist aber 
auch sonst bemerkenswert. Auf ihrer Ostseite ist eine Bogennische (j) mit erha- 
benem Pfeileridol zu sehen, dieselbe, die ich P., S. 282 als Nr. 512 infolge ungenü- 
gender Notizen an unrichtiger Stelle eingetragen habe. Die Nische, deren Maße 




Abb. 22: Sepulkrale Gruppe Nr. 514. Nicht gemessen. 




Abb. 23: Pfeilernischen in der Rückw.and von Kammer Nr. 514a. 



ich dort angegeben habe, ist i6 cm tief, der Pfeiler 51,2 cm erhaben. In der Um- 
gebung dieser Nische liegen drei Senkkammergräber, wovon eines mit drei Schalen- 
vertiefungen am Eingange, eines mit zwei, außerdem zwei Senkgräber. Weiterhin 
auf derselben Seite des Felsens erlaubte früher eine Treppe, von der noch 5 Stufen 
vorhanden sind, den Aufstieg auf seine Oberfläche, wo ein größeres und ein kleines 
Senkgrab auffallen. Eine kleine Kammer (k) mit Tür liegt neben der Tieppe und 

Dalman, Neue Petra-Forschungen. 3 



34 



I. Die Stadt und die Heiligtümer Petras. 




oo 

Abb. 24: Sepulkrale Gruppe Nr. 514V 
gemessen. 



weiterhin neben dem Felsen noch ein Senk- 
kammergrab mit drei Schalenvertiefungen. 
Im ganzen befinden sich also in der Um- 
gebung dieses Felsens 3 Grabkammern, 
5 Senkkammergräber und 11 Senkgräber. 
Dem Saale für die Totenfeiern fehlten jeden- 
falls nicht die Toten, denen sie gelten 
konnten. 

Etwas weiter oben nach Nordwesten zu 
fällt ein anderer isolierter Bergklotz dadurch 
auf, daß sein Südende wie ein großer Altar 
(514^) zurechtgeschnitten ist (Abb. 24). Drei 
Stufen umgeben auf zwei Seiten seinen Fuß, 
oben darauf befindet sich ein schmälerer Auf- 
satz. Auf der stufenlosen Seite führt eine Tür 
An der Ostseite des Klotzes sieht man eine Nische (b) 
auf seiner Oberfläche nebeneinander zwei Senkgräber. 



Nicht 



in eine kleine Kammer (a). 

mit einem Nischenbassin (c 

Besonders bemerkenswert ist am Fuße des Altars nach Osten zu eine Gruppe von 

dreizehn ziemlich großen und tiefen Felsnäpfen (d), von denen einer dreieckig ist. 

Sie könnten teilweise natürlich sein. Ein Senkgrab liegt in einiger Entfernung. 

In diese Gegend gehört 
auch die Kammer (514^) von 
6,70 m Breite und 9,90 m 
Tiefe mit dem S. 25 er- 
wähnten Bilde des Sonnen- 
gottes. Brünnow verzeichnet 
sie imter Nr. 532 nur als 
,,Türe". Sie enthält aber ein 
Triklinium (Abb. 25) imd 
ist auch dadurch ausge- 
zeichnet, daß vor ihrem 
weiten Eingang ein Vorplatz 
von 10 m Breite und 6,45 m 
Tiefe in den Fels gehauen ist, 
auf dessen dem Eingange 
gegenüberliegender Seite ein 
Liegeplatz (a) hergestellt ist. 
Seine 27 cm breite Umran- 
dung erhebt sich 60 cm über 
den Boden des Hofes und 
steigt dann 15 cm zum Liege- 
platz an, dessen Abdachung 
1,47 m breit ist. Rechts 
neben dem Eingange zur 




Abb. 25: 'rrikliuiuni Nr. 514^. 



7- Heiligtümer und Triklinien. 



35 



Kammer liegt ein Nisclienbassin (b), darüber eine große Nische (c), und weiterhin 
an der Treppe, welche zum Vorplatz hinaufführt, eine Zisterne (d). Links vom 
Vorplatz lieget weiter zurück und tiefer eine offene kleinere Kammer mit einer 
Bank an der Rückwand, rechts ebenfalls weiter zurück ein Zinnengrab (533 Br.). 
Der untere Teil des Felsens des Zweiten Heiligtums von el-m'esara (520) 
war von mir früher nicht hinreichend beachtet worden. Er ist auf drei Seiten 
ganz mit in ihn gehauenen offenen Kammern (519) besetzt (Abb. 26). Auf der 
Südseite fängt die Reihe der Kammern von Osten her mit einem großen leeren 
Räume (a) an. Darauf folgt in dem Zwischenräume zwischen ihm und der nächsten 
Kammer eine große, einfach umrahmte Nische (b) von 1,50 zu 1,50 m und 42 cm 
Tiefe, worin ein Pfeiler von 28 zu 75cm, 15cm erhaben, sichtbar wird (Abb. 27), 
weiter eine Kammer (c) mit je einer Nische in jeder der drei Seiten, und bedeutend 
höher, ehemals wohl von der links daranliegenden Treppe (Nr. 520 m) zugänglich, ein 
Raum (d), dessen vordere Hälfte abgestürzt ist. An seiner Rückwand links eine 





Abb. 26: Untergeschoss des Heiligtums Nr. 520. Nicht gemessen. 



Abb. 27: rfeilernische Nr. 519b. 



große, rechts zwei kleine Nischen. Eine fensterartige Öffnung geht nach der Treppe. 
Unten folgen nun auf der Westseite drei, wohl früher durch Wände getrennte 
offene Räume (e) und auf der Nordseite ein offener Saal (f). Auf der Felsplatte 
vor dem letzteren scheint ein größeres flaches Bassin (g) nach Norden zu Wasser 
sammeln zu sollen, während ein kleineres (521) mit einem ostwärts führenden 
Ablauf versehen ist. In seiner Nähe führen Stufen zu einer östlich vom Felsblock 
liegenden tieferen Platte herab und damit zugleich zu einer hier in den Felsen 
gehauenen Kammer (522), welche ein Triklinium enthält. Die Ostseite des Fels- 
blockes ist kammerlos. Umschreitet man sie, so kann man schließlich auf drei 
Stufen wieder zur ersten Kammer (a) hinaufgelangen. 

Da Brünnow in einer Anzeige meines ,, Petra", deren wohlwollende Haltung 
ich dankbar anerkenne, v. Domaszewskis Plan vom Vierten Heiligtum von 
el-m'esara (Nr. 529; 625 Br.) gegen mein Urteil ,, recht verfehlt" in Schutz ge- 
nommen hat und hervorgehoben, daß er wohl nicht in allen Einzelheiten genau, 
aber doch ein nach genauen Maßen gezeichneter Grundriß und sehr viel anschau- 
licher sei als meine Skizze, bin ich genötigt, mein früheres Urteil eingehender zu 

3* 



^6 I. Die Stadt und die Heiligtümer Petras. 

begründen. Die Anschaulichkeit des von Brünnow gelobten Planes ist eine Tat- 
sache, die ich gern zugebe. Aber sie ist von der Art, daß ich beim Besuche des 
Heiligtums mich fragte, ob es wirklich das bei Brünnow beschriebene sei. Bei 
ihm führen sechs Stufen in einen 9,80 m langen und 3,80 m breiten Raum, mit Bänken 
von 60 cm Breite auf beiden Seiten. Ich fand nur vier Stufen und einen Raum von 
6,90m Breite und etwa 8,35m Länge. Auf den Seiten waren nicht schmale Bänke, 
sondern 1,75 m breite Liegeplätze, welche den Raum auf drei Seiten einfassen. 
v. Domaszewski umgibt diesen Saal mit 1,20 m dicken, geradlinig abgeschnittenen 
Wänden; ich fand ganz unregelmäßige Felsmassen, wie auch meine Photographie 
(P., Abb. 241) ausweist. Zur Höhe der rechten Saalwand führt bei ihm eine fein aus- 
geführte regelrechte Treppe von 19 Stufen; ich sah nur acht ganz unregelmäßige 
Tritte (siehe ebenfalls die Photographie). Oben sollte eine Rinne, welche wohl der 
Befestigung eines Sonnensegels diente, die Wände des Zimmers umziehen. Aber 
nur auf einer Seite gibt es eine Rinne, die zu diesem Zwecke nicht zu brauchen 
war. Die Vergleichung des Planes mit der Wirklichkeit gibt in allen Teilen das 
gleiche Resultat. Aber das Obige dürfte zur Begründung meines Urteils genügen. 
Ich füge nur hinzu, daß meine ,, Skizze", gegenüber den 35 von Domaszewski 
in seinen Plan eingezeichneten Maßen, auf 61 Messungen beruht, und erlaube mir 
den beiMusil mehr wie bei Brünnow sich aufdrängenden Wunsch, daß archäologische 
Arbeiten doch nicht durch daheim von Architekten schön ausgeführte ,, Grund- 
risse" die Leser täuschen sollten, wo unvollkommene Notizen an Ort und Stelle 
kaum die Mitteilung einer Skizze erlaubten. 

Unterhalb el-\iubta verdient das Dritte Heiligtum (P., S. 313 ff.) wegen 
seiner mannigfachen Zusammensetzung besondere Aufmerksamkeit. Nach den 
darin gefundenen griechischen Inschriften scheint es von einem Dorotheos, also 
wohl einem Wahbullähi, zu stammen. Die Abbildung Nr. 28, die ich jetzt von ihm 
geben kann, zeigt rechts die zu ihm hinaufführende Treppe, dann die Eingänge 
zu den Triklinien Nr. 682 und 684, das letztere mit drei Türen und Fenstern, den 
Felsen mit Kammer Nr. 688 und der Treppe zu der höheren Terrasse, an welcher 
vor allem die offene Halle Nr. 693 auffällt und rechts vor ihr die beiden Altar- 
reliefs Nr. 691. Links wird noch ein Teil der dritten Terrasse des Heiligtums mit 
der Bogennische Nr. 696 und der Pfeilernische Nr. 697 erkennbar. Unterhalb der 
Halle Nr. 693 sieht man den weiten Eingang zur Kammer Nr. 687 und auf tieferem 
Niveau das große Altarrelief Nr. 699, das ich P., S. 318 und auf dem Plane Abb. 276 
irrig unter Kammer Nr. 698 setzte, die auf dem Bilde nicht mehr sichtbar ist. 

Meine Hoffnung, im Norden des Gipfelplateaus von el-chubta etwas zu ent- 
decken, schlug fehl, obwohl ich es bis dahin umkreiste, wo die zum sidd el-modlem 
nördlich und östlich abfallenden Schluchten ein weiteres Vordringen unmöglich 
machten. Zwar ist an vielen Stellen der Fels zur Herstellung einer ringsherum 
laufenden Terrasse abgeschnitten, auch zweimal durch Einschneidung von Stufen 
der Weg erleichtert, aber sonst war nichts zu sehen. Auch die von Musil auf seiner 
Petrakarte angegebenen sechs Gärtchcn sind weder vorhanden noch im feuchtigkeits- 
armen Sande wahrscheinlich. Man mag früher wie jetzt hier Ziegen geweidet 
haben. 



7- Heiligtümer und Triklinien. 



37 



Eine „Opferhöhe" fand Robinson 1907 in der Nähe der Treppe, auf der 
ich ehedem den Hauptgipfel von el-hubta erstiegen hatte (P., S. 343^)- Im 







Abb. 28; Drittes Heiligtum unterhalb el-hubta. Aufnahme von G. D. 

Jahre 1909 versäumte ich nicht, das früher Übersehene einer genauen Besichtigung 
zu unterwerfen. Es ist dort zwischen drei kleine Felskuppen eingebettet ein un- 
bedeckter Felsenraum (ySo^a) von 6,40 m Breite und 7,60 m Länge (Abb. 29). 
Auf drei Seiten ist er in den Fels geschnitten, 
auf der vierten offen. Je zwei Bogenlager 
auf den gegenüberliegenden Felswänden be- 
weisen, daß der Raum einmal wenigstens 
in seinem hinteren Teil überdacht war. 
Sollte er eine Zisterne gewesen sein? Eine 
Treppe von 14 Stufen, die nur 70cm breit 
sind, führt zu diesem Räume hinauf. Da, 
wo der von der Treppe kommende Zugang 
sich demFelsenraume nähert, erlauben neun 
sehr flache Fußtritte die nördlich an ihn 
stoßende kleine Kuppe zu erklimmen. In 
ihre etwa 41.^ m über den Boden des Felsen- 
raumes sich erhebende Gipfelfläche ist 
ein Kreis (b) von i m Durchmesser etwa 
13 — 14 cm tief eingeschnitten. Dieser Kreis 
hat ostwärts eine 70 cm breite Öffnung. 

Die Kuppe ist gerade so groß, daß auf allen Seiten ein Liegeplatz von etwa 1,30 m 
Breite allenfalls möglich wäre. Es könnte sich etwa um ein Stibadium handeln, ähn- 
lich dem der Klausenschlucht Nr. 441 f , aber viel dürftiger ausgeführt. Lieber noch 




Abb. 29 : Robinson's „Opferhöhe" auf el-hubta. 



3S 



I. Die Stadt und die Heiligtümer Petras. 



würde man freilich an eine Spendeschale denken, die möglicherweise einen natür- 
lichen Ursprung hatte, da einige Felskuppen dieser Gegend Ähnliches aufweisen. Ro- 
binson dachte an einen Bratofen (!). Er verzeichnete ein von mir 1909 nicht be- 
merktes Senkgrab mit fünf Schalenvertiefungen unmittelbar vor der offenen Seite 
des Felsenraumes und veranlaßte dadurch einen neuen Besuch dieser Stätte im 
Jahre 1910. Das Resultat war überraschend. Weder an der angegebenen Stelle 
noch sonst irgendwo rings umher war trotz des Kletterns auf die Felsen der Um- 
gebung ein Grab zu entdecken. Ein anderwärts von Robinson gefundenes Grab 
muß in seine Notizen vom ,, Höhenplatz" verschlagen worden sein. 

Ob die hochgelegene tiefe Zisterne (791) an der nahen Treppe zum Haupt- 
gipfel von el-hubta eine Beziehung zum Felsenraume hat, ist sehr ungewiß. Das- 
selbe gilt von einer 
kleinen Nische (c), zu 
welcher zwei Stufen füh- 
ren, während auf beiden 
Seiten eine Bank ein- 
gehauen ist, und drei 
anderen nebeneinander 
liegenden Nischen (d, e,f) 
in der Nähe des Fußes 
jener Treppe. 

Auf der südlichen 
Gipfelfläche von el-Jiubta 
besuchte ich 1909 und 
igio wieder das schöne 
Stibadium Nr. 769, das 
jetzt, durch eine aus 
größerer Nähe aufge- 
nommene Photographie 
(Abb. 30) anschaulicher 
gemacht werden kann, als es P., Abb. 306 geschah. Ich hatte P., S. 91 als eine 
Vermutung bezeichnet, daß die Peträer bei der Form der Stibadien an die Sonne 
gedacht hätten. R. Hartmann macht mit Recht darauf aufmerksam^, daß die 
Erklärung der übrigens erst für spätere Zeit nachgewiesenen halbrunden Grabsteine 
mit vertieftem Mittelfeld durch sigmaförmige Grabopfertische ihre beste Veran- 
schaulichung in Petra finde. In Verbindung damit erwähnt er, daß die Form der 
Stibadien wahrscheinlich mit den Spendeschalen zusammenhänge. Er wird nicht 
meinen, daß man die Stibadien unter diesem Gesichtspimkte erfunden habe, da sie 
im Altertum auch dem profanen Gebraucli angehören. Aber es ist miiglich, daß den 
Toten geltende Spenden in die vertiefte Mitte des Stibadiums, wenn sie geschlossen 
war, ausgegossen wurden. Man müßte dann von dem Troge des Trikliniums Nr. 669 das 
Gleiche annehmen. Aber über eine Vermutung kommen wir auch hier nicht hinaus. 




Abb. 30: Stibadium Nr. 769 .luf el-hubta. Aufnahme vou G. D. 



I) Wörter und Sachen 1911, S. 195 ff. 



7. Heiligtümer und Tkiklinien. 



39 



Von größerer Bedeutung ist die Tatsache, daß in Ägypten in griechisch- 
römischer Zeit in Verbindung mit Grabanlagen Triklinien ganz im Stile Petras 
nachweisbar sind. Das bekannteste Beispiel ist das 1900 entdeckte Grab von kom 
es-sukäfa in Alexandrien. Dort liegt an der Rotunde, welche den Zugang zu den 
eigentlichen Grabräumen vermittelt, auf der linken Seite ein schmuckloser Felsen- 
saal von 7,92 zu 9,97 ml (Abb. 31). Darin befindet sich, gleichfalls aus dem 
Felsen gehauen, ein Triklinium, dessen Innenraum 2,18 zu 3,50 m mißt. 
Er wird, genau wie in Petra, zunächst umgeben von einem 25 cm breiten 
Rande, über den sich die 1,75 ni breiten Liegeplätze 5 cm erheben. Die Höhe 
des inneren Randes über dem Fußboden beträgt 62 cm, und ebenso hoch ist 
die äußere Kante des Trikliniums, dessen Liegeplätze also fast wagerecht sind. 
Vier Pfeiler tragen die Decke des Raumes, welche durch ein einfaches, auf den 



.^ p^S^Sä^s»;^SS$SSJ§SSS^SSSi$$S^^giSS^ 



I 



i 




^^^^^^^^^^^^^^^^^ 





Abb. 31: Triklinium von köm es -suliafa. Plan und Durchschnitt. 



Pfeilern ruhendes Gebälk in eine dem Mittelraum des Trikliniums entsprechende 
mittlere Fläche und eine rings umher laufende Seitenfläche geschieden ist. Die 
erstere liegt bedeutend höher als die letztere. In Petra kennt man diese Be- 
handlung der Decke nicht und hat das TrikUnium stets an den Wänden ent- 
lang laufen lassen, während hier ein 87 cm breiter Zwischenraum auf allen drei 
Seiten Triklinium und Wände scheidet. 

Eine kleine, aber sehr verwitterte sakrale Gruppe (275I) liegt am Wege 
nach en-nmer, der Felsenkammer 275 (286 Br.) westlich gegenüber, also nörd- 
lich vom gebel en-nmer. Drei breite Stufen führen zu einer großen Nische (a) 
mit kleinem, vertieftem Pfeiler, die sich an einer in den Felsen geschnittenen 
Wand befindet. Eine zweite kleine Nische (b) ist links neben ihr. Unterhalb 
links neben der Treppe fehlen nicht die Wasserbehälter in der Form eines 
größeren und eines kleineren Troges (c, d) und einer Schalcnverticfung (e). 
Rechts etwas abseits öffnet sich eine kleine Kammer (f), die möglicherweise als 
Grab gedient hat. 

i) Die mitgeteilten Maße wurden von mn selbst genommen, sind aber vielleicht nicht ganz genau, 
weil ich kein Metermaß zur Verfügung hatte. 



40 



I. Die Stadt und die Heiligtümer 1'etras. 



In dieser Gegend fand ich igog Gelegenheit, die größte Treppenflucht Petras 
am gebel en-nmer (P., S. 207) zu erklettern. Ich hatte 1906 durch Benützung von 
aufsteigenden Schluchten diesen Teil des Treppenweges vermieden. Abb. 32 zeigt, 
wie eine natürliche Bergspalte (auf dem Bilde die erste von links) für die 
Anlage der Treppe benützt wurde. Sie ist sehr steil und fast schnurgerade. 
Nur in der Mitte ist ein besonders steiler Absturz durch eine in den 
Felsen geschnittene seitliche Ausweichung (auf dem Bilde sichtbar) ver- 
mieden. Ich zählte" 127 Stufen. Oben gelangt man auf eine schmale Fels- 
terrasse, auf welcher man süd- 
wärts schreitet, dann 17 Stufen 
emporsteigt, worauf der Auf- 
stieg zur nächsten Bergterrasse 
folgt. 

Durch die auf der Rückwand 
befindliche Inschrift des Heilig- 
tums von bäb es-sik Nr. 90 
(Abb. 33) erhielt eine erhöhte 
Bedeutung das Triklinium 
Nr. 17 (Abb. 34). Der vorn weit 
offene Raum ist 5,38 m tief und 
5,63 m breit. Die Liegeplätze 
sind i,20m breit und haben eine 
30 cm breite Einfassung. Das 
von einem Bogen überwölbte 
Nischenbassin (a) an der rechten 
Seitenwand nahe ihrem vorderen 
Ende mißt 35 zu 100 cm. In 
der Mitte der Rückwand ist 
unter der Inschrift das Bild 
einer Aedicula (b), 40cm breit, 
35 cm hoch, mit einem 13 cm 
hohen Giebel eingeritzt, in deren Grunde ein kleines Bogennischchen, 17 cm 
hoch, 12 cm breit, 9 cm tief, eingehauen ist (Abb.35). Hier konnte eine 
Schale aufgestellt werden, aber es war wohl eher ein Idol in Omphalos- 
form eingesetzt. Rechts davon ist das Bild eines Pfeilers (c) von 14,5 cm 
zu 21 cm eingekratzt. Sonst fehlt es an den Wänden nicht an Bildern von 
langhalsigen Kamelen (d), über deren Entstehungszeit sich nichts sagen läßt. 
Zum Heiligtum gehört eine Kammer (Nr. 16) und eine Reihe von 20 Nischen (Nr. 15) 
auf der rechten Seite, links ebenfalls eine kleine Kammer (Nr. 17, Br. 22; 
P., S. 107 weggelassen) und eine Gruppe von sechs Nischen, welche zu einer 
Grabkammer (Nr. 18*, Br. 24) überleitet. Eine birnenförmige Zisterne (Nr. 19) 
gegenüber der Grabkammer und eine hübsche Pfeilernische (Nr. 20) vollendet die 
Anlage. 

Um die ,, ziemlich große Opferstättc mit Opferaltar und Kochstelle", welche 




Abb. 32: Längste Treppenflucht von Petra. Rechts umm el-biara 
und es-sija_r. Aufnahme von G. D. 



7. Heiligtümer und Triklinien. 



41 



Musil in el-beda verzeichnet^, zu finden, durchsuchte ich die üsthch von der Ebene 
dieses Namens hegenden Felsmassen. Vom Süden her kommend, trifft man hier 
zuerst auf einer niedrigen Kuppe ein überbaut gewesenes Senkgrab (801 1) und in 




Abb. 33: Nischenreihe Nr. 15 a— g des Heiligtums von bab es sik. Aufu.ihmc vou P. Kahle. 

seiner Nähe ein Bassin (a) und eine Zisterne (b). Weiter nördUch folgt in einem 
Talgange vorn auf der rechten Seite (südlich) eine jetzt dachlose Felsenkammer 
mit Tür (Soi^), ganz hinten eine schöne Treppe, die zu einer Talsperre mit Teich 
(801') führt. Weiterhin kommt dann die unter Nr. 802 von mir beschriebene kleine 








•z 



Abb. 34; Triklinium Nr. 17. 



Abb. 35: Nische Nr. 17b in Triklinium Nr. 17. 



Gruppe und in einer östlichen Einbuchtung hinten links eine größerer Felsaus- 
sclmitt (802I), zu dem man auf drei Stufen hinaufsteigt. Eine große Nische (a) 
ist hier in die Mitte der Rückwand eingehauen, daneben rechts eine, links zwei 
kleinere Nischen (b, c, d) von verschiedener Größe. Alle Nischen haben im Boden 

i) Arabia Petraea II 2, S. 230. 



Ä2 1. Die Saut und diu IIeiliütümer Petras. 

Vertiefungen, als sollte da etwas hineingestellt werden, die große Nische in ihrer 
Fläche vier Löcher, wohl zur Befestigung einer Tafel. Ein Nischenbassin (e) links 
vom Ausschnitt unterhalb vollendet die kleine sakrale Gruppe. Ein größerer 
Teich (f) liegt hinter ihr zwischen höheren Felsen, eine offene Kammer (g) weiter 
rechts jenseits einer schmalen Schlucht. 

Am nördlichen Ende von cl-beda liegt auf der Ostseite (gegenüber Nr. 860) 
ein Zinnengrab (807I) mit zehn Nischchen in der Front. 

Musils ,, Opferstätte" fand ich nicht, wenn nicht die unter Nr. 802^ geschil- 
derte Gruppe damit gemeint ist, ebensowenig Brünnows ,, Große Höhle" Nr. 835 
mit gewölbter Decke. Dagegen ergab sich, daß die von ihm zu dieser Nummer 
gesetzte Beschreibung Palmers von einer Kammer mit Vorraum, zwei Neben- 
kammern und einem Fenster links von der Tür nicht hierher gehörte, sondern 
sehr viel weiter nördlich, wenig südlich vom Stibadium Nr. 862, wo in das west- 
liche Felsmassiv eine große Einbuchtung hineinläuft. Auf ihrer nördlichen Seite 
führt ein Aufgang zu einer gut gearbeiteten Kammer (861 1; Abb. 36), neben deren 

zerstörtem Eingang links imten ein Fenster sicht- 
bar wird, höher auf beiden Seiten je eine flache 
Nische. Weiter links liegt davor ein ziemlich flaches 
Bassin (a). Inwendig steht man zunächst in einer 
schmalen Vorhalle (b), die durch Pilaster von dem 
etwas höheren quadratischen Hauptraum (c) ge- 
trennt wird. Von der Vorhalle führen niedrige 
Türen beiderseits zu tiefer liegenden Kammern (d, e), 
Abb. 36: GrabanLage Nr. S6ii bei welche Wahrscheinlich Gräber enthielten. Der An- 
el-beda. Nicht gemessen. ]age, welche in ihrer Disposition an eg-gerra er- 

innert, südlich gegenüber an derselben Einbuchtung 
führt eine Treppe von 39 Stufen zu einem natürlichen Bassin (e), das früher durch 
eine Mauer nach vorn geschlossen war. 

Ob der weiter südlich an der Außenseite der Felsmasse liegende Pfeiler Nr. 861 
sakrale Bedeutung hat, blieb mir auch jetzt zweifelhaft. An dem vorderen Rande 
einer 84 cm hohen, künstlich abgeschnittenen Felsbank erhebt sich noch 46 cm 
über sie dieser Pfeiler von 100 cm Länge und 55 cm Breite. Aus seiner vorderen 
rechten Ecke ist ein Stück von 48 cm Breite und 35 cm Höhe herausgeschnitten. 
Rechts dahinter befindet sich eine niedrige Felswand mit einer großen Nische (a) 
und zwei kleinen Bogennischen (b, c), oberhalb deren man zu einer Wasserleitung 
gelangt. Hier oben ist im Felsen eine große Nische (d) sichtbar, deren prisma- 
tischer Hintergrund verrät, daß man eine Kammer herstellen wollte (vgl. P., S. 206 f.). 
— Nicht viel weiter südlich liegt eine angefangene kleine Grabfassade (861 1), und in 
noch größerer Entfernung führen 29 Stufen zu einer Wasserleitung, die in ein 
unten liegendes Bassin (861 -) mündet. Damit sind wir in die Nähe der großen 
Zisterne (803) von el-beda gelangt, und die am Ostrande der nördlich davon lie- 
genden Felsmassen sichtbaren Einzelheiten sind verzeichnet. 

Eine kleine Nachlese ergab die Schlucht von el-bärid, deren Zauber besonders 
den, welcher Petra nicht vorher gesehen hat, machtvoll umfängt. Eine Kletterei 




Heiligtümer l'Nd Triklinien. 



43 



jenseits der großen Treppe in der Klamm, mit welcher die Schlucht endet, war 
zwar nur insofern von Bedeutung, als sie zeigte, daß der Tempel, den Palmer ober- 
halb derselben vermutete, nicht vorhanden ist. Auch die von mir (P., S. 352 f.) aus- 
gesprochene Ansicht, daß der die Klamm sperrende Felsen von oben herunterge- 
fallen sei, ist irrtümlich. Er ist an 
seiner Stelle „gewachsen" und nur für 
die Treppe etwas zurechtgeschnitten 
worden. Die Treppe leitet schHeßlich 
zu einem Wege, der wieder abwärts 
zu einem Tale führt, das nach Musils 
Karte zum System des wädi merwän 
gehört. Ob ein Weg nach der 'araba 
von hier aus möglich ist, habe ich 
nicht in Erfahrung bringen können. 
Aber man kann, wenn man sich zu- 
nächst südlich und dann östlich wen- 
det, durch eine Seitenschlucht nach 
el-bärid zurückkehren. 

Eine Nachprüfung des Planes des 
Heiligtums Nr. 847—858, Abb. 317, 
ergab, daß die Osttreppe von 23 Stufen 
länger zu zeichnen war und so weit 
zurückzurücken ist, daß die Ver- 
bindung nach dem Vorplatze des Bik- 
liniums geradlinig fortgesetzt werden 
kann, bis sie die Stufen 850b erreicht. 
Man gelangte zur Treppe, indem man 
erst in westlicher Richtung vier Stufen, 
dann in südlicher Richtung drei Stufen 
erstieg. Hier wandte man sich östlich, 
stieg die am Boden 8 m lange Treppe 
von 23 Stufen (oben 1,20 m breit, 
unten schmäler) empor, wandte sich 
sofort wieder westlich und gelangte so 
auf die oberhalb der Treppe neben ihr 
entlang führende Rampe von 1,40 m 
Breite, welche ehemals bis zur Nische 
850 e reichte und erst von da ab einer 
künstlichen (geradlinigen) Fortsetz- 
ung bis zum Vorplatz des Bikliniums bedurfte. — Die Terrasse des Nischenbassins 
Nr. 847 ist nach dem oben Gesagten ebenfalls zurückzurücken — sie ist von der 
„Rampe" ab noch 1,55 m tief, aber sehr viel breiter, als ich sie gezeichnet habe. 

Von größerer Bedeutung war, daß mich Dr. Karge auf ein Biklinium (Abb. 37) 
aufmerksam machte, zu welchem die dem Heiligtum gegenüberliegende Treppe 




Abb. 37; 



Biklinium Nr. 858 in el-barid. Nur das 
Bildinium gemessen. 



44 



I. Die Stadt und die Heiligtümer Petras. 



Nr. 858 führt. Man steigt erst 3, dann 13 Stufen in nördlicher Richtung, wendet sich 
westlich und hat nun eine zuerst breite, dann schmälere Treppe von 33 Stufen 
vor sich. Sie führt zu einer kleinen Plattform mit einem Biklinium, dessen innere 
Seiten 1,68 und 2^20 m messen, während der Rand 32 cm und die Liegeplätze 1,34 
bzw. 1,42 m breit sind. Drei Stufen (a) führen auf die Höhe des seitlichen Liege- 
platzes (b), vier Stufen (c) vom hinteren Liegeplatze auf seinen Felsrand, hinter 
dem sich eine schmale Schlucht öffnet. Diese muß früher verdeckt gewesen sein, 
denn weitere 12 Stufen (d) führen als Fortsetzung jenseits, jedoch in anderer Rich- 
tung, in die Höhe. Der hintere Teil der Schlucht war in ein Bassin (e) verwandelt 
durch eine Sperrmauer, deren unterer Teil mit einem Ausflußloche noch steht, die 
aber früher die Höhe der zuletzt genannten Treppe gehabt haben muß, so daß die 
Treppe an den Rand des Bassins führte. Eine vom Biklinium zerschnittene Rinne (f) 
leitete ehemals das Wasser längs der großen Treppe herab, gewiß zu einer Zisterne, 
deren Ort ich nicht kenne. Später führte das durch das Loch in der Sperrmauer 
ausfließende Wasser in ein tief unterhalb des Bikliniums sichtbares langes Bassin (g), 
zu welchem man auf neun Stufen hinaufstiegt. Neben ihm liegen noch zwei läng- 
liche Tröge oder Bänke (h, i), zu denen drei Stufen hinaufführen, und ein Nischen- 
bassin (j). Für eine zweite größere Treppe (k), welche weiter westlich mit einer 
Windung in die Höhe geht, ließ sich kein begreifbarer Zweck entdecken. Das wahr- 
scheinlichste Ziel ist ein Wasserbassin. 

8. Pfeilernisclien. 

Einige neugefundene Nischen mit einfachem Pfeiler sind schon oben 
(S. 31, 32 f., 35, 39, 41) genannt worden. Hier werden weitere vereinzelt vor- 
kommende Exemplare aufgeführt. 

Im sik bemerkte ich zwischen den Nischen Nr. 146 und 147 über einer Tür hoch 
auf der Nordseite eine leere Bogennische mit schmalen Pilastern (1461). 

Genauere Besichtigung der Nische Nr. 161 (Abb. 38) ergab nicht nur, daß die 
Umrahmung Pilaster mit Kapitalen und Gesims unter dem Rundbogen er- 
kennen läßt, sondern auch, daß, was ich für ein eingekratztes Pfcilerchen hielt, 
der Stamm einer Palme ist, deren eingeritztes Bild die Wölbung des Bogens 
schmückt ^. 

Übersehen war von mir in der Nähe dieser Nische eine große flache Nische (161^), 
an deren Grunde ein kleiner erhabener Pfeiler sichtbar ist. Darüber ist ein großes 
Kreuz eingeritzt. 

Ein kleines erhabenes Pfeileridol enthält die Nische Nr. 175. Ebenso findet 
sich ein Pfeileridol in viereckiger Nische (179^) an der Wand des gehauenen Zuganges 
zu hräbet cg-gcrra vom sik her (s. oben S. 17). 

Am Treppenwege durch umm el-mehäfir nach zibb 'atüf weit oben ist eine 



1) S. P., Abb. 14, rechts. 

2) Zu dem Symbol der Palme (P., S. 76) sei hier auch auf die Palmen der phönizischen Stelen 
verwiesen, s. CIS I 184, 196, 201, 222, 245, 246. 



8. Pfeii.ernischen. 



45 




Abb. 38: Idolnische Nr. 161 
im sik. 










Abb. 39: Idoluische Nr. 192 d bei 
zibb 'atuf. 



Nische (192 d) 61 cm hoch, unten 65, oben 55 cm breit, 17 cm tief ausgehauen, 
worin ein Pfeiler von 23 cm Breite und der Höhe der Nische um 11 cm hervorragt 

(Abb. 39). 

Sonderbarerweise war mir entgangen, daß Hnks neben der großen Pfeiler- 
nische Nr. 784 auf el-hubta sich eine sehr kleine Bogennische (784I) von 13 zu 17 cm 
mit einem Pfeilerchen von 5 zu 8 cm 
befindet. Die Nische ist 5 cm tief, der 
Pfeiler um i^cm erhaben. 

Die P., S. 214 für die Rückwand 
von Kammer Nr. 295 angegebene 
Bogennische (a) ist zu streichen. Sie 
ist mit der Pilasternische (b) identisch, 
in welcher ich 1906 Reste eines Pfeilers 
mit Fuß erkannte. Kammer Nr. 297 
ist eine Zisterne. 

Wie ein Pfeileridol mit Fuß an 
der Rückwand einer Felsenkammer 
sich ausnimmt, zeigt Abb. 40, welche 
die Nische Nr. 77a von el-medras dar- 
stellt. 

In der oberen m'esaraet-tarfäwije, 
kurz ehe man zu der Inschriften- 
gruppe Nr. 513 a (Inschr. Nr. 37—51) 
kommt, führt ein Treppenweg auf dem 
Talgrunde an der Westseite zu einer 

schmalen Terrasse, welche sich hier das Tal entlang zieht. Auf derselben stößt 
man zunächst auf eine leere Nische (b) über einer Stufe, dann auf einen altarartigen 
Stein (c), 70 cm lang, 1,37 m breit, 45 cm hoch, über welchem an der Felswand, 
an der er hervorragt, das Bild eines Pfeilers (d) von 25 zu 45 cm eingeritzt ist. 
Rechts neben dem Stein ist eine Bank (e) ausgehauen. 




Abb. 40: Idolnische Nr. 77a iu ci-mcduia. Aufnahme 
von K. Schmidt. 



46 



I. Die Stadt und die Heiligtümer Petras. 



^ 


1 


/ 








1 




^ 


/ 









Idolnische Nr. 513 f in el-m'esara. 



Schräg gegenüber auf der anderen Talseite in der Gegend des Grabes Nr. 475 Br. 
befindet sich, südlich gewandt, ein großes Pfeileridol (f ; Abb. 41) von 38 zu 80 cm, 

um 12 cm hervorragend, in einer 29 cm 
tiefen Nische von 83 zu loocm. Eine kleine 
Kammer liegt gegenüber. 

Zwei kleine Pfeiler werden einmal 
gestanden haben in der Nische (760^ ; 
Abb. 42), welche sich rechts von der In- 
schrift Nr. 85 befindet, wonach die Male 
von el-'uzza und Duschara hier aufgestellt 
gewesen sind. Torrey^ meinte, die Inschrift 
gelte Götterstelen, die auf der Spitze des 
Berges aufgestellt waren. Aber niemand 
würde in der Mitte eines sich windenden 
Treppenweges, der nicht einmal unmittelbar 
auf ein Heiligtum mündet und nach Robin- 
sons Zählung oberhalb noch 99 Stufen (nach 
meiner Zählung iii Stufen) in fünf Fluchten 
zählt, die Widmungsinschrift für Stelen 
anbringen, die er an ganz anderer und von hier aus gar nicht zu erkennender 
Stelle errichtet hat. Die Nische ist unten 45, oben 42 cm breit bei 59^,2 cm Höhe 
und i4i/'2 — iSYo cm unterer und 7 — 11 cm oberer Tiefe. Ein 5I/2 — 7 cm breiter 
Rahmen, welcher oben einen 14 cm hohen Bogen bildet, umgibt sie. Von der 
Aufstellung der Pfeiler ist keine Spur sichtbar. Der Platz für die Nische ist ein 

wohlgewählter. Man erreicht sie, wenn man den P., S.332 
beschriebenen Nordweg von el-hubta bis dahin ersteigt, 
wo der ihm zuerst parallel laufende Nordwestweg sich 
von ihm abwendet und — jetzt durch herabgefallene 
Steinblöcke verschüttet — westwärts über eine Berg- 
terrasse geht. Hier beginnt dann in südlicher Richtung 
eine große Treppenflucht mit breiten Stufen, erst in den 
Felsen gehauen, dann aus Steinen gebaut. An dem Podest, 
von welchem ab die nun wieder in den Fels gehauene 
Treppe sich erst mit sieben Stufen ostwärts, dann mit 
sieben Stufen südlich wendet, befinden sich Inschrift und 
Nische an der nach Norden schauenden Felswand hinter 
einem schönen Wacholderbaume ^, ehemals aber für jeden sichtbar, welcher die 
lange Treppenflucht heraufkam. 

Was in der Nische Nr. 760^ nicht erhalten ist, erscheint in Andeutung in 
einer anderen Nische (760- ; Abb. 43), zu welcher man gelangt, wenn man am oberen 
Ende des ebengenannten Treppenweges ostwärts auf einigen Stufen zu einer kleinen 

1) JAOS igoS, S. 197 ff. 

2) Auf meinem Plane da, wo östlich von Nr. 771 am Treppenweg, der im übrigen nicht genau 
gezeichnet ist, der Pfeil stellt. 




Abb. 42: Nische Nr. 760' 

für el-'uzza und Duschar.i auf 

el-hubta. 



S. Pfeilernischen. 



47 




j^vM 



Abb. 43: Nische für zwei Pfeileridole 
Nr. 7602 auf el-hubta. 



Terrasse mit wundervoller freier Aussicht nach Westen hinabsteigt. Die Nische 
ist 75 cm breit, 80 cm hoch, unten 32 cm, oben 22 cm tief. In ihre Rückwand 
sind eingelassen zwei verschieden große Nischen. 
Die größere, 36 cm unten, 34 cm oben breit, 
14 cm tief, steht rechts, die kleinere, 18 cm breit, 
21 cm hoch, 5 cm tief, links. Beide haben am 
Grunde flache Vertiefungen von 20 bzw. 6 cm 
Länge (von vorn nach hinten). Daraus wird man 
schließen dürfen, daß Pfeiler von den ent- 
sprechenden Dimensionen eingesetzt waren. Der 
größere war 20 cm dick bei 50 cm Höhe und 
36 — 34 cm Breite, bei dem kleineren betrugen 
die entsprechenden Maße 6, 18 und 21cm. Hätten 
die Pfeiler hier wie in der vorerwähnten Nische 
el-'uzza und Duschara dargestellt, so hätte der 

größere wohl dem Gotte Duschara gegolten, der kleinere der Göttin el-'uzza. 
Rechts von der Nische beobachtet man im Felsen drei lange Stufen, welche 
zu keiner Treppe gehören, also wohl für Weihegaben dienten. 

Die Zweipfeilergruppe in der Cella 
Nr. 76 von el-medras gewinnt erhöhte 
Bedeutung dadurch, daß an dem rechts 
stehenden größeren Pfeiler zwei Augen 
und eine Nase wahrnehmbar sind, worauf 
mich Herr Spafford 1910 aufmerksam 
machte. Die von ihm auf meine Bitte 
genommene Photographie (Abb. 44) zeigt 
beides hinreichend deutlich. Das Fehlen 
des Mundes steht im Einklänge mit der 
verwandten Ausstattung eines Pfeileridols 
in medäin sälih (bei Janssen und Sa- 
vignac, Fig. 217). Man beachte auch das 
runde Loch unterhalb der Nische (vgl. P., 
S. 82). 

Als Gruppen von zwei Pfeilern sind 
vielleicht auch zu betrachten die beiden 
eingekratzten Bilder von je zwei neben- 
einander stehenden Langsteinen (522 1' 2), 
welche sich in der Nähe des Dritten 
Heiligtums von el-m'esara auf der Nord- 
und Südwestseite derP., S.288 erwähnten 
Felsbank befinden. Am höchsten Fels- 
klotz dieser Gegend sieht man nach Süden zu das eingeschnitzte Bild von einer 
großen Nische und zwei kleinen Nischen (522^), das wie eine von zwei Fenstern 
flankierte Tür aussieht, aber auch eine dreifache Pfeilergruppe bedeuten könnte. 




Abb. 44: Zweipfeilergruppe Nr. 76 a in el-medras. 
Aufnahme von J. SpaüTord. 



48 



I. Die Stadt und die Heiligtümer Petras. 



Die beiden Pfeiler der großen Nische Nr. 396 des Zweiten Heiligtums von es- 
sijar erschienen auch bei erneuter Besichtigung sonderbar und ungewöhnlich, können 
aber doch wohl nur Pfeileridole sein. Der Leser mag nach Abb. 45 selbst urteilen. 





Abb. 45: Zweipfeilergruppe Nr. 396 in es-sijar. 
nähme von P- Karge. 



Auf- 



Abb.46: Dreipfeilergnippe Nr. 393 b in es-sijar. Auf- 
nahme von P. Karge. 



Dem obenerwähnten Heiligtume gehört auch die roh ausgeführte dreifache 
Pfeilergruppe Nr. 393b an, welche P., S. 243 allzu schematisch abgebildet ist, 
während die Photographie auf Abb. 46 eine richtigere Vorstellung vermittelt. 

Ein bisher übersehenes dreifaches Pfeileridol (1792) fand ich am südlichen 
Ende der gerra-Schlucht auf ihrer Westwand (Abb. 47). Eine nicht ganz regel- 



^T — ~ 




Abb. 47; Dreipfeilergruppe Nr. 179- 
in sidd eg-gerra. Nicht gemessen. 



Abb.4S: Dreipfeilergruppe Nr.29S' 
in en-nmer. 



rechte viereckige Nische enthält drei gedrängt stehende Pfeiler, von denen der 
mittlere der größte ist. Den anderen Typus des dreifachen Pfeilers zeigt die Nisclie, 
welche ich südöstlich von der Hauptcella von en-nmer (294) an der östlichen Fels- 
wand einer kurzen Schlucht entdeckte, welche einmal durch eine gebrochene Sperr- 
mauer in einen Teich verwandelt war. Eine flache Nische (298I; Abb. 48) von 
23 zu 14—15 cm war hergestellt, von denni Grund sich dni Pfiiler von 12 cm Hölie 



g. Spitzpfeilerreliefs. — ■ lo. Altäre. 



49 



und ^\-y, 4, 5 cm Breite, durch kleine Zwischenräume getrennt, abhoben. Unter- 
halb gab eine um 4 cm hervorragende Bank von 10 cm Höhe Gelegenheit z.ur Auf- 
stellung von Weihegaben. 

Die Vermutung, daß die mittlere Vertiefung der dreifachen Gruppe Nr. 708 f 
unterhalb el-hubt i phallisch gemeint sei (P., S. 71, 320), betrachte ich jetzt als un- 
zutreffend. Eher war der ehemals da eingesetzte Pfeiler mit einer breiteren Basis 
versehen. Daß Steinidole schon in alter Zeit den Gedanken an das membrum 
virile weckten, sieht man aus der Bemerkung des Palästiners Juda ben Pazzi 
(j. Aboda zara 43a, vgl. j. Sabbath 11 d) : ,,Der Baal war (wie) die Spitze des Gliedes 
und glich einer Kichererbse", was sich auf die Omphalosgestalt des Steinidols 
(P., S. 71) beziehen muß. Daraus lassen sich natürlich für den ursprünglichen Sinn 
der Pfeileridole keine Schlüsse ziehen. 



9. Spitzpfeilerreliefs. 

Von Spitzpfeilern fand ich eine neue Gruppe (49^) unmittelbar westlich 
vom Triklinium Nr. 49 von eg-greda bei bäb es-sik. Es folgten da von links nach 
rechts — sehr verwaschen vom Regenwasser — ein Paar von Spitzpfeilern (a, b) 
ohne Basis, der Unterteil eines Altares (c), ein Spitzpfeiler mit 
Postament in einer flachen Nische (d) und noch zwei Spitz- 
pfeiler ohne erkennbares Postament in Nischen (e, f). 

Ein vereinzeltes rohes Spitzpfeilerrelief (227 1) mit Gipfel- 
blume und Postament findet sich in el-farasa über der Tür zu 
einer Kammer zwischen den Gräbern Nr. 227 (228 Br.) und 
Nr. 228 (229 Br.). Hoch oben in einer künstlich hergestellten 
Grotte schaut ein Spitzpfeiler derselben Art (400c) von der 
Südseite des Tales auf den sijar herab, etwas unterhalb der 
darin befindlichen Quelle. 

Auf ein en relief sorgsam ausgeführtes Beispiel (512^; 
Abb. 49) westlich am Grunde des wädi el-m'esara et-tarfäni 
nicht allzu weit von der Mündung in das wädi me'arras 
hamdän machte mich Dr. Karge aufmerksam. Das Postament 
ist (unten) 30 cm breit und 35 cm hoch, der Spitzpfeiler 68 cm 
hoch, wozu noch 10 cm für die Gipfelblume kommen. Ein 
Ramen von 123 cm Höhe und 57 cm unterer, 35 cm oberer Breite umgibt das Bild. 
Zwei Ösen an den oberen Ecken gaben Gelegenheit, Kränze oder andere Votiv- 
gegenstände anzuhängen. 

Den Doppclkreis, den ich unter Nr. 509 (P., S. 282) für diese Gegend ver- 
zeichnet habe, erkannte ich diesmal als ein bloßes Naturspiel ohne besondere Be- 
deutung. 

10, Altäre. 

Daß die Altäre der Nabatäer vornehmlich Schlachtstätten und nicht Brand- 
stätten waren, habe ich P., S. 56f., 79 ausgeführt und mich dabei hauptsächlich 
auf den bis in die Gegenwart reichenden Gebrauch der Araber gestützt, die Opfer 

Dalman, Neue Pctra-Forschilngeii. 4 




5L_l, 



Abb. 4g; Spitzpfeiler 
Nr. 512' in el-m'tsirn. 



50 



I. Die Stadt und die Heiligtümer Petras. 



nicht ZU verbrennen. Es ist eine bemerkenswerte Tatsache, daß auch die alte 
religiöse Literatur der Araber nie Veranlassung hat, etwa gegen das Brandopfer 
als eine Gottes unwürdige Sitte zu polemisieren. Auch Lagrange ^ gibt zu, daß 
der Altar der Araber Schlachtstätte, nicht Herd sei. Doch findet er beachtens- 
wert, daß nach Haupt die Verwandtschaft der arabischen Wurzeln slw ,, beten" 
und slj ,, braten" beweise, daß das Brandopfer einmal die übliche Form des Gottes- 
dienstes gewesen sei. Aber Haupts Vergleichung der beiden Wurzeln reicht kaum 
zur Konstatierung einer Wahrscheinlichkeit. ,, Beten" ist niclit ,, opfern", und nie 
wird die Opferverbrennung ein ,, Braten" genannt. Auch die Erklärung des mi- 
näischen sw' ,, opfern" durch das arabische sw', das in der zweiten Form ,, brennen" 
heißen soll, ist nicht sehr zwingend. Ich kenne nur ein arabisches swj , .rösten", 
und finde für sw' in der zweiten Form bei Landsberg, Hadramoüt, S. 628 die Be- 
deutung ,, dresser, soulever", und im Hebräischen siwwa' ,,um Hilfe rufen". Wenn 
somit höchstens von einer auf diese Etymologien gegründeten, aber höchst unsicheren 
Vermutung geredet werden kann, daß die Araber einmal das Brandopfer ge- 
kannt hätten, so beibt natürlich für die Nabatäer die Möglichkeit offen, daß sie 
diesen Brauch von Palästina und Syrien aufgenommen und in Petra angewandt 
hätten. Daß dies tatsächlich geschehen ist, habe ich P., S. 79 ausdrücklich zu- 
gegeben, aber Schwierigkeit gefunden, danach die Felsaltäre Petras sämtlich für 
Brandaltäre zu erklären. Der am besten erhaltene Felsaltar von Petra ist der des 
Dritten Heiligtums von el-m'esara Nr. 527, auf dessen Oberfläche sich ein Om- 
phalos erhebt, der deshalb als Brandaltar nicht brauchbar scheint. Vincent-, der 
von dem unvollkommenen Altare in zibb 'a.tüf ausgeht, findet dort die Anbringung 
eines metallenen Herdes sehr wahrscheinlich, ohne zu erklären, weshalb die Falze 
an jenem Altare so verschiedenartig sind und sich nicht auf allen Seiten befinden. 
Er hält es für erwiesen, daß der heilige Felsen von Jerusalem Kern eines Brandaltars 
gewesen sei, was die ursprünglich von Savignac aufgestellte . Annahme eines me- 
tallenen Herdes auf zibb 'atüf stützen soll. Aber gerade als Kern eines metallenen 
Altars ist der Felsen von Jerusalem nicht zu begreifen, weil er für den ehernen 
Altar Salomcs zu groß ist und seine Stufen als Stützpunkte metallener Platten zu 
breit sind. Außerdem würde die metallene Verkleidung eines Altars nicht beweisen, 
daß er als Brandaltar dienen sollte, zumal man schon immer bei dem ehernen Altar 
der Stiftshütte einen metallenen Herd recht wenig brauchbar und desludl^ un- 
wahrscheinlich gefunden hat. 

Der echte altarabische Altar ist gewiß kein Herd, von welchem etwas zur Gottheit 
emporsteigt, sondern eine Stätte, an oder in welcher die Gottheit gegenwärtig ist 
und die Gaben der Menschen empfängt und genießt. Porphyrius sagt nicht ohne 
Grund von den Dumatenern, daß sie den Altar wie ein Götterbild benutzen-', und 
es bleibt bemerkenswert, daß Suidas für die Nabatäer Schlachtung und Blutspende 
bezeugt, aber die Verbrennung des Opfers unerwähnt läßt. 



1) :ä;tudes sur les Religions Se.nitiqiics, 2. Aufl., S. 262. 

2) RB 1909, S. 458. 

3) Tic. ast. II, 56. 



10. Altäre. 



Si 




ijll^>^' 



Abb. 50: Grabaltar Nr. 5' in ed-dara. 
K. Schmidt. 



Aufnahme von 



Einen „Altar" (Nr. 5I) aus behauenen Blöcken, 3 m lang, 2 m hoch und 0,8 m 
breit sah Musil über einer viereckigen Grube auf dem rechten Ufer des sei ed-dära, 
östlich von den Altargräbern Nr. 6 — 8. Die Untersuchung ergab zunächst, daß 
die ,, Grube" die gewöhnliche Form 
des Eingangs zu einem Senkkammer- ' 
grab hat und auch an den in die 
Seitenwand eingehauenen Stufen als 
ein solcher kenntlich ist. Sie ist 
2,17 m lang und 60 cm breit. Da sie 
verschüttet ist, kann man die wirk- 
liche Tiefe nicht messen. Über dem 
Grabeingange liegen zwei sehr un- 
regelmäßige übereinander getürmte 
Steinblöcke, die wohl nicht behauen 
sind. Sie sind etwa 2,35 m breit bei 
2,17 m Länge und zusammen 1,95 m 
hoch. Nachträglich sind beide Steine 

in der Mitte geborsten. Von Osten her erlaubt eine Einbuchtung des oberen Blocks, 
daß man den unteren ersteigt (Abb. 50). Auf der Oberfläche des oberen Blocks 
ist außer sehr kleinen natürlichen Vertiefungen nichts Besonderes wahrzunehmen. 
Für die Bedeckung eines Senkkammergrabes mit so großen Blöcken kenne ich sonst 
in Petra kein Beispiel. Einen wirklichen Verschluß 
des Grabes bilden die Blöcke in ihrer jetzigen 
Größe jedenfalls nicht. So ist die Vermutung viel- 
leicht erlaubt, man habe in Nachahmung der 
nahen Altargräber etwas Altarähnliches über dem 

Grabe herstellen wollen. Aber von Gewißheit kann 
dabei nicht die Rede sein. 

Zwei Altarbilder (igae, f), die ich P., S. 176 

nicht erwähnt habe, befinden sich an der großen 

Felswand unter dem Kastell I von zibb 'atüf. Der 

eine, über welchem ein Kreuz eingeritzt ist, besteht 

aus einem Quadrat, über dem sich ein ebenso breiter 

Aufsatz mit zwei großen Eckhörnern erhebt. Der 

andere ist nicht fertig geworden; er sollte außer 

den Hörnern Basis und Plinthe erhalten, aber nur 

die senkrechten und wagerechten Linien wurden 

ausgeführt. Wie das fertige Altarbild aussehen 

sollte, zeigt die schöne Einritzung (756 a; Abb. 51) 

oberen Anfange des ,, Südweges" auf einer östlich gelegenen grottenähnlich aus- 
gehauenen Felswand fand. Ein mit Einschluß der Hörner 72 cm hoher, am Fuß 

61 cm, am Körper 36 cm breiter Altar ist da dargestellt. Zwei rechts darunter in 

den Felsen gehauene Ösen, von denen nur die obere auf der Abbildung sichtbar 

ist, gaben Gelegenheit zur Anknüpfung von Weihegaben. 



e^Äii^ 




Abb. 51: lluriieraltar Nr. 756a auf 
el-hubta. Aufnahme von G. D. 

welche ich auf el-hubta am 



52 



I. Die Stadt und die Heiligtümer Petras. 




Abb. 52: Alt.irstein Nr. 771 .1 auf cl-hubta. Aufnahme von G. D. 



Einen natürlichen Steinblock, der wegen seiner Stellung auf enier Felskuppe, 
auf welche Stufen führen, als heiliger Stein oder Altar zu betrachten sein wird, 
zeigt Abb 52. Er gehört zum Zweiten Heiligtum von el-hubti und ist da unter 

Nr. 771a aufgeführt. Seine 
r • Stellung ersieht man P., S. 333 

auf Abb. 300, wo die Kuppe des 
Altars ganz rechts nahe dem 
Rande des Bildes eine Schlucht 
überragt. 

Zur Veranschaulichung von 
Altären liefert ein Beispiel der 
Tür Sturz (Abb. 53) am nord- 
westlichen Eckturm des Römer- 
lagers von odruh, welchen Brün- 
now in Provincia Arabia I auf 
Fig. 502 abbildet, ohne etwas 
dazu zu bemerken. Er ist nahe 
verwandt dem Türsturz von 
yämi' es-sittin bei hirbet selün 
(P., Abb. 21). Auf einer tabula 
ansata von 86 zu 55 cm ist in 
der Mitte in erhabener Arbeit ein Krug mit zwei Henkeln, 33 cm hoch, 20 cm 
breit, dargestellt. Rechts und links sieht man je einen Altar mit kleinen Eck- 
hörnern, am Fuße 21 cm breit, 35 cm hoch. Die Kränze und Rosetten, welche 
der Türsturz von selDn zwischen den Altären und dem Kruge hat, fehlen. Nach 
den Emblemen des Türsturzes sollte man annehmen, daß er einem Heiligtum ange- 
hörte, das man sich schwer in einem 
Eckturm des Lagers vorstellen kann. 
Er dürfte also ursprünglich an anderer 
Stelle gewesen sein. 

Von dem großen Altar vor dem 
Stadt tempel sagt v. Domaszewski 
(bei Brünnow, S. 178) ; ,,Vün derWest- 
seite führt in den Altar ein Gang, der 
an seinem östlichen Ende erhöht ist. 
Am nördlichen Rande der erhöhten 
Stelle zieht sich eine Bank hin; neben 
dieser Bank lag das Bruchstück einer flachen Schüssel. Diese eigentümliche Ein- 
richtung macht es wahrscheinlich, daß sie für Zwecke einer Bluttaufe bestinnnt 
war." Dazu gibt er S. 306 einen scheinbar sehr genauen Plan mit hinein- 
geschriebenen Maßen und drei Querschnitten. Ich bin auf diesem Altar und 
um ihn sehr oft herumgegangen, habe aber nie etwas Anderes erkennen können, 
als den aus schlechten Steinen mit viel Kalk gebauten Kern eines ehemaligen Altars, 
dc^m die ursprüngliche Bekleidung fehlt. Der bei v. Domaszewski s.^hr schön gerad- 




Abb. 53: Türsturz im Römerlager von odtuh. 



IQ. Altäre. — ii. Her Sinn der peträischen Pfeiler und Pkeilergruppen. 



53 



linig zurechtgestellte Gang, der in die Mitte des Altars hineinführt, ist in Wirklich- 
keit so roh und in- Wänden und Fußboden so unregelmäßig, daß niemand sagen 
kann, wie er ursprünglich aussali, und die Vermutung nahe liegt, daß es Schatz- 
gräber waren, welche in den Altar einbrachen und ihre Arbeit einstellten, als sie 
merkten, daß außer jenem Schalenfragment hier nichts zu finden sei. Welchen 
Vorteil der von Domaszewski angenommene i m tiefe Gang im Altar für Blut- 
taufen darbot, vermag ich nicht recht einzusehen. 

11. Der Sinn der peträischen Pfeiler und Pfeilergruppen. 

Die Expedition von Janssen und Savignac nach medäin sälih hat eine sehr 
viel genauere Kenntnis der Pfeileridole jener Nekropole ermöglicht, als sie sich bei 
Doughty gewinnen ließ. Sie berichten von 12 Exemplaren des einfachen Pfeilers 
in erhabener Darstellung, einem in vertiefter Darstellung. Den abgestumpften Ivegel 
sahen sie einmal, den zweifachen Pfeiler dreimal, den dreifachen (fast immer in 
abgerückter Stellung) siebenmal. Pfeiler auf Pfeiler ist gesetzt in einem Beispiele 
(Fig. 218), wobei das Bild eines Neumondes über dem Pfeiler angebracht zu sein 
scheint (von Janssen und Savignac nicht erkannt). Das merkwürdigste ist ein 
Pfeiler (F'g. 217), auf welchem zwei umrahmte Vierecke die Augen und ein senk- 
rechtes erhöhtes Band in der Mitte die Nase andeuten sollen. 

Von diesen Dingen hat Petra ungleich zahlreichere Beispiele (P., S. 70 ff.), 
deren Kenntnis meine letzten beiden Besuche noch etwas vermehren konnten. Auch 
der Pfeiler mit Augen und Nase hat in Petra seine Parallelen. Die eine ist jene 
oben S. 47 beschriebene Pfeilergruppe Nr. 76 a von el-medras, die andere jene von 
Euting im sijar gesehene, aber von mir bisher vergeblich gesuchte Figur Nr. 428 i. Br. 
(Abb. 358 bei Brünnow). Verwandt ist der Pfeiler Nr. 539c mit ,,zwei Augen". Die 
Gruppen von vier, sechs und zehn Pfeilern sind Petra allein eigentümlich. 

Für die Deutung der Pfeilergruppen hat Thiersch^ den Vorschlag gemacht, 
man solle einen Teil der Pfeiler, und zwar die kleineren oder die von den anderen 
abgerückten, als Votivstelen betrachten, deren Zahl der Menge der Stifter entspricht, 
und nur einen oder drei für die Gottheit übriglassen. Als Votivstelen habe auch ich 
die Pfeiler betrachtet. Die Frage ist nur, welche Personen sie repräsentieren, ob 
Götter oder Menschen, und wie ihre Gruppierung gemeint ist. Mir will nun die von 
Thiersch versuchte Scheidung der Pfeiler in Gottheitssymbole und bloße Votiv- 
stelen zwar ansprechend, aber nicht durchführbar scheinen. Bei der Sechspfeiler- 
gruppe am Wege zu ed-der (Nr. 416) ist gerade der größte Pfeiler mit den drei 
kleinsten zu einer Gruppe vereinigt. Zwei Pfeiler von mittlerer Größe stehen 
für sich. Bedeuten diese die Gottheit und jene die Votivstelen? Der größte Pfeiler 
sollte doch am ehesten die Gottheit meinen. Ähnlich ist bei der Zehnpfeilergruppe 
im sik (Nr. 145), von der ich eine photographische Wiedergabe bieten kann (Abb. 54), 
der breiteste Pfeiler mit den sechs schmälsten zusammengestellt, während drei 
andere für sich stehen. Man könnte da sagen, der erste Teil der Gruppe bedeute 



i) Arch. Anzeiger igog, Sp. 379. 



r, I. ]")IE Staut und die Heiligtümer Petras. 

einen Vater mit sechs Söhnen. Aber daß die Pfeiler der Gottheit in ihrer Dimension 
dem Pfeiler des widmenden Vaters nachstehen sollen, will doch wenig einleuchten. 
Und wie, wenn vier Pfeiler verschiedener Größe zu einer Gruppe vereinigt sind, 
wie es bei Nr. 174 geschieht? Hier kann man doch keine Größe für den Stifter 
reservieren. Auch würde der kleinste Pfeiler in Gestalt und Aufstellung dem Symbol 
der Gottheit zu nahe kommen. 

Eher würde es angehen, alle Pfeiler als Votivstelen aufzufassen, so daß es 
Sitte gewesen wäre, im Namen jeder Person ein Bild des alten Betyls herzustellen 
und durch Stellung und Größe der Betylbilder die Verwandtschaftsverhältnisse 
der Widmenden anzudeuten. Auf diese Weise ließe sich jede Pfeilergruppe 
auf die Kategorien von Vater, Mutter und Kindern leicht verteilen. Die Zehn- 
pfeilergruppe würde etwa einem Manne mit drei Frauen und sechs Kindern an- 
gehören, die Sechspfeilergruppe einem Manne mit zwei Frauen und drei Kindern. 

Aber eine derartige Erklärung aller Pfeiler- 
gruppen in Petra ist schwerlich erlaubt. 
Erstlich wissen wir, daß das Hauptidol 
Petras ein Pfeiler war, weiter schien die 
Inschrift Nr. 85 von el-hubta anzudeuten 
(S. 46), daß zwei in einer Nische auf- 
gestellte Pfeiler zwei Gottheiten meinen. 
Eine entsprechende Deutung verlangen 
auch die Pfeilergruppen des Türsturzes 
I von el-umtä'ije, von welchem wir jetzt 

' ' eine bessere Abbildung besitzen, als 

Abb. 54: Zehnpfeilergruppe Nr. 145 im sik. Auf- Dussaud sie früher geben konnte^. Indem 
nähme von G. Faber. Relief einer fünfteiligen Bogenhalle, Welche 

ihrt schmückt, sieht man in der Mitte 
ein altarähnliches Postament, welches drei kleine Pfeiler verschiedener Größe trägt, 
rechts und links aber zunächst je ein breites Postament mit vier gleichgroßen, 
oben zugespitzten Pfeilern, und weiterhin je ein schmales Postament, von welchem 
drei sich nach oben verbreitende Zungen aufsteigen. Bei den letzteren scheint 
klar, daß Flammen gemeint sind. Es handelt sich also um Altäre. Aber bei den 
anderen beiden ist wahrscheinlich, daß ihre Vierpfeilergruppe ebenso zu erklären 
ist wie die Dreipfeilergruppc des Mittelfeldes. Bei dem Türsturz eines Tempels 
kann die Deutung nur dem sakralen Gebiet angehören, wie es auch von dem nahe 
verwandten Münzbilde von Bosra- gilt. Auf dem phönizischen Gebiete mag an die 
zwei Pfeiler des Melkarth in Tyrus und an die zweimal drei Pfeiler und dreimal 
drei Pfeiler auf Votivstelen von Hadrumetum erinnert werden^. Somit muß es 
als erlaubt, ja sogar naheliegend gelten, sowohl einzelne Pfeiler als Pfeilcrgi-uppen 
in Petra sakral zu deuten. Das einzige Denkmal, bei welchem eine große Wahr- 
scheinliclikcit dafür spricht, daß die Pfeiler Personen entsprechen sollen, ist die 

1) Vgl. The Princcton Univ. .\rch. E.xpcd. to .Syria in 1904 — 1905 (Voranziige) mit Dussaud, 
Notes de Mythologie Syrienne, S. 170. 

2) P., S. 54. 3) Pietschmaiin, Geschichte der Pliöiiizier, S. 205. 




II. Dkk Sinn der riciuAiscHEN l'KEiLiiK und Pfeilicrgruppen. 



55 



Nischt; Nr. 144, von welcher wir jetzt in Abb. 55 eine photographische Wiedergabe 
geben können.' Da hat das Gottessymbol doch gewiß in der Nische gestanden. 
Die sechs Pfeiler darüber, welche kaum bloße Ornamente sein können, würden 
der Zahl der Stifter entsprechen. Aus ihrer Stellung ist zu schließen, daß sie als 
Gegenstände der Verehrung nicht gedacht sind. Leider enthält die kleine tabula 
ansata links von der Nische keine erkennbare Inschrift. Aber was hier gilt, läßt 
sich nicht auf Nischen übertragen, in denen der Pfeiler eben die Stellung einnimmt, 
welche hier das Gottheitssymbol hat. 

Noch von anderer Seite her scheint die sakrale Deutung der peträischen Pfeiler 
anfechtbar. Ronzevalles hat uns mit sehr ähnlich gestalteten Cippen und Cippen- 
bildern bekannt gemacht, welche er in Rumeili, Hababije, Niha, Jabrud, Deir 
Känun und Hanäwe im südlichen Libanon 
und nördlichen Palästina gesehen hat^. Bei 
den meisten von ihnen scheint die Deutung 
als Totendenkmäler hinreichend gesichert. 
Ich habe nur die Skulpturen von Hanäwe, 
die man besser nach käna oder fl-hrebe, der 
nächsten Ortschaft, oder endlich nach ed- 
delläfe, dem speziellen Namen der örtlirh- 
keit, benennen würde, selbst gesehen und 
im Palästina] ahrbuch igio, S. 13 f.- summa- 
risch beschrieben. Hier ist von Wichtig- 
keit, daß dort neben zahlreichen vollen 
Figuren und Büsten auch Stelen erscheinen. 
Von diesen sind 15 bloße Bilder von meist 
oben abgerundeten Pfeilern, in Größen von 
26 zu 33 cm, 24 zu 51 cm, 24 zu 54 cm, 21 
zu 56 cm. Einmal sind drei zu einer Gruppe 
vereinigt. Daneben gibt es aber auch etwa 
acht stark erhaben gearbeitete, oben grad- 
linig endende Pfeiler, auf welche Köpfe 

aufgesetzt sind, die also notwendig Personen bedeuten müssen (Abb. 56) und 
sehr ähnlich sind den von Pompeji als Grabdenkmäler wohlbekannten Cippen- 
hermen. Gräber sind in ihrer nächsten Umgebung nicht sichtbar. Aber es ist 
denkbar, daß die unterhalb befindliche große Höhle als ein Massenbegräbnis 
diente und daß die in den Fels geritzten Stelen, wie die aus Stelen erwachsenen 
Büsten und die vollen Figuren Denkmäler für die dort bestatteten Personen 
waren. Jedenfalls vertreten die Stelenbilder in dieser Umgebung nicht Götter, 
sondern Menschen. Ich hielt bisher eine Beziehung auf Besucher eines Heilig- 
tums für möglich, bin aber durch Ronzevalles überzeugt, daß es sich um Toten- 




Abb. 55: Idolnische Nr. 144 im sik. 
nähme von P. Karge. 



Auf- 



i) Melanges de la Faculte Orientale (Beyrouth) IV, S. 189 ff. 

2) Da ist auch zu sehen, daß die von Ronzevalles bezweifelte dritte Reihe von Skulpturen 
virklich vorhanden ist. 



56 



I. Die Stadt und die Heiligtümer Petras. 



dcnkmälcr handelt. Die Zeit, in der sie entstanden, wnd von Ronzcvalles als 
die römische bezeichnet; ich hatte an die hellenistische gedacht, was nicht weit 
davon abliegt. — Aus der jüdischen Literatur ist für die Gestalt der palästi- 
nischen Grabdenkmäler kaum mehr zu 'entnehmen, als daß jede Gestalt der- 
selben vom bloßen Stein bis zum kunstvollen Bau als nefts bezeichnet wurdet 
wie wir es aiich von den aramäischen Inschriften jener Zeit kennen. Der Name 
wird dabei mit dem Glauben zusammenhängen, daß die Seele der Verstorbenen 
im Denkmal über die Oberfläche der Erde heraufsteigt und da von den Nach- 
kommen besucht und gelabt werden kann. Die nasäib am Kopf- und Fußende 
der heutigen arabischen Gräber Palästinas sind ihre moderne Fortsetzung. 

Für Petra habe ich P., S. 77! d^e Spitzpfeiler als Totendenkmäler reserviert, 

weil sie viermal ausdrücklich als solche 
])ezeichnet werden, und S. V hinzugefügt, 
daß sie wohl auch teilweise Mahlsteine 
zum Gedächtnis eines Besuches an heiliger 
Stätte sein könnten. Das letztere will mir 
jetzt weniger wahrscheinlich vorkommen. 
Aber die syrischen Totendenkmäler zeigen, 
daß eine nefes auch die Form eines kleinen 
viereckigen Pfeilers in voller Gestalt, en 
relief und als Bild haben konnte. Dabei 
ist besonders auffallend, daß in jabrüd in 
vier Fällen Pfeiler in Pfeiler gezeichnet 
worden sind, was auch in Petra einige- 
male vorkommt (P., S. 74) und für medäin 
sälih in einem Falle nachgewiesen ist 
(Janssen und Savignac, Fig. 218). Da in 
hababije der größte Pfeiler der Gruppe 
in einer Pilasternische erscheint, könnte 
man sogar auf den Gedanken kommen, 
daß alle Pfeiler Petras Totendenkmäler 
seien. Dagegen ist dasselbe einzuwenden, was oben gegen ihre durchgängige 
Deutung als Votivstelen gesagt war. 

Bei der Sechspfeilergruppe vom Wege zu ed-der und der Zehnpfeilergruppe 
im sik möchte man am liebsten von einer Deutung auf Gottheiten absehen. Aber 
gerade ihre Stellung an engen Wegen schließt aus, daß sie zu Gräbern gehören. 
Als Totendenkmäler lassen sie sich darum nicht wohl betrachten. Die Peträer 
sollten sich doch auch gehütet haben, ihren Totendenkmälern die Form ihres 
berühmten Idols zu geben. Deshalb scheint mir noch immer, daß es am sichersten 
bleibt, in ihrem Bereiche nur den Spitzpfeilern sepulkrale Bedeutung zu verleihen 
und die übrigen so lange für Abbildungen des Idols zu haltt n, bis einmal ein glück- 
licher Fund zu einem anderen Verständnisse verhilft. 




Abb. 56; Cippei.hermeQ bei kana. 
von S. E. Aurelius. 



Aufnahme 



i) S. auch Klein, 'l'od und Begräbnis in Paliistina znr Zeit der Tannaiten (1908), S. 88 ff. 



Das Zeugnis der Inschriften. 57 



12. Das Zeugnis der Inschriften. 

Die Inschriften haben einige eifreuhche Bestätigungen der von mir ange- 
wandten sakralen Deutungen gebracht. In medäin sälih wird durch die Inschrift 
eis II 218 ein Pfeiler^ ausdrückhch als ein mesgid, also eine Anbetungsstätte, 
für den Gott A'ara, eine Form des Duschara, bezeichnet. 

Die Inschrift Nr. 85 von el-hutta darf als Andeutung dafür gelten, daß die 
Treppe, an der sie steht, zu einem Heiligtume führte, das vielleicht in erster Linie 
der Göttin el-'uzza geweiht war. Bedeutungsvoll ist auch das hier auf nabatäischem 
Gebiete zum erstenmal das Wort msib für den aufgerichteten Stein erscheint, 
der als Symbol der Gottheit betrachtet wird. 

In der Inschrift Nr. 90 wird ein Triklinium ausdrücklich als dem Gotte Du- 
schara geweiht bezeichnet und dadurch der sakrale Charakter solcher Mahlstätten 
festgestellt. Wahrscheinlich hatte die Tafelinschrift CIS II 442 von el-medras den- 
selben Sinn (s. zu Inschr. Nr. 90). Ob die Kammer, welche sie enthält, ein Trikli- 
nium war, habe ich infolge der tiefen Verschüttung ihres Fußbodens nicht feststellen 
können. Dem ,, Duschara und allen Göttern" hat sich in der Nischenklamm (Nr. 553 
bis 648) durch die Inschrift Nr. 28 ein Besucher in Erinnerung gebracht. Man 
dachte also in der Schlucht vorwiegend an ihn, der wohl als der Spender des Wassers 
galt, das hier durch die Felsen brach. 

Besonders bedeutungsvoll ist, daß die Inschrift Nr. 73 von ed-der nicht nur den 
Gott 'Obodat nennt, sondern auch von einer ihm geltenden Opfermahlgemeinschaft 
redet, wodurch der Schluß erlaubt ist, daß Opferfeste für 'Obodat eben hier statt- 
fanden und daß also der gewaltige der-Tempel ebenso wie das bescheidene Heilig- 
tum von en-nmer (Nr. 294) diesem vergotteten Fürsten galt. Dies ist an sich auch 
gar nicht unwahrscheinlich. Denn seine mit einer Urne gekrönte Fassade hat in 
Petra ihre nächsten Parallelen in den Fassaden von Gräbern. Der altarähnliche 
Würfel, welcher ursprünglich in der Nische seines Felsensales stand, mag eine Statue 
des 'Obodat getragen haben, wie sie für das Heiligtum von en-nmer durch seine 
Inschrift CIS II 354 ausdrücklich bezeugt wird. 

Die arabischen Inschriften des Vierten Heiligtumes von el-kantara (130), deren 
eine bis in das 190. Jahr der hegra zurückreicht, beweisen, daß der Platz von Mos- 
lemen verehrt wurde, was bei seiner Entlegenheit und schweren Zugänglichkeit 
auffallen muß. Vielleicht hat man darin einen von der Natur wunderbar hergerich- 
teten mesgid gesehen oder es hat heidnische Verehrung des Platzes nachgewirkt. 
Aufs neue üerzeugte ich mich, daß es mit der von Musil^ hier angenommenen 
Stufenpyramide mit Idol nichts ist. Sein schematischer Plan ist irreführend. Die 
vermeintliche Pyramide ist im Süden und Westen eine ganz natürliche unregel- 
mäßige Erscheinung. Die daran sichtbaren Stufen sind eine Folge davon, daß der 
Fels hier in Platten bricht. 



1) Vgl. JS S. 417, PI. XLl. 

2) Arabia Petraea 11 i, S. ggf. 



jS I- t)ii- Stadt ind di1': 1 liciLir.TüMtR 1'etras. 

Petra behält seine Rätsel. Ich bin weit davon entfernt, die nabatäische Re- 
ligion als die am besten bekannte im Orient zu bezeichnen. Dieser Vorzug bleibt 
der Religion Israels. Wer seine noch unerforschten Trümmer, seine Heiligtümer 
und Gräber durchwandert, hat oft die Empfindung, von einem reichen Leben, 
dessen Enträtselung den alten Orient sehr viel verständlicher machen würde, nur 
durch einen dünnen Schleier getrennt zu sein. Aber man bemüht sich vergeblich, 
ihn wegzuziehen. Nur ahnend und vorsichtig tastend kommt man der Wahrheit 
schrittweise näher. 



IL Chaznet Fir'UN ein vermutetes Königsgrab. 

Unter dem Namen Chaznet Fir'ün „Schatzhaus Pharaos" oder el- 
chazne ist seit de Labordes glänzender Pubhkation Voyage de l'Arabie Petree 
(1830), die einem deutschen Fürsten gewidmet war, als einer der besterhaltenen 
Reste des römischen Altertums bekannt das in roten Sandstein gehauene Bauwerk, 
welches den Besucher von Petra in einer Querschlucht der romantischen Klamm 
des sik überrascht, ehe er das eigentliche Gebiet der alten Stadt betritt (Abb. 57). 
Nach dem jetzt vorwiegenden Sprachgebrauch der Beduinen reden wir Heber von 
eg-gerra, eigentlich hräbet eg-gerra ,, Felsgrotte des Kruges", wobei an die Urne 
auf der Spitze der Fassade gedacht ist, in welcher die Beduinen den Schatz Pharaos 
vermuten. Der wundersame Bau verdient eine eingehendere Besprechung, als ich 
sie ihm Petra S. 148 — 154 widmen konnte, weil es in der Gräberwelt Petras durch 
die unpeträische, dem Klassischen nahestehende Art seines Stils und durch seinen 
reichen, Deutung heischenden figürlichen Schmuck einzigartig dasteht. 

Es war für mich bedeutungsvoll, daß ich 1909 einen bis dahin von mir über- 
sehenen Treppenweg fand, welcher vom sik her auf 116 Stufen an einem Nischen- 
bassin vorüber in die Höhe der Dächer des Oberstockes von eg-gerra führt und mir 
da einen bis dahin nicht möglichen Überblick von oben verschaffte (s. Abb. 66). Noch 
wichtiger ist, daß die Herren Dr. Mackenzie und Architekt Newton im Jahre 1910 
sich auf meine Anregung hin bereit fanden, für den Palestine Exploration Fund eine 
fachmännische Aufnahme des Baues vorzunehmen. Eine nach meinem Maße an- 
gefertigte vierteilige Leiter ermöglichte den Aufstieg zu seinem Obergeschoß. Der 
Kletterkunst meines Freundes Müsa war es zu verdanken, daß von einer Fels- 
bank hoch über der Fassade eine Meßschnur herabgelassen werden konnte. So 
ließen sich nun endlich die wirklichen Höhen maße des Baues feststellen. Was 
weiter unten davon gesagt wird, verdanke ich der gütigen Mitteilung von Architekt 
Newton. Seine Aufnahme des Baues wird der Palestine Exploration Fund dem- 
nächst herausgeben. 

1. Die Anlage. 

Die Fassade hat zu ihrem Ausgangspunkt den auf vier Säulen ruhenden 
Tempelgiebel des Unterstocks. Im Interesse der zweigeschossigen Anlage, die 
einer breiteren Basis bedurfte, hat man aber die Front beiderseits verlängert, indem 




Abb. 57: Hrabet eg-gerra von Nordost. Aufnahme von M. B.ildwin, Amerikanisch-schwedische Kolonie, 

Jerusalem. 



I. Die Anlage. 6i 

man das Gebälk zurücktreten ließ und es erst am Ende in einer Verkröpfung wieder 
vorzog. Auf diese Weise wurde aus den vier Säulen des Tempelgiebels eine ge- 
gliederte Reihe von sechs Säulen, welche die dreiteilige Gliederung des Oberstocks 
vorbereitete. Daß der Pronaos des Tempels nicht frei steht, sondern in die ver- 
längerte Fassade eingebaut erscheint, ist eine Anlage, welche die Tempel von 
el-kasr bei rabba, mhaij\ siah^, wie der herodianische Tempel von Jerusalem, 
die Palasthalle kasr el-bint ^ und der Palast des Darius in Persepolis« ebenso zeigen. 
Von Grabbauten mit ähnlicher Disposition sind zu nennen ein Grab in der ed-derb^ 
und el-kahf«, wo eine weite Nische die Vorhalle vertritt, aber vor allem auch viele 
Mastaba-Gräber und Felsengräber Ägyptens'. In Petra nenne ich außer dem S. 42 
beschriebenen Grabe Nr. 861 ^ bei el-beda (Abb. 36) vor allem die vornehme Grab- 
anlage (Abb. 2), unter der ich 1910 mit meinen Begleitern hauste, gegenüber dem 
Theater. Aus einer weiten, vorn offenen Halle führen da rechts und links Türen in 
kleine Nebenkammern, von denen die linke durch eine gewölbte Decke und ehemals 
verputzte Wände ausgezeichnet ist, auf deren oberem Rand man den Rest einer 
gemalten Leiste aus aneinanderstoßenden Bogen wahrnimmt. In der Rückwand 
der Halle führt ein dreifacher Eingang in eine dritte Kammer, die ihrerseits an der 
Rückwand mit einer tiefen Nische versehen ist. Das ist fast genau der Grundriß 
von eg-gerra (s. Abb. 60). 

Auch sonst ist die in den Felsen gelegte Vorhalle bei Gräbern eine häufige 
Erscheinung. In Palästina gehören hierher die mit Säulen versehenen Vorhallen 
des Grabes der Königin Helena, des sog. Jakobusgrabes, des Säulengrabes bei den 
Richtergräbern und bei .sa'fäts, alles in der Gegend von Jerusalem, in Petra das 
Grab Nr. 347 mit seiner breiten Vorhalle und der Gartentempel Nr. 245, wenn er 
ein Grab war. 

Eine eingeschossige Fassade der beschriebenen Art von etwa 16 m Höhe 
war zwar, wie Abb. 58 zeigt, in sich selbst ein vollständiges Ganzes, aber kaum 
möglich an einer Felswand von etwa 90 m. Sie würde von ihr vollständig erdrückt 
worden sein. Man mußte sie erhöhen, und wählte statt der Vergrößerung der 
Fassade ins Kolossale, die man beim Urnengrab versuchte, den Aufbau eines zweiten 
Geschosses. Das war in den Innenräumen größerer Tempel und Basiliken nichts 
Ungewöhnliches. Es hat aber auch doppelgeschossige Säulenstellungen an Außen- 
wänden gegeben bei Hallen, Bühnenwänden, öffentlichen Bibliotheken, Nymphaeen, 
Tropaeen, Torbauten usw.". Es war somit nichts Unerhörtes, wenn auf die Tempel- 



i) Brünnow, Prov. Arabia I, S. 48, 73. 

2) de Vogüe, Syrie Centrale I, S. 33. 

3) Butler, Ancient Architecture in SyrisL A I, S. 6. 

4) Perrot und Chipiez, History of Art in Persia, S. 61. 

5) Survey of W. Pal. II, S. 314, RB 1910, PI. II. 

6) Brünnow, Prov. Arabia II, S. 296. 

7) Perrot und Chipiez, History of Art in Ancient Egypt I, S. 271, 2 50 f. 

8) Macalister, PEFQ 1904, S. 247. 

9) S. Durm, Baukunst der Griechen, S. 469, 504, 527, Baukunst der Römer, S. 446, 448, 47i. 
651, 654, 670, 734. 



62 



II. Chaznet Fir'un (ein vermutetes Königsgrab) 



> 



> 



s 







I. Die Aniace. ß-? 

fassade, die zu einer Säulenstellung erweitert war, eine zweite Säulenstellung aut- 
gesetzt wurde, als deren Basis eine das Untergeschoß abschließende Attika zu 
dienen hatte. Die oberste Säulenstellung sollte aber nicht, wie es sonst meist ge- 
schieht und in Petra am Etagengrabe versucht wurde, ohne Unterbrechung über 
die Fassade laufen, sondern wich, der Vorhalle des Untergeschosses entsprechend, 
in der Mitte zurück und ließ hier Raum zur Einschaltung eines Rundtempelchens, 
das der Tempelfassade des Unterstocks entsprach (Abb. 53). So entstand ein 
Motiv, auf dessen Verwandtschaft mit einer Wanddekoration der Casa del laberinto 
in Pompeji schon 1862 Hittorf aufmerksam gemacht hat^, während Kohl neuer- 
dings auf ein ähnliches Motiv in einem Wandbilde von Boscoreale hinwies-. In 
beiden Fällen sieht man zwischen Säulen auf einen Hof, in dessen Mitte sich ein 
Rundtempelchen erhebt. Auf dem letztgenannten Bilde sind die Säulen des Vorder- 
grundes durch einen Tempelgiebel verknüpft, auf dem erstgenannten lassen sie 
eine Lücke und tragen gebrochene Giebel, wodurch die Ähnlichkeit mit dem Ober- 
geschoß von eg-gerra besonders hervortritt. Das Rundtempelchen der Casa del 
laberinto ist charakterisiert durch eine verschleierte Urne auf ihrem Dache, eine 
im Innern hängende Krone, auf der ein Adler sitzt, und durch Schilde, die zwischen 
den Säulen hängen. Im Vordergrunde steht ein Altar und ein Weingefäß. Das 
Ganze dürfte weniger ein Asklepeion sein, wie Hittorf meinte, als ein Hcroon. 
Und daß bei eg-gerra ein ähnlicher Sinn das Obergeschoß bestimmte, folgt aus 
den in seinem Hintergrund sichtbaren Reliefs, die später zu beschreiben sind. 
Daß Rundtempelchen mit Zeltdach in der neronischen Zeit für Gräber vorkamen 
und auch in einem alexandrinischen Relief sichtbar sind, bezeugt Durm, Bau- 
kunst der Römer, S. 636. Ein Grabmal war auch das sog. Absalomsgrab bei Jeru- 
salem mit rundem Oberbau und Zeltdach auf viereckiger Basis. Die sepulkrale 
Verwendung des Motivs steht also außer Zweifel. Trotzdem ist nicht zu leugnen, 
daß seine in den pompejanischen Wandgemälden nicht vorkommende Aufsetzung 
auf eine Tempelfassade einen rein dekorativen Anlaß hat. Man errichtete ja auch 
kein Bauwerk, sondern wollte den Eingang zu einem Felsensaale mit archi- 
tektonischem Aufputz schmücken. 

Um das Obergeschoß doch einigermaßen zu einer Einheit zusammenzuschließen, 
erhielten die Stirnseiten der Säulenhalle gebrochene Giebel, die man nach hinten 
abfallen ließ, wohl um die Tholos möglichst unbeengt erscheinen zu lassen. Hinter 
den Säulen der Halle und des Rundtempelchens ließ man die Wände stehen, weil 
man ihrer zur Herstellung von Reliefs bedurfte. Aber die Absicht war wohl auch, 
die Illusion offener Säulenstellungen hervorzurufen, zwischen denen auf besonderen 
Basen Statuen aufgestellt sind. 

Die Größenverhältnisse der Fassade sind \vohl überlegte. Die Säulen des 
Unterstocks messen mit den Kapitalen 12,65 m, ihr Gebälk einschließlich des Ge- 
simses 2,87 m, die Attika 3,20 m, die Säulen des Oberstocks 8,95 m, ihr Gebälk mit 



i) Mem. de l'Acad. des Inscr., 17. janvier 1862, mir bekannt durch Dict. des Antiq. I, S. 472. 

2) Kasr Firaun in Petra ( 1 9 1 o) , S. 40 f . — Wandmalereien im gleichen Stil sind aus alexandrinischen 

Gräbern nachgewiesen, doch nicht die flu' cggerra wichtige Verl)ind\ing von Tliolos und Säulenliof. 



64 



11. Chaznet Fir'ün (ein vermutetes Königsgrab). 




2. Das Innere. 65 

Gesims (an der Tholos) 2,90 m. Das ergibt für das Untergeschoß eine Höhe von 
15,52 m, für das Obergeschoß, einschließlich der Attika, 15,05 m. Die untere 
Grenze der Attika halbiert also die Fassade. Ihre Höhe von der Höhe des Unter- 
geschosses abgezogen, ergibt die Höhe des Obergeschosses. Meine durch Schätzung 
gewonnenen Maße der gesamten Fassadenhöhe blieb mit 29 m nicht sehr weit 
hinter dem wirklichen Maß von 30,57 m zurück. Aber bedeutend unterschätzt 
hatte ich die Höhe des Daches der Tholos mit der Urne, wofür ich nur 4 m an- 
setzte, während in Wirklichkeit das Doppelte zu rechnen ist, nämlich 8,05 m, 
wovon 3,50 m allein auf die Urne kommen. Dies ist die ungefähre Hälfte eines 
Stockwerks, würde aber freilich nur bei sehr hohem Standpunkt des Beschauers 
so wirken. In Wirklichkeit kommt die Krönung nur als ein Viertel der Geschoß- 
höhe zur Geltung. Die Fassade hat eine Gesamthöhe von 38,62 m, oder, wenn 
man die jetzt mit Sand verschüttete, aber von Dr. Mackenzie aufgedeckte Basis 
von 1,10 m Höhe dazurechnet, 39,72 m. Sie bleibt also nicht weit hinter ed-der 
zurück, dessen Höhe ich auf 42 m, Hornstein auf 43,28 m schätzte. Außerdem 
will beachtet sein, daß etwa 10 m vor der Front des Baus, da wo der für ihn in den 
Felsen gemachte Einschnitt anfängt, eine Felsenstufe von sicher etwa 2 m Höhe 
stehen gelassen ist, was zur Hebung der Fassade von eg-gerra beiträgt. Ed-der 
entbehrt eines derartigen Vorteils, wird aber dafür in seinem Eindruck durch 
keine den Bau überragende Felswand beeinträchtigt. 

Die Fassadenbreite von eg-gerra beträgt mit 24,50 m etwa vier Fünftel der 
Höhe ohne Bedachung und das Doppelte der Säulen des Untergeschosses. Die 
viersäulige Tempelfassade ist ohne Giebel ebenso hoch als breit, nämlich 15 — 16 m. 
Auch hierin bewährt es sich, daß die Tempelfassade den Ausgangspunkt der ganzen 
Anlage bildete. Die Breite der Tempelfassade ist zwei Drittel der Gesamtbreite 
und die Hälfte der Höhe (ohne Dach). 

2. Das Innere. 

Dem rein dekorativen Oberbau entspricht kein Inneres. Im Unterbau (Abb. 60) 
gelangte man auf einigen Stufen zwischen den Mittelsäulen zunächst in die Vor- 
halle, einen Raum von 14 m Breite, 6,07 m Tiefe (von der Säulenstellung ab) 
und 12,65 m Höhe. Außer den verzierten Türen in den drei Wänden der Halle 
dienen an ihren Ecken schlanke Pilaster mit korinthischen Kapitalen, welche ein 
Gesims tragen, dem Schmuck des hoheitsvollen Raumes, aus dem man durch die 
Säulen des Eingangs auf die von der Klamm durchbrochene gegenüberliegende Fels- 
wand blickt (P., Abb.6). Die Rückwand der Vorhalle zeigt eine große Anzahl kleiner 
Löcher, meist in Dreiecken angeordnet, wofür Petra auch sonst Beispiele bietet^. 
Da an eine Befestigung von Stuck hier nicht zu denken ist, wird es sich um Löcher 
für Pflöcke handeln, an welchen man Votivgaben, wie Kränze u. dgl., aufhängte. 

Verschließbare Eingänge von 5,10 m lichter Höhe führen rechts und links 
durch kurze Gänge (rechts 2,12 m, links 2,15 m lang) in völlig schmucklose Kam- 



I) P., S. 82. 
Dalmam, Neue Petra-Forschungen. 



66 



II. Chaznet Vir'un (ein vermutetes Königsgrab). 



mern. Ein Oberlicht über der Tür, war wohl mehr bestimmt, dem Luftwechsel, 
als der Lichtzuführung, zu dienen, denn von einer wirklichen Erhellung des Innen- 
raumes ist nicht die Rede. Die mit drei Stufen versehenen Türöffnungen (Abb. 64) 
haben zur Seite Pilaster mit korinthischen Kapitalen, die einen Türsturz tragen. 
Eierstab und Zahnleiste leiten über zu einer auf Konsolen ruhenden Verdachung, auf 
welcher an beiden Enden fabelhafte Vogelgestalten als Akrotere aufgesetzt sind. 
Die Akrotere sind, statt allmählich auszulaufen, nach der Mitte zu abgeschnitten, 




Abb. 60: Grundriß von eg-gerra. 



um den unteren Teil des runden, von einem Rahmen eingefaßten Oberlichtes nicht 
zu verdecken. Beide Kammern sind 7 m hoch, wovon aber drei Stufen abzuziehen 
sind, welche den Übergang vom Türraum zur Kammer vermitteln. Die rechte 
Seitenkammer, 6,80 m breit, links 8,50, rechts 8,73 m tief, enthält am rechten 
Ende der Rückwand eine hohe Nische, 2,58 m tief, 1,40 m breit, von der man 
meinen möchte, daß sie Tote aufnehmen sollte. Aber die Scheidung ihres imtcren 
Teiles in zwei, fast 30 cm breite, nach vorn offene Schlitze, welche, wie es scheint, 
bestimmt waren, oben verdeckt zu werden, spottet jeder dazu in Beziehung stehen- 
den Erklärung. Die linke Seitenkammer ist vorn 7,50, hinten 6,80 m breit und 
links 9,30, rechts 8,10 m tief. Daß ihre linke Seite Junten nacli innen zu kun- 



2. Das Innere. 



67 



vergiert, ist vielleicht durch die Besorgnis zu erklären, hier in mindergutes Gestein 
zu geraten, da eine andere Veranlassung für die unregelmäßige Gestalt der Kammer 
schwer denkbar ist. 

Auf acht Stufen steigt man empor zu dem 4,18 m breiten, 7,96 m hohen, durch 
Türen verschließbaren Eingang zum Hauptsaal der Anlage (Abb. 65). Auch hier 
ist ein Oberlicht vorhanden. Aber seine oberhalb des Türgesimses angebrachte kleine 
viereckige Öffnung vermag dem Inneren kein nennenswertes Licht zuzuführen. 
Die Türöffnung ist von einem Rahmen eingefaßt, an den sich oben ein Gesims 
anschließt, das von einer auf Konsolen ruhenden Verdachung überragt wird. Sehr 
große, in Palmetten auslaufende Akrotere schmücken die letztere. Auf der Schwelle 
hatte ich anfänglich nicht beachtet eine in der Mitte ausgehauene Schalenver- 
tiefung (Abb. 61) von 35 cm Durchmesser und 13 cm Tiefe. Ein ringsherum- 
laufender Falz von 3 cm Breite und Tiefe war offenbar bestimmt, eine Deckplatte 
aufzunehmen. Vom Grunde der Schale 
führt ein kleines Kanälchen von 6 cm 
Durchmesser nach der Vorderseite der 
Stufe, wo eine 6 — 7 cm breite und 4 cm 
tiefe Rinne, die ebenfalls mit einem Falz 
für eine Deckplatte versehen ist, die Flüs- 
sigkeit nach rechts ableitete. Am Ende der 
Stufe setzt sich die Rinne senkrecht nach 
dem Boden der Vorhalle fort, ist aber infolge 
der Verschüttung desselben nicht weiter zu 
verfolgen. Mit dem Türverschluß hat die 
Schale nichts zu tun; denn die Tür befand 
sich hinter der Schwelle. Die Sammlung 
von Regenwasser kommt hier auch nicht in 
Frage. Somit kann die Schale nur Flüssig- 
keiten gelten, die man hineingoß, also 

Spenden, die man auch bei verschlossener Türe darbringen konnte. Die nächsten 
Parallelen dazu sind die in Petra häufigen Näpfe an den Eingängen zu Senk- 
gräbern 1. 

Der gewaltige Hauptsaal mißt im Osten 11,70 m, im Westen 12,10 m, im 
Süden 12,65 m, im Norden 12,32 m, und in der Höhe ebenfalls 12 m, hat also die 
Gestalt eines Würfels. Die Wände erhalten nur durch die Umrahmung der Türen 
einigen Schmuck. In der Rückwand führt ein über vier Stufen angeordneter Eingang 
von 1,67 m Breite und etwa 4 m Höhe zu einer Kammer von 3,20 zu 3,22 m bei 
4,40 m Höhe. In den Seitenwänden führen Eingänge ohne vorgebaute Treppen 
zu roh behandelten tiefen Nischen, die wohl bestimmt waren, zu Kammern er- 
weitert zu werden. Die nördliche ist 4,40 m tief und 1,88 m breit bei 1,64 m Breite 
des Eingangs, die südliche hat 4 m Tiefe bei 1,88 m eigener Breite und 1,60 m 
Breite des Eingangs. Die Eingänge zu den Seitenkammern sind von einem Rahmen 




Abb. 61 



Schale auf der Schwelle der Haupt- 
tür von eg-gerra. 



i) P. S. 82 und oben S. 33 f. 



68 



II. Cha7.net Fir'un (ein vermutetes Königsgrab). 



eingeschlossen, über dem sich ein mit drei Konsolen geschmückter Giebel aufbaut. 

Reicher ist der Eingang zur mittleren Kammer ausgestattet (Abb. 62). Pilaster 

tragen da ein Gebälk, in dessen Verkröpf ungen am Friese Gorgonen angebracht sind. 

Den Abschluß nach oben bildet ein Giebel, dem aber die Konsolen fehlen. Ob 

irgendwo im Hauptraum oder den 
Nebenräumen Senkgräber vorhanden 
sind, läßt sich nicht erkennen, weil 
der Boden mit einer dicken Schicht 
von Sand und Ziegendung bedeckt 
ist, weshalb die Bemerkung Brün- 
nows, daß man von Grabstätten 
nichts sehe, wenig bedeuten will. 
Ich habe an einigen Stellen den 



^^^^^^3^' ^ 





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Abb. 62: Eingang zur Hauptgrabkammer von eg-gerra. 
Aufnahme von L. v. Zepharovicz. 



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Abb. 63|: Basis der Säulen 
des Untergeschosses. 



Boden aufgehackt, ohne etwas zu finden. Wenn das Ganze nicht ein Kenotaph 
war oder durch besondere Umstände leer blieb, war doch gewiß die ]\Ieinung, 
daß die Leichen in den Nebenkammern in Senkgräbern beigesetzt werden sollten, 
wovon freilich keine Spuren erkennbar sind. In jedem Fall erwartet man in Petra, 
wo hohe Nischen in Grabkammern stets die Stätte der Toten bedeuten, keinen 
anderen Zweck der Nebenräume. Für Kultbilder war in ihrer Finsternis kein 
passender Platz; und hätten sie vor ihnen stehen sollen, so wäre dies eine Anord- 
nung, zu der jede Analogie fehlt. 



3. Der architektonische Schmuck der Fassade. 

Die für den Schmuck der Fassade und des Inneren gewählte Stilart ist die 
korinthische. Die glatt gelassenen Säulenschäfte verjüngen sich etwas, entbehren 
aber der Entasis. Sie ruhen im Erdgeschoß auf einer Basis aus zwei Polstern, 
von denen das untere weit ausladet (Abb. 63). Im Oberstock ist das obere Polster 
durch Ablauf und Stab ersetzt, an den sich die Einziehung anschließt. Die Säulen 
des Unterstocks sind unten 1,48 m dick. Die Kapitale haben vorn am oberen Rande 
eine Breite von 2 m. Der Pinienzapfen, der sie schmückt, ist 27 cm lang. 
Korinthische Kapitale mit zwei Blattreihen befinden sich im unteren Geschoß auf 
den Säulen der Front und den Pilastern der Vorhalle, Kapitale nur mit Eckblättern 



3- Der architektonische Schmück der Fassade. 69 

auf den Säulen des Obergeschosses und den Pilastern der Türen zu den äußeren 
Seitenkammern sowie auf dem Runddache der Tholos im Obergeschosse. Den 



Abb. 64: Südliche NebenUir vou eg-gerra. Aufnahme von H. L. Larsson. 

jonischen Fries schmücken Festons im Obergeschosse, Rankenwerk mit Greifen 
und Vasen im Untergeschoß. Zahnleisten leiten zum Gesims über in beiden Ge- 
schossen. Ein Blätterstab steht unter einer Zahnleiste über den Seitentüren der 



70 



II. Chaznet Fir'un (ein vermutetes Köntgsgrab). 



Vorhalle (Abb. 64)1, ein Eierstab unter einer nur gemalten Zahnleiste^ über der 
Umrahmung der Mitteltür, nur ein Eierstab unter ihrem Gesims (Abb. 65). Eigen- 




Abb. 65: Mitüere ILiuiittUr von ej^-gerr.i. Aufnahme vuii II. L. Larsson. 

tümlich und unklassisch muten an die nach oben sich verbreiternden Konsolen, 
welche die Türsimse tragen, die weit ausladenden Akrotere der letzteren und des 



1) Abb. 64 gibt die südliche Nebentür wieder, die nördliche s. Petra, Abb. 78. 

2) Eine gemalte Zahnleiste sieht man auch über einer Graböffnung des Caracallagrabes auf körn 
cs-sukäfa in .Mox.niidricn. 



4. Der figürliche Schmuck. 7 1 

Tempelgiebels und die nach innen gekrümmten Flächen des Postaments in der 
Front der Tholos. 

Daß die Fassade in größerem Umfange farbig behandelt war, ist von vorn 
herein wenig wahrscheinlich, weil man gewiß die sehr gleichmäßig schöne natür- 
liche Färbung des Gesteins als einen Vorzug betrachtet hat. In den inneren Ecken 
des Zahnschnittes an dem zurückgezogenen Teil der Fassade im Untergeschoß 
wechseln aber in auffallender Weise rote und weiße Vierecke. Das kann dafür 
sprechen, daß man die ,, Zähne" des Schnittes durch weiße Bemalung hervor- 
gehoben hatte. Bemalung ist auch anzunehmen bei dem nicht plastisch aus- 
geführten Zahnschnitt über dem Haupteingange. An den Kapitalen, Säulen und 
Wänden des Unterstocks sieht man reichliche Spuren einer sehr dünn aufgetragenen 
hellgelben Farbe. Ich stieg zur Höhe der Kapitale hinauf, um sie aus größerer 
Nähe zu betrachten, und fand, daß dieser Farbstoff von oben her herabgeflossen 
und gespritzt sein muß. Daraufhin beobachtete ich im sik an verschiedenen 
Stellen dieselbe gelbliche ,, Bemalung" des Gesteins. Sie ist dadurch zu erklären, 
daß der vorwiegend rote Sandstein gelbe Bestandteile enthält, die durch Regen- 
wasser aufgelöst werden und über die Fassade herabfließen. Ein Anstrich der 
roten Säulen und Wände mit diesem unschönen Gelb wäre eine schwer begreif- 
liche Geschmacklosigkeit gewesen. 



4. Der figürliche Schmuck. 

Den ganzen Bau beherrscht die weibliche Figur in der Vorderseite der Tholos 
(Abb. 59). Der Kalathos auf dem Haupt, das Füllhorn im linken Arm, und — wahr- 
scheinlich — einige Ähren (sicher kein Sistrum, welches aufwärts zu tragen wäre) 
in der rechten Hand machen sie hinreichend kenntlich als eine Göttin der Frucht- 
barkeit. Der Akroter auf dem Tempelgiebel mit Hörnern, Sonnenscheibe und zwei 
umgekehrten, also abgeschnittenen Ähren über drei kleinen Knäufen, die wohl 
Mohnköpfe sein sollen, zeigt, daß an Demeter — in Verknüpfung mit Isis — als 
die große Mutter des Lebens in Ober- und Unterwelt gedacht ist. Dabei ist nur der 
wenig abgetrennte untere Teil des zwischen den Hörnern sichtbaren Oblongums als 
Sonnenscheibe anzusprechen. Darüber erhob sich — nicht mehr völlig erhalten — 
der federnartige Kopfputz der Göttin. Isisdarstellungen mit Füllhorn im rechten 
Arm, Ährenbüschel in der gesenkten Linken, oder auch mit zwei Ähren, die aus 
dem Kopfschmuck der Göttin (Halbmond mit Sonnenscheibe) sprießen, bezeugt 
Drexler^. Auch kann man hinweisen auf alexandrinische Reliefs^, auf denen 
Schlangenpaare in aufgerichteter Stellung mit Pschent bzw. Sonnenscheibe und 
Hörnern auf dem Kopf Osiris (oder Horus) und Isis darstellen. Das eine Mal sind 
der Schlange der Isis vier Ähren, das andere Mal beiden Schlangen je eine Ähre 
und ein Mohnkopf beigegeben. 



i) Röscher, Lexikon der griech. und röm. Mythologie, s. v. Isis, Sp. 449, 458. 
2) Museum von AlcxanUrien, Saal XI, Nr. 3.1 und 40. 



72 II. Chaznet Fir'un (ein vermutetes Königsgrab). 

Isis-Demeter ist umgeben von sechs Amazonen^, die mit einem über dem 
Kopfe geschwungenem Beile tanzen. Ob das Beil eine bipennis war, ist nicht 
auszumachen. Es ist jedenfalls immer nur eine Schneide zu sehen, und neben dem 
Doppelbeil ist auch das einfache Beil die Waffe der Amazonen. Die in der Front 
stehenden Figuren (s. Abb. 59), welche ein Paar bilden, halten ein Sistrum in der 
linken, nach rechts gestreckten Hand. Als ein zweites Paar sind gemeint die nach 
Süden schauenden Figuren anTholos und nördlichem Eckpavillon (s. Petra, Abb. 77). 
Sie scheinen den rechten Arm, der die Waffe trägt, nach links zu strecken, während 
der linke Arm abwärts gehalten ist. Schlangenähnliche dicke Locken fliegen vom 
Kopfe seitwärts. Die nach Norden gewandten Figuren (s. Abb. 57) bilden das dritte 
Paar. Während die vorigen nach der Fassade zu schreiten und den Kopf rück- 
wärts wenden, schreiten diese rückwärts, wenden aber den Kopf nach vorn. Sonst 
ist ihre Stellung eine ähnliche. Schlangenähnliche Locken sind jedoch nicht zu 
erkennen, v. Domaszewski hat in der rechten Hand der vier letzten Figuren fercula, 
wohl in Schiffsform, gesehen. Aber was sollen fercula, auf denen nichts getragen 
wird? Eher wären peda möglich. Doch scheint mir wahrscheinlicher, daß auch 
hier Beile gemeint waren, wohl mit nach unten gewendeter Schneide. Daß die linke 
Hand ein sistrum hielt, ist recht möglich, aber höchstens bei der südwärts schauen- 
den Figur an der Tholos zu erkennen. Es scheint, daß die Amazonen die Macht 
des Todes versinnbildlichen sollen, wie sie der großen Göttin zu Diensten steht. 
Sie gehören sonst zur Umgebung der Artemis oder des Ares. Hier sind sie der 
Demeter beigesellt, wahrscheinlich im Gedanken an sepulkrale Tänze, wegen deren 
sie auch anderwärts auf einem Grabdenkmal vorkommen 2. 

Die Interkolumnien des Hintergrundes sind anderen weiblichen Gestalten 
vorbehalten. Links steht ein geflügelter Genius, hinter einem schmalen gehörnten 
Altar. Die linke Hand, neben der ein Schleier herabwallt, faßt eine Altarecke, 
die rechte hält etwas Rundes, also doch wohl eine Spendeschale. Die ebenfalls 
geflügelte Gestalt zur Rechten hat auf dem Haupte einen Helm, in der Rechten 
einen Kranz, in der Linken einen vor der Figur gesenkten Palmenzweig. Beide 
Gestalten werden als Darstellungen der Nike gemeint sein», deren Verwendung 
als Opferdienerin in der Kunst bekannt ist. Das Siegesopfer und die Bekränzung 
des Siegers sind dargestellt. Viktorien, auch opfernde, erscheinen öfters auf Grab- 
altären*. Der Tote ist dabei als Heros gedacht, dessen Siege man feiert. Als be- 
kannte Symbole von Leben und Tod stehen in den äußeren Interkolumnien des 
Unterstocks die Dioskuren vor schreitenden Rossen (Abb. 58). Eine Schlange 
vermag ich an ihnen nicht zu erkennen. 

Der Kopf im Tympanon des Tempelgiebels, den de Laborde als Adler deutete, 
hat reiches Haar und kurze Zöpfe, aber keinen Bart. Da ein Frauenkopf, der auch 
wieder Demeter-Isis darstellen müßte, unwahrscheinlich ist, wird man nach dem 



i) An Mänaden zu denken, wird dadurch verboten, daß diese nicht in dieser Weise bewaffnet 
dargestellt werden. Auch die kurze Kleidung ist amazonenhaft und nicht den Mänaden eigentümlich. 

2) AUmann, Die Römischen Grabaltäre, S. 273. 

3) Anders P., S. 130. 

4) Altmann, a. a. O., S. y6, 100 ff., 148. 



4. Der figürliche Schmuck. -j-i 

Beispiel des Lateinischen Grabes in Petra zunächst an ein Gorgonenhaupt 
denken. Möglich wäre sonst wohl eine Darstellung des Dionysos als Jüngling, 
der dann Osiris vertreten würde, dessen Schlangensymbol man in Alexandrien 
mit Thyrsus und Caduceus versehen hat^. Er konnte in Petra neben Demeter- 
Isis um so eher treten, als man dort den für Dionysos gehaltenen Duschara gleich- 
zeitig als Sonnengott feierte. Wie beliebt Darstellungen aus dem bacchischen 
Kreise bei den Römern für Grabdenkmäler waren, hat Altmann gezeigt-. 

In den bacchischen Kreis, zu dem auch das Beil der Amazonen gehört, darf 
man auch rechnen die beiden Panther, welche wie drohende Wächter an den Enden 
des Gesimses des Untergeschosses über den vorgezogenen Säulen stehen. Sie sind 
sehr beschädigt und haben weder Kopf noch Rücken. Was nach v. Domeszewski 
wohl Köpfe sein sollen (er erkennt rechts einen Löwen), erscheint mir nur als 
Rest von Hals oder Leib. Die von ihm auf dem Rücken der Tiere angenommenen 
Körbe sind wohl Reste der Bosse, wie sie auch hinter den Adlern des Daches ge- 
blieben sind. Allenfalls könnten sie, worauf mich Architekt Newton aufmerksam 
machte, Reste von Flügeln sein. Die Panther gehörten dann in die Klasse der 
Sphingen und Greifen. — Die henkellose Vase, welche im Fries des Untergeschosses 
siebenmal erscheint, jedesmal von zwei Greifen bewacht, ist ein auch sonst be- 
kanntes sepulkrales Motiv^. Für die Deutung käme etwa das Wassergefäß der 
Isismysterien in Frage. Aber es ist wohl eher der Kantharos der Totenspenden*, der 
gewöhnlich zwei Henkel hat, aber doch auch henkellos vorzukommen scheint, 
so Altmann, Grabaltäre, Taf. i, vgl. Taf. 2. Sonst wäre der Kantharos auch als 
Emblem des Dionysos denkbar, wie es sicher der Fall ist bei dem henkellosen 
kelchartigen Gefäß auf den Münzen des HasiTlonäers Simon, das dann auf den 
späteren jüdischen Münzen mit Henkeln erscheint und da neben dem Weinblatt 
oder der Traube gewiß dem bacchischen Kreise entnommen ist. Bei den geflügelten 
Greifen ist nirgends der Kopf erhalten. Deshalb kann man zweifelhaft sein, 
welches Fabeltier eigentlich gemeint ist. Ein Vorderfuß ist erhoben und greift nach 
der Vase. Auf den anderen stützt sich das Tier. Hinten fehlen die Füße. Der lange 
Körper läuft in eine große Ranke aus, an deren Anfang kleine Ranken nach oben 
und unten streben und Schwanz und Hinterfuß anzudeuten scheinen. Die Tier- 
gestalten dürften sonst ähnlich gewesen sein wie die der beiden Heraklesreliefs, 
welche ich P., S. 355 abgebildet habe. Verwandt sind jedenfalls im Grab des Cara- 
calla auf köm es-.sukäfa in Alexandrien die beiden gemalten Figuren mit Menschen- 
kopf, Flügeln und einem in Ranken ausgehenden Leib, welche da eine zweihenkelige 
Vase umgeben. Eine einhenkelige Vase zeigt ein Relief des Museums von Alexan- 
drien^ zwischen den Schlangenemblemen von Isis und Osiris. Die Aufschrift des 
Museums nennt sie das Gefäß der Göttin Anuket, was auf den Nil deuten würde, 
dessen Gattin sie ist. Aber hier ist wohl eher an das heilige Gefäß der Isis zu denken. 

i) So zweimal im Grab auf köm es-sukäfa in Alexandrien. 

2) A. a. O., S. 267 ff. 

3) Ebenda, S. 85, 145. 

4) Vgl. Dictionnaire des Antiquites III, S. 153 ff. 

5) Saal XI. Nr. 33. 



74 



11. Chaznet Fir'ün (ein vermutetes Königsgrab). 



In den bacchischen Kreis weist jedenfalls der Schmuck des Frieses im 
Obergeschoß (Abb. 66). Als es mir gelang, auf den seinem Dache rechts zur 
Seite liegenden Fels zu kommen, ließ sich erkennen, daß an der rechten Ecke des 




Abb. 66: Obergeschoß von eg gerra von der Höhe des austoßenden Felsens. Aufnahme von M. Daldwin. 



Frieses ein Satyrkopf mit Schläfelocken vmd spitzem Bart angebracht ist. Das 
wird für alle Ecken des Frieses gelten. Die Mitten werden eingenommen von 
Gorgonenköpfen des , .schönen Typus", die nur dadurch etwas Satyrhaftes erhalten, 
daß ihnen, wie den Satyrköpfen, zur Seite Tänien mit emporstehenden Schleifen 



4- Der figürliche Schmuck. yr 

angebracht sind, welche wie große Ohren aussehen. In den Girlanden lassen sich 
VVeinlaub, Trauben, Efeu, Lorbeer und Mohnköpfe erkennen, wovon nur die Mohn- 
köpfe der Todesgöttin angehören, während das übrige dem bacchischen Kreise 
entspricht. Diesem gehören auch an die Pinienzapfen, welche überall auf einem 
Akanthusblatt den oberen Rand der Kapitale zieren, während der Mohn das Ranken- 
werk an ihrer Vorderseite und im Fries und Tympanon des Unterstocks beherrscht. 
Apotropäisch gemeinte Gorgoneia befinden sich auf den Verkröpfungen des Frieses 
im Unterstock und der Tür zur mittleren Grabkammer. Was für Blumen mit 
den Rosetten am oberen Rand der Attica gemeint sind, ist nicht zu erkennen. 
Einige sind sechsblättrig mit einem Kranz in der Mitte, andere vierblättrig mit 
einem Knauf als Mittelpunkt. Es gibt aber auch solche, an denen vier breite 
und vier schmale Blumenblätter miteinander abwechseln. 

Noch sind die Adler zu erwähnen, die mit nur wenig gespreizten Flügeln als 
Vögel des Sonnengottes, aber auch als Symbole des Aufstiegs eines Heros zur Ge- 
meinschaft der Götter auf den Konsolen des Daches Wache halten. Adlerartige 
Vögel mit ausgebreiteten Flügeln sind es auch, die über den Seitentüren der Vorhalle 
sitzen. Ihre Köpfe sind nirgends erhalten, der Leib geht in stilisierte Blätter über, 
an die sich Rankenwerk anschließt (Abb. 64). 

Die Urne über einem korinthischen Kapital auf dem Dache der Tholos wird ein 
sepulkrales Motiv sein. Ich habe P., S. 78 auf die Möglichkeit ihrer bloß dekorativen 
Verwendung bei dem Tempel von ed-der hingewiesen. Aber wenn dieses Heiligtum, 
wie es scheint (s. S. 57), dem Gottkönige 'Obodat galt, dessen Grab bekannt 
war, so ist auch hier eine sepulkrale Deutung möglich. Die Urnen der Triklinien 
Nr. 408 und 413 lassen sich in jedem Falle so verstehen, da sie Totenmahlen ge- 
dient haben. Fast unmöglich wird eine derartige Deutung nur bei den mit Urnen 
geschmückten Idolnischen in medäin sälih, deren wir bei Jaussen und Savignac 
sieben kennen lernend Es ist auffallend, daß die zahlreichen Idolnischen Petras 
kein einziges Beispiel dieser Art aufweisen. Sollten die Steinbildner von Hegr den 
Sinn der ihnen von der Hauptstadt her bekannten Urnen nicht durchschaut 
haben ? 

Nur von pompe janischen Wandbildern vermag ich die ornamentale Verwen- 
dung der Urne zu belegen. Eine verschleierte Urne, die auf einem korinthischen 
Kapital ruht, krönt genau wie bei eg-gerra das Dach einer auf korinthischen Säulen 
ruhenden Tholos auf dem schon erwähnten Wandbilde der Casa del laberinto. 
Hittorf vermutete darin die Darstellung eines Heiligtums für Leichenfeierlich- 
keiten in der Mitte eines Asklepeion, während mir ein Heroon wahrscheinlicher 
ist2. Auf anderen Wandbildern steht eine Urne auf einem runden säulenartigen 
oder auf einem viereckigen Turm^ Schreiber deutet den ersteren als ein Grab- 
denkmal, den letzteren als Leuchtturm oder Kastell, was durch nichts angedeutet 

i) Mission, S. 414 ff. 

2) Vgl. S. 63, 

3) Schreiber, Kulturhistorischer Atlas I, Taf. LXIV, 5, 8. Vgl. Tafel C i, wo auf dem Grabmal 
eines Konsuls ein hoher Pfeiler eine Urne trägt. 



n(y II. Chaznet Fir'ün (ein vermutetes Königsgrab). 

ist. Aber Urnen kommen auch vor als Schmiick eines türähnlichen Baus^ und 
einer Pergola^. In beiden Fällen pflegt man an ein Baumsacellum zu denken. Es 
könnte sich aber auch um ein Heroon handeln. Daß die Urnen Aschenbehälter 
darstellen sollen, ist nicht völlig gewiß, obwohl es in römischem Gebiete am nächsten 
gelegen hätte. Auf griechischem Gebiete darf man vielleicht an die ornamentalen 
Urnen denken, welche Gefäße für Totenspenden abbildeten^. Da der Zusammen- 
hang der Architektur von eg-gerra mit dem Architekturstil pompe janischer Wand- 
bilder sich nicht bezweifeln läßt, wird auch die Urne von derselben Stilrichtung 
abzuleiten sein. 



5. Der Zweck und die Zeit des Baus. 

Hräbet eg-gerra war allem Gesagten nach kein Tempel der Isis, sondern ein unter 
ihren Schutz gestelltes Grabmal oder Heroon. Wenn zugegeben werden dürfte, 
daß der figürliche Schmuck auch einem Tempel der Isis gelten könnte, so spräche 
doch die Inneneinrichtung dagegen. In Petra müssen die in den Felsen gehauenen 
Fassaden von Felsenkammern als Gräber in Anspruch genommen werden, sofern 
etwas Anderes nicht wirklich erweisbar ist. Auch die genaueste Nachahmung 
von eg-gerra in Petra, das sog. Korinthische Grab (753; 766 Er.), war ein Grab 
und kein Tempel, und das ihm ebenfalls nahestehende der-Heiligtum sollte gewiß 
den Eindruck eines Grabdenkrhals machen. Nur erschien in der Nische des Felsen- 
saales, in der man das Grab erwarten würde, an seiner Stelle ein Altar. Wenn hier 
der in 'Abde begrabene Gottkönig 'Obodat verehrt wurde, ist diese Einrichtung 
sehr verständlich. 

Nach V. Domaszewski soll eg-gerra erst um 131 n. Chr. unter der römischen 
Herrschaft als ein Isistempel Trajans entstanden sein, weil seine Nachwirkung 
auf die Grabbauten Petras schwach sei. Er nennt als von ihm beeinflußt das 
Triklinium von eg-greda Nr. 49 (34 Br.), das Grab Nr. 227 (228 Er.), das Löwen- 
triklinium Nr. 408 (452 Er.), den der-Tempel Nr. 446 (462 Er.), das Korinthische 
Grab Nr. 753 (766 Er.). Aber wenn die Fassaden Nr. 49, 227, 408 von eg-gerra 
beeinflußt sein sollen, so ist es doch schwer möglich, bei ihnen stehen zu bleiben. 
Man könnte ebensogut alle Giebelgräber auf dieselbe Rechnung setzen, also auch 
Nr. 228 (229 Er.), 238 (239 Er.), 261 (258 Er.), 413 (455 Br.), 717 (731 Er.), 750 
(763 Er.), 754 (772 Er.), 821 (846 Er.)*. Es wäre möglich, daß in eg-gerra zum ersten 
Mal die volle Form der Tempelfassade auf ein Grab angewandt wurde und daß 
alle anderen Tempelfassaden auf den Grabbauten Petras erst von da ab datieren. 



1) A. a. O., Tafel XI, 14. 

2) Dictionnaire des Antiquites I, S. 361. 

3) Ebenda IV, S. 121 1, 1220. 

4) Hierher gehört nicht Nr. 306 Br., das in Wirklichkeit kein Giebelgrab ist (P., S. 217), wohl aber 
ein Grab zwischen wädi et-turra und wädi en-nmer nahe ihrem Zusammcnlauf, wo die von Brünnow als 
Nr. 297 verzeichneten „zerstörten Gräber" als ein Giebelgrab, ein Zinncngrab und ein Bogengrab zu 
definieren sind. 



5. Der Zweck und die Zeit des Baus. nn 

Das wäre dann in der Tat keine „schwache" Einwirkung zu nennen. Aber nach- 
weisbar ist nur die Beeinflussung des der-Tempels und des Korinthischen Grabes, 
bei welchen wirkliche Nachahmungen vorliegen. Vom Löwentriklinium sagt 
V. Domaszewski, es habe die Kapitale von eg-gerra und müsse jünger sein als dieses 
und das Lateinische Grab (Nr. 750). Aber es hat ja doch das gewöhnliche Petra- 
Kapital, nur mit einer Dekoration, welche an das Rankenwerk der Kapitale von 
eg-gerra erinnert, ohne ihm in der Anordnung zu gleichen. Man hätte ebensogut 
die Pilasterkapitäle des sogen. Triumphtores als Vorbild nennen können. Aus 
solchen ÄhnHchkeiten ist nichts zu beweisen. Wir wissen bisher auch sehr wenig 
von dem Schmuck der eigentlichen Stadt Petra, von der doch auch Einflüsse aus- 
gegangen sein werden. Der Nachahmung eines Baues wie des von eg-gerra standen 
als mächtige Hindernisse entgegen erstlich, daß sein heiterer Schmuck gegen die 
peträische Gewohnheit war, welche sehr ernste und strenge Typen für die Gräber 
ausgebildet hatte, und zweitens, daß zu seiner Nachbildung dafür geschulte Arbeiter 
und bedeutende Geldmittel gehörten. Es ist anzunehmen, daß der Erbauer von 
eg-gerra, der auch deshalb kein Privatmann gewesen sein wird, seine Künstler von 
anderwärts, aus Aegypten oder aus Italien, kommen ließ. Einheimische haben 
dann beim Korinthischen Grab eine Nachahmung mit schlechtem Erfolge versucht, 
und bei ed-der Besseres geleistet, weil sie den Stil von eg-gerra nach heimischem 
Geschmack umformten. 

Übrigens ist auch von ed-der keineswegs gewiß, daß es in römische Zeit gehöre. 
Wenn es König 'Obodat gewidmet war, so ist nicht denkbar, daß die Römer eine 
derartige Ehrung des Ahnherrn der entthronten einheimischen Dynastie gestatteten. 
Daß ,,die Grabbauten zu Seiten des künstlich gebrochenen Weges nach ed-der 
durch ihren römischen Stil den Wegbau und damit auch die Anlage jenes sonst 
ganz unzugänglichen Tempels in die römische Periode verlegen", wie v. Domaszewski 
sagt^, bedürfte doch erst des Beweises. Wenn die in Seitenschluchten liegenden 
Triklinien Nr. 408 und 413, welche er meint, wirklich aus römischer Zeit stammen 
sollten, so kann man ebensogut sagen, daß sie den Treppenweg zu ed-der voraus- 
setzen, als daß sie ihm vorangingen. 

Den Stil von eg-gerra habe ich P., S. 152 als hellenistisch bezeichnet, weil er 
mit den römischen Bauten von Gerasa, Palmyra und Heliopolis wenig Gemeinsames 
hat. Es wird richtiger sein, ihn dem ersten nachchristl. Jahrhundert zuzuweisen. 
Vom zweiten Jahrhundert ab, als Petra mit den romanisierten Städten der Provincia 
Arabia in enger Beziehung stand, wäre eine Verwandtschaft mit ihren Bauten 
das Natürliche. Davon ist in Petra nichts zu sehen. Aber Bosra hat in dem sog. 
Kleinen Bogentor und es-suhba in seinem Südtor einen Rest aus nabatäischer Zeit 
erhalten. Ein König wie Aretas IV. Philodemos (9 v. Chr. bis 40 n. Chr.) oder noch 
eher Petras wahrscheinlich letzter König Rabbel II. Soter (71 bis c. 105 n. Chr.) 
könnte sehr wohl sich selbst oder seinem Vorgänger ein Mausoleum wie eg-gerra er- 
richtet haben. Brünnow wendet ein, daß auf dem Grabe eines Königs die Inschrift 



I) Provincia Arabia, I, S. i86. 



78 II. Chaznet Fir'un (ein vermutetes Königsgrab). 

nicht gefehlt haben würdet Dann hätte es in Petra überhaupt keine Königsgräber 
gegeben. Denn alle Gräber Petras entbehren der offiziellen Inschriften, mit Aus- 
nahme eines einzigen, bei dem trotzdem jede Nennung eines Namens vermieden 
ist. In einer Königsstadt wie Petra, welche in Aretas III. einen Fürsten hatte, 
der sich den Beinamen ,, Griechenfreund" gab, muß man Königsgräber erwarten, 
welche hellenistischem Kunstsinn entsprachen. War ed-der wirklich ein Heroon 
für den Gottkönig 'Obodat, so war der Bau, den es nachahmte, gewiß kein Grab 
eines Privatmanns. Wir werden in ihm ein Königsgrab sehen dürfen. 



i) ZDPV 1909, S. 250. 



III. Inschriften aus Petra. 

Im Verlauf von sechsmaligem Aufenthalt in Petra in den Jahren 1904—10 
habe ich eine Anzahl Inschriften gesammelt, die hier veröffentlicht werden. Es sind 
93 nabatäische und 5 griechische Inschriften. Bei den nabatäischen habe ich die 
im Corpus Inscriptionum Semiticarum schon publizierten weggelassen, bei denen 
ich nichts zu bemerken fand. Nur 17 sind mit Angabe ihrer Nummern im Corpus 
hier wiederholt. Doch soll damit nicht gesagt sein, daß eine Revision der übrigen 
nicht auch noch einige Resultate ergeben könnte, da ich keineswegs alle bisher 
bekannten nachgeprüft habe. Die Verweisungen mit P. beziehen sich auf mein 
Buch „Petra und seine Felsheiligtümer", Leipzig, J. C. Hinrichs 1908. 

eis = Corpus Inscriptionum Semiticarum. 

Duss. Syr. = Dussaud, Mission dans les regions desertiques de la Syrie 
Moyenne, Paris 1903. Saf. = Die safaitischen Inschriften ebenda. 

JS = Janssen et Savignac, Mission Archeologique en Arabie, Paris 1909. 

W. = Waddington, Inscriptions Greques et Latines de la Syrie. 



1. Nabatäische Inschriften. 

A. Bei en-nmer, rechts unterhalb des Weges dahin an einer Felswand (F. Nr. 290) 
Kopiert 1904, revidiert 1909. 

Von Nr. i — 3, 10, 11, 14, 15 existieren photographische Aufnahmen. 

a. Linke Gruppe. 

Nr. I. 

i-iTii na nnss obis 
Heil dem Aftah, Sohn des Wutairu! 

Aftah ist ein bekannter Name (z. B. CIS II 206), vgl. hebr. Jiftah. Wutairu ist 
Deminutiv zu Witru (CISIl3iSb), vgl. hebr. Jitrö. CIS übersetzt db© stets mit 
pax, Janssen mit salut. Beides ist jedenfalls besser als „Gruß", wie Euting es hat, 
da es sich um von Gott erwünschtes Heil für den handelt, der seinen Namen an- 
schrieb oder anschreiben ließ. In vielen Fällen war es wohl nicht ohne Bedeutung, 
wo man sich anschrieb. Die sinaitischen Inschriften häufen sich in der Umgebung 



go III. Inschriften aus Perta. 

der Berge gebel serbäl und gebel el-banät, weniger bei dem gebel musa. Auch 
bei den Juden war „Denkmal und Name" an den Wänden eines Heiligtums eine 
wichtige Sache (Jes. 56, 5). So dürften auch die Proscynemata von Petra dies 
als namhaften Sitz einer mächtigen Gottheit voraussetzen. S. auch P., S 96. 

Nr. 2. 

— Sohn des 'Ammu. 

"IttJ, IIB oder 1© ist wohl Schluß eines längeren Namens. 'Ammu steht für das sonst 
übliche 1^12?, vgl. "Anfiov W. 2429, "A(ioq, Lidzbarski, Ephem. II, S. 327, 'ammä 
JS 151, safait. 'amm Duss. Syr. 138. 

Nr. 3. 

■'D'^siay |X| 

'Abdijäsi. 

Zu ijäsi vgl. "^iriii« Duss. Syr. 10, lir""« unten Nr. 15 und 'läöog Duss. Syr. gr. 112. 
Im Spätjüdischen gibt es iD'^S, XDiü, '^D'', ÜDi, was ich Gramm, die Jüd.-Pal. Aram.^ 
S. 179 vielleicht nicht mit Recht auf Joseph zurückgeführt habe. Die vor dem 
Namen stehenden Zeichen, ein Kreuz zwischen zwei Strichen, bedeuten vielleicht 
einen militärischen Rang, da XI für einen Decurio vorkommt. 

Nr. 4. 

Gedacht werde des 'Anu, Sohn des Hairaj, in Gutem! 

Zu 'Anu vgl. "Avfog W. 2203 c und hebr. 'Ana, 'Unni ('Unno). Auch 135 ist 
möglich, vgl. 'Oßaiog, Lidzbarski, Ephem. II, S. 339 (mit Deutung durch i2S), 
Oßßi] Duss. Syr. 72, arab. 'obejj, Musil, Arabia Petraea III, S. 271. Mit Hairaj oder 
Hairi ist zusammenzustellen hebr. Chirä, griech. Xa'iQog Duss. Syr. 22.65 und das 
palmyrenische Tiin, griech. Gen. XaiQavov W. 2455. — Das an der Spitze der In- 
schrift stehende Zeichen (s. die Kopie) ist mir unbekannt. 

Nr. 5. 

Heil dem Nijäfat, Sohn des Musallamu! 

Nijäfat, wenn richtig gelesen, ist nicht Noifpad^og W. 2220, das wohl mit ^afait. 
narafat zusammenhängt. Aber s. arab. näjef, Musil, Arabia Petr. III, S. 387. 
labfa wird von Janssen als Muslimu gelesen; aber außer MaoäXiftog W. 24121 gibt 
es MooäXka^ioq Josephus, c. Ap. I 201, und hebr. MesuUäm. 

Nr. 6. ^ 

Gesegnet sei — 

Kein ähnlicher Name ist bekannt. Nach dem Safaitischen könnte man an in^ und 
bsri denken, s. Duss. Syr. 268, ?af. 188. 



Nabatäische Inschriften Nr. 2 — 15. 81 

b. Rechte Gruppe. 
Nr. 7. 

Gacldu. 
Vgl. eis II 1125, hebr. Gad. 

Nr. 8. 

■nay 

'Abdu. 
Vgl. eis II 161 5, hebr. 'Ebed, Gen. "Jßöov W. 2008. 

Nr. g. 

Heil dem Tainiii, Sohn des Laiidän. 
Der Name Laudän findet sich safaitisch Duss. Syr. 489. 

Nr. 10. 

Heil dem [A]'lä. 
Zu dem oft bezeugten nab. A'lä vgl. hebr. Ja ala, Gen. 'A?.ä W. 2589. 

Nr. II. 

nun iTin nn inby -iid- 

Gedacht werde des Rälibu, Sohn des Hairaj, in Gutem! 
Zu Rälibu vgl. Gen. 'JXeßov W. 2053 », zu Hairaj s. Nr. 4. 

Nr. 12. 

Zaidu, Sohn des Taimu [von] 
Die Namen sind bekannt. Am Schluß folgte wohl nach p ein Ortsname. 

Nr. 13. 

nb'o» 

Taimu, Sohn 
des 'AmmuUäh. 
Der Name 'AmmuUäh kommt sonst nicht vor, vgl. aber hebr. 'Ammiel. 

Nr. 14. 

'p i^b» "laby aio-i ob© 

Heil dem Jasum, Rälibu, Schalimu [vor| — 
Jasum ist sonst unbekannt. Am Schluß sollte wohl mp und ein Gottesname folgen. 

Nr. 1 5. 

DbO ITCSC 13 nj 
Gaddu, Sohn des Ijä.su, Heil! 

llZJiK auch Duss. Syr. 10 und gr. 112 ' läöo^. Vgl. Nr. 2. 

D.\i.MAN, Neue Petra-For^cluingeii. 6 



«2 III. Inschriften aus Petra. 

. Nr. 16. 

■nniDi 

Gedacht werde des Abd 

und des Sahru! 

Für nay steht sonst 113? und Nl3y. Zu Sahru vgl. JS 166, safait. "inü Duss. Syr.22S, 

Gen. 2:a£()0i> Lidzbarski, Ephem. II S. 335. Neuarabisch gibt es säher, sahar, shejr, 

aber auch säher, Musil, Arab. Petr. III, S. 218. 

Nr. 17. 

■onn -Q iT^iy ob» 

Heil dem 'Uwaidu, Sohn des Harbu! 

'Uwaidu, Deminutiv von 'Audu, auch JS 197. Im Neuarabischen braucht man den 

Namen 'Aude im Sinne von „Wiederkehr, Plrsatz", wenn das neugeborne Kind 

einen verstorbenen Bruder ersetzt. Zu lain vgl. safait. ain Duss. S}r. 320. 323 ft". 

Nr. 18. 

[Heil!] Gedacht werde des 'Adn[u]! 
Die Lesung des Namens ist unsicher, wie auch der Name 'Adnu JS 112. 

Nr. 19. 

'Uwaidu, Heil! 

Nr. 20. 

cbic ^-inv 

Sahru. Heil! 
Zu Sahru s. Nr. 16. 

Nr. 21. 

Gedacht werde des Taimu, Sohn des Tabuku, [Heil!] 'Asbirat Heil! 
Mit Tabuku läßt sich altäbiku CIS II 825 vergleichen. Nach bv ist nur etwas wie ein 
1 erkennbar. PT^aDy ist sehr befremdlich. Die T>esung TT'cy wäre sprachlich 
besser, ist aber kaum erlaubt. 

Nr. 22. 

[D]bi» irav 

Kajämat Heil! 
Sonst i.st nur Kaijämu neben Kauwämu als Name bekannt. 

Nr. 23. 

■^nbsbn 

Ilalafullahi. 
Verwandt ist jüd. "Bb-'H, 'AXtpaioq, das auf n^sbn oder bS-'Ebn zurückgehen muß 
(Dalman, Gramm, d. jüd.-pal. Aram.^ S. 179), sowie xrtbn, KE"'bnri. 



Nabatäische Inschriften Nr. i^ — 2g. 83 

B. Beim Löwen von el-farasa (P. Nr. 254) an der südlichen Felswand (P.Nr. 2 5 5). 
Kopiert 1906 und 1909. 



Nr. 24. 

Nr. 25. 



n ib"! 



Mon'at bar Tai[mu]. 

Mon at findet sich CIS II 200, vgl. Movdi^ov W. 2429. 

C. In Grabkammer Nr. 212 Er. am westlichen Abhang des Theaterberges. 
Gefunden von Dr. Karge, kopiert 1909, revidiert 1910. 

Nr. 26. 

m-s -113m SÜDS mnymy 

'Abd'obodat Ukämä und gedacht werde des Adraml 
SaDS ist wohl als aramäischer Beiname aufzufassen. Es bedeutet dann „der 
Schwarze". Zu Adram vgl. Adramu CIS II 161. 

Nr. 27. 

Gesegnet sei K - -. 
Diese rechts von der vorigen stehende Inschrift könnte allenfalls ihren Anfang 
bedeuten. Aber im Zwischenraum ist nichts zu erkennen. 

D. In der Nischenklamm, rechts unter Nische Nr. 574, bald hinter dem steilen 
Aufstieg (P. Nr. 553 a). Notiert 1906, revidiert 1909. 

Nr. 28. 

[i2jb)aiay ob» i 
Dip p iT^ny -Q 2 
aan Dnbs x'^nbsn s-iidii 3 
ssip Dbir 4 
Heil dem Abdmalifku], 
Sohn des 'Ubaidu, vor 
Duschara und allen Göttern in Gutem. 
Heil dem Lessr! 
Für die Ergänzung des ersten Namens kamen nur 'Abdmaliku und 'Abdmanütu in 
Frage. Da das b deutlich zusein schien, mußte das Erstere vorliegen. Der Wunsch 
für den Leser (und Schreiber) findet sich sonst CIS II 416. 

E. In el-m'esara. 

a. Im Triklinium Nr, 514^ (532 Br., nicht 531, wie Brünnow angibt). Ko- 
piert 1909. 

Nr. 29 (CIS II 424). 

■nsipTiT 

Zaidkauwamu. 

Das nach CIS II 424 auch mögliche ^)2^p T^Dl ist ganz ausgeschlossen. 

6* 



g ■ III. Inschriften aus Petra. 

Nr. 30 (CIS 425). 

nxm 

Hama. 

Da das Wort über einem Sonnenbilde (.s. oben S. 25) steht, liegt es nahe, an die 
jüdische Bedeutung von nan „Sonne" zu denken. Doch gibt es auch einen jüdischen 
Namen TTan. Der oberste Teil der Inschrift in sehr großen Lettern fehlt. Aber 
der stehen gebliebene Rest macht die vom Corpus nicht versuchte Lesung zweifellos. 

Nr. 31. , , 

nbn 

nmnn 

Höhdu, 

seine (ihre) Genossin (?). 

Von Tlbn ist der dritte Buchstabe nicht deutlich. Der Name ist als Name der 
Gemahlin von Aretas IV. bekannt (CIS II 158). Die gewöhnliche Aussprache ent- 
spricht dem hebr. Chuldfi. Aber es könnte sehr wohl Hälidu zu lesen sein, ent- 
sprechend dem neuarab. Namen hälid, Musil, Ar. Fetr. III, S. 271. Hälid als .safait. 
Mannsname, s. Duss. Syr 170. Von biblischen Namen gehört Cheldaj hierher. 
nmnn kann auch Teil einer längeren Zeile sein, aus der dann "O oder rn2 heraus- 
zuheben wäre. 

Nr. 32 (CIS II 426). 

Gedacht werde des Maliku, Sohn. 

Nichts weiteres folgt. Die deutlich eingegrabene Inschrift ist also unvollendet und 
die CIS II 426 gesetzten Punkte sollten fehlen. Die ebenda vorgeschlagene Korrektur 
der Kopie in IDbü ist wohl richtig, obwohl zugegeben werden muß, daß das 2 mit 
einem nach 1 führenden Verbindungsstrich versehen ist, der es dem "a derselben 
Inschrift fi^st gleich macht. Ein wirkliches \"erschreiben des in "Q ist deshalb 
nicht ausgeschlossen. 

Nr. Si. 

•'bt: 

Sulaj. 

Der Name wird wegen der griechischen Transkription ^vXXalog gewöhnlich mit 
Sullai wiedergegeben. Aber die griechische Form ist durch den Namen —vXXa^ 
(Sulla) beeinflußt. Vielleicht ist Sulaj die ursprüngliche Form. Ob hebr. nbc, jüd. 
Sb'^C verwandt ist, bleibt ungewiß. 

b. Bei Grab Nr. 472 Br., nach Jau.ssen (RB 1902, S. 581) auf 'arkiib ras 'Amdän 
(verhört für 'arküb m'arras hamdan). Kopiert 1909. 

Nr. 34 (CIS II 423 A). 

'Abdhäritat, Sohn des Aida'än. 



Nabatäische Inschriften Nr. 30 — 37. S? 

Zu dem Namen häritat ist vielleicht das jüdische irnn und «lünn zu stellen. Jaussen 
und eis 423 a lesen ininn, aber das doppelte n ist unverkennbar. Jaussen liest am 
Schlüsse TiNS -fl und findet '7"' ni3\Xi "ül an einer anderen Stelle (CIS 426F). 
Im Corpus wird hier gelesen D^SS 12 1D, an der ersten Stelle liSi -|2 in. Es dürfte 
der Mühe wert sein, nachzusehen, ob die Abklatsche, auf deren Abdruck im Corpus 
nichts zu erkennen ist, nicht von einundderselben Inschrift stammen. Die Lesung 
der Inschrift ist am Schlüsse dadurch erschwert, daß die Rillen der Behauung des 
Felsens sich von der Schrift schwer unterscheiden lassen. Der Name ]y-t'<a ist für 
Palmyra nachgewiesen bei D. H. Müller, Palmyr. Inschriften Nr. 3. 

Nr. 35 (CISir423B). Diese Inschrift wird von Jaussen an dieselbe Stelle wie 
die vorige gesetzt. Sie findet sich aber nicht wie diese links vom Eingang jenes 
Grabes in der Außenwand, sondern auf dem Felsboden neben einem kleinen Troge 
am südlichen Rand der Terrasse des Grabes (P. Nr. 511a). Von mir 1904 und 1909 kopiert. 

"lüiri"! -\2 nsbJK — I 

nbxnrT'iai» -la 2 

übv xnbsni — 3 

— Sohn des Jutaimu, 

Sohn des SemitatuUähi 

Gott. Heil. 

Das in CIS angefochtene Taini Jaussen's finde ich bestätigt, jedenfalls l^ain sicher. 
Dagegen vermag ich übV am Anfang nicht zu erkennen und lese in der dritten 
Zeile snbxn statt xnbnx. Man würde die Formel snbx — — ülp p am Schluß 
erwarten. Doch läßt sich kein bekannter Gottesname erkennen. Da die Inschrift 
auf dem teilweise abgeblätterten Stein sehr undeutlich ist, wird sie wohl nie sicher 
gelesen werden. 

c) Am westlichen Rande von wädi el-m'esara et-tarfäni, weiter südlich als 
die nächste Gruppe. Kopiert 1909. 

Nr. 36 (CIS II 426 E). 

O inb 2U ITlDl 
Gutes Gedächtnis für Hu[ru], Heil! 

inb (oder allenfalls inb) schien mir hinreichend deutlich. Unter ]^-\01 stehen einige 
kleine Buchstaben, die wohl nb2 zu lesen sind. Das könnte „bei Gott" bedeuten. 
Vgl. unter Nr. 86. 

d) Hintere westliche Gruppe auf derselben Talseite (P. Nr. 513a). Kopiert 1904 
und 1909. 

Nr. 37 (CIS II 426 D). 

iicny na obts« ob» 
Heil dem Attalos, Sohn des 'Attä.sul 

Die Lesung obux bei Jaussen ist richtig, irrig dagegen das im CIS vor- 
geschlagene D3iUS. Am Schluß schien mir iB mit "1 zu einem Ductus zusammen- 



gg III. Inschriften aus Petra. 

gefaßt, so daß 'Attäsu (wie CIS II 1894, vgl. Gen. 'Otuoov W. 2070c) gemeint wäre. 
Das von Janssen vorgezogene 'Oteisu findet sich als Gen. 'Orcdoov W. 1984. 

Nr. 38. 

Heil dem Ausu! 

Nr. 39. 

TS Db» 

nbsn 

Heil dem Nataj und Wäilat! 

Nataj ist Abkürzung von hebr. Netanel (Dalman, Grammatik 2, S. 179) vgl. Gen. 
Naraiov W. 2016. Zu Wäilat (CIS II 546) gehörte OvaeXä^tj W. 2055. 

Nr. 40. 

1313 Dbü 
Heil dem Manul 

15B (wofür auch 123 gelesen werden könnte) ist wohl aus dem bekannten Namen 
i:y52 entstanden, vgl. Gen. Mävov W. 2042, jüd. Xjy, NJi». 

Nr. 41. 

■^s-iai ■'bü DblD 

7 

nbnn^ssi 

Heil dem Sulaj und Märeaj 
[und] der Amathälidul 

Das einer 8 gleichende Zeichen am Schlüsse der ersten Zeile ist wohl als ^X zu 
lesen. Wenn es nur N wäre, wäre man versucht, an Slü „Herr" zu denken. Aber 
das vorangehende 1 will das nicht erlauben, sn^ oder iN-i'O muß Eigenname sein. 
Das erstere ist in safaitischen Inschriften häufig (Duss. Syr. 2. 3. ff.). Als jüdische 
Namen sind iTa und Si-|)ü bekannt, vgl. Magiaq W. 1901. 1958. 2067. Nicht völlig 
sicher ist das 1 am Anfang der zweiten Zeile. "nbnn^X gehört zu den mit msS 
zusammengesetzten weiblichen Namen, welche den männlichen Namen mit isy ent- 
sprechen. Zu nbri s. Nr. 31. Amathälidu würde man für die Frau des Märeaj 
halten, wenn sie nicht in Nr. 51 die Gattin des Sulaj zu sein schiene. Aber vielleicht 
war Märeaj ein Bruder des Sulaj, der notwendig vor einer Frau aufzuführen war. 

Nr. 42. 

lUTDasi Konb n-'by «■^abia» ob» 

Heil dem 'Abdulgajä, dem Sklaven des Läbisä, und der Amattaimu! 

Sijbiay findet sich auch CIS II 552. 802. 1742. 2178. KD3b, das auch Labäsa gelesen 
werden könnte, ist sonst unbekannt. l^^nttS könnte man auf nttX und l'a'' zurück- 
führen. Aber IIQI ist als nabatäischer Name unsicher. Janssen ersetzt es in CIS II 
298 durch Tn'^n. CIS II 259, das es auch enthält, fehlt bei ihm. Deshalb denkt man 
besser an lüTi, dessen n nicht besonders geschrieben ist. 



XABATÄiscItE Inschriften Nr. 38 — 49. 87 

Nr, 43. 

ibo nbn? 

Heil dem Sulaj! 
Nr. 44. 

''nbna» ab« 

Heil dem 'Abdullähi! 
e) Hintere östliche Gruppe. 
Nr. 45 (CIS II 426 A 

Heil dem Sa'aduUähi, Sohn des Salmän! 

Nr. 46 (CIS II 426 C). 

obiü nay 

labn 13 nin 12 

'Abdu, Heil! 

Sohn des Huru, Sohn des Talmu. 

Zu Tiin gehört Oopoc, s. Littmann bei Lidzbarski, Ephem. II, S. 336. Es ist 
um so weniger Grund, für labn mit CIS "Donn zu lesen, da dieser Name selbst be- 
denklich ist. CIS II 215 wird oan bei Jaussen durch obn ersetzt. Für Tobn als 
nabat. Name s. CIS II 321, 344, 348, was allerdings unter CIS II 426 C beanstandet 
wird. Aber es gibt doch auch Gen. Take^iov W. 2464 und jüdisch wie syrisch ■'^abn, 
safaitisch obn Duss. Syr. 115, 290, 695. 



Nr. 47- 
Nr. 48. 
Nr. 49 (CIS II 426 B) 



Taimu. 

nabD abo 

Heil dem Kalibu! 



iiriiay Qiby 'nbnnaxi 

Gedacht werde des Sulaj, Sohn des 'Abdmaliku 
und der Amathälidu, Sklave des 'Obaisu. 

Das T von T'ST ist völlig weggelassen. Den Schluß des zweiten Names zu lesen ist 
schwierig, weil jedenfalls einige Linien da sind, die als natürliche Risse betrachtet 
werden müssen. Jaussen hat miny gelesen. Mir scheint Dbüiay ziemlich sicher. 
Dann muß am Schluß ein 1 gestanden haben, da es sonst stets 1Dbl312y heißt 
(^CIS II 161, 195, JS 76, 140). Für Qiby liest Jaussen obl», was mir ganz ausgeschlossen 
scheint. "W^^V W^bS muß eine nachträgliche Hinzufügung zur ersten Zeile sein. Für 
lOiay liest Jaussen WiS. Aber s. CIS II 195, wo seltsamerweise von einem 'Abdmaliku 
die Rede ist, welcher Sohn des Strategen ln©i3y war. Für diesen Namen ist durch 
' OßaiOiQ-oq W. 2148 Lesung und Aussprache sichergestellt. Neuarabisch gibt es 



88 III- Inschriften aus Petra. 

'Abejsi, Musil. Arab. Petr. III S. 98. Irrtümlich ist Jaussens Lesung ITabnr ^X. Das 
1 statt des "Q ist an allen drei Stellen, wo der Name vorkommt (Nr. 41, 49, 51), un- 
verkennbar. Auch die Abtrennung von QX empfiehlt sich nicht, weil der Name der 
Frau dann ganz fehlen würde. 

Nr. SO. 

Heil dem — . 

Nr, 51. 

[üb]W ■'b» 

■nbnn^si 

Dem Sulaj [Heil] 

und der Amathälidu! 

F. Im wädi el-harrübät rechts unterhalb von Triklinium Nr. 413 (455 Br.) am 
Felsen befinden sich die Inschriften CIS II 430 — 435, welche nach dem Corpus am 
Wege zu ed-der oder bei ed-der zu suchen wären, und bei Brünnow unter Nr. 461 
(Nische mit arabischen Inschriften) ganz nahe an ed-der gelegt werden. Kopiert 1909. 
Bei Nr. 431, 433, 435 habe ich zu den Lesungen Eutings nichts zu bemerken. 

Nr. 52 (CIS II 432). 

Heil dem 'Abdmaliku und der Haddüdat, 
Magd des WatikatI 

Euting hat Abdmaudu gelesen. Aber das D ist klar, freilich ebenso das "i, welches 
dann als für b verschrieben gelten muß. Es wird sich um ein Ehepaar handeln. 
Zu mim vgl. palm. ITnn 'Jödovödt'}]?. Hier ist die Frau Sklavin. In Nr. 42 und 
49 bezeichnet sich der Mann als Sklave. Es handelt sich also um Leute aus den 
niederen Ständen, die sich hier anschrieben. Vielleicht waren es oft Steinhauer. 

Nr. 53 (CIS II 434). 

Heil dem Ranämu, Sohn des Sikmä! 

Diese Lesung Eutings ist doch wohl die richtige, obwohl mir bei der Revision im 
Jahre 1910 der erste Buchstabe des letzten Wortes völlig undeutlich, und die Lesung 
des zweiten als 1 möglich schien. Zu Sikmä vgl. TODltJ CIS II 25S7, Gen. 2^ixiiov 
W. 1990, bibl. DDl». 

Nr. 54 (CIS II 430 b). 

rrits '^nbsani nb© 

Heil dem Wahbullähi Pasiat! 

Das vom Corpus zwischen beiden Namen gelesene na hat keinen Raum in der In- 
schrift und fehlt auch bei Euting, welcher den zweiten Namen VSD liest, was aller- 
dings sonst neben "'SB allein nachweisbar ist. Die wertlose Kopie Frazers verdiente 
neben Euting keinen Abdruck im Corpus. 



Nabatäische Inschriften Nr. 50 — 58. 09 

G. In kattär eii-der findet sich eine Anzahl von Inschriften (P. Nr. 42S u. 429), 
von denen Marsh 185 1 drei notiert hatte (CIS II 441)- Von mir teilweise kopiert 1906, 
vollständiger 1909. Von Nr. 56—59 existiert eine photographische Aufnahme. 

a) Westliche Felswand. 

Nr. 55. 

lnv////a Dbr 

Heil dem 

Sohn des — ! 

Eine Rinne läuft quer durch die Inschrift, welche ihre Mitte zerstört hat. Wenn 
sich das 1 als ein D auffassen ließe, wäre na-'b^ ein hierher passender Name. 

Nr. 56. 

DTarp T^Di 

Gedacht werde des Kosmas, 
Sohn des Mu'aijeru, in Gutem! 

Die Inschrift hat ihr besonderes Interesse, weil dieselbe Person sich auch im wädi 
el-harrübät ins Gedächtnis gerufen hat (CIS II 433)- Da ich beide Inschriften kopiert 
habe, fällt mir auf, wie verschieden Kosmas an beiden Stellen "^ und )2 behandelt hat. 

Nr. 57 (CIS II 441)- 

TibXBbn T^Di 
aun man 

Gedacht werde das HalafuUähi 
— — in Gutemi 

In CIS wird der Name •^nbs<'a"'n gedeutet. Aber Euting hat das Richtige bei Brünnow 
zu Figur 363. Das erste Wort der im Corpus fehlenden zweiten Zeile ist unsicher. 
Man könnte ma und davor einen mit n endenden Namen vermuten. Auch die 
Zugehörigkeit der zweiten Zeile zur ersten steht nicht fest. 

Nr. 58. 

sssn n-i^ai 
aua T^boi 
Gedacht werde der Hafsa 
und des Saliu in Gutemi 

Die Vorordnung der Frau vor dem Mann, wenn vbo hier Mannsname ist, ist auf- 
fallend. Aber es könnte ihr Sohn sein. Hafsa begegnet in einer safait. Inschrift 
(Duss. Syr. 303), und ist als Name einer Frau Muhammeds bekannt. T'bD ist eine 
andere Form von ibo CIS II 452. 



gO III- InSCUIUFTEN aus l'EIKA. 

Nr. 59. 

n~\^Zi~ I 

ma 21X12 2 

aua maisn 3 

Gedacht werde 

der Ma'rab, Tochter 

des Tasnamat, in Gutem! 

Ma'rab ist sonst als Name unbekannt; doch könnte der biblische Frauenname Merab 
verwandt sein. Arabisch heißt ma'rab „Ziel, Erstrebtes", was für einen Namen 
gut paßt. ITO^i wird von Janssen CIS II 209, 4 statt "IHJ-'SS als Mädchenname vor- 
geschlagen. Die Form rTOStn kommt sonst nicht vor. 

Nr. 60. 

Gedacht werde der 'Äim, Tochter des — . 
'Äim wird neben dem nicht seltenen 'Uwaimu {^'^Q''•\^) als möglich gelten müssen. 
b) Östliche Felswand (jenseits der Schlucht). 

Nr. 61. 

^nbsiJD I 
ittin -la 2 

Dbo 3 

T'ia 4 

Sa'adullähi, 

Sohn des Taimu, 

Heil! 

Gesegnet. 

Die der arabischen Aussprache folgende Schreibung ''nbsnyc für ^■^l5S^y» ist un- 
gewöhnlich, scheint aber gesichert. Ein © hat nicht dagestanden. 



Nr. 62. 



Nr. 6i. 



Db» T^ia 

Taimu, 

gesegnet, Heil! 

55155 ibsn 
DbttJ 
Wäilu Galläba (der Barbier), 
Heil! 



Galläbä ist weniger der Haarscherer als der Barbier. Nach den Münzen der naba- 
täischen Könige haben die Vornehmen Petras langes Haar (mit Kopfring) und 



Xabatäische iNscmariEN Nr. 5g — 68. 9I 

keinen Bart getragen, sich also umgekehrt verhalten als die modernen Araber, 
welche den Kopf ra.sieren und den Bart stehen lassen. Es hat also an Rasierarbeit 
auch damals nicht gefehlt. 

Nr. 64. 

Heil dem Rutaimu! 

Der Name Rutaimu ist sonst unbekannt. Lieber würde man Ruhaimu lesen, wozu 
vielleicht Gen. 'Po«/>or> Duss. Syr. 104 gehört, vgl. die bibl. Namen Rechem, Rachüm, 
neuarabisch rahama, Musil, Ar. Petr. III, S. 116, rahamät, ebenda S. 330. 

Nr. 65. 

'Aidu, .Sohn 
des KaHbu. 

'Aidu und Kalibu sind häufige Namen. Biblisch entspricht dem ersteren wohl El'äd, 
dem letzteren Käleb. Hinter n2 stehen zwei Zeichen, die ich nicht zu erklären ver- 
mag. Weder l^l^) noch n(n3) schienen mir erkennbar. 

Nr. 66. 

inbnm i 

itrp 13 2 

Tina abis 3 
Wahbullähi, 
Sohn des Kaizä, 
Heil, gesegnet! 

Wahbullähi ist hier ohne S geschrieben. Zu Kaizä gehört Kaizu Nr. 75 und 
eis II 2615. 

Nr. 67. 

bKmiD 

Sohn des 'Ummän. 
Die ersten zwei Buchstaben des ersten Namens sind unsicher. Vielleicht darf man 
b«3m(Db)» „Heil dem Wahabel" lesen, gemäß bWITl CIS II I73- T^y wird von 
Jaussen in CIS II 235 nicht anerkannt (s. JS 57), aber s. 1]^y unter Griech. Inschr. 
Nr. 98. Wäre das Zeichen zwischen y und 12 als ein Buchstabe anzuerkennen, so wäre 
es '\-ü'>9, das mit -DOiiy und DS? Nr. 60 zusammenhinge. 

Nr. 68. 

Sai'ullähi Tadmor. 



Q2 111. Inschriften aus Petra. 

Der sonst unbekannte Name Sai'ullähi gehört zu .safait. bsyi» Duss. Syr. 677 und 
erinnert an den Gottesnamen Sai'ulkaum. Bedenklich scheint la-n, obwohl die 
Lesung klar ist. Es sollte iTa-ti „ein Palmyrener" heißen. 

Nr. 69. 

nrnmay 

— nn 

'Abdhäritat, 

Die Deutung des zweiten Wortes ist ungewiß, na leitet einen Namen ein, könnte 
aber auch zu ^iia gehören. 

Nr. 70. 

-12 ntita abir 
— yn 

Heil dem Aftah, Sohn 
des — 1 

Nr. 71. 

Dbl» 

xa-niD Ky^■l 

Heil 

dem Wag'ä Sadramä (.'')! 

Für den sonst unbekannten Namen Wag'ä ließe sich 'Oyöa W. 2220 anführen; aber 

dies gehört vielleicht zu S>y. Zu Sadramä vgl. sudrümä CIS II 320. Doch ist die 

Lesung nicht ganz sicher. 

— ^ H, Bei|ed-der. 

Nr? 72.' Über einer Grabnische in der Kammer Nr. 442 ' e in der Klausen- 
schlucht (von Musil erwähnt). Kopiert 1910. 

SD ? 



a 



Nr. 7^. Über Nische Nr. 456 (P. Nr. 457). Mit dem Fernglas kopiert (und 
photographiert) 1904 und 1909. Einen Abklatsch ließ ich 19 10 durch den Leti Musa 
anfertigen, weil für mich die Inschrift unzugänglich war. Mangelhafte Beleuchtung 
machte mir damals die Inschrift schwer sichtbar. Dadurch kam es, daß der Schluß 
der ersten beiden Zeilen im Abklatsch fehlt. Abb. 67. 

spT in "niay t'dt i 

may htto ■'n-nani 2 

snbs 3 

1 Gedacht werde des 'Ubaidu, Sohn des Zikkä, 

2 und seiner Genossen, der Opfergesellschaft von Obodat, 

3 dem Gotte. 

'Ubaidu ist ein bekannter Name, Zikka dagegen neu. Diese Lesung schien mir 
1909 ziemlich sicher, während ich 1904 dahinter noch Buchstaben wie TSb zu er- 
kennen glaubte. Leider fehlt hier der Abklatsch. 



Nabatäische Inschriften Nr. 69 — 73. 



93 



Das Wort nni3 steht durch meine zweimalige Lesung fest. Der Abklasch 
zeigt, daß auf das 12 ein mit ihm verbundenes 1 folgt , so daß auch deshalb die 
Lesung mp p ausgeschlossen ist, für die ohnedies ein Buchstabe fehlen würde. Eine 
vom Amerikanischen archäologischen Institut in Jerusalem im Dezember 1910 unter- 
nommene Expedition hatte die Freundlichkeit, mir einen Abklatsch der fehlenden 
Worte zu versprechen, geriet aber in die Revolte der Kerakije und mußte unverrich- 
teter Sache, beraubt und mit Gefahr des Lebens zurückkehren. Clermont-Ganneau 
hat als festgestellte Tatsache mitgeteilt ', daß nn^ ein syrisches großes Volksfest 




.\bb. 67. 



von mehr oder weniger ausgelassener Natur war, und daß die talmudisch-midraschi- 
schen Quellen gerade mit diesem Ausdruck die unreinen Riten des Baal Peor be- 
zeichnen. Diese von Büchler (Rev. des Et. Juives 1901, S. 125) gewonnene Vor- 
stellung entspricht nicht den Tatsachen. Die jüdische Literatur braucht das Wort 
für heidnische Gastmahle, die natürlich Opfermahle sind, Siphre, Par. Balak; Ester 
Rabba i, 10; 3, 2, Trg. J. I Nu. 25, 2, für israelitische Gastmahle Kohelet R. 7, i, für 
jüdische Trauermale j. Berachoth 6», b. Ketuboth 69^ Trg. Jerem. 16, 52. Daraus 
folgt, daß der Ausdruck an sich nur allgemein ein Gastmahl bezeichnet, was die 
biblischen Ausleger, Wörterbücher und Übersetzungen bei Jerem. 16, 5 und Am. 6, 



i) Recueil d'Arch. Or. IV, S. 339 f. 

2) Trg. Est. II 3, I sind die Veraastalter von Totei.mahlen Jf^^nOa, „d. h. Veranstalter von Ge- 
lagen" genannt, so nach den auf Handschriften beruhenden Ausgaben Munks und Davids. Der Textus 
Receptus (s. Ausg. Ven. 1591) hat unverständliches S-'iriD'a, was moderne Ausgaben in X^nn^ verändert haben. 



94 



III. Inschriften aus Petra. 



7 für das hebräische nTHTS anerkennen sohlen. Auch wo er auf die Maßnahmen 
der Midianiter zur Verführung der Israehten angewandt wird, besagt der Zusammen- 
hang deutlich, daß es sich um Einladungen zum Essen und Trinken bei einem Opfer- 
mahl handelte, nicht zu den „unreinen Riten des Peer". Nur Vaj. R. 5 wird zu 
r[f\'a in Am. 6, 7 auf die dreizehn r,"liD)3i~ der Stämme Israels hingewiesen, von 
denen nur einer übriggeblieben sei, wobei Midrasch Tanchuma, Schemini, und Be- 
midbar Rabba 5 zeigen, daß man wahrscheinlich n'TiO)2''T (rf/^/zoat« = allgemeine 
Opferfeste) in nT^DÜT^lS (Mijumäs-Veranstaltungen) umzusetzen hat. ü)2'\-''a ist nach 
den letzteren Stellen ein Fest, zu dem jeder mit seiner Herde zieht, um dabei das 
fetteste Tier zu schlachten, nna wird somit für diesen Fall durch Ciaria gedeutet, 
aber nicht überhaupt ihm gleichgestellt. Auf der Madabakarte wird mit dem Bijro/iaQata 
i] x{ai) Mcuovfiac in der Nähe von el-kerak ein Ort bezeichnet, welcher die Stätte 
eines heidnischen Volksfestes gewesen sein mag. Musil denkt vielleicht mit Recht 
an el-mezra' ', das der Hafen von el-kerak am Toten Meere ist. Der Name ist nach 
dem obigen als „Mahlort" verstanden, aber auf Opferfeste bezogen worden. 

Im Phönizischen ist auf dem Opfertarif von Marseille obx nna eine zum Opfer- 
mahl vereinigte Gesellschaft, und dieselbe Bedeutung hat im Palmyrenischen snrntt 
in einer von Littmann gefundenen Altarinschrift 2, wo i:n als Bezeichnung der Glieder 
der Gesellschaft wahrscheinlich richtig ergänzt wird, rinn^ mim' im Sinne von 
Symposionleitung findet sich bei Sobernheim, Palmyren. Inschriften S. 51. 

Die persönliche Wendung des Begriffes ist die für unsere Inschrift allein an- 
wendbare. Denn HTTJa ist darin Apposition zu den vorhergenannten Personen. 
'Ubaidu und seine Genossen bilden den nni3 des Gottes 'Obodat, der sich hier vor 
Gott ins Gedächtnis bringt, und 'Obaidu ist das Haupt der Gesellschaft, der oi\ujro- 
alaQxoc, wie jemand in einer palmj-renischen Inschrift (W. 2606) genannt wird. HTI^ 
ist hebräisch und phönizisch marzeah zu lesen, aramäisch aber wahrscheinlich marzah, 
det. marzehä, was Trg. Jerem 16, 5 nach jemenischer Tradition auch wirklich ge- 
schrieben ist-*. Das in der jüdischen Literatur vorkommende marzehä, marzelun 
ist durch das Hebräische veranlaßt. 

Nr. 74. Links neben der Vorigen, über den Stufen Nr. 461 in weißer Farbe 
auf den Felsen geschrieben. 

s 

[Gesegnet sei] Jabritu, Sohn des M . . . . 

Der Name Jabritu kann Bedenken erregen, ist aber wohl nicht unmöglich. 

Nr. 75. Hoch am Felsen über Kammer Nr. 474. Kopiert 1906, revidiert 1910. 

pm -13 ifp cb» 

Heil dem Kaizu, Sohn des Wahbän! 



1) Arabia Pctraea 1, .S. 170. 

2) Clermont-Ganneau, Recueil IV, S. 380 f., Lidzbarski, Ephemeris I, S. 344. 

3) mnti'a nM'^'i = av,unoaiagyJa ist gebildet aus HTTa :ri = av/moalapxix;- 
4} S. mein Aram.-Xculiebr. Württrbuch, unter NnT-l. 



Xabatäische Inschriften Nr. 74 — 80. 95 

Der Name pm gehört zu den von wahb gebildeten nabatäischeii Namen, scheint 
aber bisher nur aus safaitischen und minäischen Inschriften bekannt zu sein, s. Duss. 
Syr. Saf. 562, 706», JS Min. i, 2, 5, 6. 

Nr. j6. Neben der Vorigen. Kopiert 1910. 

";yin -Q '^,i2ny« ob» 

Heil dem Sai'taiinu, Sohn des Taimul 

Zu nianyi» wäre das safaitische bs^l» und npnytt! Duss. S}T. 677, 173, sowie Dn ebenda 
96 zu vergleichen. Doch ist die Weglassung des 1 für den Diphthong im Naba- 
täischen nicht üblich. 

Nr. 77. Neben der Vorigen. Kopiert 1910. 

■'nbsnm Dbü 

Heil dem Wahbullähi. 
Nr. 78. Neben der Vorigen. Kopiert 1910. 

Heil dem Gadjä. 

Gadjä ist als palmyrenischer Name bekannt. Bei Josephus, Antt. XV 7, 8 erscheint 
ein raö'ia, der wohl ein Idumäer war. Als Genetiv kommt Fccöiov vor Wadd. 2070», 
D. Syr. Gr. 165. Die Fortsetzung der Inschrift war für mich aus der Ferne nicht 
erkennbar. Ebenso mußte ich aus Zeitmangel davon abstehen, zwei andere Inschriften 
in der Nähe der obigen zu kopieren. 

Nr. 79. In der Schlucht mit dem Kamelrelief Nr. 464 links weit oben, von 
den Herren Lic. Schmidt und Spafford 1910 kopiert. Die Zeit erlaubte mir nicht, 
selbst zu ihr vorzudringen. 

in Ti:! I 

innp 2 

sriT 3 

Saniu, Sohn 

des Kahdu 

Zebinä. 

Für Saniu könnte wohl auch Sabin gelesen werden, was vielleicht in JS 147 vorkommt, 
vgl. Gen. ^oßcaa^ov Lidzbarski, Ephem. I, S. 327. Das 2 schien sicher, mnp ge- 
hört wohl zu Gen. Käöov D. Syr. 109. Zu Zebinä vgl. Zaßivag Lidzbarski, Ephem. 
II, S. 338- 

Nr. 80. Links von Felsenkammer Nr. 506 ' b (P. Nr. 5061h). Kopiert 1909. 

labn 

— fA]mru 
Talmu. 

Zu Tobn s. Nr. 46. 



„g 111. Inschriften aus Petra. 

J. Im Triklinium Nr. 398 des sijar (P. Nr. 398c.) Hier befinden sich auf 
der rechten Wand eingekratzt fünf tabulae ansatae mit meist sehr beschädigten In- 
schriften, die ich 1907 und 1909 kopierte. 

Nr. 81. Auf der zweiten Tafel (66 zu 29 cm). 

[nn]by nii] T-ai i 

nbw 2 

Gedacht werde [des ], Sohn des 'Uiihat (.?), 

Heil! 

Zu nnby vgl. '0?.sä9?]s der griechischen Inschriften Nr. 98. In der zweiten Zeile 
scheinen vor sblB arabische Buchstaben zu stehen. Sie könnten hin heißen. 

Nr. 82. Auf der fünften Tafel 121 zu 11 cm) 

12 -113- 1 

31:2 -n»2"' 2 
Gedacht werde des — , Sohn 
des Jib.sar, in Gutem! 

Jib.sar ist ein sonst unbekannter Name. 

Nr. 83. Auf der sechsten Tafel. 

2U3 Tfyn ■a*'"!"' s"':' i 
a-j3 --ay s 2^ 

Gedacht werde des Jaribu und des 'Ajidu in Gutem! 
— 'Abdu in Gutem! 

Janbu ist sonst unbekannt. Aber es gibt aramäisch den Namen Jeribaj (CIS II 70), 
der auch in der Bibel neben Järib vorkommt. 

Nr. 84. Zwischen der dritten und vierten Tafel. 

[•\\lisi ^b -a 

In der ersten Zeile läßt sich -'.'J zu 'Audu ergänzen. 

K. Auf el-hubta. 

Nr. 85 (P. Nr. 758 a). Über die genaue Stelle der Inschrift und die Nische, 
auf welche sie sich bezieht, .s. S. 46. Kopiert 1910. 

xn^D sn72i STybs ■'n^s: nbs i 

s-i^ir •^nbsnm -ay [1-] 2 

l'-'T n[3] 3 

1 Das sind die Malsteine von El-'uzza und dem Herrn des Hauses, 

2 die gemacht hat WahbuUähi, der Karawanenfuhrer, 

3 [Sohn] von Zaidän. 

Mit dieser von Sverdrup 1906 entdeckten Inschrift befaßte sich C. C. Torre\- JAOS 
1907, S. 349, und, auf Grund einer Kopie von Prof. Brown, ebenda 1908, S. 197 ff. 
Seine zweite Lesung der ersten zwei Zeilen ist tlurchweg zutreffend, tla die Inschrift 



Nabatäische Inschriften Nr. 8i — 85. 97 

völlig klar ist. Nur sollte am Anfang der zweiten Zeile das in solchen Fällen übliche 
11 ergänzt werden. Es kann da gestanden haben, weil rechts von der Inschrift die 
oberste Schicht der Felswand ganz abgefallen ist. 

IJie Wortform n'^S: ist aus dem Hebräischen und Arabischen wohlbekannt. 
Das beduinische Arabisch verwendet nasibe, PI. nasäib für die aufgerichteten Steine 
an Kopf- und Fußende der Gräber. Hier wird es im Unterschied von X^bs, das 
die Bildsäule oder Büste bezeichnet, den aufgerichteten Stein meinen, der als Symbol 
der Gottheit gilt. Ein Parallelwort ist doch wohl qSDia, was in JS 58 ebenfalls zu 
sn-'D N-l^ gestellt wird, wenn nicht geradezu 3-2:13 zu lesen ist. Die Vertauschung 
des 2 mit B, wenn sie vorliegen sollte, wäre vielleicht auch durch S51DD für snap zu 
belegen. Außerdem ist doch schwerlich zufallig, daß die Juden den Nabatäer im jer. 
Talmud öfters rT^TiB: nennen neben ni-^un], was der eigenen Schreibung der Naba- 
täer entspricht (vgl. j. Sabb. 151 mit j. Schebi. 36^)- D'e von Jaussen und Savignac 
in der Nähe ihrer Inschrift Nr. 58 vermil.'.te Stele, der die Inschrift galt, könnte doch 
unterhalb gestanden haben. Etwas „Gemachtes" muß nach ihrem Wortlaut da ge- 
wesen sein, selbst wenn es nur ein in den Felsen geritztes Stelenbild gewesen 
wäre. El-'uzza konnte wohl als Königin des Himmels vor der männlichen 
Gottheit, welche chthonischer Natur war, genannt werden, wenn sie nicht am Orte 
der Inschrift, d. h. auf el-hubta, Hauptgöttin war. Mit dem „Herrn des Hauses" ist 
wohl Duschara gemeint, dessen Name ihn als Landesgott bezeichnet und der des- 
halb innerhalb seines Bereiches überall der „Hausherr" ist, ähnlich wie der Beduine 
mit sähib el-mhall den Dämonen bezeichnet, der in einer von ihm benutzten Stätte 
der eigentliche Besitzer ist. Nach Jaussen gälte die Bezeichnung, die auch CIS II 
235, JS 58. 59 vorkommt, dem Bewohner eines bestimmten Tempels, nach Nöldeke 
dem Gott des Mekkaheiligtums, während Lidzbarski sie bei jedem Inhaber eines 
Betyls anwendbar findet'. Der Eigenname der Gottheit wird dabei ebenso ab- 
sichtlich vermieden wie in den Bezeichnungen üi'abS' Sni2 „Herr der Welt" JS 17 und 
s:üT2i l^a S-'b'ib irns „der die Nacht vom Tage scheidet" JS 2. In JS 59 vermutet 
Jaussen eine Bezeichnung der Göttin AUät als „Hausherr". Aber sie müßte doch 
Hausherrin heißen. Es scheint jemand etwas „dem Hausherrn der Ilähat" zugeeignet 
zu haben. Das wäre dann aufs neue eine Bezeichnung des höchsten Gottes unter 
Verschweigung seines Namens. 

In Zeile 2 haben Nöldeke und Lidzbarski vorgezogen ST^lö „der Gipser" zu 
lesen, weil in Petra diese Berufsklasse reichliche Arbeit gefunden habe. Aber davon 
sind nur verschwindend wenig Spuren zu sehen. Der Karawanenführer (SlilB) war 
in Petra eine viel häufigere Erscheinung. 

Für Zeile 3 finden sich bei Torrey die Lesungen T^T^D" und b^nvnb. Beide 
geben im Zusammenhang keinen Sinn. Aber weder das Eine noch das Andere 
habe ich in der Inschrift finden können. Sie schließt mit einem ungewöhnlich langen l 
Ihm geht voran ein 1 oder "i mit allerdings ungewöhnlich zurückgebogenem Haken, 
dann ein 1 .und ein grader Strich, der zunächst ein T sein sollte, aber in dieser 
Inschrift auch als 3 möglich wäre. Schließlich folgt ein Strich mit einem kurzen 

i) Ephem, III, S. 88 f. 
Dalman, Neue Petra-Forschungen. ' 



qg III. Inschriften aus Petra. 

Haken oben und vielleicht einem noch kürzeren Haken unten. Daran schließt 
sich sofort die Bruchstelle der Felsoberfläche, welche oben erwähnt war, so daß 
ungewiß bleibt, wieviel von der Inschrift fehlt. Meine Lesung stimmt hier überein 
mit der einen der beiden Lesungen, welche Herr Sverdrup mir im Jahre 1907 die 
Güte hatte mitzuteilen. Ich vermute ein nachträglich dem Namen begefügtes •ji-'T n[3]. 
Der Name piT erscheint neben dem sehr gewöhnlichen "niT unbedenklich, obwohl 
noch nicht belegt. 

L. In der Schlucht von eg-gerra. 

Zwischen den beiden Bassins (S. 16) südöstlich von eg-gerra und der westlich 
schauenden Felswand, von Musil erwähnt, aber unabhängig von ihm von Herrn 
Spafford 1910 gefunden und abgeklatscht, von mir kopiert. Zwei Gruppen von In- 
schriften sind da, von denen die eine weiter nördlich und tiefer liegt als die andere. 
Nr. 86 und 87 gehören der ersteren Gruppe an. 

Nr. 86. 

mnn ob» i 

übt! ibn nsJÜn-'Si -12 2 
— n 3 

Heil dem Huru! 

— — — Freilich Heil! 

Das n in TTin ist ungewöhnlich, weil der Querstrich ungebrochen schräg auf- 
wärts läuft. Hinter dem Namen "nin ist die Figur eines Kelches mit Fuß und 
Deckel eingekratzt. Vielleicht ist er als Spendegefäß gemeint. Der größere Teil von 
Zeile 2 scheint in safaitischer Schrift verfaßt zu sein. Doch wollen die ersten beiden 
und das letzte Zeichen dazu nicht stimmen. Der Rest wäre etwa nyurT'S-, woraus 
ith nichts zu machen weiß. In der dritten Zeile wäre das vorletzte Zeichen ein n. 
iba ist bekannt aus CIS II 241, 243, 266, 272, 293, 303, 347, JS 103, 157, 194. Die 
Schreibung sba kommt in CIS II 246, 266, 294, 307, 354 vor, wird aber an den drei 
mittleren Stellen bei Janssen und Savignac durch ^bn ersetzt (s. JS 44, 96, 115). 
S. auch nba oben Nr. 36 und ib3, b3 Nr. 89. 

Nr. 87. Unter der vorigen. 

cbDbx[-3]y nb[iri] i 
a-ja? — 2 

Heil dem 'Abdes-saläm (?) 
— in Gutem (?)! 
Die erste Zeile scheint mit arabischen Lettern zu enden, die wohl als ab ge- 
lesen werden müssen. IT und y sind unsicher. Der Name 'Abdes-saläm ist aus dem 
Nabatäischen unbelegbar, aber im Arabischen wohlbekannt; vgl. palm. S^bffilDy. 
Nr. 88. Rechts von den vorigen hoher. 

■nin ob© I 

im 2 

• P 3 



Nabatäische Inschriften Nr. 86 — 90. 
Heil dein Hürul 



99 



Das n ist hier noch auffallender als in Nr. 86. In der zweiten Zeile scheint 
eine Mischung von safaitischer und nabatäischer Schrift vorzuliegen. Das fünfte und 
sechste Zeichen ist m, worauf ein nabatäisches "^ folgt. In der dritten Zeile steht 
an zweiter Stelle wohl ein p. Mögen andere hier und bei Nr. 86 bessere Deu- 
tungfen finden! 



Nr. 89. Links von Nr. 87. 



52 I 

152 2 

Freilich. 
Freilich. 



bn als kürzere Form von ib2 ist auch aus dem Palmyrenischen (Eut. 20) bekannt. 

M. Bei bäb es-sik. 

Nr. 90 (Abb. 68). In Triklinium Nr. 17 (Nr. 21 Br., wo auch das Vorhanden- 
sein einer Inschrift bezeugt wird). Kopiert 1909, revidiert 1910. 




Abb. 6S. Inschrift Nr. 90 (n.ach einem Abl<latsch). 



nbss in nb2x lay ^T san s'^nins ^bi5 i 

nbss 13 nb]:s -iny ^t Nni-is n:i 2 

fbia mar i-^n by ina:^ nbs snimib 3 

1. Jenes sind die Säle und die Cisterne, welche machte Aslah, Sohn des Aslah. 

2. Dies ist der Saal, welchen machte Aslah, Sohn des Aslah, 

3. dem Düsara, dem Gotte des Manbatu, für das Leben 'Obodats, des Königs 

4. der Nabatäer, Sohn des Häritat, des Königs der Nabatäer, im ersten Jahre. 

Die Schreibweise dieser Inschrift weicht wesentlich von der Schrift ab, die 
sonst auf den peträischen Inschriften erscheint. Nahe Nerwandt ist die Inschrift 



lOO III- Inschriften aus Petra. 

eis II 439 auf der Basis der Statue des Königs Rabbel I, die unter einem König 
Aretas (wohl Aretas III, c. 87—62 v. Chr.) errichtet wurde. Aber auch die ältere 
jüdische Schrift, wie wir sie aus der Grabschrift der Priesterfamilie Chezir kennen, 
gehört zur gleichen Familie. 

Erst eine Leiter machte mir 1910 die richtige Lesung der ersten Zeile möglich. 
7biC deutet auf Ferneres und steht im Gegensatz zu dem TO" der zweiten Zeile. Die 
Umgebung ist nicht reich an Felsenkammern, auf welche gedeutet werden konnte. 
Je eine kleine Kammer (Nr. 16, 17') liegt rechts und links neben dem Triklinium, 
eine Grabkammer (Nr. iS^) etwas weiter entfernt nach Norden zu (s. oben S. 40). 
Die ersteren beiden Kammern werden gemeint sein. In S351 hat das J eine auf- 
fallende Form. Aber kein anderes Wort kommt in Frage, und eine schön gearbeitete 
birnenförmige Zisterne (Nr. 19) liegt in der Tat nach Nordwesten zu. Auch sie war 
also ein Werk des Aslah. Der Gottheit wurden diese Dinge (Grabkammern und 
Zisterne) nicht geweiht. Das Relativpartikel lautet hier unverkennbar iT, dagegen 
11 in der nächsten Zeile. Das letztere wird sonst in nabatäischen Inschriften fast 
immer angewandt. iT, das dem älteren Aramäisch angehört, finde ich nur in der 
obenerwähnten Inschrift CIS II 439. In Zeile 2 weist TOI auf das Triklinium, in 
welchem sich die Inschrift befindet. Duschara ist (nach Zeile 3) der Gott, dem das 
Triklinium geweiht war, dem also auch die darin abgehaltenen Feiern galten. Auch 
die Nische unter der Inschrift (s. oben S. 40 f.) muß sich auf ihn beziehen. Er wird 
als Gott des Manbatu bezeichnet in derselben Weise, wie andere Inschriften reden 
von einem Gott des rsp CIS II 174, des "n-iyo CIS II 176, des bsni CIS II 218, 2, 
des Iffliun CIS 354, 2 und wohl auch des 5<DniÜ CIS II 243. Welche Beziehung die 
Gottheit zu der genannten Person hat und warum gerade diese erwähnt wird, ist 
nur CIS 354 klar, wo es offenbar ein Ahnherr des Stifters war. Auch wenn Duschara 
der „Gott unsers Herrn" heißt, wie CIS II 211, Duss. Safa. 36, weiß man, daß der 
regierende König gemeint ist. Vielleicht darf man vermuten, daß auch in unserem 
Falle der Stammesahne oder der Stamm des Stifters gemeint ist. 

Da wir über die gegenseitigen Verwandtschaftsverhältnisse der nabatäischen 
Könige wenig wissen, ist die Angabe von Zeile 4 wichtig, wonach der König Obodat, 
dem das Verdienst der Stiftung zugewandt wird, als Sohn des Königs Häritat be- 
zeichnet ist. Schürer, Geschichte des jüd. Volkes I^ S. 739, nimmt für Aretas IV 
(um 9 bis 40 n. Chr.) nach Jos. Antt. XX 4, i einen Nachfolger Ablas an, dessen 
Namen Dussaud auf den CIS II 354 genannten 'Obodat, Sohn von Aretas IV, zurück- 
führt '. Aber für die Einschaltung eines Königs 'Obodat zwischen Aretas IV und 
Malichos II sprechen keine inschriftlichen Zeugnisse (s. auch unten Inschr. 92). Der 
Abia ('Obodat) des Josephus war doch wohl nur ein Bruder des Königs. Aber für 
Aretas III (etwa 87—62 v. Chr.) haben Clermont-Ganneau'^ und Dussaud'' einen 
Sohn und Nachfolger Obodas II (etwa 62 — 47 v. Chr.) angenommen. Dieser könnte 
gemeint sein. Auch Obodas I (um 90 v. Chr.), Nachfolger von Aretas II, käme in 



i) Mission dans les r^g. des. de l.i Syriu Moyenne, S. 71. 

2) Recueil II, S. 376 f. 

3) Numismatique des Uois de NabatJne, S. 21. 



Nabatäisciie Inschriften Nr. 91 — 92. lOI 

Frap-e. Da es nicht ratsam ist, mit der Inschrift allzu weit zurückzugehen, darf es 
aber als sicherer gelten, bei Obodas 11 stehen zu bleiben und die Inschrift somit etwa 
in das Jahr 62 vor Chr. zu legen. Dann hätten wir hier das erste direkte Zeugnis 
für jenen König. Die Inschrift kommt damit in große zeitliche Nähe zu der im 
Schriftduktus verwandten Statueninschrift CIS II 439, welche um 70 v. Chr. an- 
zusetzen sein wird. 

Ihrem Zwecke nach ist die Inschrift verwandt der sehr beschädigten Tafel- 
inschrift CIS II 442 in der Rückwand der Kammer Nr. 88 von el-medras. Im Corpus 
ist an ihrem Anfange ergänzt worden: ll[y ■'1 Xnbs sniDIl Obu]. Aber nach der 
Stellung der Inschrift erwartet man, daß sie eher dem Räume selbst, als einer darin 
aufgestellten Statue gilt. Sie wird darum begonnen haben: -a[S ■'l snini n:i], und 
in der vierten Zeile hieß es etwa: i-'n by [snbs XHirilb]. 

Nr. 91. In der Malle Nr. 33 bei el-u'era. Kopiert 1906 und 1910. 

m i3[n]in» obir 

Heil dem 'Abdhibbu(?), Sohn des . 

inn ist als nabatäischer Name bekannt, s. CIS II 199, 2; 273, 275. Insofern muß die 
obige Lesung als möglich gelten. 'Abdhiba, wohl 'Abdhibba zu lesen, heißt der 
König von Jerusalem in den Teil el-'Amärena-Briefen. 

N. Unter el-hubta. 

Nr. 92. (Abb. 69 und 70). Am 22. November 1909 fand Pater Dr. Karge bei 
unsrer gemeinsamen Anwesenheit in Petra im Eingang zur nördüchsten der drei 
Kammern Nr. 764 Br. zwischen dem Lateinischen Grabe und dem Etagengrabe unter 
den zur Sperrung des Eingangs von Hirten dorthin geschleppten Steinen eine Stein- 
platte mit einer zwölf-, ursprünglich dreizehnzeiligen Inschrift, die er mir zur Ent- 
zifferung überließ. Die Platte, welche sich jetzt im Museum des Deutschen Instituts 
für Altertumswissenschaft in Jerusalem befindet, hatte die Gestalt eines Bausteins 
von etwa 38 cm Breite, 32 cm Höhe und 15 cm Dicke. Die rechte untere Ecke 
fehlte. Behufs leichteren Transports ließ ich einen Teil der Dicke des Steins und 
der Ränder abschlagen, leider ohne vorher Maß zu nehmen. Die von einem etwa 
4 cm breiten Rande umgebene mittlere Fläche, welche für die Inschrift bestimmt 
war, mißt 29,5 cm in der Breite und 23,5 cm in der Höhe. Sie ist um 5 mm über 
den Rand erhaben und hatte an den Seiten Ansätze wie eine tabula ansata. Sie 
ist durch 12 Linien in 13 Zeilen von 18 mm Höhe geteilt. Die Schrift entspricht 
der Zeilenhöhe und ist somit ganz ungewöhnlich klein. Die kleinste Schrift, welche 
Jaussen für medäin sälih erwähnt (CIS II 224), mißt 22 mm. Die Ausführung war 
eine sorgsame. Das Material des Steins ist der rötliche Sandstein Petras. Nach 
dem Inhalt der Schrift gehörte er keinem Grabe an, also auch nicht der Grabkammer, 
bei der man ihn fand. Wenn er zu einer Statue gehörte, wofür einige Wahrschein- 
lichkeit spricht (s. u.), mußte er entweder ihrer Basis angehören, oder er war in den 
Felsen eingelassen bef der Nische, in der die Statue aufgestellt war. Aber natürlich 
gibt es noch andere MögHchkeiten. 



I02 



III. Inschriften aus Petra. 




Abb. 69. luschrift Nr. 92 (nach dem Original). Aufnahme von G. D. 






Abb. 70. lüsclirift Nr. 92 (durchgepaust nach dem Original). 



Nabatäische Inschriften Nr. 92. I03 

— — — — — — [ixj^p]« •<-■> sfniabs n;i] i 

sjbs-My — ni inxnsm 2 

^msn [•ai -^inlD i[7a]ii s^;s-!ay -a 3 

■'ribsanii K — s bsmi ■^nbxnni[i| 4 

l^^lin by xnnnrn s[m] snbx ib[s'i] nbs[b] — n nn 5 

n[i2]y nrairn i-'ns« ii 11323 ibia SDb[^ bsjah] o 

i3bi3 ■'in vja: nDb[^ n]mns i-iini nb^s •'■^n b[yil 7 

Ti-as am rj33 -b)3 rmn la tj^s Tb^ S5[3b)2] 8 

|b]3>T 1-033 r:bü npins n|-]iyTr> -a süira ■'[•'n byi] 9 

[im:2| ■nsm nb^ü^1 bxm[i — i^n] 10 

s^icn ■'•'[n byi ia]33 nDb[)3 nTns n-ijn iin byi] n 

nrin i''[n]x in "J3[3 fbia bsm — n:oa s)2ii:a -ü] 12 

[may] 13 

1 [Das ist die Bildsäule], die [errichteten] 

2 — — und seine Töchter (?) und Wah[bullähi] — — — 'Abdulge, 

3 Sohn des 'Abdulge, aus [Saudi] , seine Söhne, 

4 [und] Wahbullähi und Räbbel und Wahbullähi, 

5 Sohn des — , dem Gotte des [\'Väi]lu, dem [großen] Gotte in Nahabtä, für das 

Leben von 

6 [Rabbel], dem Könige, König der Nabatäer, der sein Volk wiederbelebt und 

errettet hat, 

7 [und für das] Leben von Gämilat und Hägiru, [seinen] Schwestern, Königinnen 

der Nabatäer, Kinder von Maliku, 

8 [dem Könige], König der Nabatäer, Sohn von Häritat, König der Nabatäer, der 

sein Volk liebt, 

9 [und für das Leben] von Basäma, Sohn der Sa'üdat, seiner [Schwester], Königin 

der Nabatäer, und [für] 

10 [das Leben von und] Rabbel und Gämilat und Hägiru, [seiner Kinder], 

11 [und für das Leben von Hägiru (?), seiher Schwester,] Königin der Nabatäer, [und 

für das Leben] von Basäma, 

12 [dem Sohn des Basäma(?), im Jahre — Rabbels, des Königs der] Nabatäer, der 

wiederbelebt und errettet hat 

13 [sein Volk.] 

Zeile I. Nur wenige Buchstaben sind erkennbar. Sehr wahrscheinlich ist ein n, 
das zu n3l gehören wird. Nach einem Raum für drei bis vier Buchstaben folgen 
Bruchstücke von Buchstaben, die vielleicht als xn zu deuten sind. Sü und ^{^^ 
scheinen ausgeschlossen, also hat Sübs und S~5D^ nicht hier gestanden. Da i deutlich 
ist, darf man weiterhin ii lesen, und erwartet nun das Verbum, das die Errichtung 
bezeichnet. Das nun folgende S spricht für CpS oder l^ips. Daraus wird man 
aber zu schließen haben, daß das vorhergenannte Objekt sn^bs gewesen ist, vgl. 
Vog. 13, I. Hier folgten die Namen der Stifter. Aber die ersten fehlen. 

Zeile 2. Eine sichere Entzifferung der Zeile scheint unmöglich. Am Anfang 
könnte man etwa ''[n]n33'l lesen. Weiterhin läßt sich minxnsn entziffern, was sich 



IQA III. Inschriften aus Petra. 

auf ["inbXDjmi nsr;21 zurückführen ließe. Aber die Form nxr:3 für nr:3 oder 
snn:2 ist bedenklich. Deutlicher ist am Schluß der Name Sjbsmy, vgl. CIS II 
'57. U5, 1205, und den Namen S■^^b^{^ny Nr. 43. Die Ableitung von SJ und N1^, 
das wohl ein Gottesname sein muß, i.st ungewiß. Auch der Ortsname elgi, der bei 
Eusebius l\iici, in der jüdischen Literatur nS"»! heißt, wird damit zusammenhängen. 
Mit dem hebräischen S15 „Tal" hat es schwerlich zu tun. 

Zeile 3. Den Anfang muß wohl na bilden. Der Vater jenes 'Abdulge heißt 
ebenso. Sein Name erhält eine durch 1[t2]"'~ eingeleitete nähere Bestimmung. Vom 
Ortsnamen ist der Anfangsbuchstabe D unverkennbar, dann ein ini oder iTi. Das 
ergäbe ^''\^D oder "'TiD. Man könnte an es-sueda im Haurän denken, das jedenfahs 
dem nabatäischen Gebiete angehört hat. Es folgten, mit T eingeleitet, Namen von 
Kindern jenes 'Abdelge. Der erste Name scheint mit "D angelautet zu haben. Deut- 
liches "inua am Ende der Zeile schließt die Eiste der Kinder ab. 

Zeile 4. Neue Namen von Stiftern werden an die früheren angereiht, zuerst 
Wahbullähi, dann Rabbel, nach einer Lücke am Schluß der Zeile ein neuer Wah- 
bullähi, der nicht der Vater des Vorgenannten sein kann, weil er mit "1 eingeführt 
ist. Es folgte in der nächsten Zeile eine nähere Bezeichnung. 

Zeile 5. Am Anfang scheint m2 zu stehen. Da das n kein Schluß-He ist, 
wird man es aber von 12 zu trennen haben als den ersten Buchstaben des Namens 
einer Person, welche der Vater des letztgenannten Wahbullähi war. Nur für einen 
kurzen Namen, wie njn, bleibt Raum. Denn sehr bald folgt ein nbx mit Schluß-He, 
dem ein b vorangeht, und das einen Genetiv einleiten muß, wie sonst in derartigen 
Inschriften, s. zu Nr. 90, 3. Der Eigenname der Gottheit, welcher die Widmung 
galt, ist unterdrückt (vgl. S. 97) nach einem bei den Juden wohlbekannten Gebrauche '. 
Von dem im Genetiv folgenden Namen ist der Schluß lb deutlich. Vielleicht darf man 
Wäilu vermuten, was der Name des Ahnherrn der Stifter oder ihres Stammes sein 
könnte. Es folgt dann snbs, wobei sich das S durch seinen schrägen Querstrich 
verrät, und nach einer kurzen Lücke wieder ein 5?. Man darf wohl NST oder S2u 
vermuten. Deutlich ist dann xnnn:3, was die Örtlichkeit meinen müßte, an welcher 
der Gott des Wäilu seinen eigentlichen Sitz hat. Doch fehlt das sonst in solchen 
Fällen übliche ^l. Der Schluß [i]in by leitet über zur Nennung der fürstlichen Per- 
sonen, zu deren Heil die Stiftung gereichen soll, offenbar in der Weise, daß die 
durch sie geehrte Gottheit ihre Gunst auf die Bitte der Stifter jenen zuwendet und 
deshalb ihr Leben verlängert. ¥.s handelt sich um die Übertragung des Verdienstes 
einer frommen Handlung auf andere Personen, welche in jener Zeit weithin üblich 
war und die im Christentum wie im Judentum und Islam in verschiedener Weise 
Bedeutung gewonnen hat. 

Zeile 6. Zuerst wird der regierende König genannt. Sein Name ist un- 
erkennbar. Aber seine Titulatur macht klar, wer es ist. Sie lautet: „der König, 
König der Nabatäer, der sein Volk wiederbelebt und errettet hat" v^TDCI iipsV 
Dussaud (Syrie, S. 70) liest anderwärts in derselben Formel 1TIS als ahay)-c, und der 



l) Dalmau, Der GoUesuanie Ailouaj, S. 36 IT., Worte Jesu I, S. i4t>tT. 



Nabatäische Inschriften Nr. 92. I05 

Herausgeber des Corpus Inscriptionum Semiticarum II 183 möchte dafür n'<nii haben. 
Aber ''ins ist das richtige Aphel von S-^n nach Targ. 2 K 8, i, wo die jemenische 
Tradition ahji liest', während unsere Drucke ahe (besser wäre ahi) haben. Aber 
auch die kürzere Form ist korrekt, vgl. Ev. Hieros. Matth. 27, 42 und im Nabatäischen 
Duss. Syr. 5. Auffallend ist die Schreibung iniT für ^W, wie es in Zeile 12 heißt. 
Das kann durch das nordaramäische sauzeb veranlaßt sein, ist aber vielleicht nur 
ein Schreibfehler. Das an ^cÖtiiq erinnernde Epitheton galt nach drei von Dussaud 
im Hauran gefundenen Inschriften (s. Clermont-Ganneau, Recueil IV, S. 170, 174, 
Dussaud, Syr. 5, 8) und CIS II 183 (wo nni"'» hinzuzufügen) König Rabbel II (71 bis 
c. 105 n. Chr.), dem wahrscheinlich letzten Könige der Nabatäer, der offenbar kurz 
vor der Einverleibung in das römische Reich ihre Selbständigkeit noch einmal ge- 
rettet hat. bsm ist also in unserer Inschrift vor 5<:b^ zu ergänzen. 

Zeile 7. Nach dem Könige erwartet man die Königin, Von den Münzen 
ist nb^J, gewöhnlich Gamilat gelesen, als Gemahlin Rabbels bekannt. Hier wird 
neben ihr "njn (etwa Hägiru), also eine Hagar, aufgeführt. Die Gemahlinnen des 
Königs erhalten den Titel „seine Schwestern und Königinnen der Nabatäer". Das 
darauf folgende 12bl3 "^rn muß dem Könige wie seinen Frauen gelten, weil sonst m 
gesagt wäre. Sie alle waren Kinder des Königs Malichos II (40—71 n.Chr.), und 
wir haben hier das von Schürer'- vermißte Zeugnis über den Vater des Königs 
Rabbel. Damit ist auch gegeben, das die hier genannte Hägiru nicht dieselbe 
sein kann, welche in der Inschrift von en-nmer CIS II 354 unter den Kindern 
von Aretas IV an letzter Stelle erscheint, sondern höchstens ihre Tochter, unter der 
Voraussetzung, daß jene sowohl Schwester als Gemahlin von Malichos II war. 

Zeile 8. Die Ergänzung S[3bT3] am Anfange der Zeile ist durch den Zu- 
sammenhang gesichert. Malichos wird als Sohn des Königs Häritat, also von Aretas IV, 
eines Zeitgenossen Jesu und des Paulus (2 Kor. 11, 32), des Schwiegervaters von 
Herodes Antipas, bezeichnet. Sein Beiname n)2y Dm, „der sein Volk liebt" ist 
durch Inschriften und Münzen auch sonst wohlbekannt. Griechisch entspricht 
<PiJ6ö>/uoc, nicht <I>iXÖjraT()iQ, was Dussaud und Schürer anwenden. Das Letztere 
würde nmia Dm heißen. 

Zeile 9. Die Zeile wird mit ''[■'n b'J^] beginnen. Als ein weiteres Mitglied 
der Königsfamilie erscheint saTCa, Sohn der Sa'üdat. Der Name, der sonst in CIS II 
488, auch nach meiner Kopie, erscheint, erinnert an n^lCS, die Frau Esaus, ist aber 
hier Mannsname. Sa'üdat wird als Schwester des Königs und als Königin bezeichnet. 
Doch ist, wie es scheint, aus Versehen, wie oben der Plural nnins, statt des Singulars 
nnns geschrieben. Wäre Sa'udat die Gattin des regierenden Königs, so sollte sie 
vorher unter seinen Gattinnen genannt sein. So muß sie wohl Gattin eines früheren 
Königs gewesen sein. Das ist möglich, wenn es die aus der Inschrift von en-nmer 
bekannte Sa'üdat, Tochter von Aretas IV, ist. Sie konnte eine Gattin von Malichos II 
gewesen sein, ^''reilich war sie die Vaterschwester des regierenden Königs, nicht 
seine Schwester, und könnte nur dann so heißen, wenn alle Prinzessinnen den Titel 

1) S. meine Gramm, des Jüd.-Pal. Aramäisch 2 S. 353 ff. 

2) Geschichte des jüd. Vollies I^, S. 742. 



jQg III. Inschriften aus Petra. 

„Schwester des Königs" führten. Die Vaterschwester wäre sr-l, und wohl kaum 
ein aus dem targumischen inns „Vaterbruder" gebildetes sr^nS. War Sa'üdat 
Vaterschwester des regierenden Königs, so war Basäma dessen Stiefbruder, was er- 
klären würde, weshalb gerade er hier nach dem regierenden König und seinen Ge- 
mahlinnen genannt wird. Da die Widmung nur dem Sohne der Sa'üdat zugeeignet 
wird, muß diese selbst tot sein. 

Zeile lO. Eine neue Reihe von Mitgliedern der königlichen Familie wird 
durch das [bjyi am Schluß der vorigen Zeile eingeleitet. Die ersten zwei oder drei 
Namen fehlen. Die vorhandenen Namen entsprechen den Namen des regierenden 
Königs und seiner Gemahlinnen. Es werden also ihre Kinder sein, imsa hat man 
am Schluß der Zeile zu ergänzen. 

Zeile II. Aufs neue wird eine Königin genannt, die auch eine „Schwester 
des Königs" gewesen sein wird. Es ist vielleicht erlaubt, an die aus CIS II 354 be- 
kannte Hägiru, die mutmaßliche Mutter der einen Gemahlin des regierenden Königs 
zu denken. Die Königinmutter gehört hinter die Kinder des Königspaares. Als 
letztes Mitglied der Königsfamilie wird schließlich ein zweiter Basäma aufgeführt. 

Zeile 12. Das Wahrscheinlichste ist, daß dieser Basäma ein Sohn des auf 
Zeile 9 erwähnten Basäma war. Er wird als 5{T2Tra in näher bezeichnet worden sein. 
Als Vetter der königlichen Prinzen war er nach ihnen zu nennen. Den Schluß machte 
füglicherweise die Angabe der Zeit der Widmung, von welcher ein großer Teil des 
königlichen Titels erhalten ist. Das Fehlende ist mit Ausnahme der Jahreszahl 
leicht zu ergänzen. 

Zeile 13. Für diese Zeile bleibt nur ni2V, das letzte Wort im Titel des 
Königs. Die erhaltene Hälfte dieser Zeile ist auch wirklich ohne Schrift. — Da die 
Jahreszahl fehlt, können nur aus dem Ehrentitel des Königs als Volkserretter, der auf 
eine besondere Tat desselben hinweist, Schlüsse gezogen werden. Wir wissen nur, 
daß diese Bezeichnung bis zu seinem fünften Regierungsjahr nicht angewandt wird, 
aber vom 23. Regierungsjahr ab belegbar ist'. So bleiben also die Jahre von 
76 n. Chr. bis zum Anfang des zweiten Jahrhunderts für die Inschrift offen. 

Die Verwandtschaftsverhältnisse der nabatäischen Dynastie, wie sie sich aus 
CIS II 354 und dieser Inschrift ergeben, lassen sich etwa in folgendes Schema bringen. 
Die nabatäische Königsfamilie von Aretas IV bis Rabbelos II. 
I. Häritat-Aretas IV Philodemos (Nr. i; 9 v. Chr. bis 40 n. Chr.), 

a) von Sakilat (2): 

Maliku (s), 'Obodat (6), Rabbel (7), Pasael (8), Saüdat (9), Hägiru (10); 

b) von Hägiru (3): 
Häritat (11); 

c) von derselben oder FJälidu (4): 
Sakilat (12), vielleicht auch "Obai.su (13). 

l) Vgl. ClermuDt-Giinneau, Recucil IV, S. 177- 



Nabatäische Inschriften Nr. 92, g^ 107 

II. Maliku-Malchos II (Nr. 5; 40-71 n. Chr.) 

a) von Sakilat (12): 

Rabbel (14), vielleicht auch Gamilat (15); 

b) von Sa'udat (9): 
Basäma (16); 

c) von Hägiru (10): 
Hägiru (17). 

III. Rabbel-Rabbelos II Soter (Nr. 14; 71— c. 105 n. Chr.j 
von Gämilat (15) und Hägiru (17): 
Rabbel (18), Gämilat (19), Hägiru (20). 
Basäma (21), Sohn von Basäma (16). 
Zu dieser Übersicht, deren in manchen Punkten hypothetischer Charakter aus 
dem Obigen erhellt, seien noch folgende Bemerkungen hinzugefügt. 

1. Es läßt .sich fragen, ob der aus CIS II 354 bekannte 'Obai.su oder 'Onai.su, 
Bruder der Königin Sakilat, zu Sakilat Nr. 2 oder Sakilat Nr. 12 zu setzen ist. Man 
hält ihn gewöhnlich für einen Prokurator, der nur den Titel eines Bruders der 
Königin führte. Aber er konnte sehr vi^ohl der wirkliche Bruder von Sakilat Nr. 12 
und ein Halbbruder von Malichos II sein. Die Hervorhebung der Beziehung zur 
Schwester erklärt sich am besten, wenn diese, wie es von Sakilat Nr. 12 bekannt ist, 
Mitregentin war, und dies würde also für seine Verwändtschaft mit ihr sprechen. 

2. Daß Pa.sael Nr. 7 die Frau von Herodes Antipas gewesen sei, welche der 
Herodias aus dem Wege ging, vermutet Clermont-Ganneau (Recueil II, S. 200, 378) 
vielleicht mit Recht. Denn <PaOaiEXT} kommt als Frauenname vor, s. Dussaud bei 
Lidzbarski, Ephem. II, S. 330. Aber wir wissen nicht, ob wir die Namen aller 
Töchter von Aretas IV kennen. 

3. Wenn in CIS II 354 am Schluß ein Häritat genannt wird, welcher Sohn 
einer Hägiru war, ist die letztere wohl nicht die soeben genannte Tochter des Königs, 
sondern eher eine zweite Gattin desselben, welche dann als "1132: r^b'a ntnnS näher 
zu bezeichnen war. Dafür findet sich auch hinreichender Raum in der hier folgenden 
Lücke der Inschrift. Die Ergänzungen mm3 (so CIS) oder HDT (so Clermont- 
Ganneau) haben wenig für sich. Denn die Nennung eines Enkels des Königs vom 
jüngsten Sohne, wenn Hägiru Mannsname wäre, wäre sehr auffallend. Unmöglich ist 
die Nennung eines Sohnes der jüngsten Tochter ohne Erwähnung ihres Gatten. Daß 
Hägiru in der Königsfamilie Frauenname war, folgt aber aus Inschrift Nr. 92. 



O. In Zisterne Nr. 523 (Nr. 615 Br.) ist nachzutragen: 

Nr. 93. 

Heil dem 'Abdijäsi, Sohn — ! 
Die Inschrift wäre nach Brünnow diejenige, welche CIS II 428 als am Wege zu ed-der 
befindlich mitgeteilt und "12 inbs-a» DblC gelesen wird. Meine Kopie stimmt aber 
nicht mit Eutings Kopie von CIS II 428 und gilt schwerlich derselben Inschrift. Den 
Namen 'Abdijäsi s. auch unter Nr. 3. 



Io8 III- Inschriften aus Petra. 



2. Griechische Inschriften. 

94. Im sik. Unter der Idolnische Nr. 149. Von mir kopiert 1904 und ver- 
öffentlicht Petra, S. 146. Die Inschrift ist seitdem längst wieder in dem vom Winter- 
wasser im sik aufgehäuften Geröll verschwunden. 

2ußtlvoq 'AXiOavÖQOi ytav/jyv()[i]aQXV? 
'AÖQccijvmv evösßmi' ui>i[{^]>jxti'. 

Das i in jtavtjyvQtixQXtji; fehlt der Inschrift, für ö- in dve&tjxtv ist ein t gesetzt. 
In derselben Gegend finden sich noch fünf Inschriften von Festleitern aus Adraa, 
leider so schlecht erhalten, daß von einer sicheren Lesung nicht die Rede sein kann. 
Vier werden von Brünnow unter Nr. 60, 2. 3. 4. 7 mitgeteilt. Eine fünfte mit jtavt]- 
jvQKXQpjs, wenn die Inschriften Brünnows nicht wie Nr. 60, 2 verstellt sind, fand 
ich unter dem Altarrelief Nr. 154. Den Namen des einen las Brünnow Pcan)MctQoq 
Iliaoaov, Germer-Durand Böcdaagog 'Avafiov. Die erstere Lesung enthält völlig un- 
verständliche Namen. Dagegen wäre die zweite auf 15a;r 12 N-iysibSiay zurück- 
zuführen. 'Abdul-a'ara wäre nach der in Bosra verehrten Form des Du.sara benannt. 
Ranämu ist ein bekannter nabatäischer Name. Die Inschrift (unter Nische Nr. 150) 
ist jetzt durch Steine so verschüttet, daß eine Lesung unmöglich war. — Sabines 
Alesandros fallt auf durch seinen römisch-griechischen Doppelnamen, vielleicht war 
sein nabatäischer Name xr^T (vgl. Nr. 79). 

95. In el-medras in Kammer Nr. 103 (53 Hr.). 

ftv[)]fieiov] t[ovtov] "AX(piog o xrtloac. 

Die bei Brünnow (Nr. 53 Br.) weggelassenen ersten drei Buchstaben sind wohl 
auf die obige Weise zu ergänzen. "AXrpiog ist ein sonst im nabatäischen Bereich 
nicht nachweisbarer griechischer Name. Er wird aber wohl einem Manne gelten, 
der nabatäisch Halafu hieß. Vgl. jüdisch '!^;.yfaoc = "»iBbn, Dalman, Gramm, d. Jüd.- 
Pal. Aram.'-, S. 179. 

96. Ebenda in Kammer Nr. 109 (56 Br.). 

nQ[EOßvxtQOv] 'Oßiöov (u [orr'jXai]. 

Das von Brünnow mit dem c am Schlüsse übersehene IIq wird doch wohl am 
besten wie gewöhnlich auf jiQtoßvztQOV zurückgeführt. 'Oßiöov ist Gen. von "Oßtöoc, 
vgl. Brünnow III S. 330, 336. Nabatäisch entpricht 'Obaidu, wofür auch einmal 
"Oßuiöoq vorkonnnt (Brünnow S. 332). Dementsprechend wird zu al wohl ar/jX.ai 
zu setzen sein. Gewidmete Stelen .sind in der Kammer auch nicht als eingegrabene 
Bilder vorhanden, könnten aber einmal da gestanden haben. Wäre dvt'D^>jxtv be- 
absichtigt gewesen, müßte man 'Oßiöov gegen das sonst Übliche als Nominativ fassen. 

97. In Triklinium Nr. 684 (717 Br.) steht zweimal an der Wand des Liegeplatzes: 

A(OQ0d-£0V. 

Ein Dorotheos, nabatäisch WahbuUahi, bezeichnet sich also hier als Stifter 
oder Besitzer des Trikliniums. 



Griechische Inschriften Nr. 94 — 98. lOQ 

98. In einer Grabanlage bei dibän an der Stirnfläche eines Sarkophags. Kopiert 
1906, später stets vergebUch gesucht, also wohl zerstört. Von mir publiziert ZDPV 
1908, S. 271. 

03.eäd-)]g Aßöoofidvov. 

'OXeädijg ist der bekannte Name nnby, lies 'Ulihat. '.4ß6o6fiavog entspricht 
i:i3y~Dy, s. Clermont-Ganneau, Recueil VI, S. 215. "ij^y ist nicht Amnion, wie Littmann 
wollte, sondern der nabatäische Name IDTsy (z. B. CIS II 1109), der wohl 'Ummänu 
zu lesen sein wird, oder 'j^y Nr. 57. Die Stirnfläche des sehr flachen Sarkophags 
mißt 83 cm Breite bei 24 cm Höhe, die Schriftgröße beträgt 4 cm. 

Die in eine Mauer verbaute vierteilige griechische Inschrift von el-habis, welche 
ich seit 1907 durch eine Kopie von Herrn Sverdrup kenne, habe ich 1907 vergeblich 
gesucht. 1909 und 1910 fehlte mir die Zeit, ihr nachzugehen. Ich unterlasse des- 
halb ihre Mitteilun"'. Sie scheint eine Grabschrift zu sein. 



HO 



Vv.R }!EiLTGE Felsen von Jerusalem. 




Abli. 71: Der heilige Felsen (s. dazu S. 150). 

a Fingereiodrlicke Gabriels; b Fußabdruck Muhamuicds; c Eetplalz Salomos; d Kopfeindruck Muhamnieds; 
e Betplatz von Cliadr; f Sitz Gabriels; g lietplatz Abrahams; li Hetplatz Davids; i ruiule Marmorplatte über 
dem „Seelenbrunnen"; k Duftöffnung der Höhle; 1 Zunge des Felsens; m Fußspur des Idris; n Betplatz des 
Idris; o Fußspuren Muhammeds; p Betplatz der Propheten; q Deckplatte des Kanals; r, r, r, r im Gebrauch 
bufiiidlichc Eingänge; s länglichrunde Vertiefung. 



IV. Der heilige Felsen von Jerusalem. 

Das Geheimnis des zweitwichtigsten Heiligtums des Islam, welches den alten 
Tempel von Jerusalem ersetzt hat, ist seine von einem wundervollen Dom^ über- 
baute sahra, der „Felsen", der nach der im Volke immer noch verbreiteten Sage 
durch ein Wunder in der Luft schwebend erhalten wird, obwohl das Auge jedes 
Besuchers ihn nahezu auf allen Seiten unterstützt sieht. Kittel hat das Verdienst, 
neuerdings in seinen „Studien zur Hebräischen Archäologie", S. 1—96, seine Ge- 
schicke bis zu den ersten Anfängen hin verfolgt und zugleich unter den Gesichts- 
punkt der Religionsgeschichte gestellt zu haben. Er spricht dabei den Wunsch 
aus, daß ein in Jerusalem lebender der jetzigen äußeren Gestalt des Felsens be- 
sondere Aufmerksamkeit schenken möge. Diese Aufmerksamkeit war für mich 
bei meinen häufigen Besuchen des Felsendomes selbstverständlich. Sie lag mir 
besonders nahe, als ich am Vormittag des 4. Mai 1910 Gelegenheit hatte, einige 
Zeit — wohl gegen 10 Minuten — mich auf dem Felsen selbst ungehindert zu be- 
wegen, ein Vorzug, den vor mir seit der Kreuzfahrerzeit in derselben Weise kein 
Christ gehabt hat. Warren war im Januar 1869 zweimal auf dem Felsen, aber nur 
hastig und verstohlener Weise, ohne das Wissen der durch eine Kriegslist in die 
Höhle gelockten Wächter'-. Conder durfte 1874, als der Fels während der Dauer einer 
Reparatur des Domes entweiht war, in Strümpfen auf dem Felsen herumgehen». Mein 
Aufenthalt auf dem Felsen gab mir keine Gelegenheit dort etwas zu messen. Aber 
ich konnte bei einer Reihe von darauf folgenden Besuchen des Domes meinen 
Meterstab von außen überall nach Belieben ansetzen und die Meßschnur kreuz 
und quer über den Felsen ziehen. Ein Moscheediener nahm am Felsen die Maße, 
welche ich innerhalb der Schranken für wünschenswert hielt. Damit habe ich 
doch wohl Pflicht und Recht erhalten, meine bisherigen Beobachtungen an der 
sahra öffentlich mitzuteilen. 

A. Die Gegenwart des Felsens. 

Bei der äußeren Gestalt des jetzt sichtbaren Felsens (Abb. 71, 72), welcher nach 
meiner Messung an der breitesten Stelle von Nord nach Süd 17,935 m. von Ost 

I) Die beste Beschreibung des Doms findet sich bei de Vogüe, Le Temple de Jerusalem, 
In neuester Zeit haben sich mit ihm beschäftigt Gressmann in PJB 1908, S. 54 ff. und R. Hart- 
mann in Der Felsendom in Jerusalem und seine Geschichte (igog)- 

2) Warben, Underground Jerusalem. S. 402 ff. 

3) Conder, The Citj' of Jerusalem, S. 2. 



112 



Der heilige Felsen von Jerusalem. 



nach West 13,185 m mißt, ist achterlei zu unterscheiden: i. die westlichen Stufen, 
2. der südliche Ausschnitt, 3. der nördliche Abfall, 4. die Hochfläche, 5. die östliche 
Abdachung, 6. die unter dem Felsen liegende Höhle, 7. die Umfriedigung, 8. die 
allgemeinen Niveauverhältnisse. Aus praktischen Gründen sollen die in die mosle- 
mische und christliche Zeit gehörenden oder für sie vermuteten Veränderungen 
am Felsen sogleich in Verbindung mit seiner Beschreibung ihre Besprechung finden. 




B 




Abb. 72: Durchschnitt des Felsens auf der Linie .VBC. 



I. Die westlichen Stufen. 

Vom Westen her erhebt sich der Fels zunächst zu einer Höhe von 1.09 m, 
bei der eine breite Stufe einsetzt. Der Abfall ist nicht senkrecht, sondern schräg 
in einem Winkel von etwa 65 Grad, so daß der obere Rand der Stufe 45 — 55 cm 
hinter der senkrechten Linie zurückbleibt (Abb. 73). Er ist auch so roh herge- 
stellt, daß einem fast der Gedanke nahegelegt wird, ob wir nicht einen natürlichen 
Abbruch des Gesteins vor uns haben. Die Randlinie verläuft von Süden her zu- 
nächst im ungefähren Einklang mit den Richtlinien des Domes, wird aber nach 
3.10 m mit einer Abweichung von 10 Grad in östlicher Richtung gebrochen. Das 
Ende der dann noch 8.46 m langen Linie weicht nur etwa i m von der geraden 
Linie ab. Die Divergenz ist naturgemäß von vorn weniger auffallend. Sie wird 
besonders sichtbar, wenn man sich auf der Hochfläche des Felsens bewegt. Wenn 
die ursprüngliche Linie mit den Richtlinien des über den Felsen gebauten Doms 
einigermaßen übereinstinnnt, so ist bemerkenswert, daß die Abweichung der ge- 
nauen Nordsüdrichtung folgt, welcher die Richtlinien des Domes eben nicht ent- 
sprechen. 

Man darf deshalb vermuten, daß bei der Erbauung des Doms die ursprüng- 
liche Richtung des Felsrandes maßgebend war und seine Abweichung von der 
genauen Nordsüdrichtung veranlaßte. 

Die ebengenannte ursprüngliche Richtungslinie am westlichen äußeren Rande 
des Felsens hat ihre Parallele in dem Absatz, mit welchem die Oberfläche der Stufe 
im Osten abschließt. Der Fels erhebt sich da um 7—9 cm zu einer zweiten Stufe, 
deren Randlinie im ganzen ungebrochen jener Richtungslinie folgt. Die Fläche der 
ersten Stufe, welche im Süden 1.54 m breit ist, mißt deshalb am Nordende nur 
77 cm, schrumpft also auf die Hälfte zusammen. Man kann schwer glauben, daß 
sie ursprünglich diese sonderbare Gestalt hatte. Es scheint doch, als habe jemand 
nach Norden zu ein langes und schmales Stück von ihr abgeschnitten. Man fragt. 



A. Die Gegenwart des Felsens. 



113 



wem diese Behandlung des Felsens zuzutrauen ist. Die Kreuzlalirer, welche im 
Jahre 1114 über dem Felsen eine von Saladin 1187 wieder entfernte Altarplattform 
errichteten^, waren die letzten, welche möglicherweise am Felsen Veränderungen vor- 
nahmen. De Vogüe- hat deshalb alle auf der Westseite des Felsens sichtbaren 
Abschnitte darauf zurückgeführt, daß die Franken hier eine Treppe bauten.' Nach 
Clermont-Ganneau^ würde wenigstens der äußerste Abschnitt ihnen angehören. 
Aber sie hätten schwerlich ihren^Aufgang zum Altar in seinem Verhältnis zum Dom 
schief gelegt, nur damit er der Ostrichtung genau gegenüberliege. Eher scheint es 
möglich, daß die Moslems bei oder nach der Erbauung des Doms den Felsen hier 
abgeschnitten haben, 
damit er den Eingang 
von der Nordseite her 
nicht versperre. Die 
Pilger pflegen wenig- 
stens jetzt, durch das 
Paradiesestor im Nor- 
den des Doms in ihn 
einzutreten und dann 
sich nach der Westseite 
des Felsens zubegeben. 
Dies geschieht, um dort 
bei dem Eindruck der 
Finger Gabriels ihre 
Andacht zu verrichten, 
vor allem aber, weil 
das Anstandsgesetz des 
Heiligtums gebietet, 
daß man darin stets 
nach rechts gehe, wes- 
halb auch die Bauern, welche den offiziell nur für die Ka'aba von Mekka vor- 
geschriebenen mehrfachen Umgang (tawäf) im Felsendom — außerhalb der Ro- 
tunde — ausführen, ihn von Nord nach West beginnen. Hätte der Westrand des 
Felsens seine ursprüngliche Richtung nordwärts beibehalten, wäre er bis auf 40 cm 
an den nordwestlichen Pfeiler der Rotunde herangekommen und hätte da in der 
Tat den Eingang versperrt. Die Moslems konnten dabei das Vorbild des Mekka- 
heiligtums mit seinem viereckigen Mittelbau, aber auch die christliche Kirche 
des heiligen Grabes in Jerusalem mit ihrem isolierten Grab- und Kreuzesfelsen im 
Auge haben. Da hatte man auch keinen Anstand genommen, der Felsmasse 
eine für ihre Stellung im Heiligtum geeignete Form zu geben. 

Die zweite Stufe beginnt am Südende in einer Breite von 41 cm, 16 cm 

1) Wilhelm v. Tyrus VIII 3. Die „mit Platten bekleidete Maiicrumzäunung" erwalint noch 
11S4/5 ein .A.nszug aus Ihn Ilaukal, s. Gildemoister, ZDPV 1883, S. 3. 

2) Le Templc de Jerusalem, S. 94. 

3) Archaeolonical Researches I, S. 159. 

Dalman, Neue Petra-Forschungen. S 




Abb. 73: 



Äußerste Weststufe mit den Fiugerspureu des Engels Michael. 
Aufnahme von R. Graf. 



j JA Der heilige Felsen von Jerusalem. 

höher als die erste Stufe, senkt sich aber bald zu einer durchschnittlichen Höhe 
von 7 — 9 cm. Nach c. 2,85 m Länge wird sie durch eine von Osten kommende Ver- 
tiefung im Felsen unterbrochen, setzt dann wieder ein, und wurde 4V2 m vom 
Nordende als 43 cm breit und 7 cm hoch gemessen. Später verschwindet sie noch- 
mals, tritt aber darauf besonders deutlich in etwa derselben Breite, aber mit größerer 
Höhe des Randes, fast rinnenartig wieder ein. Ein letztes Mal setzt sie aus etwa 
iVo m vor dem Ende, und erst am Schluß erscheint sie wieder als ein kurzes Stück 
von etwa 5 cm Höhe, aber 49 cm Breite, so daß dies Ende tüs eine Fortsetzung des 
übrigen fast gradlinigen Verlaufes nicht betrachtet werden kann. Die letzte Unter- 
brechung der Stufe scheint damit zusammenzuhängen, daß von ihr aus, fast 1.30 m 
vom Ende, eine Zunge von 20 cm Breite und 68 cm Länge in den sich hinter ihr 
erhebenden Fels hineinläuft (s. Abb. 76). Der Zweck dieses Ausschnitts ist nicht 
zu erkennen. Bedeutungsvoll ist, daß am Südende die Stufe sich in einer Breite 
von 22 cm westwärts um die tiefere erste Stufe herumzieht. Dies ist allerdings 
nur ein kurzes Stück sichtbar. Die Fortsetzung verschwindet unter einigen Säulen, 
mit denen man das Südende der ersten Stufe verdeckt hat. Auf diese Weise er- 
scheint die letztere hier in den Felsen eingesenkt, während sie am Nordende glatt 
abgeschnitten ist. Jedenfalls ist die untere Stufe im Süden nicht bestimmt ge- 
wesen, gradlinig oder auch mit einem Knie eine Fortsetzung zu erhalten. Das ist 
keine gleichgültige Kleinigkeit. Denn diese Tatsache macht es schwer möglich, 
auf die Stufen des Felsens ein quadratisches Bauwerk aufgesetzt zu denken. 

Auf die zweite Stufe folgt nach einer Erhebung von 20 cm im Norden, 31 cm 
in der Mitte, 15 cm im Süden ein dritter Absatz (Abb. 74), der sehr unregel- 
mäßig gestaltet ist. Am Südende ist er 26 cm breit, er verbreitert sich aber bald 
bedeutend, wird dann wieder schmäler, mißt in der Mitte 40 cm, am Nordende 
sogar 68 cm. Auch der darauffolgende letzte Anstieg zur vollen Höhe des Fel- 
sens ist wegen der Ungleichheit derselben sehr verschieden hoch. Im Süden 
und in der Mitte beträgt die Höhe nur 15 cm, am Nordende aber gegen 40 cm. 
Auch durch die letztgenannten Absätze zieht sich 2y2 m vom Südende die schon 
vorher erwähnte ganz unregelmäßige Vertiefung (auf Abb. 74 ii. 79 sichtbar), welche 
offenbar natürlichen Ursprungs ist. 

Es ist nicht zu verkennen, daß man den Aufstieg des Felsens oberhalb der 
zweiten Stufe hat durch künstlich hergestellte Absätze gliedern wollen, die aber 
nicht regelmäßig ausgefallen sind. Einer regelrecht gebauten Treppe, wie sie für den 
Chor der Franken vorauszusetzen wäre, entsprechen aber diese unregelmäßigen 
Stufen nicht. Wir müssen sie zunächst als ein Rätsel stehen lassen. 

Den moslemischen Pilgern wird bei der Knickung des vorderen Randes der ersten 
Stufe ganz oben der Eindruck der Finger des Engels Gabriel (Abb. 73 vorn) 
gezeigt. Sujuti erzählt davon im 15. Jahrhundert, der Engel habe den Fels da 
festgehalten, als er dem gen Himmel fahrenden Muhammed nachschweben wolltet 
Aber der moderne arabische PilgerführcM" Manäsik cl-kuds sagt nur, daß der Fels 
sich in der Nacht jener Himmelfahrt nach einer Seite neigte und deshalb vom 



i) Le Strange, Palestin.' uiulrr the Moslems, S. 136. 



A. Die Gegenwart des Felsens. 



115 



Engel festgehalten wurde. Dabei hat er für sich eine alte schon von Ihn el- Arabi 
1091 gehörte Tradition, welche dasselbe von einer Mehrheit von Engeln berichtet^. 
Dieser Unterschied ist nicht ohne Veranlassung. Man zeigt jetzt in der Tat nur die 
Spuren von etwa acht Fingern im Felsen, welche die Pilger durch eine besondere 
Öffnung in der ihn umgebenden Balustrade betasten dürfen. Aber wenn man 
über die Balustrade hinwegschauend die Kante und den Abfall des Felsens be- 
trachtet, sieht man, daß die ganze Strecke von hier bis zum Südende mit solchen 
,, Fingerspuren" besetzt ist. Man kann etwa 27 zählen, von denen nur ein Teil 
sich oben an der Kante befindet, die übrigen aber in zwei Reihen am Abfall des 




Abb. 74: Die oberen Weststufen. Aufnahme von G. D. 



Felsens in inn hineinlaufen. Auch nach dem Nordende zu fehlt es an derartigen 
Löchern nicht. Ich zählte hier noch zehn kleinere, außer drei größeren, welche wie 
Balkenlöcher aussahen. Kittel hat bei den Fingereindrücken Gabriels an Spende- 
schalen gedacht und sie als Beweismittel für uralte Verwendung des Felsens als 
Opferstätte betrachtet. Aber weder die Kleinheit dieser Löcher — sie haben nur 
bis 6 cm Durchmesser und 2 — 5 cm Tiefe — noch ihre Stellung am Rande und 
Abfall des Felsens empfiehlt eine derartige Deutung. Die Moscheediener selbst 
dachten an ein Gitter, das einmal hier befestigt gewesen sei. Noch wahrscheinlicher 
ist vielleicht, daß eine Verkleidung des Felsens mit Hilfe dieser Löcher befestigt 
wurde. Freilich kann sie auf die Franken nicht zurückgeführt werden, weil die 
Sage von den Fingereindrücken Gabriels schon vor ihrer Zeit begegnet. 



i) Nach Mugir ed-Din, S. 371. Anders hörte der Perser Näsu'-i Chusrau 1047 berichten. Als der 
Fels sich aus Ehrfurcht gegen den Propheten erhob, hielt dieser selbst ihn fest. So sei die Öffnung der 
Höhle entstanden. S. Le Strange, a. a. O., S. 129. 



ii6 



Der heilige Felsen von Jerusalem. 



2. Der südliche Ausschnitt. 

Auf der Südseite des Felsens heischt vor allem Beachtung der bedeutende 
Ausschnitt, welcher rechtwinklig in die Südwestecke des Felsens hineingelegt ist. 
An dem nach Süden schauenden Schenkel des Winkels ist der Fels eingefaßt von 
einer 4.20 m langen, 1.43 m holien und 53I.2 cm dicken gemauerten Schranke, 
die nach außen mit Marmorplatten belegt ist (Abb. 75). Die Außenfläche ist 
durch zwei senkreclite Bänder aus einem Flechtmuster in drei Felder geteilt. Das 
Mittelfeld ist mit einem breiten dunkeln Streifen in der Gestalt einer Tür ver- 
sehen. Die Seitenfelder sind mit 
einem Muster gefüllt, dessen 
hakenförmiges Grundelement der 
kufischen Schrift entnommen zu 
sein scheint (s. Abb. 71^). Das- 
selbe Muster begegnet dreimal in 
der Aksa-Moschee. Es ist sicher 
arabisch, womit die von de Vogüe 
vertretene und in Baedekers Pa- 
lästina wiederholte Ansicht von 
der Herstellung dieser Wand in 
ihrer jetzigen Gestalt durch die 
Kreuzfahrer ihre Grundlage ver- 
liert. Auch der nach Westen 
schauende Schenkel des Winkels 
hat eine Mauer erhalten. Dies 
völlig schmucklose Mauerstück, 
das in keiner Verbindung mit der 
ebenerwähnten Wand steht, ist 
2.20 m lang und 45 cm dick. Es 
beginnt im Norden mit einer Höhe von 1.06 m, fällt aber von da schräg zum Boden 
ab im Einklang mit dem natürlichen Abfall des Felsens, der sich hier zur Höhe 
des Fußbodens rasch hinabsenkt. Auf beiden Seiten des Winkels ist der Felsen 
offenbar künstlich abgeschnitten worden. Wenn man hier Mauern vor den Ab- 
schnitt setzte, möchte man annehmen, daß es etwas zu verbergen gab. Sollte etwa 
hier eine unter den Felsen führende Öffnung vorhanden gewesen sein? Die west- 
liche Nische der unter dem Felsen liegenden Höhle konnte mit diesem Zugang zu- 
sammenhängen (vgl. den Plan). 

In bezug auf den von der Mauer verhüllten Abfall des Felsens läßt sich indes 
noch eine Beobachtung machen. Die Südwestecke desselben wird bedeckt von 
dem auf ihn gesetzten Kasten mit der Fußspur des Propheten Muhammed, von 
dem noch die Rede sein wird. Unter ihm wird der Felsen sichtbar. Seine eigentliche 
Ecke ist durch einen Ausschnitt von 45 cm Länge und 54 cm Breite beseitigt. Aber 
das für uns Wichtige ist, daß die Südwand des Felsens, die nur durch eine Marmor- 
tafel bedeckt ist, hier bis auf 2 cm an die verlängerte Linie der mit Marmor ver- 




Abb. 75: Die Südwand und der Pavillon mit der Fußspur 
Muhammeds. Aufnahme von H. Schmidt. 



A. Die Gegenwart des Felsens. I 17 

kleideten Wand heranreicht. Dann muß man annehmen, daß der Felsen im Süden 
wenigstens teilweise nicht senkrecht, sondern ähnlich wie im Westen schräg ab- 
fiel. Deshalb hat man wohl auch oben hinter den Rand der Marmorwand eine 
Düj^pelsäule von c. i m Länge und 35% cm Breite, darunter eine einfache Säule^ 
und unter diese eine Marmorplatte gelegt. Ein Loch zwischen Wand und Felsen wird 
zu verdecken gewesen sein. Wenn die Franken im Interesse ihres Chorbaus hier 
den Felsen abgeschnitten hätten, würden sie den Schnitt senkrecht und gradlinig 
ausgeführt haben, nicht schräg und im Winkel. Denkbar wäre dagegen allenfalls, 
daß die Moslems bei der Erbauung ihres Doms, um hier einen südlichen Ausgang 
aus der Rotunde zu haben, auf diese Weise den nötigen Raum schufen. 

Die schon erwähnte Fußspur Muhammeds befindet sich nicht auf dem 
Felsen selbst, wie noch Kittel gemeint hat, sondern auf einem gesonderten Stein, 
der in einen aus Steinplatten zusammengesetzten Kasten von etwa 90 cm Breite und 
Länge imd 52 cm Höhe eingesetzt ist und nur durch eine kleine halbkreisförmige 
Öffnung oben an der Vorderseite schaubarundbetastbarwird (s. Abb. 75). Der Kasten 
ruht nach Süden und Westen auf sieben, 72 cm hohen Säulchen, nach Norden 
und Osten auf dem Felsen selbst, in den man ein Lager geschnitten hat, das im 
Norden 30 cm, im Osten 45 cm lang ist. Der Kasten ist selbst wieder eingeschlossen 
in die hölzernen Stützen eines ohne Kuppel im ganzen etwa 3 m hohen viereckigen 
vergitterten, rotgefärbten Pavillons, welcher den von Sultan Ahmed I um 1609 
gestifteten runden silbernen Käfig- mit drei Kinnbarthaaren Mohammeds 
birgt. Diese sind gewöhnlich unsichtbar, nur am 27. Ramadan werden sie dem 
Volke gezeigt. Der Stein der Fußspur, der, soweit er sichtbar ist, 46 cm lang und 
28 cm breit ist, erhebt sich im Hintergrund und zeigt da eine abwärts gehende 
nach vorn offene Vertiefung, die nur eine lebhafte Phantasie als den Eindruck 
eines Fußes mit der Ferse nach hinten deuten kann. Die von Kittel angenommene 
ursprüngliche Verwendung der Vertiefung als Spendeschale erscheint unausführbar. 

Nach Meinung der Moslems hinterließ Mohammed die Fußspur, als er nach 
seiner Himmelfahrt sich vom Felsen auf das Roß buräk schwang. Nach dem 
Zeugnis 'Imäd ed-Dins (1187) war es dieselbe Fußspur, welche die Kreuzfahrer 
dann für den Ort ausgaben, wo Jesus stand, als er die Händler aus dem Tempel 
trieb, wie Johann von Würzburg erzählt'. Damals war ein Pavillon mit 
Marmorsäulen darüber errichtet*. Nach der Rückgabe Jerusalems an die Christen 
im Jahre 1229 ohrfeigte Kaiser Friedrich H. einen Priester, der hier bei der Fuß- 
spur saß und für ihre Besichtigung von den Pilgern Geld nahm*. Daß der Stein 
mit dem Fußeindruck einmal dem Felsen angehörte, ist nicht ausgeschlossen. Die 
Moscheediener sagen, er habe sich da befunden, wo jetzt die Öffnung durch den 
Felsen nach der Höhle geht. Damit die gläubigen Verehrer nicht den Felsen be- 



i) Diese Marmorsäulen könnten vom Baldachin der Kreuzfahrer über der Fußspur Jesu (s. u.) 
herrühren. 

2) Sauvaire, Histoire de Jerusalem, S. 106 Anm. i. 

3) Tobler, Descriptiones, S. 123 f. 

4) 'Imäd ed-Din, Ausg. v. Landberg, S. 65. 

5) Historiens des Croisades, Hist. Or. IIi, S. 192. 



1 [ (^ Dkr heilige Felsen von Jerusalem. 

treten müßten, habe man ihn dort herausgehauen, und dadurch sei jene Öffnung 
entstanden. In der Tat schildert Ibn el-'Arabi 1091, also vor der Verdeckung des 
Felsens durch die Kreuzfahrer, die Fußspur auf der Oberfläche des Felsens nach 
Süden zu, nach welcher Seite der ,,Fels sich aus Ehrfurcht vor dem Propheten 
herabbog" 1. Das würde in der Tat auf den Südosten, also die Gegend des Loches 
zur Höhle, weisen. Auch Saewulf hat 1102 die Fußspur auf dem Felsen gesehen^. 
Der freilich sehr unzuverlässige Näsir i-Khusrau redet 1047 von sieben Fußspuren 
auf dem Südabfall des Felsens, welche von Abraham stammen sollend Die ge- 
sonderte Existenz der Fußspur bezeugt zuerst ausdrückUch 'Ali von Herat für 1173, 
also die Zeit der Franken, wenn er von dem im Süden sichtbaren Felsen redet, 
welcher oben eine große Spanne messe, zwei Ellen hoch sei und vier Ellen im Um- 
fang habe*. Derselbe Zeuge ist auch der erste, welcher das Loch in der Decke der 
Höhle erwähnt*. Daraus könnte man schließen, daß die Franken bei ihrer Über- 
deckung des Felsens den Stein mit der vermeintlichen Fußspur Christi abgelöst 
hätten, um ihn der Verehrung darzubieten. Da aber die moslemischen Zeitgenossen 
darüber keine Klage führen, ist die selbständige Existenz der Fußspur doch wohl 
älter, und die Nachrichten der älteren Pilger, welche sie auf dem Felsen gesehen 
haben, beziehen sich vielleicht auf die Vertiefungen, welche man noch jetzt auf 
dem Ostabfall des Felsens sieht (S. 126 f.). 

3. Der nördliche Abfall. 
Im Norden ist die Felsmasse künstlich abgeschnitten in einer Linie, welche 
den Richtlinien des Doms nicht völlig entspricht, sondern im Osten etwa um 50 cm 
nach Süden abweicht (Abb. 76). Die Linie ist außerdem nicht völlig gerade, sondern 
im Westen etwas eingebogen. Sie hört 2 m vor dem Ostrande des in dieser Richtung 
sich senkenden Felsens auf und läßt hier einen niedrigen natürlichen Vorsprung nach 
Norden zu stehen. Man hat auch keineswegs den nördlichen Rest des Felsens 
ganz eben abgearbeitet. Die Tieffläche, welche sich 2.80 bis 3 m breit und 6.20 m 
lang, im Norden des Felsens ausbreitet, erhebt sich am Westende 10 cm, am 
Nordrande 27 cm über den in dieser Gegend freilich sehr unebenen Fußboden der 
Rotunde, und steigt nach der Wand des Felsens zu gewiß noch bis zu 50 cm an. 
Hier ist stellenweise eine unregelmäßige Vorstufe von 10—15 cm Höhe und etwa 
60 cm Tiefe stehen geblieben, welche nach Nordwesten zu noch eine Vorstufe liat, 
aber in der Mitte unterbrochen ist. Von Nordosten her läuft ein ungefähr recht- 
winkliger gepflasterter Ausschnitt, etwa 1.20 m breit und 2 m lang, in die Tiefflächc 
des Felsens hinein (s. den Plan). Sonderbarerweise ist er in das jetzige Holzgitter des 
Felsens eingeschlossen worden. Am Westteil der Wand des Felsens, die sich hier 1.09 m 
über den Fußboden des Domes erhebt, dann bis zu etwa 1.60 m ansteigt und nach 

i) Mugir ed-Din, S. 371. 

2) Wright, Early Travels, S. 40. 

3) Le Strange, Palcstinc, S. 128. 

4) So nach der Übersetzung Schefers bei Hartmann, Der Fclsendom, S. 55. 

5) Le Strange, a. a. O., S. 132, aber nicht bei Schefer. 



A. Die Gegenwart des Felsens. 



119 



Osten aber bis auf etwa i m abfällt, bemerkt man unterhalb des Endes der West- 
stufen ziemlich weit unten vier Löcher, weiterhin höher oben drei Löcher. Diese 
Löcher werden ebenso zu erklären sein, wie die Löcher an der Westwand des Fel- 
sens. Nicht völlig deutlich ist, weshalb der Felsen im Norden in der beschriebenen 
Weise abgearbeitet wurde. Eine Stützmauer des Chores der Kreuzfahrer wird 
an der Schnittfläche des Felsens gestanden haben ; aber daß sie selbst diese herge- 
stellt hätten, ist zu bezweifeln, weil sie den senkrechten Schnitt dann gradliniger 
und auch die Ebnung des Bodens vor ihm vollkommener ausgeführt haben würden. 




Abb. 76: Der nördliche Abfall, .\ufuahme von K. Brandt. 



Daß der Fels nicht weiter als bis zu seiner jetzigen nördlichen Grenze sichtbar ist, 
mag den Erbauern des Felsendoms zuzuschreiben sein. Aber der nördliche Abhau 
des Felsens könnte höchstens dann auf die Moslems zurückgeführt werden, wenn 
man ihnen die Absicht zutraut, nördlich vom Felsen einen Betplatz herzurichten, 
der noch auf dem Felsen lag. Das Holzgitter um den Felsen erlaubt eine derartige 
Benutzung des Platzes nicht mehr. Vielleicht ei'schien sie anstössig, weil sie wie 
Verehrung des Felsens aussah. Es wird auch nicht zufällig sein, daß der jetzige 
Betplatz nördlich vom Felsen, der nach ,,den Propheten" benannt wird, von 
dem obenerwähnten Ausschnitt ab, ganz nach Osten zu gerückt ist, so daß man 
nur noch den untersten Teil des östlichen Abfalls des Felsens vor sich hat, der 
außerdem durch eine unüberschaubare Steinwand (s. Abb. 79) für den Betenden 
verdeckt ist. Auch da soll man nicht den Felsen verehren. 



I20 D'^R HEtLiGE Felsen von Jerusalem. 

In der Zeit des LaUinischen Küniglums sahen Johann von Würzburgi um 
1170 und Phocas- 1185 nördlich vom Felsen einen Altar, welcher der Darstellung 
des Kindes Jesus galt, auf welchen nach anderer Nachricht der König von Jeru- 
salem nach der Krönung seine Krone niederzulegen pflegte. Der derselben Zeit 
angcliörcnde Theoderich fand den Ort der Darstellung von einem eisernen Gitter 
mit Türe umgeben, und kaum eine Elle davon zeigte man ihm den Stein, auf welchem 
Jakob schlief, als er die Himmelsleiter sah. 'Ali von Hcrat, der 1173 den Dom 
aufsuchte, sagt ausdrücklich, daß man damals nur hier den Felsen sah 3. Man hat 
wohl gemeint, daß Maria mit dem Jesuskinde hier auf der Nordseite an den Felsen 
herangetreten sei, auf dessen Hochfläche der sie empfangende Priester stand. Die 
auf dem Westteil der Felsfläche in sie hineinragende viereckige Erhöhung könnte 
das vermeintliche Kopfkissen Jakobs gewesen sein, das übrigens schon bei Johann 
von Würzburg ernste Bedenken erregte. Mit der Verehrung der Tieffläche am 
Nordende des Felsens hängt es gewiß zusammen, daß außer der dem Verkehr auf 
der Nordwestseite dienenden Türe in dem die Rotunde umgebenden Gitter eine 
ganz ungewöhnlich breite, jetzt geschlossene Doppeltüre grade auf das Nordende 
des Felsens zuführt (s. Abb. 79). 

Das auffallendste am Nordende des Felsens sind zwei Steinplatten, welche, 
c. 1.20 m vom Nordrande entfernt, auf ihr fcstgekalkt sind und offenbar eine Öff- 
nung verdecken, die wahrscheinlich schon die Kreuzfahrer verschlossen vorfanden* 
(Abb. 77). Beide sind 62 cm breit, die südlichere ist 55 cm, die nördlichere i.io cm 
lang. Warren war der erste, welcher — übrigens nur in großer Eile — am 8. April 
i86g diese Öffnung untersuchen konnte^. Er fand eine 5 Fuß lange und 2 Fuß breite 
Grube, die 3 Fuß tief schien, deren Boden aber mit Erde bedeckt war, so daß die 
wirkliche Tiefe sich nicht erkennen ließ. Diese Grube setzte sich nordwärts noch 
II Fuß als ein durch den Felsen gehauener Kanal fort, wurde aber dann durch 
das Pflaster des Doms abgeschnitten. Ckvmont-Ganneau«, welcher im Jahre 1873 
oder 1874 den Kanal offen gesehen hat, gibt keine Maße, bezeugt aber, daß 
der Kanal sich in südsüdvvestlicher Richtung unter dem Felsen fortsetze, aber 
in dieser Richtung gesperrt sei. Als eine Spur der weitcn.'n Fortsetzung des Ka- 
nals in der Nordrichtung ist die innerhalb der Nordpforte des Doms liegende 
,, schwarze Platte" vermutet worden, doch scheint die Richtung des Kanals eine 
andere zu sein. Schon um 913 pflegte man auf der Platte zu beten, weil man meinte, 
daß sie einen Eingang zum Paradiese verschliesse'. Jetzt wird versichert, daß Sa- 
lomo darunter begraben liege, weshalb eine hinter dem Stein errichtete niedrige 
Brustwehr das Hinschreiten über diese Stelle verhindert. Johann von Würzburg sah 



i) Tobler, Descriptioncs, S. 123 f. 

2) Joannides, Proskynetarion, Anhang S. 5. 

3) Le Strange, a. a. O., S. 132. In dem Texte, den Schefer übersetzte (s. Ilartmann, IVlMiidoni 
S. 55), steht die Stelle nicht. Übrigens sind die Texte bei beiden Übersetzern nicht ganz in Ordnung. 

4) S. Tobler, Topographie I. S. 540, Anm. i. 

5) The Recovery of Jerusalem, S. Z2I f., Underground Jerusalem. S. 4(12 ff. 

6) Archacological Researches I, S. 2i7f. 

7) Ibn 'Abd Rabbih bei Lc Strange, a. a. O., S. 164. Gildemeister, ZDPV iSSi, S. 'JJ, hat die 
Stelle mißverstanden. Vgl. Mugir cd-Din, S. 372. 



A. Die Gegenwart des Felsens. 



121 



hier den Ort der Tempelquelle Ezechiels (Ez. 47, 1). Weiter führende Mitteilungen 
über den Kanal gelang es mir zu erhalten, nachdem Captain Parker mit seinen 
Genossen in der Nacht vom 11. zum 12. April 1911 in den Kanal eingedrungen 
war, mit dem einzigen Erfolge, daß ganz Palästina von der Behauptung wider- 
hallte, die Christen hätten die Krone Davids, das Schwert Salomos, die Bundes- 
lade und ungezähltes Gold unter dem heiligen Felsen geraubt. Der anfänglich 
einen Meter tiefe und weiterhin noch niedriger werdende, sich langsam senkende 
Kanal, dessen Boden nicht mehr von Erde bedeckt ist, konnte 8.80 m weit verfolgt 
werden, war aber dann mit 
Erde verstopft. Nur innerhalb 
der hölzernen Balustrade be- 
steht seine Decke aus Fels, 
dann, offenbar infolge der Ab- 
arbeitung des Felsens, der an 
der Grenze der Balustrade her- 
untergeschnitten ist, aus Stein- 
platten. Sonderbar ist, daß 
nach 6 m Länge zur linken 
Seite eine nur 1.20 m weite, 
allseitig zementierte, runde 
Höhlung sich öffnet. Nach 
Süden zu scheint der Kanal 
nicht untersucht worden zu 
sein. Nur der nördlichere der 
beiden Decksteine war abge- 
hoben worden. Unter dem 
südlicheren war der Raum mit 
Erde und Steinen gefüllt und 
deshalb nicht zu sehen, ob es 
dort eine Fortsetzung des Kanals gebe. Vielleicht ist Clermont-Ganneau durch 
diesen Tatbestand getäuscht worden. 

Es ist also gewiß, daß nahe dem jetzigen Fußboden des Doms ein von Norden 
auf den Felsen zu laufender Kanal vorhanden ist, der bestimmt war, Flüssigkeiten 
nordwärts abzuleiten. Zu diesem Kanal steht in Beziehung ein eigentümlicher 
Einschnitt (Abb. 78), welcher oberhalb seiner Öffnung in die Wand des Felsens 
hineinläuft. Die Felsfläche ist am Südrande dieser Öffnung abgeschrägt und von 
erhöhten Rändern eingefaßt, daß man von einer 25 cm langen Rinne reden kann, 
welche in die Öffnung von oben mündet. Diese Rinne^ läuft dann, 58 cm breit, 
innerhalb des Felsens in südlicher Richtung fort, wendet sich bei beständiger 
Steigung nach 20 cm mit einer scharfen Ecke westlich, wird hier c. 70 cm breit 
und endet nach weiteren 98 cm plötzlich da, wo die zweite Weststufe des Felsens 




Abb. 77; Die Öffnung des Kanals. Aufnahme von H. Schmidt. 



i) Die Rinne ist von Süden her nicht sichtbar, weil ihre Vorderwand viel niedriger ist als die 
Rückwand. Sie erscheint deshalb auch nicht auf Kittels Abb. 2, wo K. sie zu sehen glaubte. 



122 



Der heilige Felsen von Jerusalem. 



anfängt, mit einem sehr steilen, schließlich fast senkrechten Abschluß von etwa 
70 cm Höhe und 58cm Breite. Eine von Stade, Nowack, Benzinger und G.A.Smith 
wiederholte Beschreibung dieser Rinne redet davon, daß sie im Felsen in eine unter 
ihm befindliche Höhle führe, welche mit einer Wasserleitung in Verbindung stehe^. 
Aber die Verbindung der Rinne mit einer Höhle und einer Wasserleitung ist eine 
bloße Vermutung. Auch der Ausdruck bei Schick^: ,,es führt da eine Rinne herunter 
in einen — Kanal", ist insofern mißverständlich, weil man meinen könnte, daß es 

eine Zuleitung gebe, welche 
eine Fläche des Felsens un- 
mittelbar mit dem Kanal 
verbindet, wie es tatsäch- 
lich auf dem Plane Warrens 
aussieht. Die Rinne ist 
doch nahezu als ein in den 
Felsen gehauener Schacht 
zu bezeichnen, der sich nach 
der Öffnung des Kanals hin 
öffnet und wahrscheinlich 
mit ihr noch vollkommener 
verbimden war, als man den 
Felsen hier noch nicht her- 
unter geschnitten hatte. 
Gewiß sollte hier dem Ka- 
näle Flüssigkeit zugeführt 
werden. Aber es ist doch 
keinerlei Vorkehrung sicht- 
bar, wodurch die Flüssig- 
keit anfänglich in die Rinne 
gelangte. Weder die Hoch- 
fläche des Felsens noch eine 
der westlichen Stufen ist mit ihr in Verbindung gesetzt. Die erste Stufe ist sogar 
durch einen erhöhten Rand von ihr getrennt. Somit können die Flüssigkeiten 
nur von oben her in den Kanal gekommen sein. Das würde für die Ableitung 
von flüssigen Spenden von einem darüber errichteten Altar sehr wohl passen, aber 
natürlich auch für jeden anderen von oben kommenden Ablauf. Clermont-Gan- 
neau^ sagt, daß die hintere (südliche) Wand der Rinne aus Mauerwerk von großen 
Blöcken bestehe. Das könnte bedeuten, daß da ein horizontales Loch in den 
Felsen hineingehe. Ich erkenne aber nur Spuren von Kalk, die von der Chor- 
maucr der Franken herrühren dürften. Auch die Moscheediener leugnen das Vor- 
handensein von Älaucrwerk. 




Abb. 78: Die Rinne im Felsen. Aufnahme von G. D. 



S. 60. 



1) So nach Benzinger, Hubr. Archäologie, 2. Aufl., S. 2i i ;\nm. i , und O. A. Smith. Jonisalcm II, 

2) Beit el-Makdas, S. 7. 

3) Arch. Res. I, S. 218. 



A. Die Gegenwart des Felsens. I23 

Daß die Rinne im Felsen keinen andern Zweck hatte, als den Zutritt zur Ober- 
fläche des Felsens zu ermöglichen, vermutet KitteF. Ich bin durch die Rinne 
hinauf- und hinabgestiegen und kann zugeben, daß dies möglich ist, muß aber 
zugleich lebhaft bestreiten, daß die Rinne mit ihrem abschüssigen Boden zu diesem 
Zweck hergestellt wurde. 

4. Die Hochfläche. 

Von einer Hochfläche des Felsens zu reden hat man ein Recht, weil an 
die westlichen Stufen sich überall eine Fläche schließt, die den Übergang zum 
östlichen Abfall vermittelt (Abb. 79). Sie hat im allgemeinen eine ungefähre 
Breite von 3 m, dehnt sich aber im Süden bis auf etwa das doppelte aus. Im Norden 
scheint eine künstliche Abplattung vorzuliegen. Dorthin findet eine allmähliche 
Steigung statt. Über die absolute Höhe der Fläche Auskunft zu geben, ist schwer 
möglich, weil der Fußboden der Rotunde, mit dem man sie zunächst vergleichen 
muß, nicht völlig eben ist. Im Süden liegt die Hochfläche 13 cm niedriger als die 
sie begrenzende Mauer. Das gibt hier eine Höhe von 1.30 m. Im Norden, wo die 
den Felsen mngebende Balustrade 1.60 m hoch ist, erscheint der höchste Pimkt 
des Felsens 17 cm höher, was für diese Gegend eine Höhe von 1.77 m ergibt. Da- 
bei ist aber zu erwähnen, daß gerade hier der Fußboden der Rotunde sich von Westen 
her um 5 cm gesenkt hat, und daß die Balustrade sonst niedriger ist (im Süden 
1.52 m, im Südosten nur 1.39 m). Bei der Ecke der im Norden zum Kanal führen- 
den Rinne ist der Fels 1.25 m höher als ihr Boden. Da dieser hier gewiß 50 cm 
höher liegt als der Fußboden der Rotunde, ergibt das die gleiche Höhe^. 

Der schon bei den westlichen Stufen erwähnte natürliche Querschnitt 
(s. auch Abb. 74) etwa 2,85 m vom Südende des Felsens stellt sich hier dar wie eine 
nach Norden zu abgesetzte Stufe, nach welcher die Fläche sich allmählich wieder 
erhebt. Etwa 4 m vom Nordende und 1.40 m vom westlichen Rande der Hoch- 
fläche liegt eine flache länglichrunde Vertief ung, welche von Nord nach 
Süd 1.15 cm, von Ost nach West 85 cm Durchmesser hat^. Sie ist sehr unregel- 
mäßig und roh gestaltet und hat keine Ähnlichkeit mit den Felsnäpfen der pa- 
lästinischen Felsen*. Früher hat Simpson^, neuerdings besonders Kittel« ihren 
sakralen Charakter betont. Der letztere meinte, man habe hier vielleicht einen 
Aschera-Baum gepflanzt oder Wasser oder Blut gesammelt. Das letztere sei wegen 
der Nähe des ehemaligen Schlachtplatzes im Norden des Felsens das wahrschein- 
lichste. Der letztgenannte Grund fällt dahin, wenn der von Kittel angenommene 
Aufgang nicht vorhanden war (s. oben). Mir zeigte die Untersuchung des Bodens 
der Vertiefung, daß er gar nicht aus Fels besteht, sondern, wie sich beim Klopfen 



i) Studien zur Hebr. A/chäologie, S. 43. 

2) Wilson, Ordnance Survey, S. 34, gibt mit 4 Ful3 9^/2 Zoll (=146 cm) die Höhe zu gering an. 
Schick, Beit ha-Makdas, S. 7, wonach Baedeker, schießt mit 2 m über den Tatbestand hinaus. 

3) Die Vertiefung ist sichtbar auf Abb. 76 und 7g. 

4) Vgl. meinen Aufsatz, Die Schalensteine Palästinas, PJB iqo8, S. 23 ff. 

5) PEFQ 1887, S. 74 f. 

6) Studien, S. 43. 



124 



Der heilige Felsen von Jerusalem. 



ergab, aus Steinen in Mischung mit zusammengebackener Erde oder Mörtel. Sie 
ist also sicher tiefer gewesen, und die Frage entsteht, ob etwa hier eine Verbindung 
mit einem Räume oder Kanäle im Felsen hergestellt war. Eine andere, 40 cm 
lange und 20 cm tiefe, oblonge Vertiefung befindet sich am Südende der Hoch- 
fläche, zwei schmale kleinere Löcher etwas östlich davon ohne erkennbare Be- 
deutung. 




Abb. 79; Die Hochfläche uud die östliche Abdachuug von Süden. Aufnahme der 
Amerikanisch-Schwedischen Kolonie in Jerusalem. 



5. Die östliche Abdachung. 
Von der Hochfläche ab senkt sich der Fels in östlicher Richtung,' in seinem 
südlichen Teil auch nach Südosten zu, sodaß er hier überall ohne einen größeren 
künstlichen Abschnitt unter den Boden der Rotunde hinunterläuft. Der Abfall 
erscheint auch in der Weise der Rotunde angepaßt, daß seine äußere Grenze bogen- 
förmig, im allgemeinen der Biegung der Rotunde entsprechend, verläuft. Nur 
nach Nordosten zu weicht der Fels etwas mehr zurück. Von dem am Nordende 
der Ostgrenze befindlichen Betplatz der Propheten bildet seine Grenze eine nur 
einmal schwach gebrochene Linie von 5.18 m und 2.55 m in südöstlicher Rieh- 



A. Die Gegenwart des Felsens. I25 

tung bis zur westöstlichen Mittellinie der Rotunde. Daran schließt sich ein hier 
eingeschalteter rechter Winkel von 74 und 66 cm Schenkellänge, der für den hier 
von der Tradition angenommenen Betplatz des Idris den mihräb herstellen 
soll. Dann folgt die Randlinie ziemlich genau dem Bogen der Rotunde in einer 
fünfmal gebrochenen Linie von 2.55, 2.84, 3.03, 2.28, 2.20 m, womit sie 50 cm 
südlich vom Ende der schon erwähnten Mauer auf der Ostseite des südlichen 
Ausschnitts, ziemlich genau auf der nordsüdlichen Mittellinie der Rotunde ihren 
südlichsten Punkt erreicht. 

Die Abdachung zerfällt in eine stetiger sich senkende nördliche und eine un- 
regelmäßiger verlaufende südliche Hälfte, deren Grenze ungefähr auf der west- 
östlichen Mittellinie der Rotunde liegt. Diese Grenze wird gebildet durch eine 
plötzliche, aber natürlich aussehende, nördlich gerichtete Senkung der Felsfläche, 
welche von dem Betplatz des Idris nach Westen läuft. Sie ist mit dem früher er- 
wähnten Querriß in der Hochfläche nicht unmittelbar verbunden, kann aber doch 
als seine Fortsetzung betrachtet werden. 

Der nördliche Teil der Abdachung (Abb. 80) 1 wird von Kittel in An- 
spruch genommen als künstlich hergestellter Aufgang zu dem auf der Hochfläche 
des Felsens errichteten Altar Davids^. Arbeit von Menschenhand ist allerdings 
am Felsen hier deutlich wahrzunehmen, sie besteht in flachen viereckigen Ver- 
tiefungen verschiedener Größe oder auch in Einschnitten, welche aussehen, als 
habe man die Ausmeißelung von viereckigen Platten begonnen nach der Art 
palästinischer Steinhauerarbeit. Nichts einer Treppe Ähnliches ist hergestellt 
worden. De Vogüe hat an Spuren der Kreuzfahrerarbeit zur Verkleidung des Fel- 
sens mit Marmor gedacht. Aber zur Errichtung eines Chors über dem Felsen gehörte 
die Herstellung einer geräumigen ebenen Plattform, die im Osten dem Felsen nicht 
unmittelbar aufliegen konnte. Sichtbar ist doch nur, daß man Platten vom Felsen 
gelöst hat oder lösen wollte, und man denkt sogleich an die Entrüstung Tmäd 
ed-Dm's* darüber, daß die Franken Stücke des Felsens abgeschnitten und nach 
Europa verkauft hätten. Die hier abgelösten Platten wären zur Einfügung in 
Altäre, wovon Jbn el-Athir redet*, wohl geeignet gewesen. Ursprünglich muß also 
hier die Felsfläche etwas höher gewesen sein. 

Auf dem südlichen Teile der Abdachung sieht man nahe ihrem nörd- 
lichen Rande eine kleinere und eine größere flache Vertiefung. Beide sind ganz 
unregelmäßig und nur teilweise umrandet, sie erscheinen auf Bildern durch ihren 
Schatten viel bedeutsamer als in Wirklichkeit (s. Abb. 79). Kittel meinte, die 
erstere habe in der Urzeit einem heiligen Malstein als Basis gedient oder sei eine 
Spendeschale gewesen^. Für beide Zwecke ist die Einsenkung aber nicht zu brauchen. 
Die größere Vertiefung hielt Kittel für die Öffnung in der Decke der Höhle unter 
dem Felsen, von der er meint, daß sie wohl dazu gedient habe, Opferblut zur Höhle 



i) S. auch Abb. 79 rechts im Hintergrund. 

2) Studien, S. 45. 

3) Conquete de la SjTie, Ausg. v. Landberg, S. 6$. 

4) Kittel, Studien, S. 89. 

5) Ebenda, S. 42 f. 



126 



Der heilige Felsen von Jerusalem. 



hinunter zu lassen. Diese Öffnung liegt aber noch weiter südöstlich und war auf 
der von ihm in Abb. 2 wiedergegebenen photographischen Aufnahme nicht recht 
zu erkennen^. Wir haben uns mit dieser Öffnung im Zusammenhang mit der Höhle 
zu beschäftigen. Jetzt werde niu- konstatiert, daß ihre Umgebung nicht verrät, 
daß man jemals an ihr etwas Besonderes vorgenommen habe. 

Unmittelbar an dem nach Süden und Südosten ziemlich steilen Abfall des 
Felsens liegt ein nicht sehr großes, verhältnismäßig tiefes Loch links oberhalb des 
Eingangs zur Höhle (s. Abb. 79). Es kann nur künstlich gemacht sein. Über 



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'Mk\ 



Abb. 80: Der nürdliclie Teil der üstlicheu Abdachung. Aufnahme von P. Lohmann. 



seinen Zweck vermag ich nichts zu sagen. Um so klarer ist die Abzweckung von 
14 anderen Löchern, welche von oberhalb jenes Eingangs ab den östlichen 
Rand des Felsens begleiten. Sie sind länglich viereckig, etwa 20 cm lang, 10 cm 
breit rmd bis 20 cm tief. Stets haben sie die Breitseite nach außen. Man wird 
die Stützen eines Geländers darin befestigt haben, welches noch auf dem Felsen 
stand. Eines der Löcher scheint mit dem Fuß eines steinernen Pfostens gefüllt zu 
sein. Drei (oder vier) dieser Löcher befinden sich oberhalb des Eingangs zur 
Höhle, acht in ziemlich kleinen Abständen von da ab bis zum Betplatz des Idris, 
drei in größeren Abständen noch nihdlich davon. Zu diesen Löchern gehört 2 m 
südlich vom Betplatz des Idris eine 45 cm lange, 20 cm breite Rinne, welche die 
moslemischen Pilger als die Fußspur des Idris, der wohl dem biblischen He- 
noch entspricht, verehren und durch ihre Berührung geglättet haben. Anderer 
Herkunft sind vielleicht die beiden Fußspuren Muhammeds, westlich vom 
Betplatz des Idris, in zwei schmalen Löchern von etwa 20 cm Länge und Tiefe 

1) Sie ist auf Abb. /y ganz rechts durch den quer über sie hnifeiiden Kisenstab bezeichnet. 



A. Die Gegenwart des Felsens. 



127 



bestehend. Manasik el-kuds redet von zwölf Fußspuren, die der Prophet beim 
Vorübergehen hier hinterheß, deutet also alle diese Löcher in der gleichen Weise. 

6. Die Höhle. 

Nachdem der Felsen von allen Seiten und auf seiner Oberfläche betrachtet 
worden ist, begeben wir uns in die Höhle, die unter seinem südöstlichen Teile liegt. 
Am äußeren Rande der Rotunde beginnt der Abstieg. Auf einer 1.40 bis 1.50 m 
breiten Treppe, die 16 Absätze, also 14 Stufen zählt, von denen die drei untersten 
halbkreisförmig sind, gelangt man zu ihrem Fußboden hinab, der 3.22 m unter 
dem Fußboden der Rotunde liegt. Unten befindet man sich in einem unregel- 
mäßig viereckigen Raum, welcher von vorn nach hinten in seiner größten Aus- 
dehnung 7.40 m, von links nach rechts vorn 7.33 m, in der Mitte ö.qo m, hinten 
7.05 m mißt. Seine größte Unregelmäßigkeit besteht darin, daß gleich vorn neben 
der Treppe von links eine Felsecke i m lang und 1.15 m breit in ihn hineinragt, und 
daß auch auf der rechten Seite ein 2 m langer und i m breiter Vorsprung die Größe 
des Raums beeinträchtigt. Man sieht daraus, daß die ursprüngliche Höhle nach 
der Eingangsseite zu enger wurde. Die Höhe der Höhle ist sehr ungleich. In der 
vorderen linken Ecke beträgt sie nur 1.46 m, in der Mitte der rechten Seitenwand 
1.59 m, an der vorderen rechten Wand 2.32 m, beim Eingang 2.06 m, in der Mitte 
der Rückwand 2.62 m. Die sich wölbende Decke macht durchweg den Eindruck 
unbehauen zu sein und gleicht den Decken aller Höhlen im Kalkgestein, wo härtere 
und weichere Steinschichten miteinander wechseln. Aus ihrer Gestalt ergibt sich, 
daß die verkalkten senkrechten Wände der Höhle nicht ihre ursprüngliche Grenze 
bedeuten können. Die Höhle muß im Südosten, wo ihre Decke unter dem Moschee- 
boden sich fortsetzt — sie ist hier mit demselben nur 80 cm dick — , aber gewiß 
auch im Nordwesten, wesentlich größer gewesen sein. Es ist gewiß nicht über- 
trieben, wenn man annimmt, daß sie ursprünglich die doppelte oder dreifache Größe 
hatte und erst durch den Einbau der Wände so klein wurde. Nach Südosten zu 
konnte auch der Bau des Domes ihre Einschränkung nötig machen, weil hier einer 
seiner wichtigsten Träger zu stehen hatte. Die Höhle, welche von der Treppe her 
nur wenig Licht erhält, bedarf sehr der künstlichen Erleuchtung. In der rechten 
vorderen Ecke hängt jetzt eine Lampe, nahe der hinteren linken Ecke eine Laterne, 
und in einem durch die Decke der Höhle gehenden Loche nach der hinteren rechten 
Ecke zu an einem eisernen Stabe ein Kronleuchter mit 6 Lampen. Alle diese Lichter 
werden jeden Abend vor Sonnenuntergang mit 220 anderen Lampen (im Ramadan 
750 Lampen und 400 Kerzen) im Dome angezündet und brennen etwa 3 Stunden. 
Die ganze Nacht hindurch brennt aber nur die Laterne in der Höhle, außer je 
einer Lampe bei jeder Tür des Doms. Die Öffnung über dem Kronleuchter ist 
fast kreisrund mit 80 cm Durchmesser. Sie geht völlig glatt durch den hier 1.70 m 
dicken Felsen und zeigt nicht die in Cisternenmündungen üblichen Spuren von 
Schöpfseileni. Der Lampendunst würde die Höhle füllen, wenn nicht diese Venti- 



1) Gressmanns Urteil PJB igoS, S. 65, daß die Höhle eine flaschenförmige Zisterne sei, kann 
ich nicht teilen. Die Decke der Höhle entspricht dem nicht, auch nicht die Stellung des Lochs. 



128 



Der heilige Felsen von Jerusalem. 



lationsöffnung vorhanden wäre, der es zu danken ist, daß man in der Hölile stets 
gute Luft findet. Zunächst hat man anzunehmen, daß das Loch zu dem Zweck 
hergestellt wurde, dem es jetzt dient. Die Kreuzfahrer, welche in dieser Grotte 
die Verkündigung an Zacharias verehrten, könnten dazu veranlaßt gewesen sein. 
Zu ihrer Zeit wird die Deckenöffnung zum ersten Mal erwähnt^. Aber schon 1047 
in der moslemischen Zeit brannten in der Höhle stets Kerzen^. Jetzt erzählt man 
den moslemischen Pilgern, daß Muhammed durch dieses Loch gen Himmel gefahren 
sei (s. aber auch S. iijf.). Diese Sage entbehrt aber alter Bezeugung. 

An den Wänden der Höhle 
zeigen die Moslems allerlei 
merkwürdige Plätze*, vorn 
rechts den Betört Salomos 
(Abb. 81), an der rechten Wand 
den Betört Muhammeds, 
nur durch eine 28 cm tiefe, 
70 cm breite Vertiefung in der 
Decke gekennzeichnet, die der 
Turban des Propheten in die 
Decke gestoßen haben soll, wo- 
nach er mit Turban 1.95 m lang 
gewesen wäre, in der rechten 
hinteren Ecke eine Estrade von 
2.75 m Länge und 1.27 m Breite 
als den Betört von el-chadr, 
in der linken hinteren Ecke eine 
Felsstufe von 40 cm Höhe und 
20 cm Breite als den Sitz 
des Engels Gabriel, als er 
Muhammeds Rückkehr vom 
Himmel erwartete, an der lin- 
ken Wand eine hochgelegene, 
I m breite und 86 cm tiefe 
Nische als den Betört Abra- 
hams, endlich vorn links als 
den Betört Davids einen mihräb, der mit zwei verschlungenen Säulenpaaren 
geschmückt ist, welche wahrscheinlich einmal an einem der christlichen Altäre 
des Domes standen (Abb. 82). 

Da wo die Diagonalen des unregelmäßigen Raumes sich ungefähr schneiden 
würden, und in der Mitte 1.28 m von der Mitte der Öffnung über dem Kron- 
leuchter entfernt, ist in den Fußboden eine kreisrunde weiße Marmorplattc von 
1.68 m Durchmesser mit einem schwarzen Stern in der Mitte eingelassen. Wenn 

1) Von 'Ali von Herat, aber nur im Tcxto von Ll- Strange (Pal. S. 132), nicht bei Schefcr. 

2) Le Strange, S. 129. 

3) Baedeker redet von kleinen Schemeln, die aber nicht vorhanden Jiind. 




Abb. Si: Der Uetplatz Salomos in der Hohle. Aufnahme der 
Amerikanisch-Schwedischen Kolonie in Jerusalem. 



A. Die Gegenwart des Felsens. 



129 



auf sie getreten wird, klingt es hohl. Nach der moslemischen Sage, die Manäsik 
el-kuds erzählen, befindet sich darunter eine bodenlose Grube, gubb el-arwäh 
oder bh- el-arwäh „Seelenbrunnen" genannt. Es wird den Pilgern empfohlen, dort 
zugunsten der Toten hundertmal Gott um Verzeihung zu bitten. Doch gibt es 
für die Sage vom Seelenbrunnen keine alte Bezeugung. Mugir ed-Din und Sujüti 
berichten um 1500 noch nichts davon. Die Höhle selbst hat 'Ali von Herat 
(1173) maräret el-arwäh ,,die Seelenhöhle" genannt, in welcher Gott die Seelen 
der Gläubigen versammelt^. Von einem unmittelbar darunterliegenden zweiten 
Räume sagt man nichts und hat nur die allgemeine Vorstellung, daß alles Wasser 
der Erde unter dem Felsen 
seinen Ursprung habe'^, oder 
daß ein Paradiesesstrom dort 
entspringe, dessen Wassser vom 
haram nach dem Himmel auf- 
steige, um von da nach Gottes 
Willen herniederzuregnen^. Am 
24. April 1911, als im Verfolge 
der ,,Schatzgräberei" des Eng- 
länders Parker der Zugang zur 
Rotunde verschlossen war, sah 
ich durch die Gittertüre der 
Höhle, daß darin an ihrem 
Fußboden gearbeitet wurde. 
Das Pflaster war mit Aus- 
nahme der marmornen Mittel- 
platte zum großen Teil aufge- 
rissen und wurde ausgebessert. 
Nach der Aussage des Meisters 
der Arbeiter, mit welcher der 
Augenschein übereinstimmte, 

waren sie nirgends auf Felsen gestoßen, sondern hatten unter dem Pflaster nur Kalk 
und Steine gefunden. Über den Anlaß der Reparatur gab man mir keine befrie- 
digende Auskunft. Lagrange berichtet nun Revue Biblique 1911, S. 440 ff., die 
wiederholten Sondierungen der Untersuchungskommission hätten die kleine felsige 
Unebenheit, auf welcher die Mittelplatte mit den Rändern ruht, ein wenig erweitert 
und dabei festgestellt, daß es darunter nur einen Hohlraum von höchstens 25 cm 
Tiefe gibt. Lagrange meint, daß damit das Nichtvorhandensein des Seelenbrunnens 
erwiesen sei. Nach der soeben mitgeteilten Aussage sind aber die Untersuchungen 
für einen strengen Beweis nicht tief genug gegangen. Eine Tatsache ist nur, daß der 
hohle Klang beim Auftreten auf die Platte mit einer größeren Höhlung darunter 
nicht zusammenhängt. Da für ihr Vorhandensein ältere geschichtliche Zeugnisse 

i) Hartmann, Der Felsendom, S. 55. 

2) Mugir ed-Din, S. 202, 206. 

3) Sujüti, Kap. 3, nach Le Strange in Proc. Roy. As. Soc. Vol. XIX. S. 2fio. 
Dalman, Neue Petra-Forschungen. 9 




Abb. S2; Der Betplatz Davids iii der Hohle. Aufnahme der 
Amerilianisch-Schwedischeu Kolonie in Jerus.ilem. 



j 70 Der heilige Felsen von Jerusalem. 

fehlen, ist jedoch sehr wahrscheinlich, daß der Glaube daran nur durch irrige Deu- 
tung jenes Klanges entstanden ist. Der jetzige Boden der Höhle ist das Resultat 
einer künstlichen Ebnung ihres Fußbodens. — Pierotti behauptete^, er sei von der 
nördlich vom Felsendome liegenden Zisterne durch einen Kanal bis unter die Höhle 
vorgedrungen und habe da eine flaschenförmige Zisterne gefunden, deren Mündung 
unter ihrer Mitte lag. Aber die Untersuchungen Warren's haben ergeben, daß da, 
wo Pierotti nördlich vom Felsendom zwei kleinere Zisternen von unregelmäßiger 
Gestalt durchschritten haben wollte, nur eine einzige 130 Fuß lange und 24 Fuß 
breite Zisterne ohne Ausgang nach Süden sich befindet^. Pierotti kann also gar 
nicht dort unten gewesen sein, und seine ganze Erzählung mit allen Einzelheiten 
ist erfunden. Auch die Moscheediener wissen nichts von einem aus jener Zisterne 
südwärts führenden Gang. 

Beim Heraufsteigen aus der Höhle mag man einen Blick werfen auf den öst- 
lich von der Treppe vom Felsendach der Höhle hervorragenden Vorsprung, welche 
die Moslems die ,, Zunge des Felsens" nennen. Als Muhammed den Felsen 
mit den Worten begrüßte: ,,Heil über dir, o Fels Gottes!" antwortete er von dieser 
Stelle: ,,Labbeika, auch über dir sei Friede, o Gesandter Gottes!" Der Pilger soll 
aber sprechen, wenn er ihr gegenübersteht: ,,0 Gott, ich bin von meinem fernen 
Lande gekommen zu diesem deinem Hause, dem edlen Heiligtum, in Zerknirschung 
und Ehrerbietung, ehrfürchtig und mich demütigend, und erhebe meine Hände 
zu dir und flehe bei den Verdiensten dieses edlen Felsens, der ersten der beiden 
Kibla's und des dritten nach den beiden edlen Heiligtümern, daß angenommen 
werde mein Besuch und mein Gebet und meine Almosen und mein Fasten und meine 
Wallfahrt, und mache mein Ende gut, und ebene meine Sache durch deine Güte 
und Milde, o Gütigster der Gütigen, du Herr der Welten!" 

7. Die Umfriedigung. 

Der Felsen wird jetzt eingeschlossen durch eine nicht alt aussehende, rot und 
grün gestrichene hölzerne Bai US trade, die ein Siebzehneck bildet (s. Abb. 76. 78.79). 
Sie ist im Süden 1.52 m, im Südosten 1.36 m, im Norden 1.60 m hoch und hat so 
kleine Öffnungen, daß das Sehen des Felsens erschwert, das Betasten fast unmög- 
lich gemacht wird. Sie folgt ziemlich genau dem Rande des Felsens, ausgenommen 
bei dem Betört der Propheten im Nordosten (s. S. 118 f.), wo sie ein Stück des Pflasters 
mit einschließt. Unterbrochen ist sie im Süden durch das Gehäuse für die Fußspur 
des Propheten und die daran geschlossene Wand, im Südosten durch den Eingang 
zur Höhle, wo sie sich beiderseits an die Umfassung der Rotunde anschließt, wäh- 
rend ein weitmaschiges Eisengitter über dem Eingang die Verbindung herstellt. 
Links davon hat die Balustrade eine verschlossene Tür, welche den Aufgang auf 
den Felsen ermöglicht. Die Moscheediener besteigen den Fels besonders im Ra- 
madan, aber auch sonst, wenn nötig, um ihn besonders von den Zetteln und ande- 
ren Dingen zu reinigen, welche die Pilger darauf niederlegen. 



1) Jerusalem explored (i8öS), S. 97 1., vyl. PI. XI. Xll. 

2) Recovery o( Jirusalem (1S71), S. 204 if., Survey of W. Pal., Jerusalem (1884), S. 217. 



A. Die Gegenwart des Felsens. 



131 



Einen zweiten Verschluß bilden schmiedeeiserne Gitter, gewöhnlich 
kafas hadid genannt, zwischen den Säulen und Pfeilern der Rotunde. Sie sind auf 
durchschnittlich 50 cm breite und hohe Steinbänke aufgesetzt, die aber nicht der 
Rotunde parallel liegen, sondern bei den Eckpfeilern nach außen zurückgeschoben 
sind, wodurch der Innenraum etwas vergrößert wird. Vielleicht ist die einzige 
Veranlassung der auffallenden Anordnung, daß man die für den Dom nötigen 
16 Gitter gleichlang bestellt hatte und erst nachträglich fand, daß die Zwischen- 
räume zwei verschiedene Größen erfordert hätten. Die Höhe ist nicht überall 
gleich. Im Westen und Norden mißt man 2.55 bzw. 2.57 m, im Süden 3 m, im 
Osten sogar 3.30 m, wobei im Westen und Süden die mit Türen versehenen Felder 
noch um c. 10 cm erhöht sind. 
Das Gitter ist eine hübsche 
Schmiedearbeit mit einem nicht 
überall gleichen Spiralenmuster 
(Abb. 83), leider am oberen 
Rand durch bemalte Bretter 
entstellt, die den Abschluß 
bilden sollen. Die das Gitter 
krönenden lilienartigen Spitzen 
für Kerzen (s. Abb. 78) wurden 
dem Staufenkaiser Friedrich II. 
als Spatzenscheuchen erklärt, 
worauf er mit der wenig ge- 
schmackvollen Bemerkung ge- 
antwortet hat: ,,Gott hat euch 
(trotzdem) jetzt Schweine (näm- 
lich die Christen) gesandt" 1. 
Das Gitter, welches für 11 73 
von 'Ali aus Herat erwähnt 

wird, mag eine Schöpfung der Kreuzfahrer sein, welche damit die früher hier be- 
findlichen Vorhänge ersetzten. Im Ganzen führen neun Türen sehr verschiedener 
Größe durch das Gitter, drei im Norden, je zwei in den anderen Himmelsrichtungen. 
Jetzt ist auf jeder Seite nur je eine offen, im Süden außerdem die Tür zur Höhle. 
Man kann vermuten, daß die übrigen Türen mit Nebenaltären der Kreuzfahrer 
zusammenhingen. Architektonisch ist nur die Tür zur Höhle geschmückt, die ein 
Portal von korinthischen Säulen mit Spitzbogen erhalten hat (Abb. 84). Zur 
Kreuzfahrerzeit hing über der Westtüre ein kostbares Christusbildnis, über der 
Südtüre das Bild Salomos-. 

Der jetzige doppelte Verschluß mit Holzbalustrade und Eisengittern be- 
stand schon im 15. Jahrhundert 3. Ibn Batuta vertauschte im 14. Jahrhundert 




Abb. 83: Gitter von außen (im Südeu). Aufnahme von Boufils. 



1) Hist. des Crois., Hist. Or. II i, S. 192 f. 

2) Nach 'Ali von Herat und Johann v. Würzburg. 

3) S. Mugir ed-Din, S. 370. 



r 



132 



Der heilige Felsen von Jerusalem. 



wohl nur aus Versehen den Platz beider^. Aber früher ist es anders gewesen. Nach 
'Imäd ed-Din2 ließ Saladin nach Abbruch der christlichen Altarplattform ein 
eisernes Gitter um den Felsen setzen. Zerbrochene Reste eines solchen, ebenfalls 
mit Spiralenmuster, liegen in dem großen Schuppen östlich von der Aksa-Moschee. 
Die Moscheediener haben die Tradition, dies habe einmal an der Stelle der Holz- 
balustrade gestanden. Aber auch zur Zeit der Erbauung des Domes scheint hier 

ein hölzernes Gitter gewesen 
zu sein^ das die Kreuzfahrer 
entfernt haben. Mit diesen 
älteren Gitterbauten wird ein 
^- ' ' ' " i großer Teil der Löcher am 

Rande des Felsens (S. 126) zu- 
«/f/'' ^ t\ sammenhängen. 
/^ I 

8. Die Niveauverhältnisse. 

Der Fels erhebt sich 1.77 m 
über den nördlichen Fußboden 
der Rotunde. Dieser Fußboden 
liegt im Osten 3 cm tiefer, im 
Westen 12 cm höher als der 
Fußboden des Seitenschiffs, 
der seinerseits im Osten iSi/icm, 
im Westen 11 1/2 cm über dem 
Boden des Portals liegt. Der 
letztere liegt im Osten 7 cm, 
im Westen 2 1,2 cm über dem 
Pflaster der höheren Plattform 
des Hofes, des sahn des Heilig- 
tums. Somit liegt der Fußboden 
der Rotunde nach Osten zu 
2214 cm, nach Westen 26 cm 
über dem Pflaster der Platt- 
form, und die höchste Höhe des " Felsens über diesem kann auf 2 m angegeben 
werden. 

Die Plattform, auf welcher der Felsendom steht, ist nicht völlig eben, sondern 
im Norden nach den Messungen Warren's um 2—4 Fuß höher als im Süden. Sie 
liegt ihrerseits in der Mitte 13 Fuß 11 Zoll (= 4,24 m), nach unserer Messung am 
Nordrand der mittleren Westtreppe 4.83 m, über dem Niveau des großen Hofes 
nach Westen, und 24 Fuß 5 Zoll (= 7.44 m) über der Felsfläche desselben Hofes 
im Osten, 28 Fuß 5 Zoll (=11.70 m) über der Schwelle des Goldenen Tores. Die 




Abb. 84; Eingaug zur Höhle. Aufnahme von Zangaki. 



1) Le Strange, Palestine, S. 135 f. 

2) Ausg. V. Landberg, S. 65. 

3) Le Strange, a. a. O., S. 243. 



A. Die Gegenwart des Felsens. 133 

Felshöhen der Plattform, soweit man sie kennt, geben im allgemeinen ein ähnliches 
Bild, sie liegen fast überall 2—3 m unter der Fläche der Plattform. Clermont- 
Ganneau fand etwa 10 m östlich vom heiligen Felsen bei 57 cm Tiefe jungfräuliche 
rote Erde und bei qo cm Tiefe noch keinen Felseni. Nur im Westen des Felsens 
muß bei der Nähe eines 85 Fuß tiefer liegenden Talgrundes ein rascher Abfall 
angenommen werden. Gegen 40 m westlich .vom Felsen fand man den Felsboden 
erst 17% Fuß tief unter der Plattform^. Würde aller Erdboden abgeräumt, würde 
der Fels nicht nur 2, sondern 4 m über seine weitere Umgebung emporragen. Das 
ist schwerlich die natürliche Gestalt der hier von Südost nach Nordwest lang- 
sam ansteigenden Gipfelfläche des Höhenzugs gewesen, sondern die Folge einer 
Abtragung derselben, welche den Felsen isolierte. Es würde zunächst nichts 
dagegen sprechen, daß es die Moslems waren, welche bei der Erbauung des Domes 
dem von ihnen verehrten Felsen diese Stellung gaben. Indes bedarf es hier einer 
eingehenden Erörterung auch der weiter zurückliegenden Möglichkeiten, welche 
der nächste Abschnitt zu geben hat. 



B. Die Vergangenheit des Felsens. 

Die bisherige Untersuchung der Gestalt des Felsens hat folgendes Resultat 
ergeben. Der von Osten langsam ansteigende Fels, desen höchste Erhebung nord- 
südlich verläuft, ist im Süden, Westen und Norden so abgeschnitten worden, daß 
die im Norden und Süden zu erwartende Fortsetzung der Erhebung fehlt und der 
natürliche westliche Abfall durch eine Reihe von Stufen ersetzt ist. Diese künst- 
liche Formung des Felsens läßt sich schwerlich den Franken zuschreiben. Da- 
gegen könnte man allenfalls die Schnitte im Norden und Süden und am nördlichen 
Teil des äußersten Westrandes den Erbauern des Felsendomes zutrauen. Auch so 
blieben die oberen westlichen Stufen, sowie Rinne und Kanal im Norden uner- 
klärt und wären aus einer älteren Epoche herzuleiten. Ob diese ältere Zeit aber 
etwa auch für die vorhergenannten Schnitte verantwortlich gemacht werden kann, 
muß noch untersucht werden. Wir befragen zu diesem Ende zunächst die an dem 
Felsen haftende Tradition. 

I. Der Felsen als Fundament des Allerheiligsten. 
Wenn Omar nach der Einnahme Jerusalems im Jahre 636 dort unter Zuhilfe- 
nahme eines Juden den Betplatz Davids und den heiligen Felsen der Himmelfahrt 
Muhammeds suchte ^ und dabei im Koran nicht enthaltene Mitteilungen des Pro- 
pheten über diese Stätten als maßgebend betrachtete, wollte er offenbar im Ein- 
klänge mit den Andeutungen des Propheten die Stätte des jüdischen Heiligtums 
für den Islam in Anspruch nehmen. Ob Muhammed irgend eine genauere Vor- 

i) Arch. Res. I, S. 216. 

2) Nach einem von Schick in PI. IV von Warrens Tafeln zu Survey of Western Palestine, 
Jerusalem bei Zisterne IV eingezeichneten Hasse (2417 Fuß). 

3) Eine Zusammenstellung der alten Nachrichten darüber gibt Gildemeister ZDPV 1S90, S. i ff. 



134 



Der heilige Felsen von Jerusalem. 



Stellung davon hatte, was für ein Bauwerk der Fels einmal getragen habe, ist zweifel- 
haft. Später stand es den Moslems fest, daß der Felsendom die Stätte des Tem- 
pels Salomos einnehme. Die griechischen Pilger Daniel, Phokas, Perdikas, Epi- 
phanios bezeichnen den Felsendom als rä 'Ayia tcüv 'Ayicuv, während die La- 
teiner vom Templum Domini redeten. Eutychiusi bezeichnet es am Anfang des 
IG. Jahrhunderts als jüdische Meinung, daß der Fels die Stätte des Allcrheiligsten 
war. Aber erst in Jichus hä-Aböth (1537) finde ich das erste ausdrückliche jü- 
dische Zeugnis, daß der Fels des haram der ,, Gründungsstein" des Allcrheiligsten 
sei 2. In der Tat wird sowohl die moslemische als die christliche Tradition vom 
Felsen auf einer jüdischen Ansicht beruhen. Nach Hieronymus zu Matth. 24, 15 
befand sich zu seiner Zeit eine Reiterstatue Hadrians ,,in ipso sancto sanctorum 
loco", und zu Jes. 2, 9 redet derselbe von einer Jupiterstatue, die sich außerdem 
an derselben Stätte befunden haben muß. Der Pilger von Bordeaux hat nun um 
333 in der unmittelbaren Nähe von zwei Statuen Hadrians, von denen die eine die 
Jupiterstatue des Hieronymus gewesen sein wird, einen ,,lapis pertusus" gesehen, 
den die Juden „jährlich besuchen, ihn salben und dabei mit Weinen klagen und 
ihre Kleider zerreißen" 'l Dieser von den Juden verehrte ,, durchlochte Stein" 
kann doch nur der von Omar gesuchte und freigelegte heilige Fels sein. Er hieß 
„durcldücht", wohl hauptsächlich wegen der von oben zur Höhle hinuntergehen- 
den Öffnung, in welche jetzt die Treppe gelegt ist. Unmittelbar links von der Treppe 
steht der Fels an, über ihr und rechts läßt die nach Südosten sich fortsetzende 
Felsdecke eine etwa 3 m breite Lücke, in die man ehedem von oben hineingeblickt 
hat. Andere alte Löcher im Felsen sind die runde Vertiefung auf seiner Hoch- 
fläche, die Rinne und die Kanalöffnung im Norden, vielleicht auch — aber minder 
sicher (s. S. 1271.) — das Luftloch in der Decke der Höhle. Der Pilger sagt nichts von 
einem heidnischen Tempel, der hier gestanden hätte, die oben mitgeteilte Bemer- 
kung des Hieronymus schließt sogar aus, daß ein solcher sich an der Stätte des 
alten Tempels befand. Deshalb läßt sich bezweifeln, ob Dio Cassius mit vollem 
Recht von einem solchen redet. Die Münzbilder von Jerusalem, welche einen 
Tempelgiebel mit Jupiterstatue zeigen, könnten ebenso symbolischen Charakter 
haben wie die Barkochba-Münze mit einer Tempelfassade ohne Götterbild in einer 
Zeit, in der kein Tempelhaus existierte. Die an sich auffallende jüdische ^'erehrung 
des Steins durch Salbung, welche die Moslems nach alter Nachricht ursprünglich 
fortgesetzt haben*, wird an Jakobs Salbung des Steins von Bethel (i. M. 28, 18) 
anknüpfen, den die jüdische Volksphantasie in Jerusalem suchte (s. u.). 

Was für einen Stein die Juden in dem Felsen vor sich zu haben glaubten, er- 
zählt der Pilger von Bordeaux nicht. Aber man kann kaum daran zweifeln, daß 
es derjenige war, der ihnen durch die iMischna (Joma V 2) wohlbekannt war. Es 



1) Nach Gildemeister, a. a. O. , S. 5. 

2) Carmoly, Itineraires, S. 428. 

3) Geyer, Itinera, vgl. Eckardt, ZDPV igo6. S. 72 ff. 

4) S. Mugir ed-Din, S. 242; Sujüti bei Le Strange, Proc. R. As. Soc. XIX. S. 283. Man liat 
den Felsen wöchentlich zweimal, nach Sujüti täglich, mit kostbarer Salbe eingerieben und dann par- 
fümiert. 



B. Die Vergangenheit des Felsens. 135 

heißt da vom AUerheiligsten des Tempels: „Seitdem die Lade entfernt wurde, 
befand sich da ein Stein seit der Zeit der früheren Propheten [d. h. schon vor dem 
babylonischen Exil], und schetijä [Gründung] wurde er genannt, drei Finger hoch 
über dem Boden". Auf diesen Stein setzte der Hohepriester am Versöhnungstag 
seine Rcäucherpfanne, um dann vor ihm stehend die vorgeschriebenen Blutspren- 
gungen zu vollziehen. Er könnte eine bloße dahin gelegte Steinplatte gewesen 
sein, wenn nicht sein Name ,, Gründung" oder eigentlich ,, Stein der Gründung" 
ihn nach einem Ausspruche Jochanans (im 3. Jahrh.) als den Punkt bezeichnet luätte, 
„von dem aus die Welt gegründet wurde^". Chijja berief sich dafür auf Ps. 50,2: 
„Gott ließ von Zion erglänzen die Vollendung der Schönheit," was besagen soll, 
daß ,,dio Schönheit der Welt von dort aus vollendet wurde", und auf Jes. 28, 16: 
„Deshalb habe ich in Zion einen Grundstein gelegt"^. Das kann nur von einem Stein 
gelten, der ein Teil der Weltschöpfung ist, d. h. von einem natürlichen Felsen. 
An einen solchen denkt auch Judan aus Gallaja, wenn er Hiob 39, 27 „Felsspitze 
und Hoch warte" auf den ,, Gründungsstein" des AUerheiligsten deutet 3. Hierher 
gehört auch der Ausspruch in Tanchuma, Kedoschim 10, wo es heißt: ,,Das Land 
Israels befindet sich in der Mitte der Welt, und Jerusalem in der Mitte des Landes 
Israels, und das Heiligtum in der Mitte Jerusalems, und der Tempel in der Mitte 
des Heiligtums, und die Lade in der Mitte des Tempels, und der .Gründungsstein' 
ist vor der Lade*, von welchem aus die Welt gegründet wurde". Wie real die Welt- 
gründung von diesem Punkt aus gedacht war, sieht man daraus, daß gleich da- 
rauf berichtet wird, Salomo habe die Wurzeln oder Sehnen erkannt, welche von 
da aus in die Welt hinausgehen, und deshalb alle Arten Fruchtbäume mit Erfolg 
gepflanzt, z. B. Pfeffer an dem Strange, der zum Lande Kusch geht. Eine jüngere 
Tradition, welche den „Gründungsstein" in Beziehung zum Urmeere (tehöm) 
stellt und ihn zugleich mit dem heiligen Stein von Bethel kombiniert, findet sich 
Pirke Rabbi Eliezer Kap. 35». Da wird von Jakob, der auf dem Berge Moria« die 
Himmelsleiter im Traum gesehen haben soll, berichtet: „Und es wandte sich 
Jakob, um die Steine zu sammeln [auf die er nach i. M. 28, 11 sein Haupt zum 
Schlafe gelegt hatte] , und fand sie alle als Einen Stein und machte ihn zum Denk- 
mal in der Mitte des Ortes. Da fiel ihm öl vom Himmel und er goß es darauf. 

Was tat der Heilige, gebenedeit sei er? Er streckte seinen rechten Fuß aus, und 
es versank der Stein bis zu den Tiefen des Urmeeres, und er machte ihn zum Träger 
der Erde, wie ein Mensch, der einen Träger für ein Gewölbe macht. Deshalb wird 
er der .Gründungsstein' genannt. Er ist der Nabel des Landes, von da ist die 

i) j. Jörn. 42 c. Nach Tos. Jörn. III 6 stammt der Ausspruch von Jose (ben Chalaphta), nach 
b. Jom. 54b, Midr. z. Hld. 3, g aus einer Barajtha, ist also jedenfalls alt. 

2) j.Jom. 42 c, vgl. b. Jom. 54b. 

3) Vaj. R. 20, Pes. 171a, Pes. Rabb. 190a, Tanch. Achare 4, vgl. Luncz, Jerusalem V, S. 191 ff. 

4) So nach Ausg. Mantua 1563 und Jalkut Mechiri zu Ps. 50,1. Ausg. Buber hat die auf- 
fallende Lesart: ,,vor dem Tempel". 

5) Vgl. Midrasch und Jalkut Mechiri zu Ps. 91, 11. 

6) S. auch Ber. R. 68, Pirke R. Eliezer 35, J. I Gen. 28, 11. 22. Die Leiter stand entweder auf 
dem Tempelberg und hatte ihre Spitze über Bethel, oder sie hatte ihren Fuß in Beersaba und ihre 
Spitze über Moria. 



1^6 Der heilige Felsen von Jerusalem. 

ganze Erde ausgespannt, und auf ihm steht der Tempel Jahwes, und es fiel 

Jakob mit dem Angesicht zur Erde vor dem Gründungsstein und betete". 

Nach Pirke Rabbi Eliezer lo hatte Jona einst das Glück, diesen Stein in der 
Unterwelt zu sehen. Denn der Eisch ,, zeigte ihm den Gründnngsstein, befestigt 
in den Tiefen imter dem Tempelhause Jahwe 's, und die Söhne Korah's standen 
und beteten darauf." 

Später betonte man, daß der vierbnchstäbige Gottesname auf dem ,, Grün- 
dungsstein" eingegraben war. Nach Targum Jeruschalmi I zu 2 M. 28, 30 stand 
auf dem Gründungsstein, ,,mit welchem der Herr der Welt die Mündung des großen 
Urmeeres am Anfang versiegelt hat, der große und heilige Name, durch welchen 
die dreihundert Welten geschaffen wurden." Weil durch diesen Namen die Men- 
schen , .finden könnten, was am Ende der Tage bis in alle Ewigkeiten geschehen 
wird", hat Gott die Schrift auf dem Gründungsstein vor ihnen verborgen nach 
dem Targum zu I\oh. 3, 11. Jesus hat durch List dort eine I\opie genommen und 
dadurch seine Wimdermacht erhalten nach den Toledoth Jeschu^. 

Da der Gründungsstein die Stätte der Bundeslade bezeichnet, gilt die An- 
nalmie von Simon ben Lakisch, daß die Lade ,,an ihrem Ort" verborgen worden 
sei-, im Grunde jenem Stein, unter welchem eine Höhlung zu suchen ist. Eelsen- 
höhlen unter dem Tempelhaus ' werden wenigstens theoretisch vorausgesetzt in 
der Tosephta (Kelini, Baba bathra I 11). 

Die jüdischen Sagen vom Anfang der Schöpfung, der Weltenmitte und von 
Jakobs Schlaf hat der Islam mit dem Felsen übernommen^ imd teilweise auch auf 
die Christen vererbt (s. S. 123). Sie haben ihn für die Phantasie des Volks nüt 
dem Zauber eines Geheimnisses der Schöpfung umwoben, der vielleiclit auf man- 
chen Beschauer noch mehr wirkte, als die Erinnerung an den heiligen Dienst, der 
einst hier seinen Mittelpunkt hatte. Die Vermutung liegt nahe, daß der auf der 
Stätte des alten Tempels sichtbare wundersame Eelsen der eigentliche Ausgangs- 
punkt aller dieser Sagen war. Von diesem Felsen eben sagte man, daß er mit seinem 
obersten Teil in das Allerheiligste hineingeragt habe, daß nicht mu" das Tempel- 
haus auf ihm, sondern die ganze Welt von ihm aus gegründet worden sei. Eine 
spätere Umbildung der Sage versetzte ilm in die Unterwelt. 

Die traditionelle Meinung, daß der Felsen die Stätte des Allerheiligsten be- 
zeichne, haben Watson* und vor allem Conder^ noch jüngstens vertreten, ist aber 
von den meisten trotz ihrer alten Bezeugung als unhaltbar betrachtet worden. 
Das Allerheiligste war 20 Ellen, d. h. wenigstens 9, höchstens 11 m im Geviert. 
Der Fels mißt vom südlichen Ausschnitt bis zum nördlichen Abschnitt fast 12 m, 
also I — 3 m zu viel. Ein Lager für die Fundamente eines quadratischen Raumes, 
das der Fels auf allen Seiten aufweisen sollte, ist nicht vorhanden, und dies müßte 

i) Krauss, Das Leben Jesu nach jüdischen Quellen, S. 53, 93. 

2) j. Schek. 49c, Tos. Schek. II 18. 

3) Muglr ed-Din, S. 8. 202. 

4) PEFQ 1896, S. 47ff., 1910, S. 15 ff. 

5) The City of Jerusalem (1909), S. 55 und auf dem Plan zu S. 12S. 



B. Die Vergangenheit des Felsens. I37 

man doch voraussetzen, selbst wenn vom Felsen im Heiligtunie nur sehr wenig 
sichtbar gewesen wäre, wie die jüdische Tradition annimmt (s. auch S. 149). Dazu 
kommt, daß es kaum möglich ist, das Tempelhaus und den Raum für seine drei Höfe 
auf der Ostseite des Felsens innerhalb des haram unterzubringen. Nach denMaassen 
der Mischna würde dann der innerste Hof des Tempels bis zur jetzigen östlichen 
Grenze der Plattform gereicht haben, und der Frauenhof mit dem äußeren Hofe 
müßte in dem Raum zwischen ihr und der Ostmauer des haram mitergebracht 
werden, was wenigstens die von der Mischna angegebenen Raumverhältnisse 
nicht erlauben^. Ein unverhältnismäßig breiter Platz bliebe dabei auf der Rück- 
seite des Tempelhauses übrig. Es scheint doch, als müsse man dieses weiter west- 
lich ansetzen. Dann fällt der Fels auf die Ostseite des Tempelhauses und kommt 
in die Gegend des großen Brandopferaltars. Die Vermutung liegt nahe, daß dieser 
einmal über ihm gestanden hat. Sie wurde zum ersten Mal 1849 von Williams 
ausgesprochen^ und darf jetzt als die von den meisten vertretene Annahme gelten, 
obwohl es nicht an Theorien gefehlt hat, welche sowohl Tempelhaus als Altar 
vom Felsen abrücken und beides bedeutend südlicher ansetzen, so Barclay^ Berg- 
gren*, Rosen* und auch der neben Conder beste Kenner des Geländes, Warren*. 
Diese Theorien bedeuten einen Verzicht auf jede Erklärung des Felsens. Sie mah- 
nen gerade deshalb zu einer sorgsamen Untersuchung der soeben erwähnten Ver- 
mutung. 

2. Der Felsen als Fundament des Altars. 

Die allgemeinen lokalen Verhältnisse sind einer Ansetzimg des Altars über 
dem Felsen insofern nicht ungünstig, als die uns bekannten Zisternen der Um- 
gebung dann zu der von der Mischna beschriebenen Anordnung der Umgebung 
des innersten Hofes'' einigermaßen stimmen. Die große Zisterne (Nr. i nach War- 
rens Zählung) nördlich vom Felsen paßt zu dem ehemals nördlich vom Felsen 
befindlichen Schlachtplatz und Spülraum, die nordwestlich liegende Zisterne 
Nr. in zu dem in dieser Richtung liegenden Bad und Abort der Priester, und 
die Zisterne Nr. V im Südosten zu der ebenda zu suchenden Bassinkammer des 
inneren Tempelhofes. Verschwiegen soll aber nicht werden, daß die Ansetzung 
des Altars über dem Felsen zu ihrer Folge die nicht unbedenkliche Annahme hat, 
daß das Tempelhaus nirgends auf dem Felsen ruhte, und besonders im Westen 
gewaltiger Unterbauten bedurfte, daß der Raum zwischen dem Felsen und dem 
Westrand der oberen Terrasse des haram nur 53, 34 m beträgt, was für das 100 Ellen 
lange Tempelhaus mit einer Vortreppe von 19 oder 20 Ellen und einem Hinter- 



1) S. meinen Aufsatz „Der zweite Tempel zu Jerusalem, PJB 1909, S. 29 ff. und besonders den 
Plan S. 55. 

2) The holy City II, S. 340. 

3) The City and the great King (1857), S. 245. 

4) Bibel und Josephus (1862), S. 136. 

5) Das Haram von Jerusalem (1866), S. 45. 

6) The Recovery of Jerusalem (1871), S. 206, The Temple and the Tomb (1890), S. 154. vgl. 
den Plan bei S. 81. 

7) S. meinen Aufsatz ,,Der zweite Tempel zu Jerusalem" PJB 1909, S. 44 ff. 



128 Der heilige Felsen von Jerusalem. 

hof von II Ellen (so nach den Angaben des Mischna) knapp erscheint. Doch 
deutet die Mischna selbst an, daß der Raum eng war, wenn sie zwischen ihrer 
allerdings sehr breit bemessenen Tempeltreppe und dem Altar nur 2 oder 3 Ellen 
freiläßt. 

Der Altar des herodianischen Tempels war nach Josephus ein Quadrat von 
50 Ellen, nach der in den Zahlen glaubwürdigeren Mischna^ von 32 Ellen am Grunde, 
der vorherodianische Altar maß nach 2 Chr. 4, i und Hekatäus vonAbdera 20 Ellen, 
nach der Mischna, welche jene 20 Ellen nur auf den Herd des Altars bezog, 
am Grunde 28 Ellen. Der vorherodianische Altar stand auf der Basis des vorexi- 
lischen Altars (Esr. 3, 3), und dieser stammte wahrscheinlich aus dem Jahre 732 
und war ein Bauwerk des Königs Ahas nach damascenischem Muster (2 K. 16, 10 ff.) 
und, wie es scheint, in babylonischem Geschmack in Nachbildung der Stufenheilig- 
tümer Babyloniens. Vergleicht man damit die Maße des Felsens und geht dabei 
vom südlichen Ausschnitt und nördlichen Abschnitt aus, so erhält man eine Länge 
von fast 12 m, also etwa 24 Ellen. Das ließe sich mit dem vorherodianischen Altar 
vereinen, wenn man die 28 Ellen der jüdischen Tradition auf 24 Ellen herabmindert. 
Der sehr viel größere herodianische Altar, und wahrscheinlich auch seine Vorgänger, 
hatten ihren Aufgang, der nach der Mischna 16 Ellen breit war, vom Süden her. 
Auf dieser Seite hat auch der Fels einen durch den südlichen Ausschnitt herge- 
stellten Vorsprung. Der vom Westen dorthin laufende Felsabfall ist 5 m, also etwa 
IG Ellen lang. Das ergäbe für einen Altar mit einer Basis von 24 Ellen nur die 
Möglichkeit eines Aufstiegs von 4 Ellen Breite. Rechnet man aber die Altarecke 
erst von der zweiten Stufe ab, so blieben für die Altarseite bis zum Aufgang nur 
3!/^ m = 7 Ellen, und der Aufgang könnte 10 Ellen breit gewesen sein, was als 
genügend anzusehen ist. Die andere Altarecke hätte dann im Osten bis zur Um- 
fassung der Rotunde gereicht, und der ganze Fels hätte unter dem Altar gelegen. 
Nach der Mitteilung der Mischna wurde der Altar durch Ansätze von 4 Ellen (aller- 
dings an 28, nicht 24 Ellen) im Süden und Westen zu seiner späteren Größe ge- 
bracht. Das gäbe eine Möglichkeit, die erste westliche Stufe des Altars zu erklären, 
sie ist mit ihrem Abfall ungefähr 2 m, also in der Tat 4 Ellen breit. Alle diese Ar- 
beiten am Felsen stritten dann nicht gegen das Gesetz von 2. M. 20, 25, welches 
die Anwendung eiserner Werkzeuge beim Altarbau verbietet, wenn man die Zu- 
richtung des Fundaments für den Altar von seinem Aufbau schied. Bei dem Altar 
des Ahas nach heidnischem Muster wird man sich ohnedies um die israelitische 
religiöse Sitte nicht ängstlich gekümmert haben. 

Beinahe unabhängig wird man von den Maßen des Felsens, \Ncnn man seine 
zurechtgeschnittene westliche Hälfte als den bloßen Kern des Altars betrachtet, 
der sich dann in jeder Größe darüber denken ließ. Nach der mit den Angaben 
des Josephus stimmenden Darstellung der jüdischen Tradition wurde der Altar des 
letzten Tempels hergestellt, indem man hölzerne Rahmen von der erforderlichen 
Größe mit unbehauenen Steinen und Kalk füllte und nach dem Festwerden der 
Masse die Rahmen entfernte". Auf diese Weise fand man es möglich, einen Altar 



i) Midd. III, I ff. 2) b. Zob. 54a. 



B. Die Vergangenheit des Felsens. I39 

von dem Typus des Alias mit dem Gesetz von 2. M. 20, 25 in Einklang zu bringen. 
Innerhalb eines derartigen Altars hatte natürlich der Fels des haram hinreichen- 
den Platz. Die schriftgelehrte Meinung, daß der Altar nach 2. M. 20, 24 auf Erde 
stehen müsse, nicht auf Felsen oder über Höhlungen^, hat sicherlich die Priester- 
schaft jener Zeit nicht bestimmt. 

Der eherne Altar Salomo's, den Ahas nach Norden rücken ließ, damit er nicht 
zwischen dem neuen Altar und dem Tcmpelhaus stehe (2. K. 16, 14), hätte danach 
nicht an derselben Stelle wie sein neuer Altar gestanden, sondern weiter westlich. 
Als man nach Esr. 3, 3 den Altar nach dem Exil auf seiner alten Grundlage er- 
neuerte, wird es eben die Grundlage des Altars des Ahas gewesen sein, die jetzt 
als maßgebend galt. Ein eherner Altar konnte nicht allzu groß sein. Sein kupfernes, 
wohl mit Erde angefülltes Gehäuse haftete auch nicht am Boden und ließ sich 
leicht verrücken. Es hat mit den Abschnitten am Felsen jedenfalls nichts zu tun. 
Von ihm eine Erklärung der westlichen Stufen am Felsen zu entnehmen, ist auch 
deshalb unmöglich, weil seine ehernen Platten keine diesen Stufen irgendwie ent- 
sprechende Dicke haben konnten (vgl. oben S. 50). 

Kein Altar eines israelitischen Tempels konnte einer Vorrichtung entbehren, 
welche die imgeheuren Massen von Opferblut, die dort zu Zeiten auszuschütten 
waren, aufnahm und fortführte. Die jüdische Tradition gibt auch hinreichende 
Nachricht über die Maßnahmen zu diesem Zwecke bei dem Altar des letzten Heilig- 
tums. Nach dem Gesetz soll nicht nur Opferblut „gegen den Altar ringsum" ge- 
schwenkt werden (2. M. 29, 16; 3. M. i, 5; 3. 2. 13), sondern auch bei gewissen Opfern 
der Rest des Opferblutes nicht neben den Altar auf den Boden, sondern ,,an den 
Grund des Altars" ausgegossen werden (2 M. 29, 12; 3 M.4, 7 usw.). Damit beides 
geschehen könne, hatte der Altar des letzten Tempels an seinem Fuß eine um i Elle 
hervorstehende und hohe Basis, welche den Namen ,, Grund" (jesod) führte. Diese 
Basis umzog den Altar indes nur im Norden und Westen, während sie in die Süd- 
und Ostseite nur mit einer Elle hineinragte, d. h. so, daß sie dort um die beiden 
Ecken des Altarkörpers eine Elle weit umbog und dann aufhörte-. Daß Süd- und 
Ostseite keine hervorstehende Basis hatten, wird dadurch erklärt, daß an der 
Südostecke des Altars das Stammgebiet Benjamins, innerhalb dessen der Altar 
liegen sollte, an das Gebiet Judas grenzte». Das für den „Grund" des Altars be- 
stimmte Blut war nach bestimmter Scheidung entweder im Westen oder im Süden 
auszugießen*. Es lief auf der Basis hin nach zwei Löchern an der südwestlichen 
Ecke, um dort nach einem Kanal und dann weiterhin nach dem Kidrontal abzu- 
laufen. Es gab zwei Löcher, gewiß, damit das Blut jeder Altarseite gesondert 
abfließe und die Vereinigung erst im Kanal geschehe^. An der Südwestecke waren 
sie angebracht, weil das Blut die Altarseite, für welche es bestimmt war, nicht 

i) Mechiltha, Jithio ii,b. Zeb. 58a, 61 b f. 

2) Midd. III I, Tos. Zeb. VI 11. Daß es so gemeint war, erhellt daraus, daß nur dann die Blut- 
schwenkung ,,um" den Altar sich vollziehen ließ. 

3) b. Zeb. 53b. 

4) Midd. III 2, Jörn. V 6, Zeb. V 1—3, VI 8, Tos. Jom. IV 2, 

5) Vgl. die beiden Spendeschalen auf dem .\ltar, s. weiter unten. 



I^O Her heilige Felsen von Jerusalem. 

Überschreiten sollte. Daß die Basis auch die Nordostecke umfaßte, war wichtig, 
weil die Ausschwenkung des Bluts ,,um" den Altar mit zwei Güssen an der nord- 
östlichen xmd südwestlichen Ecke des Altars so geschehen sollte, daß es an beiden 
Stellen über zwei Altarseiten hinlieft. Endlich war noch von Bedeutung, daß nach 
rabbinischer Rechtsanschauung das mit dem Blut untauglicher Opfer versehentlich 
vermischte Blut tauglicher Opfer in den Blutkanal am Altar, also in eine besondere 
Öffnung des Kanals oder allenfalls unmittelbar in jenen Ablauf, zu schütten war^. 

Die Mischna sagt nicht, wie die Basis für das Hinlaufen des Bluts eingerichtet 
war. Aber bei Ezechiel 43, 13 sehen wir, daß der bei ihm der Basis des Altars ent- 
sprechende Hek einen Rand von der Höhe einer Handbreite hatte. Es war also 
auf ihm eine Rinne hergestellt, der es nicht an Fall nach den Abflußlöchern zu 
gefehlt haben kann. Man sollte denken, daß der unterirdische Ablauf sich oft 
verstopfte. Ein alter Ausspruch sagt aber;* ,,Das Blut ist anfänglich leicht, dann 
schwer, es vermengt sich im Kanal und rollt dann hinab zimi Kidrontal." In Wirk- 
lichkeit hat wohl das massenhafte Spülwasser des Schlachtplatzes, das in den- 
selben Kanal geleitet gewesen sein mag, jede drohende Stockung wieder aufge- 
hoben, wie es der Aristeasbrief (V. gi) schildert. 

In der Nähe des Blutablaufs gab es eine mit einer Rlarmorplatte geschlossene 
Öffnung von einer Elle im Quadrat, durch welche man in den unterirdischen Raum 
des sogenannten „Fundaments" (sehet) hinabsteigen konnte, um da Reinigungen 
vorzunehmen. Nach der Mischna befand sich diese Öffnung an der südwestlichen 
Ecke des Altars*. Anderwärts wird sie zwischen Tempel und Altar, also auf die 
Westseite des letzteren, gesetzt^, oder zwischen den Aufstieg zum Altar und ihn 
selbst, also auf seine Südseite**. Man wäre geneigt, hier an einen Vorraum des 
Blutkanals zu denken. Aber überall, wo wir Näheres über diesen ,, Fundament- 
raum" erfahren, wird er immer nur in Beziehung zu den Wein- und Wasserspenden 
auf der Höhe des Altars gesetzt. Man verglich ihn deshalb mit der Kufe einer Wein- 
kelter'. Das Blut fließt aus dem Bereiche des Heiligtums hinaus und kann sogar 
noch als Düngemittel für Gemüsegärten dienen. Die Wein- und Wasserspende 
geht dagegen von zwei Schalen auf der Höhe des Altars* durch einen Kanal in 
diesen unterirdischen Raum hinab, um da zu bleiben. Selbst die Ansätze vom 
Wein, die dort zuweilen wie Feigenkuchen hingen, wurden nach ihrer Entfernung 
nicht benutzt, sondern ,.in Heiligkeit" verbrannt*, obwohl man die Ansicht hatte, 
daß die Spenden, sobald sie nach dem Fundamentraum gelangt sind, ihren Zweck 

1) Tarn. IV I, Zcb. V 4, Tos. Zeb. VI 12, b. Zfb. 53b. 

2) Zeb. VIII 7—9, To.s. Ztb. VIII ig— 21. 

3) Tos. Meila I 16. 

4) Midd. III 3. 

5) Tos. Sukk. III 15, Mtila I 16, j. Sukk. 54 d. 

6) b. Sukk. 49a, Mcilaiil). Uen Zwisclicnraiim zwischen Aufstieg und Altar betont b. Zcb. 
62 b, 104 a. 

7) Tos. Meila I i6, j. Sukk. 54d. 

8) Sukk. IV 9, Tos. Sukk. III 14. 
g) ). Sukk. 54d. 



B. Die Vergangenheit des Felsens. 14I 

erfüllt haben, und nachher nicht mehr „veruntreut" werden könneni. Der Name 
des Raumes besagt jedenfalls, daß man ihn in dem den Altar tragenden Felsen, 
somit unter dem Altar 7x\ suchen hat. 

Die jüdische Tradition berichtet also von einem Altar, der im Westen und 
Norden von einer Rinne umzogen war, die im Südwesten in einen Kanal mündete, 
und von einem davon unabhängigen unterirdischen Raum mit Zugang vom Westen 
oder Süden, in welchen auf der Südwestseite des Altars Spenden ablaufen konnten. 
Der heutige Befund am Felsen zeigt zweifellos Dinge, welche an diese in der Mischna 
beschriebenen Vorrichtungen erinnern. Es gibt an ihm eine von oben herab einem 
Kanal zulaufende Rinne und unter ihm eine Höhle, die keine Beziehung zu jenem 
Kanal zu haben scheint. Aber die Rinne ist statt im Südwesten des Felsens im 
Nordwesten, und die Höhle hat ihren Eingang und ihre Deckenöffnung im Süd- 
osten statt in der Nähe des Ablaufs. Bei Schick^ findet sich die auffallende, von 
Mommert^ übernommene Angabe: drei Ellen von der Südostecke des Altars habe 
sich auf demselben eine runde Öffnung befunden, durch welche man Unreinig- 
keiten in eine unter dem Altar befindliche Senkgrube warf, zu- der außerdem öst- 
lich vom Altaraufgang eine Treppe hinabführte. Schick erkennt in der runden 
Öffnung das Luftloch der Höhle, in der Senkgrube die Höhle selbst. Aber die ganze 
Mitteilung beruht auf verworrenen, durch freie Erfindung ergänzten Erinnerungen 
an Aussagen über eine Nische an der Westseite des Aufgangs*, die Schick 
offenbar von einem Unkundigen zugetragen wurden, der ihm gefällig sein wollte. 
Die Abweichungen der rabbinischen Angaben von dem heutigen Befunde sind 
nicht zu leugnen. Sie sind auch nicht ohne weiteres durch die Annahme zu be- 
seitigen, daß die Erinnerung der Rabbinen unzuverlässig gewesen sei, weil die 
Ansetzung des Blutablaufs im Südwesten bei ihnen damit zusammenhängt, daß 
das Ausschütten des Bluts von ihnen auf die Süd- und Westseite beschränkt wird. 
Dies wieder ist durch ihre ganze Vorstellung vom Vollzuge der Opfer bestimmt, 
bei dem der Priester am Schlüsse des Opferaktes eben diese Altarseiten am nächsten 
hat. Möglich wäre aber, daß die Annahme von zwei gesonderten Abflußlöchern 
auf einer theoretischen Spitzfindigkeit beruhte, und dann würde die Blutrinne am 
ehesten ihren Ablauf da haben, wo die beiden damit versehenen Altarseiten zu- 
sammenstießen, also im Nordwesten, wo wir gegenwärtig tatsächlich eine derartige 
Vorrichtung sehen. Daß die Höhle jetzt ihren Zugang vom Südosten her hat, ist 
wenig bedenkUch, weil die Tradition in der Ansetzung des Zugangs zum unter- 
irdischen Raum selbst schwankt. Ihr ursprünglicher Zugang könnte sogar hinter 
der im Süden dem Felsen vorgesetzten Mauer verborgen sein und mit der Nische auf 
der linken Seite der Höhle zusammenhängen (vgl. S. 116). Dann wäre die rabbi- 
nische Tradition an diesem Punkte gerechtfertigt. Die Spendeschalen des Altars 
müssen allerdings nahe der Südwestecke des Altars gesucht werden, weil der spen- 
dende Priester sich doch gewiß nach Ersteigung des Altars tempelwärts, also nach 

1) Meiila III 3. 

2) Die Stiftshütte, der Tempel usw., S. 113 f. 

3) Topographie des alten Jerusalem II, S. 152 ff. 

4) Das Richtige s. PJB 1909, S. 44, Anin. 4. 



j^2 Der heilige Felsen von Jerusalem. 

Westen, wandte. Das im Osten befindliche Deckenloch der Höhle will dazu nicht 
passen, und die runde Vertiefung auf der Hochfläche des Felsens, die eine Be- 
ziehung zur Höhle haben könnte (S. I23f.), liegt für den in Frage stehenden Zweck zu 
weit nach Norden. Übrigens lehrt die rabbinische Tradition die Benutzung jener 
Spendeschalen ausdrücklich nur für die Wein- und Wasserspende des Laubhütten- 
festes, und Maimonides meinte deshalb, daß die gewöhnlichen W^einspenden auf die 
Basis des Altars geschehen seien, wie es auch Jesus Sirach 50, 15 (fehlt im hebr. 
Text) geschildert hat. Sieht man von den Spendeschalen, die sehr nach einer 
gesetzesgelehrten Subtilität aussehen, ab, so bleibt nur der „Fundamentsraum" der 
Tradition übrig, dessen Beziehung zu den Spenden dann ungewiß ist. 

Es ist sicherlich bemerkenswert, daß der heilige Felsen an der Westseite eine 
Vorstufe und an der Nordseite eine Verlängerung zeigt, welche der Rest einer 
solchen sein könnte. Es ist nicht ausgeschlossen, daß man Wert darauf legte, 
daß das Opferblut auf den Felsgrund des Altars gegossen wurde, und daß der 
Altar nur deshalb auf zwei Seiten mit der Grundrinne versehen war, weil sie 
allein hier über Fetsen laufen konnte. Die jetzige zweite Weststufe des Felsens 
ließe sich allenfalls als Basis der darauf gesetzten, aber jetzt verschwundenen 
Blntrinne ansehen. Ihr Anfang am Südende der Westseite (S. 114) würde dann 
damit zusammenhängen, daß der jesod des Altars auf seiner Südseite fehlte. Von 
den beiden darüberliegenden Absätzen könnte man etwa sagen, daß sie für die 
Auflagerung des aus Kalk und Steinen zusammengebackenen Altarkörpers Vorteile 
boten. Indes die Unsicherheit dieser Vermutungen ist nicht zu übersehen. Natür- 
licher erscheint immer die Annahme, daß hier Stufen hergestellt werden sollten, 
die vielleicht nur ornamentaler Natur waren. 

Kittel hat gemeint 1, David habe hier hinter seinem Altar eine Art Terrasse 
hergestellt, ohne klar zu machen, wozu sie dienen sollte. Als zweite Möglichkeit 
schlägt er vor, daß schon in der Jebusiterzeit die große Stufe etwa dazu gedient 
hätte, der Mitte des Felsens näher zu kommen. Aber er selbst findet sie recht 
rätselhaft und würde ihr so hohes Alter nicht beimessen, wenn er nicht die runden 
Löcher am Westrande für Requisiten des primitiven Felsaltars der vorisraelitischen 
Zeit hielte. Unsere Untersuchungen ergaben für diese Löcher eine andere Er- 
klärung, auch sind eigentliche Napflöcher, wie Kittel sie vermutet, auf dem 
Felsen nicht vorhanden. Seine einzige uralte Eigentümlichkeit ist, daß er eine 
Höhle unter sich hat. Aber das will in diesem höhlenreichen Kalkgebirge wenig 
sagen. Es reicht nicht einmal zu dem Beweise hin, daß genau hier sich Aravna's 
Tenne befand, der die Höhle als Zisterne^ oder Speicher^ gedient haben soll, da 
die Tenne ja doch in keinem Falle sich auf der schrägen Oberfläche des jetzt sicht- 
baren Felsens befand und Höhlen nicht notwendig Tennen neben sich haben. Da- 
mit soll die Möglichkeit, daß dennoch dort schon vor Davids Zeit eine Opferstätte 
war, nicht ausgeschlossen werden, obwolil der liiblische Bericht davon nichts weiß. 



i) Studien, S. 49, vgl. 42. 

2) Schick, Die Stiftsliiitte usw., S. 58. 

3) Conder, The City of Jerusalem, S. 56. 



B. Die Vergangenheit des Felsens. I^j 

Der heilige Felsen der Samaritaner auf dem Garizzim ist öfters als 
Parallele zum Felsen der Juden in Jerusalem angesprochen worden. Man sieht 
da eine über ihre ziemlich ebene Umgebung sich nicht erhebende Felsplatte, welche 
von den Spuren einer Mauer, die ein ganz unregelmäßiges Sechseck bildet, ein- 
gefaßt ist. Auf der Platte befindet sich nach Südosten zu eine kleine Schalen- 
vertiefung von 33 cm Durchmesser und ii cm Tiefe und nach Nordosten zu ein 
ganz kleines Schälchen von etwa einem Drittel der Größe der vorigen. Beide können 
auf natürliche Weise entstanden sein. Die Platte, an welcher keine künstliche 
Ebnung erkennbar ist, fällt nach Westen zu nicht unwesentlich ab und endet hier 
an einem nicht sehr breiten Spalt, bei welchem eine Höhle beginnt, die aber nicht 
unter die Platte hineingeht, sondern von ihr ab sich in westlicher Richtung aus- 
dehnt. Verschüttung macht es unmöglich, ihre Größe festzustellen. Gegen die 
Meinung der Samaritaner, welche den Felsen nicht betreten, daß hier ihr einstiges 
Heiligtum gewesen sei, erheben sich aber ernstliche Bedenken. Man erwartet dies 
Heüigtum auf dem eigentlichen Gipfel des Berges, wo die Christen nach der Zer- 
störung desselben eine Kirche bauten und wo die Reste einer alten Umfassungs- 
mauer aus großen Steinen noch immer sichtbar sind. Der Felsen liegt aber südlich 
davon auf einer mit flachliegenden Trümmern kleiner Gebäude vielfach bedeckten 
ebenen Fläche, die durch nichts ausgezeichnet ist. Reste eines Heiligtums, wie 
es für die römische Zeit vorauszusetzen wäre, sind hier nicht zu erkennen. Dagegen 
fällt auf, daß nicht weit vom heiligen Felsen in nördlicher Richtung sich eine ganz 
ähnliche Felsplatte befindet, die auch nach Westen abfällt und mit einer Höhle 
verbunden ist. Der Augenschein spricht dafür, daß man hier wie dort von der 
Felsfläche Erde und Steine abgeräumt hat, um sie als Wassersammler für die als 
Zisterne dienende Höhle brauchbar zu machen. Die Schalen des heiligen Felsens 
gehören zu den bei Zisternen oft vorkommenden Felsnäpfen und wären jedenfalls 
zum Auffangen des Opferblutes nicht zu verwenden gewesen. Aller Wahrschein- 
lichkeit nach haben die Samaritaner erst nach dem Vorbilde des Felsens von Jeru- 
salem ihren heiligen Felsen gesucht und ,, entdeckt". Über die Art einer antiken 
Opferstätte läßt sich hier nichts Zuverlässiges lernen. 

Von größerer Bedeutung ist die Vergleichung der einzigen bisher sicher be- 
kannten Felsheiligtümer in Palästina, nämlich der von Petra. Hier wären 
besonders die Altäre heranzuziehen, bei denen Felskuppen oder kleinere Fels- 
erhöhungen seitlich so zurechtgehauen sind, daß sie wenigstens in einer Richtung 
eine altarähnliche Gestalt haben (s. S. 34 u. Petra, S. 79 f.). Wenn man danach den 
Felsen von Jerusalem beurteilt, ließe sich annehmen, daß seine Schnitte im Norden 
und Süden, vor allem aber wenigstens seine oberen Weststufen, die Gottheitsstätte 
des Felsens isolieren sollten, unter der Voraussetzung, daß man von Westen an 
sie heranzutreten pflegte, was allerdings zur Orientierung des Tempels und der 
Stiftshütte im Gegensatz stand, aber die kultische Sitte der Nabatäer sicher erlaubt 
hätte. Nach 2. S. 24, 16. 25 errichtete David seinen Altar, der vielleicht nur 
ein Haufen roher Steine war, im Einklang mit 2. M. 20, 24 an der Stätte, welche 
durch die Erscheinung des Engels Jahwes als eine Offenbarungsstätte der Gottheit 
gekennzeichnet wurde. Es wäre denkbar, daß er ihre Umgebung ein wenig her- 



j . . Der heilige Felsen von Jerisalem. 

gerichtet hätte, um die Bedeutung des geheiligten Ortes kenntlich zu machen, 
vielleicht auch, um zugleich einen Raum für die Opfermahlsstätte herzurichten, 
der ja nicht immer, wie es wohl i. S. g, 22 gemeint ist, überdacht gewesen sein wird. 
Das eigentliche ,,Bethel" war hier der Felsen, und die Erinnerung daran konnte 
die Veranlassung seiner Erhaltung werden. Die spätjüdische Betraclitung des 
Felsens als den Stein des Jakobstraumes (siehe oben, S. 135 f.) war in jedem Fall 
auf richtiger Fährte. 

Auch die Stätte des Altars hatte ihre Sagen. War die Erde vom Gründungs- 
stein des Allerheiligsten aus geschaffen, so nahm Gott vom Orte des Altars soviel 
als einen Kochlöffel Erde und schuf damit den ersten Menschen, damit er Bestand 
habei. Hier hatte' schon Adam seinen Altar, auf welchem Kain und Abel opferten. 
Noah errichtete ihn aufs neue nach der Sintflut, Abraham für die Opferung Isaaksv 
Der Fundamentraum, in welchen die Altarspenden hinabflössen, erstreckte sich 
hinab bis zum Urmeere (tehöm), und war nach anderer Meinung ein besonderes 
Werk Gottes, aber künstlich geformt wie Menschenwerk 3. Die dort hinabfließen- 
den Spenden wurden da verschlungen, weil nach 4. M. 28,7 die Spende im Heilig- 
tum zu spenden ist als „Rauschtrank für Jahwe" und daher nie wieder in Menschen- 
hände kommen darf*. Die Tosephta betont dabei, daß nur der Kanal, durch wel- 
chen die Spenden nach dem Fundamentraum flössen, aber nicht dieser selbst, 
Menschenwerk war. Im babylonischen Talmud wird aber der Fundamentraum 
selbst wie zwei Kanäle gedacht, die zum Urmeere hinablaufen, und deshalb von 
„Fundamenten" (schittin) in der Mehrzahl geredet. Sie sind schon in den sechs 
Tagen der Schöpfung entstanden^. Als David diese Kanäle grub, quoll das Ur- 
wasser hervor und wollte die Welt überschwemmen, da sprach David die fünfzehn 
Stufenlieder und ließ es zurückgehen«. Dieselbe Sage wird im palästinischen 
Talmud auf die Gründung des gesamten Heiligtums angewandt. Hier lautet sie': 
,,Als David den Grund des Heiligtums graben wollte, grub er 1500 Ellen, ohne 
auf das Urmeer zu treffen. Aber zuletzt fand er einen Napf und wollte ihn weg- 
werfen. Dieser sagte zu ihm: Du kannst es nicht. Er erwiderte: Weshalb denn? und 
erhielt die Antwort: Ich bin^ über das Urmeer gedeckt. David fragte ihn: Seit 
wann bist du hier? Er sagte: Seit der Zeit, da ich die Stimme des Barmherzigen 
vom Sinai hörte: Ich bin Jahwe, dein Gott! Da bebte die Erde und drohte zu 
versinken, und ich wurde über das Urmeer gedeckt. Trotzdem hörte David nicht 
auf ilm. Als er ihn wegwarf, stieg das Urmeer empor und wollte die Welt über- 
schwemmen. Und es stand Ahitophel dabei und sagte: Jetzt kommt David um, 



1) j. Naz. 56b. 

2) Ber. R. 34, Pirke R. Eliezer 23, 31, Targ. Jer. I Gen. 8,20; 22,9. 

3) j. Sukk, 54d, Tos. Sukk. III 15. 

4) Tos. Sukk. III, 14, 15. 

5) b. Sukk. 49 a. 

6) b. Sukk. 53a, Jalk. Scliim. u. Jlcchiri zu Ps. 120, I. 

7) j. Sanli. 29a. 

8) Eigentlich: er ist. Der Napf redet von sich stets in der dritten Person, vgl. Dalman, Worte 
Jesu I, S. 204 f., Gramm, des Jüd.-Pal. Aramäisch-, S. 108. 



B. Die Vergangenheit des Felsens. 



145 



und ich werde König. David aber sprach : Wer weise ist, daß er verstehe, es zu ent- 
fernen, und tut es nicht, soll erwürgt werden ! Da sagte er (Ahitophel) etwas Ge- 
wisses und entfernte es. David aber begann damals ein Lied zu sagen, ein Lied 
der Aufstiege — je ein Lied für hundert Aufstiege; d. h. für je 100 Ellen (welche 
das Urmeer aufgestiegen war) sagte er ein Lied"i. Ein Nachhall aller dieser Sagen 
ist die an Gott gerichtete Klage^: ,,Wenn wider den Gründungsstein (des Aller- 
heiligsten), von dem aus die Welt gegründet wurde, Gottlose auftreten und ihn zer- 
stören, was für Nutzen hast du, Gerechter der Welt, von deinem Werk ? und wenn 
die Fundamentkanäle (schittin), die seit alters über dem Urmeer sind, von Gott- 
losen zerstört werden, was für ein Werk hast du getan?" 

Die Sagen, welche dem ,,eben schetijä", dem Gründungsstein des Allerheiligsten, 
und die, welche dem sehet oder den schittin des Altars gelten, lassen sich nicht trennen. 
Sie haben den auf dem Tempelplatz bis heute sichtbaren Felsen schon in sehr alten 
Zeiten umwoben und könnten mit ihren Wurzeln bis in die Zeit vor der Zerstörung 
des Tempels zurückreichen. Selbst wenn der Fels in der Zeit des römischen Jeru- 
salem keine weitere Ausdehnung nach Westen zu gehabt haben sollte, blieb er 
der einzige sichtbare Zeuge von dem zerstörten Tempel. Es war verständlich, 
wenn die Einen mit ihm den Gedanken an das AUerheiligste verknüpften, 
während die Anderen bei seiner Höhle an den Altar dachten. Der Fels, ein 
Grundstein der Weltschöpfung, die Höhle ein Schlund, der zumUrmeere hinabführt, 
das war es, was man da schaute. Grollend und kulturfeindlich lauert das Chaos 
unter der Höhle. Wer ihren Boden durchbricht, beschwört den Weltuntergang herauf. 
In der Seelenhöhle und dem Seelenbrunnen der moslemischen Sage lebt das Grauen 
vor einer unter dem Felsen befindlichen Öffnung zur Unterwelt noch immer fort 
und verhindert jede durchgreifende Untersuchung. 

3. Der Felsen im Verhältnis zu seiner früheren Umgebung. 

Es ist S. 132 festgestellt worden, daß der heilige Felsen jetzt etwa 2 m über den 
Grund seiner Umgebung emporragt. Dies ist eine befremdliche Tatsache, die der 
Erklärung bedarf. Man würde erwarten, daß an einem Ort so alter Bebaiumg der 
Fels nur unter tiefen Schuttmassen zutage trete. Wenn er schon in alter Zeit alles 
andere überragte, wundert man sich, daß er nicht irgendwelcher Nivellierung des 
Platzes zum Opfer fiel, und man hat Anlaß zu der Frage, warum er überhaupt 
in dieser seltsamen Weise isoliert wurde. 

i,r Die Geschichte gibt für das Freiliegen des Felsens hinreichende Erklärung 
durch den Hinweis auf die wiederholten gründlichen Aufräumungen, die hier statt- 
hatten. Zuletzt haben die Araber unter Omars Leitung die großen Schuttmassen 
weggeräumt, welche sie über dem Felsen vorfanden und die sie der Bosheit der 



i) Etwas anders werden die Aufstiegslieder b. Sukk. 53 a f. motiviert. Das Urmeer versank bis 
auf 16 000 Ellen. Weil es aber zur Befeuchtung der Erde nötig ist, ließ David es durch 1 5 Lieder wieder 
um 1 5 000 Ellen emporsteigen. 

2) Midr. Teh. zu Ps. 11,2; vgl. Jalk. Schim. und Mcchüi zur gleichen Stelle. 
Dalman, Neue Petra-Forschungen. 10 



Ia6 Der heilige Felsen von Jerusalem. 

Christen zuschrieben^. Der Felsendom wurde dann nicht auf Schutt, sondern auf 
festen Grund gesetzt. Vorher hatten die Juden unter Kaiser Julian zum Erstaunen 
der Christen die Fundamente ihres alten Tempels selbst entfernt, um einen neuen zu 
bauen, wahrscheinlich, weil sie die alten Steine als durch Götzendienst verun- 
reinigt betrachteten (vgl. i. Makk. 4, 46)-. Die Römer haben unter Hadrian die 
ganze Fläche aufgeräumt, als sie die vom Chronicon Paschale erwähnte Kodra und 
das Dodekapylon, , .welches früher ,die Stufen' hieß," d. h. doch wohl die viereckige 
Plattform und den zwölftorigen Platz, der sie umgibt, herstellten. Der Jude Tan- 
chuma klagte über eine Zerstreuung der Steine des Heiligtums durch den ver- 
fluchten Hadrian^. Vor diesem war esHerodes, der bei seinem Neubau des Tem- 
pelhauses die älteren Fundamente entfernte und also bis auf den Grund des Baues 
hinunterging*. Josephus behauptet, der herodianische Tempel habe sich später um 
20 Ellen in den Fundamenten gesenkt, weshalb die Juden zu Neros Zeit ihn wieder 
um so viel erhöhen wollten''. Wenn die Senkung keine bloße Fiktion war, welche 
die Römer über die geplante Erhöhung des Tempels täuschen sollte, kann doch 
nur die Wahrheit dahinter liegen, daß Herodes sich genötigt sah, das Niveau seines 
Tempels tiefer als vorher zu legen, weil er den Baugrund nicht sicher oder zu klein 
fand. 

Nach dem babylonischen E.xil haben die Juden nach Esr. 3, 3 den Altar auf 
den alten Fundamenten errichtet. Daraus darf man für den von ihnen neu 
erbauten Tempel das Gleiche entnehmen. Es muß auch damals Wegräumung des 
Schuttes stattgehabt haben. Man ist bei der Errichtung neuer Heiligtümer stets 
bis auf den Grund gegangen, wie es auch die Babylonier taten, und hat so dafür 
gesorgt, daß hier auf dem Osthügel Jerusalems die Schuttmassen niemals dauernd 
liegen blieben. 

Damit ist die Isolierung und Erhaltung des Felsens auf der Stätte des alten 
Heiligtums noch nicht aufgeklärt. Zunächst ist ja zweifellos, daß die Plattform 
des haram ihre jetzige Gestalt den Arabern verdankt, die über der Stätte der 
Himmelfahrt Muhammeds ihren Dom errichteten. Sie hatten das Interesse, den 
Felsen, dessen Heiligkeitscharakter ihnen wie den Juden feststand, möglichst frei- 
zulegen. Er sollte in ähnlicher Weise den Mittelpunkt ihres neuen Heiligtums bilden 
wie die ka'aba in Mekka. Wenn schon damals die Höhle des Felsens ihnen der Bet- 
platz Abrahams, Davids und Salomos war, kann man vermuten, daß es ihnen 
hauptsächlich darauf ankam, diese Grotte mit ihrer Felsendecke unverletzt zu er- 
halten. Die von ihnen übernommenen jüdischen Sagen von der Weltenmittc und 
der Öffnung zur Unterwelt (s. oben) mußten die Ehrfurcht vor dem Grundfelsen 
des alten Heiligtums noch verstärken. Es wäre denkbar, daß die Moslems, um 
dem Felsen eine alles überragende Stellung zu geben, den umgebenden Platz 



i) S. Gildemeister, ZDPV 1890, S. i ff. 

2) Couret, La Palcstine sous les Empercurs Grecs, S. 69. 

3) Deb. R. 3. 

4) Josephus, Antt. XV 11,3. 

5) Antt. XV 11,3, Bell. Jud. V 1,5. 



B. Die Vergangenheit des Felsens. IA? 

tieferlegten. Die Juden würden durch ihre Aufräumung desselben dem schon vor- 
gearbeitet haben. Eine ähnliche Arbeit hatten die Christen bei der Erbauung der 
Anastasis und des Martyrions auf Golgatha ausgeführt. Sie hatten den Fels her- 
untergeschnitten, um ihrem Doppelbau eine ebene Basis und zugleich dem Fels 
mit der Grabhöhle und dem denkmalartig stehengelassenen Würfel des Golgatha- 
hügels eine alles überragende Stellung zu verleihen. Es wäre völlig unbefremdlich, 
wenn die Moslems ein gleiches getan hätten. Man gab dort dem Grabfelsen die 
Form eines Omphalos, dem Golgathafelsen die Form eines Würfels. Die Moslems 
verfuhren sehr viel pietätvoller, wenn sie dem Felsen über der Höhle soviel als 
möglich seine natürliche Gestalt beließen und ihn nur soweit beschnitten, als es 
seine Stellung imDome notwendig machte. Die große Weststufe des Felsens (S. 112) 
müssen sie freilich wohl schon vorgefunden haben, weil sie die Richtlinien des 
Domes bestimmte und weil sie doch wohl dem Felsen sonst hier wie im Osten eine 
runde Form verliehen haben würden. Sieht man sich veranlaßt, dies zuzugeben, 
so kann man die Frage nicht unterdrücken, ob dann nicht auch die Nord- und 
Südschnitte am Felsen alt sein könnten und also die Isolierung des Felsens eine 
von den Moslems schon vorgefundene Tatsache gewesen wäre, selbst wenn die 
Tiefe riegung des umgebenden Platzes ihnen zugeschrieben werden müßte. 

Die Römer haben zweifelsohne den Platz der Tempelruine geebnet. Wenn man 
den Frauenhof im Bereich der jetzigen oberen Terrasse des haram annimmt^, wie 
es bei Ansetzung des Altars über dem Felsen nötig wird, muß es sogar als wahr- 
scheinlich gelten, daß sie für ihre Kodra das Niveau zwischen dem innersten Hof 
und dem Frauenhofe ausglichen. Es wäre denkbar, daß sie dabei den etwa aus den 
Ruinen des Altars hervorgetretenen Felsen als Denkmal des alten Heiligtums und aus 
Rücksicht auf den daran geknüpften Volksglauben stehen ließen. Und zwar scheint 
eine derartige Erhaltung des Felsens eher glaublich, als eine erst von den Römern 
bei Tieferlegung des Niveaus des ehemaligen inneren Hofes ausgeführte Isolierung 
desselben. 

Im ersteren Fall müßte schon Herodes es notwendig gefunden haben, bei der 
vielleicht ihm zuzuschreibenden Erniedrigung der innersten Hoffläche (s. oben) 
den Altar von dem bis dahin in der ungefähren Höhe des Pflasters erhaltenen 
Gipfel des Tempelberges nicht zu lösen und einen entsprechenden Teil des Felsens 
in den Altar einzubeziehen. Hier könnte der Gedanke nachgewirkt haben, daß 
die Bergeshöhe, über welcher Gottes Engel stand (2 S. 24, 16) und die Davids Altar 
trug (2 S. 24, 25), unverletzlich sei. S. auch S. VI. 

Für die nachexilische Zeit haben wir keinen Anhalt für eine Niveauänderung, 
welche die jetzige Formung des Felsens veranlaßte. Daß der Altar Salomos sie nicht 
erklären kann, war S. 139 ausgeführt. Der Tempelbau dieses Königs, für den 
die Felsfläche des Berges herzurichten war, konnte deshalb dafür keine Veran- 
lassung geben. Daß dagegen David möglicherweise für Arbeiten an Felsen ver- 
antwortlich gemacht werden kann, hat sich S. 143!. ergeben. 



i) Die Masse der Mischna stimmen hier, wenn man keinen Raum für die Tor bauten einschaltet, 
ziemlich genau zu dem zur Verfügung stehenden Raum. 

10* 



jj^3 Der heilige Felsen von Jerusalem. 

In diesem Zusammenhang ist es nicht ohne Bedeutung, die Höhenverhält- 
nisse der Höfe des letzten jüdischen Tempels mit der Gegenwart zu vergleichen. 
Ein klares Bild über das Aufsteigen des Niveaus des Tempels von Osten her gibt 
die Mischna (Middoth H 3, 5, 6). Der Frauenhof liegt 6 Ellen über dem äußeren 
Hof, 7I2 Ellen über jenem der innere Hof, noch 2 14 Ellen höher der Priesterhof, 
6 Ellen höher als dieser das Tempelhaus, dessen Fußboden somit 22 Ellen (= ca. 11 m) 
über dem Boden des äußeren Hofes liegt. Diese Zahlen sollten vielleicht noch um 
2 1/2 Ellen gekürzt werden, weil die Mischna selbst zweifelhaft macht, ob die von 
ihr angesetzte Höhe des Priesterhofs über dem inneren Hof zutrifft^. Dann blieben 
nur 19I.7 Ellen (= ca. 9,75 m), d. h. iß^^ Ellen für den Höhenunterschied des 
inneren und äußeren Hofes, übrig. Josephus^ steht hier der Darstellung der 
Mischna nahe. Er gibt als die Höhe des inneren Heiligtums über dem äußeren 
15 Ellen an, in welche wahrscheinlich die Stufen vom Frauenhof zum inneren Hof 
einzurechnen sind. Dazu kommen dann noch 12 Stufen, also wohl 6 Ellen, bis zum 
Fußboden des Tempelhauses, was im ganzen 21 Ellen ergibt. Danach wird man 
sagen dürfen, daß es sich um einen Höhenunterschied von etwa 10 m handelt. 
Dazu stimmt es, wenn zwischen dem höchsten Punkt des heiligen Felsens und der 
Felsfläche im östlichen haram, welche vielleicht dem Niveau des ehemaligen äußeren 
Hofes entspricht, 9,44 m gemessen werden. Der heilige Felsen würde danach das 
Niveau des Tempelhauses erreichen. Dagegen würde er den inneren Hof des Heilig- 
tums, der 6 Ellen tiefer lag, um etwa 3 m überragt haben, d. h. um i m mehr, als 
er sich jetzt über die höhere Plattform des haram erhebt. 

Der Höhenunterschied zwischen dem Frauenhof und dem inneren Hof wird 
kleiner gewesen sein, als die Mischna angibt, weil Joseph us andeutet, daß die da einge- 
schalteten 15 Stufen, von welchen auch die Mischna berichtet, zusammen nur so 
hoch waren als die fünf stuf igen Treppen anderer Tore. Setzt man jene Stufen 
auf 10 cm an, so wäre die Treppe nur 1,5 m [= 3 Ellen) hoch gewesen. Dann blieben 
nach Josephus für den Höhenunterschied des äußeren Hofes und des Frauenhofes 
12 Ellen (= ca. 6 m). Nun beträgt der Unterschied zwischen der Plattform und jener 
Felsfläche im Osten 7.44 m, d. h. etwa 15 Ellen. Man kann daraus schließen, daß 
nicht das Niveau des innersten Hofes erniedrigt, sondern das Niveau des Frauen- 
hofes um 11/2 ni erhöht worden ist. Nebenher sei nur erwähnt, daß die relativen 
Höhenverhältnisse wie jetzt so auch früher nicht in allen Himmelsrichtungen die 
gleichen gewesen sein werden, sodaß die Vorstellung unzutreffend sein dürfte, daß 
der Aufstieg der Höfe im Heiligtum auf allen Seiten derselbe gewesen sei. Jetzt 
erhebt sich die Terrasse des haram nur etwa 5 m über ihre Umgebung im Westen 
und Süden. 

Sonach erlauben die jetzt erkennbaren Niv-eauvorhältnisse des haram die 
Vorstellung, daß der heilige Felsen im letzten Tempel den inneren Hof so wie jetzt 



i) Die Plattform der Priester, der sie i'/j Ellen Höhe gibt, ist doch nur in den Hof ,, gesetzt", 
also keine allgemeine Steigerung seiner Höhe, und ob der Priesterhof selbst r Elle hoch war, scheint 
der Mischna selbst nicht festzustehen (Midd. 116). Josephus setzt kein besonderes Niveau des 
Priesterhofs voraus. 

2) Bell. Jud. V 5, 2—4. 



B. Die Vergangenheit des Felsens. I4C) 

Überragte. Man kann es auch bedeutsam finden, daß die Spitze des Felsens das 
Niveau des Fußbodens im Tempelhausc erreicht. Denn in dieser Höhe müßte doch 
das Niveau des Tempelhofes zur Zeit Salomos gelegen haben, welches der Felsen 
gewiß nicht überragte. In seinem Tempelbau wäre ein sichtbar aus dem Pflaster 
des Hofes emporragender Felsen, welcher für den ehernen Altar nirgends einen 
passenden Platz darbot, eine wunderliche und beispiellose Anomalie. 

4. Das Resultat. 

Die Lage des Felsens auf der Terrasse des haram stimmt einigermaßen zu 
den Anforderungen, die sich aus den alten Schilderungen des Tempels für den 
Altar ergeben. War der Fels nur der Kern desselben, so lassen seine Maße sich 
ohne Schwierigkeit mit den überlieferten Dimensionen des Altars vereinigen. Der 
nördliche Kanal mit der Rinne und die Höhle bleiben im Grunde allein die festen 
Anhaltepunkte für die Ansetzung des Altars über dem Felsen, die deshalb zwar 
nicht als erwiesen, aber als im hohen Grade wahrscheinlich gelten darf. Die Ge- 
schichte des Felsens kcinntc man sich etwa folgendermaßen vorstellen. Er lag in 
völligem Naturzustande unter freiem Himmel bis zur Zeit Davids und erhielt da- 
mals seine erste Formung durch Herstellung der obersten westlichen Stufen. 
Unter Salomo ragte er nur mit dem nördlichen Teil seiner Hochfläche in das 
Pflaster des Tempelhofes, das ihn im übrigen verdeckte. Beim Bau des Altares 
des Ahas wurde er möglicherweise erst mit Rinne und Kanal für den Blutablauf 
versehen. Die Tieferlegung des Niveaus seiner Umgebung unter Herodes veran- 
laßte den äußeren westlichen Abschnitt in seiner ursprünglichen Gestalt und die 
Schnitte im Norden und Süden, während er selbst fast ganz im Innern des Altars 
verschwand. Die Römer legten bei der Neuordnung des Platzes den isolierten 
Felsen frei, und die Moslems gaben ihm durch den äußersten Abschnitt an der 
Westseite, durch eine allseitige Regulierung seiner Grenzen und durch den Aus- 
bau der Höhle im wesentlichen seine gegenwärtige Gestalt, an der die Christen 
durch versuchte und ausgeführte Ablösung von Platten auf dem nördlichen Ost- 
abfall sich vergriffen. 

Der Ansetzung des Allerheüigsten über dem Felsen steht außer dem S. 114 
und 136 f. Erwähnten vor allem entgegen, daß keine der westlichen Stufen am 
Felsen als Lager einer massiven Mauer begreifbar sind. Die oberen Absätze sind 
dafür zu klein und zu unregelmäßig, dem untersten Absatz fehlt der dafür voraus- 
zusetzende senkrechte Schnitt, und die breite mittlere Stufe wäre nur dann zu 
diesem Zwecke brauchbar, wenn man von der wenig höheren zweiten Stufe, welche 
wie ein Teil derselben erscheint, ebenso wie von den weiteren Absätzen absehen 
dürfte. Dazu kommt, daß auf der Südseite ein irgendwie entsprechendes Lager, 
welches auf dem abfallenden Felsen gar nicht entbehrt werden könnte, völlig fehlt. 

Daß das Resultat in mehreren Richtungen der Sicherheit gar sehr entbehrt, 
entspricht den Verhältnissen. Ein in der Weise wie dieser Fels in die Gegenwart 
hineinragender Rest des Altertums bedarf zu seiner Erklärung ganz notwendig einer 
sorgsamen Untersuchung der gesamten Umgebung. Vor allem müßte festgestellt 



1 dO Der heilige Felsen von Jerusalem. 

werden, wo sich die Umfassung der inneren Höfe des alten Tempels befand, und 
womöglich, wo das Tempelhaus gestanden hat. Dann erst wird der Ort des Altars 
sich mit hinreichender Sicherheit ergeben und damit auch die Beurteilung des 
Felsens auf eine zuverlässige Grundlage gestellt werden. 

Grabungen im Zusammenhang mit einer Neuordnung des Wassersystems 
des haram, einer Nivellierung der noch unebenen Teile des großen Platzes und 
einer Untersuchung der Grundlagen des ehrwürdigen Felsendomes würden unter 
Schonung der religiösen Gefühle der Moslems zu jeder erforderlichen Aufklärung 
führen. Die Lösung einer derartigen archäologischen Aufgabe wäre wichtiger als 
alles Graben nach vermeintlichen Tcmpelschätzen^. Möchte die Hüterin des ge- 
schichtlich bedeutsamsten Heiligtums der Welt, die Kaiserlich Ottomanische 
Regierung, zur Lösung seiner wichtigsten Rätsel selbst die Initiative ergreifen ! 



Nachbemerkung zu den Plänen und Abbildungen des Felsens. 

Der einzige auf sorgsamer Aufnahme beruhende Plan des Felsens ist der von 
Wilson in Ordnance Survey of Jerusalem (1865) PI. IL mit dem sich de Vogüe's 
Plan in Le Temple de Jerusalem (1864) PI. XVIII nicht messen kann. Die wich- 
tigste Ungenauigkeit bei Wilson ist die Ansetzung der Höhle, welche zu weit unter 
den Felsen gerückt ist. Keine Verbesserung, sondern in manchen Einzelheiten 
eine Verschlechterung des Originals ist, trotz der Eintragung der nördlichen 
Kanalmündung, die Wiedergabe von Wilsons Plan durch Warren in Excavations 
at Jerusalem, PI. XXXIX. Noch ungenauer ist der Plan bei C 1er mont-Ganneau , 
Archaeological Researches I, S. 154, eine wertlose Skizze die Arbeit von Simpson 
in PEFO 1887, S. 75. Von Schick gibt es keine originale Darstellung des Felsens. 
Mein Plan beruht in allen Einzelheiten auf eigener Vermessung. Ich habe von 
Pfeiler zu Pfeiler quer durch die Rotunde die Meßschnur gezogen und das Maß 
durch Feststellung der Entfernung der benachbarten Pfeiler kontrolliert. In diese 
Grundlage wurde alles weitere eingezeichnet. Die zahlreichen divergierenden 
Grenzlinien des Felsens wurden gemessen und ihre genaue Richtung durch Vi- 
sierung und Messung der Entfernung nach feststehenden Punkten bestimmt. 
Zur Feststellung der Gesamtdimensionen und der Höhe des Felsens habe ich die 
Schnur in verschiedenen Richtungen über den Felsen gezogen. Es ging nicht an, 
auf einmal alle wünschenswerten Maße zu nehmen, sondern auf eine Reihe von 
Besuchen des Domes, die sich durch ein reichliches Jahr hinzogen, mußte die 
Arbeit verteilt werden. Außerdem veranlaßten Schwierigkeiten, welclie sich beim 
Zeichnen nach den genommenen Maßen ergaben, neue Besuche beim Felsen. Nach 
solcher Mühwaltung darf icli wohl hoffen, daß mein Plan den zu stellenden An- 



i) über die im Ziele vcrfchllen Arbeiten der Parker-Syndicats s. meinen Artikel ,,Die Grabungen 
nach dem Tempelschatz von Jerusalem", MuN. des DPV 191 1, S. 56 — 61. 



Nachbemerkung zu den Plänen und Abbildungen des Felsens. 151 

fordcrungcn einigermaßen entspricht und jedenfalls einen Fortschritt gegenüber 
allen früheren bedeutet. 

Mehrere photographische Aufnahmen des Felsens sind im Handel. 
Sie sind sämtlich, wie auch meine Abbildung 79, von der Estrade links neben dem 
Eingang zur Höhle (s. Abb. 84), also aus ansehnlicher Höhe, von Süden aufge- 
nommen. Eine recht gute Aufnahme des Felsens von der Nordseite befindet sich 
bei Kondakow, Archäologische Reisen in Syrien und Palästina (russisch), 1904, 
PI. XLVL, Die von Kittel, Archäologische Studien, S. 15 abgedruckte Photo- 
graphie aus dem Besitze Guthes ist nicht nach der Natur aufgenommen, sondern 
Kopie eines Gemäldes, von dem wohl auch der Holzschnitt bei Sepp, Jerusalem und 
das heilige Land, I., S. 372 stammt. Verwandt ist die Wiedergabe eines Aquarells 
von Simpson, PEFQ 1887, bei S. 74. Die Lichtverhältnisse erschweren die Auf- 
nahmen von dieser Seite außerordentlich. Bei halbstündiger Exposition gelangen 
nach verfehlten Versuchen die Bilder, Abbildung 77 und 78, vom Rande der 
Balustrade. Von einer außerhalb des Gitters aufgestellten Stehleitcr aus wurde 
die instruktive Abbildung 76 gewonnen. Weniger Schwierigkeiten machten die 
übrigen Aufnahmen im Westen, Süden und Osten, von denen mir frühere Versuche 
nicht bekannt sind. Alle beanspruchen jetzt deshalb besondere Beachtung, weil 
das Photographieren im Felsendom schon früher nicht jedermann freistand und 
jetzt nach der Schatzgräberei Parkers gar nicht mehr gestattet wird. 



152 



Berichtigungen. 

S 85, Inschrift Nr. 37, lies; Cib'^ü. Die Lesung obux bei Janssen ist richtig, 
mit Ausnahme der Weglassung des 1. 

S. 96, Inschrift Nr. 84, Zeile 2, füge hinzu: 2i;3. 



153 



1. Verzeichnis der arabischen Ortsnamen für Band I und II. 

Die fettgedruckten Seitenzahlen weisen auf die Hauptstellen für den genannten Ort. 



der ed-derb II 6r 
d. däträs I J^. 267, II 2 1 

dibän II 109 
d. däna I 2 

E. 



A. 

'abde I 52. 58 f 76, II 2\ 
el-'akaba I 2. 26, II 11 
amm es-senedik, s. umni es-sanädik 
•araba I I. 27, II II. 15 

B. 

bäb es-sik I 5. 38. 107, II i. 3. 40. 57. 99 ff. 

el-bärid I 19. 66 f. 347 ff., II 42 ff. 

el-barra I 23 

el-basta I 26 

el-beda I i. 18 f. 28. 30 f n. 344 ff.. II i. 

15. 41 f. 61 
el-bek'a II 8 
betgibrin I 1 17 
bidibda (bedebda) I 30, II i r 
bir ed-debärät II 3 
bosra II 21, s. Bosra Verzeichnis 2. 
el-bred'a I 6. 30 f. 35, II i 
bsera I 2. 29, II 21 
el-bustän I 4. 37 

D. 

d. ed-dära I 6. 103, II 51 
debbet el-kren I 15 
ed-delläfe II 55 
~ ed-der I S.V. 20 f 35. 65. 67. ,69. 74. 'en hosob I 30 
262 ff, II 2. 5. 10. 2off. 28 ff 57. -jQi. 'en kudes I 42 
92 ff 'en mahzül II 8. 10 f 

(Weg zu ed-der) I 247 ff, II 24. 53. 'en mä lebun I 4, II 10 
56. 88 'en el-mesari I 71 



'ejiin el-keraja (kraje) I 4, II 10 

'ejiin el-mikwan II 1 1 

elgi I 2. 4. 26fif 3off 35. 37. 359f., II 8—1 1 

'en abu härün I 4. 41, II lof. 16 

'en abu 'öUeka I 18. 37, II 10 

'en el-beda I 43 

'en beddö I 4, II 10 

'en bidibda II 10 

'en bräk I 13. 31.41, II i6f. 

'en el-buerde I 30 

'en ed-der II 10 

'en eklä' twäl I 4, II 10 

'en emün I 13. 41 

'en el-far' II 5. 10 

'en el-fatät I 97 

'en gelwäh II 8. 10, s. sei gelwäh 

'en habije II 9 f. 

'en el-hägele I 3, II 9 f 

'en el-haij I 2 f 30, II 10 f. 

'en hasbä I 4, II 10 



154 



Verzeichnis der arabischen Ortsnamen für Bd. I und IL 



'en el-mhalle I 4 

'en el-mhelle 11 9 f. 

'eil el-mikr (makr) I 4, II 10 

'en müsa I 3, II 4. 7 f. 9 f. 

'en negl I 30 f., II 1 1 

'en el-'öräk I 3 1 

'en redän (nicht redän) I 4. 28, II 10 

'en es-sidr II 10 

'en es-sija_r I 20. 33. n, II 10. 14 

'en es-skene (skine) II 9 f. 

'en es-suwäh II 10 

'en et-taijibe I 27 f. 

'en el-uebe I 30 

'en ez-zu'etre II 10 

'eräk el-mä I 1 17 

F. 

el-farasa I 14. 65. 67, II i; (Ost) I 188 ff , 
II 15. 22—24. 49. 83; (We.st)l2ooff., II 18 
fattüm (nicht el-fatöme) I 148, II 7 
el-fegg I 19. 344 

G. 

g-ebäl I 2. 29 
gebel el-banät II 80 
gebel el-haläjil I 3, II 9 
• gebel el-nieleh I 4. 6. 17. 30 
gebel el-mikwan I 4 
gebel müsa II 80 

gebel en-nmcr I 14. 16. 66. 207 ff., II 3. 16. 40 
gebel serbäl II 80 
gebel e.s-.sijar II 21 
gebel umm el-'amad I 11. 14 ff. 
gebel ez-zeräbe I 3 
eg-gelame I 19 
geras I 58 f., II -jy 
eg-gerba Uli 
eg-gerra I 38. 41. 47. 74. 148 ff., II 1 — 7. i6f. 

20. 59 ff 
eg-gilf 15. 13 
eg-gilgele II 9 
eg-greda I iio, II 24. 49. "jb 

H. 
h. hanawc II 55 

hräbet eg-gerra, s. eg-gerra 



hräbet el-metäha I 41 
hräbet ez-zahrig I iio 
el-hremije (nicht hremije) I 66. 119. 

137 ff, II 6. II. 31 
hnrmuz II 14 
h. hababije II 55 

el-habls I 17. 23. 30. 33. 64. 66 f. 68. 

229 ff., II 3. 14. 32. 109 
hamäet ehmüd I 4 
el-haura I 27, Uli 
el-hegr I 267, II 19 ff. 
h. el-hän I 38. 105, II 2i 

haznet fer'ün (fir'ün) I 148, II 6. 59, s. 

eg-gerra 
el-hdera I 16 
el-hirbe II 9 
hirbet bernis I 43 
hirbet 'cn mahzül II 1 1 
hirbet eg-göze I 267 
hirbet el-medereg II 9 
hirbet el-mehalle I 4 
hirbet el-mehelle II 8 f. 
hirbet el-mikdis I 81 
hirbet en-nusränije I 267 
hirbet es-samra I 30 
hirbet selün I 58. -/ö, II 52 
hirbet sil' I 43 
hirbet es-sel' II 14 
hör el-his I 19. 30 f, II i. 3. 11 
el-hrebe II 55 
el-hubta I 9. 11. 13. 33 f- 4°- 65- 6/. H 2. 

6. II ; auf el-hubta I 329 ff., II 5. 36ff 

45 ff. 51 f. 57. 96 ff.; unter el-hubta 
I 3i4ff., II 4. 23f. 36. 49. 54. 61. lOiff. 



J- 



jabrüd II 5 5 f. 



K 
el-kahf II 61 
el-kerak I 2, II 1 1 
keräzie II 21 

körn es-sukäfa II 22. 39. 73 
kornüb II 15 



Vekzeichnis der arabischen Ortsnamen für Bd. I und II. 



155 



k. kal'at el-'ari.s I 27, II 1 1 
käna II 26. 55 
el-kantara I 40. 66. 68. 139 ff, 11 i. 5. 

26. 57 
kantarat se'b kes I 40 
el-kas'a I 148 

el-kasr I 64. 277, II 16, bei rabba II 61 
kasr el-bint II 61 

kattär ed-der I 23. 65. 6"]. 69. 252 ff., 
' II 18. 89 ff 

kbür 'ejäl 'auäd I 41. 215 ff 
el-kerära 16. 37. 39 
el-kle'a II 8 
el-klete I 4 
el-kren I 14 



el-lanti I 19. 6~. 346 f. 

leggüii II 21 

ligg el-'asid I 19. 347 

M. 
ma'äii I 2. 26 f. 31, II 4 f. S. II 
mäin I 28 
me'arras hamdän I 17. 21. 23. aSif., II 6f. 

84 f. 
medäin sälih I 27. 47. 71. 75. 78. 83. 267, 

II 18 f. 53. 56 f. 
el-medras I 13. 65 ff. 69. 117 ff., II 5. 11. 45. 

53. lOi. 108 
el-m'e.sara (me'esera) I 21. 66ff. aSiff., II 7. 

25. 32 — 16. 47. 50. 107; el-m'esara et- 

tarfäni (tarfäwije) I 21. 282f., II 3. 15. 

45 — 49- 85 ff! el-m'esara el-wasta I 21, 

II 15 
el-mehbäs I 23 

el-metäha I 18. 66 f. 300 ff., II 16 
mhaij II 61 
mirmil el-berka I 19 
el-modlem I 7. 3t. 39 
mrär kür II 8 

mrärat en-nasära I 17. 30. 300 
el-musta'gile II 25 



N. 
en-nahl I 28 
nakb abu hsebe II 1 1 
nakb el-'akaba I 29 
nakb ed-dahl I 29. 97 
nakb en-nemela I 29 f., II 1 1 
nakb er-rbä'i I 28. 30. 32, II 11. 14 
nakb es-safa I 30 
en-nebi härün I 15 f. 23. 26. 42. 168, II 2. 

8. 26 
en-negr I 1 1. 13 f. 31, II 7 
niha II 55 
en-nmer I 14. 34. 66. 74. 212 ff., II 3. 6. 16. 

48 f. 57. 79 ff 107 

O. 

'oddema II 8 

odruh I 26. 30, II 4. 8. II. 52 

R. 

r. er-ramle 16. 31. 39. 104. 108 f. 

ras ail I 31 

ras el-far', s. 'en el-far' 

er-rasif II 8 

rumeili 11 55 
r. radjän I 28 

rarandal I 29 

el-rör II 7 

ruwet I 29 



s. sdüd en-nmer I 14 
es-sel' II 14 f. 
sei ed-dära I 5. 28. 109 
sei el-far' I 4. 28. 31, 118 
sei gelwäh I 3. 36, II 8 f. 
sei eg-greda I 5 
sei hasbä I 4 
sei el-haraze I 5- 31 
sei el-mezere' I 20 
sei müsa I 3. 4, II 7 f. 
sei el-ruwer I 2 
sei es-sijar I 20 
sei ez-zeräba l 4. 28 



156 



Verzeichnis der arabischen Ortsnamen für Bd. I und IL 



sei sil' I 43 

seräbit el-hädem I, S. V 

es-seräja II 7 

siah II 61 

sidd dahdil I 2 

sidd eg-gerra I I2f. 330, JI 7. 16 f. 48. 98 f. 

sidd el-hremije I 13, II n 

sidd el-harärib I 23 

sidd el-harrubät I 23. 249, II 6. 31. 88 

sidd el-hubta I 11, II 5 

sidd el-ma'g]n I 7. 9. 11. 17. 40. 65. d-j. 

308 ff., II 6. 57. 83 
sidd el-modlem II 6, s. sidd el-ma'gin 
sidd es-sik I 13. 119, II 7 
es-sijar I I9f. 23. 66 f. 239 ff., II 48 f. 53. 

60. 96 
es-sfk I 8. 27 f 38 f 66. 143 ff., II 10 f. 17. 

25 f- 44- 53-56. 108 
sik abu 'alda I 30 
sik el-beda I 30. 6~. 353 f. 
silwäii I 'j'] 

stüh en-nebi härün I 28 
sutüh el-beda I 19 
s. sabra I 23. 32 
salhad I 51 
es-sanamen II 19 
es-suffäh I 4 
s. sa'afät II 61 
sanimäh I 31 
se'b kes I 7. 31. 40. 109 
es-sera I i f 29. 49 
es-söbak I 2. 44. "jö, II 11. 25 
es-.suhbe II 21. "j"] 

T. 
t. teima II 19 

teil hum I 76 

teil rärie I 51 

tubük I 27 
t. tabkat el-mehäfir I 1 1 

tabkat en-ngür I 1 1 

et-tafile I i 

ettine I 4. 31 

t5r el-'aräk II 9 



tör el-medine I 4. 28 
tunb ehmedi I 12 
t. et-turra I 16. 23. 28. 66 f. 215 ff, II 15 

U. 

el-u'era I 6. 30 f. 3 5 f. loSf., II 13 

umm el-'amad I II. I4f. 

umm 'amdän I 325 

umm el-bijära I 23. 67, unter umm el-bi- 

jära I 226 ff. 
umm el-mehäfir I 14, II 7. 12. 17. 44f. 
umm sehün I 1 8. 30, II 6 
umm et-telge I 15 
umm es-sanädik I 325 f., II 6, s. amm es- 

senedik 
umm za'keke I 325 
umm ez-zetüne I 255, II 6f. 
el-umtä'ije I 71, II 54 

W. 
wädi abu 'ollcka I 18. 21. 33. 
wädi dahäha I 31 
wädi ed-der I 21, II 6 
wädi 'ejün müsa I 2 
wädi 'en el-far' I 4, II 8 
wädi 'en el-haij I 36, II 1 1 
wädi 'en el-mehelle II 9 
wädi 'en milavan I 3. 30, II 8. 11 
wädi 'en mikr I 4 
wädi el-farasa I 16. 33. 41. 200 
wädi fikre I 38 
wädi eg-geb I i 
wädi eg-gelame I 19. 30 
wädi gelwäh I 36 
wädi el-hlse (bis) I 18 f. 21. 30. 283 ff , 

116. 12 
wädi el-hremije (nicht hremije) I 13. II 11 
wädi halil I 3 f., II 9 
wädi hör el-his II 1 1 

wädi el-hubta I 11. 13. 40. 331. 343, II 7 
wädi käna II 26 

wädi el-kantara I il. 40. 66, II $ 
wädi kattar ed-der I 23, s. kättär ed-der 
wädi el-mahzul I 3, II 8. 11 



Verzeichnis der in Bd. I und II behandelten Sachen und Personen. 



157 



wädi me'arras hamdän I 21. 281, s. me'arras 

hamdän 
wädi el-medereg II 9 
wädi el-medra II 8 
wädi el-medras I 13. 119 
wädi merwän I 19 f., II 15 
wädi el-m'esara el-wasta I 21 
wädi el-m'esara et-tarfäni I 21. 282 f. 
wädi el-metäha I 4. 7. 9. 17 f. 31. 39 fit", II 6. 
wädi mirmil el-berka I 19 
wädi el-modlem I 7 ff. 39, II 6 
wädi müsa I I fif 8. i6f. I9f. 37. 39, II i. 9. 
wädi en-nasära I 17, II 12 
wädi en-nmer I 14. 34. 6j. 205 fif, II "]& 
wädi er-ramle II 7. 12 
wädi sabra I 15 
wädi tör emdaij I I 



wädi et-turkmänije I 18, II 6 

wädi et-turra I 16. 20. 23. 28. 220 fif, II ']6 

wädi el-u'era I 7 

wädi umm el-mehäfir I 41 

wädi umm er-retäm I 1 5 

wädi umm §ehiin I 17. 30, II 12 

wädi umm (abu) za'keki I 17. 33, II 7. 12 



Z. 

zarnük eg-gerra, s. sidd eg-gerra 
zarniik umm el-mehäfir I 14. 31. 41 
ez-zeräbe I 3, II 9 
zibb 'atüf I 14. 32 ff 65 f. 68 f. -jj. 157 fif. 183, 

II I. 5 fif. 12 fif 15. 44f. 5of. 
zibb fir'un I 64 
zize II 5 



2. Verzeichnis der in Band I und II behandelten Sachen und Personen. 



A. 
Aaronsgrab(berg) I I5f. 42. 168, II 2. 8. 26 
A'arra (A'ara) I 50 f, II 23. 57. 108 
Abel II 144 
Abendstern I 52 
Abraham II 118. 128. 144. 146 
Absalomsgrab I •/■] f., II 6}, 
Adam II 144 
Adler I 75. 115, II 75 
Adlerschlucht I 10. 66 f 115 fif 
Adraa I 54. 71 f., II 108 
Aediculae I 85 
Ahas II 138 f. 149 
Ähren I 150, II 22. 71 
Aila I 27 

Älanitischer Meerbusen I 26. 30 
Akropolis I 33. 35. 229 fif 
Alexandrien II 22. 39. 63. 71. 73 
'Ah von Herat II 120. 128 f. 131 
Ahlat I 51 



AUät I 51. 53. SS. 64. n- 75- 83- 359f-, H 22 
Allerheiligstes (von Stiftshütte u. Tempel) 

I 165, II 135 fif. 149 
Alphaios II 82. 108 
Altar des Stadttempels I6S.79. 3S6, II 52 f., 

des Tempels v. Jerusalem II SO. 125. I38ff. 

149. VI 
Altarfundament II 140 
Altargräber s. Grabaltäre 
Altargrund II I39f 
Altäre I 46. S4. 56ff 79 fif 8s, II 23. 28. 36. 

45- 49 ff 
Amazonen I 150, II 72 
Amoretten I 355. 357f, II 23 
'Ana II 80 
Aphrodite I Si 
Aquädukte I 38 fif, II 16 
Aravna II 142 
Areopolis I so, II 23 
Ares I 50, II 23. -ji 



rs8 



Verzeichnis der in Bd. I und II behandelten Sachen und Personen. 



Aretas II. II loo 

Aretas III. I 47- 158. H 79. ggi. 

Aretas IV. I 249, II 77. 100. 105 f. 

Ariel I 50 

Arindela I 29 

Artemis I 359, vgl. S. VI, II 23. 72 

Asclieren I Jj 

Astarte I 54 

Atargatis I 76 

Athena I 74 

B. 
Baal I 50. 52 
Ba'al Hammän I 54 
Bacchus I 50 
Balustrade (des hl. Felsens v. Jerusalem) 

II 123. 130 ff. 
Balustren I 73 
Bänke I 85 f., II 38. 45. 47. 
Barkochba-Münzen II 73. 134 
Basmath II 105 
Basreliefs I 7of., II 39 
Bassins I 92, II 28. 35. 37 f. 40—42. 44 
Befestigungen I 33 ff., II 12 ff. 
Begräbnisplätze I 62 
Beile II 72 
Bei I 74 

Bemalung I 352, II 61. 70 
Bethel II 120. 134 ff. 144 
Betplätze (der Moslems) I I42f., II 57. 119. 

I24f. 128. 130 
Bikhnien I 90, II 43 f 
Blutspenden I 49. 57, II 139^- 
Bluttaufen I 53 
Bodengestalt I iff. 
Bogennischen I 85, II 31. 33. 36 
Bogenschützen I 196 
Bordeaux, Pilger von, II 134 
Bosra (Bostra) I 29. 48. 5of 54. 71, II 21. 

54- 77 
Botanisches I i. 9. 24 f 194. 197, II 6. 8 

Brandaltäre 1 55. 56f 79, II 50. 52f. 

Brustbilder I 75. 277. 300. 311. 358f 360, 

II 22 f. 

Bundeslade I 58. 166, II I35f 



Caduceus, s. Schlangenstäbe 

Castellum Vallis Moysis I ;36 

el-chadr II 128 

Chaznet Fir'ün I 48 ff, II 59 ff 

Chek (des Altars) II 140 

Cheldaj II 84 

Christentum I 48. 98, II 2 5 f. 

Chulda II 84 

Cisternen, s. Bassins. 

Columbarien I 78. 230 

Conchen I 85 

D. 

Damaskus I 2. 26. 30. 48 

Daniel II 134 

David 11 125. 128. 133. I42f. 144. i46f. 149 

Demeter I 150, II 71 f 

Der-Terapel I S. V. 47. 65. 69. 263 ff, II 

20—22. 57. 76f. 
Dio Cassius II 134 
Diodor I 43 

Dionysos I 50. 150, II 73 
Dioskuren I 151, II 72 
Dodekapylon II 146 
Doppelkreise I 82, II 49 
Doppellöcher, s. Ösen 
Dreiurnentriklinium(-grab) I 249, II 31. SS 
Duschara (Dusares) I 49f 51. 54!. 74f 117. 

357, Il22f 46f. 57. 73. 83. 97. 99f 104 



'Ebed II 81 

Edom I 42 

El'äd II 91 

Epheu I 73. 357, II 27. 75 

Epiphanius I 50, II 134 

lüagengrab I 47, 325 f., II 6. 20 f 63 

Eumeniden I 150 

Europa I S. VI 

Eutychius II 134 

Expeditionen (nach Petra) I 99 ff., II 1 ff. 

Ezeongeber I 26. 28 



Verzeichnis der in Bd. I und IJ behandelten Sachen und Personen. 



t59 



F. 

Fackeln I 75. 300. 311 

Fassaden 188. iiof. 113. i5of. i89f. igif. 
263 f. 3 24 ff., II 59 ff. 68 ff 

Feldherr I 74. 76. loS 

Felsen (heilige) I 79 f. 

Felsen (heiliger, v. Jerusalem) II i loff., (der 
Samaritaner) II 143, (Pläne und Abbil- 
dungen) II 150 f. 

Felsendom II iio. 112. 118. 150 

Fenster I 87. 90, II 32, 42 

Feste I 62 

Fe.stons I 85. 144, II 23 

Festsäle I 92 

Franken, s. Kreuzfahrer 

Frauenhof (des Tempels zu Jerusalem) 
II 137. I47f. 

Friedrich II. II 117. 131 

Füllhörner I 75. 150. 277. 311, II 71 

Fundamentraum (des Altars v. Jerusalem) 
II 140. 142. 144 f 

Fußsohlenbilder I 96, II 26 

Fußspuren II ii7f 126 

G. 

Gabriel, langer Gs. II 1 13. i I4f, Sitz II 128 

Gad II 81 

Gaia s. Gea 

Garizzim II 143 

Gartental I 41. 41. 66. 195 ff. 

Gaza I 29 f 

Gea I 42, II 104 

Gebalene I 2. 29. 42 

Genien I 150. 357, II 72 

Geographisches I i ff., II 7 ff. 

Gerasa I 48, II ']'] 

Gesteine I I. 23 f. 

Gestühle (des Tempels) I 94 

Giebelgräber I 47. 88, II "jQ 

Gitter (der Rotunde im Felsendom) II 131 f. 

Gorgoneia I 75. 247. 300, II 23. 73. 75 

Götterbilder I 55, 74ff., II 22f 71 

Gottesname II 97. 104. 136 

Gottesthrone I 58. 79. 166 



Grabaltäre I 81. 105, II 19. 51 
Grabanlagen I 103. 105. 114. 148 ff. 154. 

193 f. 21 5 f 226f., II 4. 42. 61. 65 ff 
Gräber I 46. 48. 62 
Gräber (primitive) I 43. 48. 143 
Grabeskirche (in Jerusalem) II 113. 147 



[- 33—35- 42. 



II 69. 73 
AUerheiligsten) II 



Grabkammern I 87. 89, II 3 

61. 63. 65 ff 
Greifen I 76. 151. 356, 
Gründungsstein (des 

134 ff 

H. 

Haartracht II 90 f. 

Hadrian II 146 

Hadrumetum II 54 

Hagar II 105 

Halbmonde I 51. 54. 56. 73. 179. 3 10 f., 

II 27. 53. 71 
Hallen I87, II 33. 35 
Hammänim I 53. ■]■>, 
haräbe II 6 f. 
Harnisch I 300, II 24 
Hausherr II 96 

Heiliges (von Stiftshütte u. Tempel) I 161 
Heiligtümer I 53. 64 ff, II 28 ff. 
Heilwünsche I 96, II 79!. 
Hekatäus II 138 
Helenagrab I jj {. 
Ileliopolis II •]■] 
Herakles I 74f. 355 f, II 22 
Herd I 56 
Hermencippen I 56 
Hermes I 75. 360 
Herodes II 146 ff VI 
Herodes Antipas II 105. 107 
Herodot I 50 f. 
Heroon II 6^. 'j6 
Hieronymus II 135 

Himmelsrichtung 168. i68f, II 112. VI 
Höhle (unter dem hl. Felsen v. Jerusalem) 

II 127 ff. 141 f 146, (auf Garizzim) II 143 
Höllenfeuer II 4 
Hörneraltäre I 83, II 5 1 f 



i6o 



Verzeichnis der in Bd. I und II behandelten Sachen und Personen. 



Horus I 51. 356, II 22. 71 
Hubal I 52 

I. 

Ibn 'Abd Rabbih II 120 

Ibn el-'Arabi II 118 

Ibn el-Athir II 125 

Idole I 49. 53 

Idris II 125 f. 

Ilähat I 97 

'Iniäd fd-Din II I17. 125. 132 

Inschriften I 95 f., II 57 f. 79 ff- 

Isaak II 144 

Isis I 51. 150, II 22. 71. JT,. 76 

Istar I 76 

J. 

Ja'alä II 81 

Jakob II 134 ff- 

Jakobusgrab II 61 

Jäküt II 9. 14 

Jarib II 96 

Jeribaj II 96 

Jericho I 29. 45 

Jesus II 136 

Jitrö II 79 

Johann v. Würzburg II 117. i2of. 131 

Jona II 136 

Josephus II 138. 146 

Julian II 146 

Jupiter Amnion I 54 

K. 
Ka'aba I 51. 53. 55. 61, II 113. 146 
Kades I 42, II 8 f. 
Kain II 144 
Kaleb II 91 

Kamele I 74. 97. 359, II 40 
Kamelführer I 74. 276 
Kamelreiter I 74. 97 
Kammern I 86 ff., II 28. 32 f. 35 f. 39 
Kanal (am hl. Felsen von Jerusalem) II 120 f. 

141. 149 
Kantharos II 73 
Kapitale I 47. 267 ff., 277, II 20 ff., 68 f. 



Kaside II 3 

Kastelle I 33 ff. 174. 276 f., II 12 ff. 
Kegel I 54. 71. 78 
Keramik I 3 57 f., II 26 f 
Kessel von elgi I 4f. 27f 30. 32. 35, II 8 ff. 
Kessel von Petra I 15 f, II 7. 10 
Keulen II 22 
Klausen I 98 

Klausenschlucht I 23. 66f. 255 ff'., II 7. 30. 92 
Kleidung I 45 f., II 23 f. 
Kodra II I46f 

Kolumbarien, s. Columbarien 
Könige, nabatäische I 45 f., II loof I04ft'. 
Korinthisches Grab I 47. 326, II 22. jß 
Kornub II 15 
Kreise I 76. 3 59 f. 
Kreuze I 77. 98, II 25 f. 
Kreuzfahrer I 36. 174. 183. 176, II 62 ff". 
ii3f. ii6f. ii9f. 125. 128. I3iff. 135. 149 
Krieger I 74. 192, II 24 
Kritzeleien I 97 
Krüge I 357, II 27. 52 
Kultur I 45 f., II 90 f. 
Kunst I 47 ff. 69. 85. 88. 9of., II 18 ff". 
Kuppenheiligtümer I 66, II 30 



Lämpchen I S. VI. 359, II 26 f. 

Lateinisches Grab I 324 f., II 20. 23. 76 f. 

Leoparden I 76 

Leukokome I 27 

Libationen, s. Spenden 

Libationsschalen I Ji 

Löcher (für Pflöcke etc.) I S. VI. 86, II, 32. 

65. 115. 119. 126 ff. 
Lorbeer I 76. 357, II 75 
Löwen I 75 f. 150. 356, II 24. yi 
Löwenterrasse I 198 ff'., II 15 f. 
Löwentriklinium(-grab) I 247 f, II 22. 24. 

31. 76 f. 
Luftspiegelung II 4 
Lustrationen I 59 f. 
Lustrationsbecken I 60. 67. 93 \i. 
Lykurgos I 5 1 



Verzeichnis der in Bd. I und II behandelten Sachen und Personen, 



l6l 



M. 
Magna Mater I 75 
Mahlsitte I 45 f. 
Majumas II 94 
Malichos II. II 100. 105. 107 
Mänaden II 70 
Manätii I 52 f. 

Männlein I 98. i i6f. I54f., II 25 
marzeah II 93 f. 
Masseböt I 53. 58. 249^ 
Medras-heiligtum I 65 f 69. 117 ff., II 11 

45- 47 

Megiddo I 250 

Mekka I 61, II 97. 113. 146 

Meni I 52 

merär II 7 

Me.sulläm II 80 

Mohn I 151, II 71. 75 

Mond, s. Halbmond 

Mörser I 359 

Moses I 3. 42, II 8 f. 

Mosesbach I 3 f. i6f. igL 37. 39. 109, II i. 
4. 7 ff. 

Mosesqnelle I 3, II 4. 7 f. 9 f. 

Mugir ed-Din II 129. 134. 136 

Muhammed II i I4f. 128. 133 f. 146, (Fuß- 
spur) II 116 ff. 126 f., (Kinnbarthaare) 
II 117 

Mühlen (Wasser-) I 37, II 8 f. 

Mühlen (antike) I 3 59 

„Mühlkanal" I 37. 39, II 16 

Myoshormos I 27 

N. 
Nabatäer I 43, II 37, nabatäische Dynastie 

II lOOf. I04ff. 
Nameninschriften Igsf., II 119 
nasib 11 97 

Näsir i-Khusrau II 118 
Nebo I 2 
Netanel II 86 
Nike II 72 
Nischchen I 86, II 32 f. 40. 42. 

Dalman, Neue Petra-Fors(;liungen. 



Nischen I 84f. 66, 11 18. 28. 31— 35- 38- 

40—42. 44. 46 f. 
Nischenbassins Igsf-, II 32. 34f. 40. 42—44 
Nischengruppen I 115. 121. 309ff., II 40 f. 
Nischenklamm I 308 ff., II 16. 57. 83 
Nischensäle I 84f. 87, II 41 
Noah II 145 

O. 
Obelisken I 77. 139, s. Spitzpfeiler 
Oberlichter I 153. 261, II 32. 66f. 
Obodas I. II 100 
Obodas II. II 100 

'Obodat I 52. 74. 214, II 57. 76f. 92. 94 
Omar II 134. 146 f. 

Omphalos I 54. 71, II 40. 49. 148, II 147 
Opfer I 49. 57, II 50. 140. 142 f 
Opfergesellschaften II 92 ff. 
Opfermahle I 6of., II 93 
Opfermahlstätten I 6of, 67 f 89 ff., II 31 ff. 

144. S. Triklinien, Stibadien 
Orotal I 50 
Ösen I 86, II 49. 51 
Osiris I 5of 150, II 22. 71. 73 

P. 

Palmen I 76. 83, II 44. 72 

Palmetten I 357, II 27 

Palmetum II 1 1 

Palmyra I 29. 48, II 77 

Panther I 74ff. 145. 150. 356, II 7^ 

Pässe I 28ff. 32. 97, II II. 15 

Pateren, s. Triglyphen 

Pegasus II 27 

Perdikas II 135 

Persepolis II 61 

Petra (Name) I 23. 42, II 14, (Geschichte) 

I 42 ff., (Religion) I 46. 49 ff. 
Pfeiler in Pfeiler I 74, II 3 1 
Pfeilergruppen l 72f, II 46— 49, 53 ff. 
Pfeileridole I S. V, 49. 53. 70 ff, II 26. 32 f 

35f. 39-42. 44ff. 53ff 57 
Pfeilschützen I 97 
Pferde II 27, s. Reiter 
Phallus I 55, II 49 



102 



Verzeichnis der in Bd. I und II behandelten Sachen und Personen. 



Fhasael II 107 

Philadelphia I 48 

Philodemos II 105 

Phocas II 121. 135 

Phoenicon I 29. 45, II 1 1 

Pilasternischen I 85 

Pinienzapfen II 75 

Plattform (des haram von Jerusalem) II I32f. 

146 ff". 
Plinius I 29. 46, II 1 1 
Polypen I 247 
Pompeji II 63 
Porphyrius II 50 
Postamente I 54f. 71. 78. 84 
Predella I 71. 85. 31 1 
Proskyneterien I 56. 84 
Pyramiden I ■]■], II 57 

Quellen I 3 ff. 38, II 7 f gf 

R. 

Rabbel I. II 99 

Rabbelll. II 77. 105 ff 

Rachüm II 91 

Räucheraltäre I 46. 58 f. 83, II 51 f. 

Rechem II 91 

Reiter I 74. 110, II 24 f 

Rekem I 23. 42, II 14 

Reliefs I 70. 3 54 ff. 

Rhinokolura I 27 

Rinne (am hl. Felsen von Jerusalem) II 

121 ff. 141. 149 
Römerstraßen II 3. 1 1 
Rosetten I 76, II 26. 75 
Rundgang (durch Petra) I 103 ff. 

S. 
Saewulf II 119 
Sai'ulkaum I 51. 59, II 92 
Saladin II 114. 133 
Salomo II 128. 135. 139. I46f 149 
Sandalenbilder, s. Fußsohlenbilder 
Saraj I 49 
Sarapis I 74 
Satyrköpfe II 74 



Säulensaal I 193 f 

Schalenstein I 81 

Schalenvertiefungen I S. Vf 61. 8if., II 33 f. 

37.? 39. 6-]. 115. I23f. i25f I42f. 
Schatzhaus Pharaos, s. Chaznet Fir'ün. 
Schaubrottisch I 85. 163 f 
sehet II 140 f. 144 f. 
schetijä, eben II 134 f. 145 
Schiffsschnäbel I 300 
Schlachtaltäre I 56 ff., II 50 
Schlachtplatz (im Tempel v. Jerusalem) 

II 137. 140 
Schlangen I 76. iio. 186 f. 218 f 355 f., 

1171. n 

Schlangenstäbe I 360, II 22. ^i 

Schluchtenheiligtümer I 66, II 11. 31 

Schwerttänzer I 97. 196. 282. 357 f. 

Seelenbrunnen II I29f. 145 

Sei'r I I 

Sela l42f., II I4f. 

Senkgräber I 48. 82, II 29. 32 ff. 40f. 

Senkkammergräber I 48. 82, II 33 f. 51 

seräb II 4 

sidd II 7 

Sigmas, s. Stibadien 

Sinai I 28, II 1 1. 80 

Sistren I 1 50, II 22. 72 

Skulpturen I 74ff., II 22 ff. 

Soldatengrab I 191 f., II 22. 24 

Sonne I 46. 50. 54. 56. 73. 76 

Sonnengott I 54. 72. 74 f, II 2 5 f. 84 

Soter II 105 

Spendealtäre I 46. 58 f 

Spendeschalen I Sif., II 27!. 115. 140. 142 

Sphingen I 356, II n 

Spiele I 97 

Spitzpfeiler I S.V. 53 f 77 f iSoff., II 49. 56 

Spitzpfeilergrab I 47. iioff., II 19. 22 

„Stadtkanal" I 38 

Stadtmauern I 33 f., II 7. 12 

Stadttempel I 64. 79. 89. 277. 356, II 52 f. 

Steinböcke I 97. 196. 282 

Steinidole I 53 

Stibadien I 91, II nl 38 



Verzeichnis der in Bd. I und II behandelten Sachen und Personen. 



163 



Stierreiterin I S. VI. 74. 359 

Stilarten I 47 

Strabo I 27. 29. 45 f. 90, II 11 

Straßen I 26 ff. 48, II 8 f. ii 

Stufen (am hl. Felsen v.J.) II Ii2ff. 149 

Stufenaltäre I 81 

Stufengräber, s. Treppengräber 

Suidas I 49. 57, II 50 

Sujüti II 129. 134 

Sur Baal I 42 

T. 
Taanach I 250 
Tänien II 74 
tawäf II 1 13 

Teiche I 37 f 40 f 92, II 42 
Tempell49. 64, V.Jerusalem II 135 f. 137. 146 
Tempelgräber I 88 
Tempelquelle II 121 
Theandrites I 51 
Theater II i f. 4 

Theaterberg I 14. 67. 183 ff., II 5. 83 
Theoderich II 120 
Tierbilder I 97, II 40 
Tisch (heiliger) I 85. 163 f 
Tochter Pharaos II 16, Grab der Tochter 

Pharaos in sihvän I 77 f. 
Togatus II 23 

Totendenkmäler I 77 f., 114g. 5 5 f. 
Totenheiligtümer I 66f., II 32 ff. 
Totenmahl I 61 f 
Totenpflege I 61 
Treppengräber I 47. 88, II 19 
Treppenwege I Ii7f. 137. i4if. I75ff. 198. 

207ff. 2i2f. 227. 230f. 238f. 241. 247ff. 

281. 33off. 343, II 28. 30. 38. 40. 43 f. 45 f. 
Triglyphen I 85. iii. 144. 192. 247. 266. 

309. 328, II 22 
Triklinien I 61. 90. ii2ff., II 31 f. 34 — 36. 

38-40. 57 
Triumphtor (sogenanntes) I 75, II 22 f. 
Tröge I 93 ff., II 17. 28. 39. 44 
Tropfwände I 7. 65. 204f 253, II 18 
Tunnel I 31. 39, II 6 



Türen I 88. 90 
Turkmanengrab I 47 
Turmgräber I 47. 81 
Tyche I 52. 74. 360 
Tyrus II 54 

U. 

'Unni II 80 

Urmeer II 135. i44f 

Urnen I 78, II 75 

Urnengrab I S. V. 47. 326ff., II 7. 21. 23. 

61. 76 
el-'uzza I 51 f. 53. 75, II 23. 46f. göf 

V. 
Vasen II "ji 

Vegetation, s. Botanisches 
Venus I 51 f. 
Verdienst II 104 
Viktorien, s. Nike 
Vorhof (der Stiftshütte) I 161, Vorhöfe 

(des Tempels) II 137. 148 f. 
Votivaltäre I 83 
Votivgaben I 83 ff. 
Votivinschriften I 95 
Votivstelen II 53 

W. 

Wadd I 50 
Waschungen I 59 f 
Wasserbehälter I 92 ff. 
Wasserleitungen I n'ii., II 15 ff. 32. 42. 44 
Wasserspenden I 59, II 140 
Wassersystem I 3 ff., II 7 ff. 
Weihnachtsfest I 5of. 
Weinblätter I -ji, II -jt^. 75 
Weinspenden I 59, II 140 
Weintrauben I ^i, II 73. 75 
Weltenmitte II 135 f. 
Weltgründung II 135 f. 
Winkelzeichen I 76. 96 



Z. 



Zachariasgrab I 77 f. 
zarnük II 7 
Zeus I 300 



164 



Verzeichnis der nabatäischen und griechischen Eigennamen. 



Zibb 'atOf-Heiligtum I 65. 66. 69. 157 ff., Zisternen, s. Bassins 

II 5 Zisternen des harani v. Jerusalem II 137 

Zinnengräber I 47. 88, II 19 1 Zunge (des hl. Felsens von Jerusalem) II 130 



3. Verzeichnis der nabatäischen und griechischen Eigennamen. 

Andere aramäische Wörter sind in Klammern beigegeben. 
Die Ziffern beziehen sich auf die Nummern (und Zeilen) der Inschriften (II S. 79 ff.). 



nsbSS? 35. I 

Dm« 26 

iiuix 38 

(nmns) 92, 7. 9 

Dib-js 37 vgl.S. 152 

lyrs 34 

icx 15 

SÜDS 26 

(nbx) 85, I 

(c. nbs) 90. 3; 92, 5 

(snbs) 35, 3; 72, 3; 

92, 5 

(s-iribs) 28, 3 

(Ibx) 90. I 

STSbs 85, I 

iibnnüx 41. 49- 51 

lÜTlüX 42 

»bys? 10 

nnsN I. 70 

nbss 90, 1.2 



(sn-'a) 85, I 

(ba) 89 

(rta) 36 

(■ibi) 86, 2; 89 

(•im:a) 92, 3 

C'^a) 92, 7 

(nxn:a)f 92, 2 



(T^in) 16. 27. 61. 66 
süoa 92, 9. 1 1 



(S2S) 90, I 

•na 7- 15 

x-iia 78 

«nbs 63 

nbaa 92, 7. 1 1 



bsam? 


(>7 


nbsani 


54- ;7. 85. 2; 




92, 2(.?).4;q7 


inbnm 


66 


pm 


75 


npim 


52 


iT^m 


1 





XD-'nT 


89, 3; gr- I 


T 


(^T) 


90, I 




IT^T 


12 


s-ic-n 28, 3; 90, 3 


pn 


85.3 


(in) 90,2; 92,3.12 


IBIpTT 


29 


(T^Dl) 4- !!• 16. 18. 


XpT 


73, I 


21.26. 32. 49. 






56. 57- 73. I ; 






81. 83. 84 


n 


(HT-sn) 58. 59 


(■^ninan) 


73.2 


(Ti-iDl) 36 


(nman?) 


31 


(roi) 90,2 


nmn 


52 




Tnn 


46. 86, 1 ; 88, 1 


n 


(■-in) 


90,3; 92,5- 7- 


i-ijn 92, 7. 10 




9. 10. II. 




(•'■'ns) 


92, 6. 1 2 




iT^n 


4. II 


1 


nbn 


31 


ibsi 63. 82 (?) 


inbs£bn 


23- 57 


nbNi 39 


■iBbn 


94 


«yji 71 


nan 


30 



Verzeichnis der nabatäischen und griechischen Eigennamen. 



i6t 



si'sn 58 
i2nn 17 
nmn 90, 4; 92, 8 



(nts) 4- 56. 57- 58. 
59.83.84.87,2 



itT^nii 74 

-llBD''? 83 

C1D1 14 

laiT» 84 

152'^ri'' 35, I 



■obD 48. 65 
(Dnbs) 28, 3 



scoab 42 
pib 9 



(c. fb^) 

(SDba) 

iDb^ 

(Sg. c. r=ba) 

(PI. c. n:bia) 

riy:a 

IT'»» 

(x-ia) 

(nnia) 

i)3b»a 

brrnna.? 



59 

90, 3. 4; 92, 

6. 8 

92, 6. 8 

32. 92, 7 
92, 9. 1 1 

92,7 
92,3 
90,3 
40 

25 
56 
8s, I 

41 
73.2 

5 
6 



luns 90,4:92,6.7. 
8. 9. II. 12 
xnnns 92, s 

■^ns 39 



■iTlD? 92, 3 
Vbc 58 
\nbinyD 61 



Itty 


2 




nbay 


13 




py 


67. 


98 


■n^y 


80 




ijy.? 


4 




irDy 


53- 


94 


m''2Dy? 


21 




& 




tr^sB 


54 







y 


n-^as (i'':2) 79, i 


Dsy 


60 


j («nm) 90, 2 


da») 


85, 2; 90, 1. 2 


(«■^n-^ns) 90, i 


lay 


16 




■^D-^siay 


3-93 


P 


K-iysbsiay 


94 


sjbN-ny 


92, 2. 3 


(mp) 28, 2 


Nijbs-ay 


42 


©■arp 56 


Dbobsnay? 


87 


■nnp 79, 2 


■nay 


8.84 


ST'ip 66 


lamay? 


91 


^TV 75 


rmmay 


34- 69 


n^'^p 22 


•-nbiay 


44 


(Ksnp) 28, 4 


iDbaiay 


28. 49. 52 




mayiay 


26 


-1 


"iD^yiay 


98 


bxan 92,4- 


May 


72, 2; 90, 3 


lü^m? 64 


lay.? 


4 


(am) 92, 8 


"niay 


28; 73,1; 96 


ya^TrCt 64 


iir^ay 


49 




iDiy 


18 




my.? 


82 


« 


■n^iy 


17. 19 


(ata») 92, 6 


iiriuy 


17 


bxmis? 67 


'iT'y 


65.84 


s:a-niZ3 71 


laby 


II. 14 


■nnic i6. 20 


nnby 


81. g8 


(ar^i») 92, 12 


(c. a^by) 


42.49 


•^nbsyia 68 


(c. rna^by) 


52 


(X-|iÜ) 85, 2 


(nay) 


92, 6. 8 


iHDO 53 



i66 



Verzeichnis der Nummern des zweiten Bandes. 



■-b» 33.41.43.49. 
51. 61 

labir 14 
nbxnrT'üü 35, 2 
(n:ir) 90, 4 
-nbxi»« 45 

Aßöoö/iavog 95 
'AXtOavÖQoq 94 
"AXcpiog 95 



miyiB 92, 9 
lany© 76 



ipian 21 
-lain? 68 

"Avafwg 94 

BöakduQog 94 
zJojpoö-fog 97 



i^in 9. 12. 13. 21. 

25 (.?). 47. 76 
labn 46. 80 
ni2;2r 59 



"Oßtöog 96 
'0;.£aö-7;? 98 
2aߣlvoq 94 



4. Verzeichnis der Nummern des zweiten Bandes in ihrer dem „Rund- 
gang" des ersten Bandes entsprechenden Reihenfolge. 

Die Zahlen an zweiter Stelle bezeichnen die Seiten des zweiten Bandes. Über den 
Zweck des Verzeichnisses s. das Vorwort. 



Nr. 


Seite 


5 


21 


5' 


51 


15 


41 


16 


40 f. 


17 


3. 40 f. 99 f. 


>/' 


40 f. 


181 


40 f. 


19. 20 


40 f. 


47 


24 


48 


19. 22 


49 


76 


491 


49 


73 


5 


76a 


47- 53 


77 a 


45 


88a 


57. loi 


103 e 


108 


109a 


108 


117 


II. 31 


130 


57 


144 


55 


145 


53f. 


46. 147 


44 



Nr. 


Seite 


149 


108 


150 


108 


154 


loS 


161 


26. 44 f. 


161' 


44 


174 


54 


175 


44 


175' 


44 


179'^ 


48 


180 


17 f. 


i8og 


25 


191 


12 


I92d 


45 


192 e.f 


51 


227 


76 


227 1 


49 


228 


15. 76 


238 


22. 24. j6 


242 


21. 26 


245 


61 


247 


15 


248 


15 


248' 


15 



Nr. 



Seite 



250 16 

251—254 16 

255 83 

261 22. 76 

270 18 

275^ 39 

286 16 

290 79 fit". 

294 57 

294d 57. 105. 107 

295 45 

297 45 

298 1 48 

347 6' 

379 3 

379' 32 

393 b 48 

396 48 

398c 96 

400c 49 

403 53 

408 22. 24. 

413 5- 31 f. 



;i. 76f. 



Verzeichnis der Abbildungen in Bd. II. 



167 



Nr. 


Seite 


Nr. 


Seite 




Nr. 


Seite 


413a 


76 f. 88 


514 


32 ff. 




756a 


51 


413' 


32 


514' 


25. 34 




758 


5 


416 


53 


514^ 


34f. 83 




758a 


96 ff". 


427 


26 


519 


35 




760 


46. 57. 96ff". 


428 


90 ff. 


520 


35 




7602 


46 f. 


429 


89 f. 


521. 522 


35 




769 


38 


441.442 


30f. 


5221. 2- 3 


47 f. 




771a 


52 


442 'e 


31. 92 


523a 


107 




780' 


37 


446 


20. 21.22. 57. 76f. 


529 


35 f. 




784^ 


45 


450 


30 


534 


7 




791 


38 


457 


57. 92 ff". 


539 c 


53 




801 1-3 


41 


461 


94 


549 


16 




802. 802 1 


41 


464 


95 


553a 


57. 83 




803 


42 


472 


25 


669 


38 




807» 


42 


474 


94 f. 


682—699 


36 




821 


22. ^S 


506 1 


28 ff". 


6846 


108 




847-758 


43 


506 'h 


95 


708 f. 


49 




858 


43 f. 


509 


49 


717 


22. -jS 




860. 861 


42 


Siia 


85 


750 


20. 23. 


76 f. 


861 « 


42. 61 


512 


33 


752 


6. 20 f. 


(>l 


862 1.2 


42 


512' 


49 


753 


22. "jß 




867 a 


27 


513 


25 


754 


7. 21. 23. 61. -jib 


869 1-3 


27 


513a 


45 


756 


5 




871a— d 


26 f. 



5. "Verzeiclinis der Abbildungen in Band II. 



Nr. Seite 

Zu I. Stadt und Heiligtümer Petras. 

Meine Zelte imTheater von Petra (i) 2 
Unsere Höhlenwohnung im Jahre 

1910 (2) 4 

Kastell von zibb 'atOf. ... (3) 12 

— Planskizze (4) 13 

Ouerdurchschnitt der Rinnen- 
leitung im sik (5) 17 

Längsdurchschnitt der Rohr- 
leitung im sik (6) 18 

Tropfwand von el-farasa-West . (7) 18 
Grabfassade Nr. 808 Br.: Eck- 

kapitäl u. Gebälk (8) 20 

Jonisches Diagonalkapitäl der 

Synagoge zu keräzie ... (9) 21 



Nr. Seite 



Brustbild im Mittelfenster des 

Urnengrabes Nr. 754 . . . (10) 23 
Löwenrelief am Triklinium 

Nr. 408 (11) 24 

Bildnis der Sonne in Triklinium 

Nr. 514 (12) 25 

Männlein und Kreuz über Tri- 
klinium Nr. 180 (13) 25 

Kreuz mit Seitenarmen . . . (14) 26 

Lämpchen aus Petra . . (15 u. iSa) 27 

Verschiedene Keramik . . . . (isb) 27 

Fragmente von Votivpferden . (16) 28 

Südheiligtum von ed-der Nr. 506 (17) 29 

HeiligtümerderKlausenschlucht (18) 30 

Triklinium Nr. 413 (19) 31 



ib8 



Verzeichnis der Abbildungen in Bd. II. 



Stufen zum Liegeplatz des Tri- 

klinium.s Nr. 117 

Triklinium Nr. 379 ^ 

Sepulkrale Gruppe Nr. 5 [4' . 
Pfeilernischen von Kammer 

Nr. 514a 

Sepulkrale Gruppe Nr. 514- . 

Triklinium Nr. 514- 

Untergesciioß des Heiligtums 

Nr. 520 

Pfeilernische Nr. 519b .... 
Drittes Heiligtum unterhalb el- 

hubta 

Robinsons „Opferhöhe" auf el- 

hubta 

Stibadium Nr. 769 auf el-hubta 
Triklinium von körn e.s-.sukäfa: 

Plan und Durchschnitt . . . 
Längste Treppenflucht von Petra 
Nischenreihe Nr. 15 a — g von 

bäb es sik 

Triklinium Nr. 17 

— Nische Nr. 17b 

Grabanlage Nr. 861 1 bei el-beda 
Biklinium Nr. 858 in el-bärid . 
Idolnische Nr. 161 im sik . . 

— Nr. 192 d bei zibb 'atof . . 

— Nr. 77 a in el-medras . . . 

— Nr. 5 1 3 f in el-m'esara . . . 
Nische Nr. 760 ' auf el-hubta . 

— Nr. 760- auf el-hubta . . . 
Zweipfeilergruppe Nr. 76a in el- 
medras 

Zweipfeilergruppe Nr. 396 in es- 
sijar 

Dreipfeilergruppe Nr. 396b in 
es-sijar 

— Nr. 179- in sidd-eg-gerra . 

— Nr. 298 ' in en-nmer . . . 
SpitzpfeilerNr. 512' in el-m'csara 
Grabaltar Nr. S ' in ed-dara . . 
Hörneraltar Nr. 756a auf el-hubta 
Altarstein Nr. "j" 1 a auf el-hubta 



Nr. 


Seite 


(20) 


31 


(21) 


32 


(22) 


33 


(23) 


33 


(24) 


34 



(25) 34 



(26) 35 

(27) 35 



(28) 37 



(29) 37 

(30) 38 

(31) 39 

(32) 40 



(33) 41 

(34) 41 

(35) 41 

(36) 42 

(37) 43 

(38) 45 

(39) 45 

(40) 45 

(41) 46 

(42) 46 

(43) 47 

(44) 47 

(45) 48 

(46) 48 

(47) 48 

(48) 48 

(49) 49 

(50) 51 

(51) 51 

(52) 52 



Nr. Seite 

Türsturz im Römerlager von 

odruh (53) 53 

Zehnpfeilergruppe Nr. 145 im .sik (54) 54 

Idolnische Nr. 144 im sik. . . (55) 55 

Cippenhermen bei käna . . . (56) 56 



Zu II. Chaznet Fir'ön. 
Ansicht von Nordost .... 
Untergeschoß von vorn . . . 
Obergeschoß von vorn . . . 

Grundriß 

Schale auf der Schwelle der 

Haupttür 

Eingang zur Hauptgrabkammer 

Südliche Nebentür 

Mittlere Haupttür 

Obergeschoß von der Höhe des 



(57) 60 

(58) 62 

(59) 64 

(60) 66 



anstoßenden Felsens , 



(61) 67 

(62) 68 

(64) 69 

(65) 70 

(66) 74 



Zu III. Inschriften aus Petra. 

Inschrift Nr. ■]■}, von ed-der . . (67) 93 

Inschrift Nr. 90 von bäb es-sik (68) 99 

Inschrift Nr. 92 (69, 70) 102 

Zu IV. Der heilige Felsen von Jeru- 
salem. 

Plan (71) HO 

Durchschnitt (72) 112 

Äußerste Weststufe mit Finger- 
spuren des Engels Michael . {T^ II3 

Obere Weststufen (74) 115 

Südwand und Kasten m. Fuß- 
spur Muhammeds (75) 116 

Nördlicher Abfall (76) 119 

Öffnung des Kanals (:J^) 121 

Rinne im Felsen (78) 122 

Hochfläche und östliche Ab- 
dachung (79) 124 

Nördlicher Teil der östlichen 

Abdachung (80) 126 

Betplatz Salomos in der Höhle (81) 128 

— Davids in der Höhle . . . (82) 129 

Gitter von außen (83) 13 1 

Eingang zur Hohle (84") 132 



N'r. I. 



Nr. 2. 



1. Nabatäische Inschriften. 

I Nr. 2 1. ^^l^<i^^y ^^^^^^^^ 

1<J~ / 1^..i..:3r:: I;,\ , ' ^ 



169 



ii<jiivrim(5^b=,J:,;.;,',_,,,,,^, 



Nr, 22. 



Nr. 5. 
Nr. 6. 
Nr. 7. 
Nr, 8, 

Nr, g. 
Nr. lo. 



Nr. 23, 

Nr. 24. 
Nr, 25. 
Nr, 26. 

Nr. 27. 
Nr. 28. 



Nr. 3. It^^ÖU^'IXI 

Nr. ii.l^ ^)>nv ojIv V31 

Nr. 12. XUPIXJ^/DlJi V 11:^1 

Nr. 13. 

-^lO^ Nr. 29. )D?P11I 

Qb^li^^Ö U ?1A Nr 3j. ? j 

fliKn':)iy Nr. 35. 'lf|Aa:)U7löJ>^' 







Nr, 
Nr. 15. 

Nr. 16. 



Nr. 17. 
Nr. 18. 
Nr. 19. 
Nr. 20. 

Dalkan. Neac Petra-ForsohunL'en 






Nr. 






170 

Nr. 36. 

Nr. 37. 



^ialjLf?73i Nr. 5.. K^b^ 



Nr. 38. Ulöt^ i)f(';ii 



Nr. 39. 



Nr. 40. U^ Nr. 55. nii\}d^ 

Nr... ^3^ö^^^> ö^ ,. 3, ^^^i\^ 

Nr. 42. (5l7U^tLy S^Abi> hU^ ^ 

f^>^-H^"v"''p }^jyö<^i Nr. 57. '^Uiinrjbi 



Nr. 43 
Nr. 44 

Nr. 45 

Nr. 46 
Nr. 47 

Nr. 48 
Nr. 49 



1 1^ Nr. 62. 1 /) Vi 

Nr. 50. 1 n-^ J 



Nr. 63. 



Nr. 65. 



Nr. 66. 



Nr. 64. lOWUlj- 

üb 



Nr. 78. 

Nr. 80. '1 ' ^ , 



171 

Nr. 79. -\J ?5jp 



T*^ UJ^=^ 




Nr. 67. 



I : 



Nr. 82. 



Nr. 83. 



Nr. 68. ]t]\n iTlJö^'IJ:: 

Nr. 69. MlinV^ 

Nr. 70. VnJUÖCr^ Nr. 84. 

Nr. 71. ^ ^ öi^ 
Nr. 72. ^ "1 1/ Nr.73.'5. o/vn S/(Atvi-io 

Nr, 75. p-.x'j-K'itira^ 

Nr. 76. ')ü^nvtyD-n''^>^D^ 

Nr. 77. ^>fl(SHsJ 0^='/=^ 



Nr. 85. 



Nr. 86. 



Nr. 87. 



3^ J' 



12* 



172 



Nr. 88. q^^l []|J- 



Nr. 91. VlJ|ll.'>' |}1f Nr. 89. J^ 

Nr. 93. V^V^C^l^öb^^ 



Nr. 90. u^^KTDti^l^dcvny ^\^^^l^<i^^i■^^\^-\^^ 
\nj k:^ Ib^ ^J>>3 jn/i VI ^ ib-5.) 



Nr. 73. xf vwyvT 




jivyn^xjiynvm 


^-aJo- 


2. Griechische Inschriften. 


. I. CAß6INO(/'A6EA Nr. 2. AWAA^IOCOKTeiCACC^ 

NApor TTAN /irr p 


APXHfAZiPAHNwN Nr. 3- ffi OBEADyAl 


eYC6ßwNAN^ 


eHxeN Nr. 4. ziU/po6foy 


Nr. 5. OAe 


f 1 


AßZ^O 




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